Das Nervensystem ist das Kommunikationsnetzwerk unseres Körpers, das uns mit der Umwelt in Kontakt treten lässt. Sensorische Nerven spielen dabei eine entscheidende Rolle, indem sie Reize aus der Umgebung und dem Körperinneren wahrnehmen und an das zentrale Nervensystem (ZNS) weiterleiten.
Das Nervensystem: Ein Überblick
Das Nervensystem lässt sich grob in zwei Hauptteile unterteilen: das sensorische und das motorische Nervensystem.
- Sensorisches Nervensystem: Nimmt Reize aus der Umwelt (z. B. über Augen, Ohren, Nase, Zunge, Hautsensoren) und dem Körperinneren (z. B. Körperstellung, Hunger, Durst) wahr und leitet diese Informationen an das ZNS weiter.
- Motorisches Nervensystem: Reagiert auf Signale aus der Umgebung oder dem Körperinneren, indem es die Muskulatur steuert und so Handlungen und Bewegungen ermöglicht.
Darüber hinaus gibt es das vegetative Nervensystem, das lebenswichtige Körperfunktionen wie Herztätigkeit, Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel, Verdauung, Ausscheidung, Schweißbildung, Körpertemperatur und Fortpflanzung autonom, also ohne willentliche Kontrolle, reguliert. Es besteht aus dem Sympathikus (aktivierend) und dem Parasympathikus (beruhigend).
Das Gehirn: Die Informationszentrale
Das Gehirn ist die zentrale Verarbeitungsstelle des Nervensystems. Hier werden Informationen aus der Umwelt und dem Körperinneren zusammengeführt und zu Reaktionen verarbeitet. Das Großhirn mit der Großhirnrinde ist der am höchsten entwickelte Teil des Gehirns. Hier befinden sich die Verarbeitungszentren für Sinneswahrnehmungen (Sehen, Hören, Tasten) sowie für Sprache, Rechnen und Empfindungen. Weitere wichtige Abschnitte des Gehirns sind Zwischenhirn, Mittelhirn, Kleinhirn und Nachhirn, die jeweils spezifische Funktionen wie die Steuerung vegetativer Funktionen, des Wach-Schlaf-Rhythmus, der Körperbewegungen und lebenswichtiger Reflexe übernehmen.
Das Rückenmark: Schaltzentrale und Verbindungsglied
Das Rückenmark ist eine wichtige Schaltzentrale und dient als Verbindungsglied zwischen Gehirn und Körper. Es empfängt Informationen vom Gehirn und leitet sie an die peripheren Nerven weiter, die Muskeln und Organe versorgen. Umgekehrt leitet das Rückenmark sensorische Informationen von den peripheren Nerven zum Gehirn.
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Das Rückenmark wird von den Wirbelarterien und Segmentarterien mit Blut versorgt. Beim Menschen zählt man in der Regel 31 Spinalnervenpaare, die jeweils seitlich aus dem Wirbelsäulenkanal austreten.
Manche Erregungen (Reize) werden von den aufsteigenden Bahnen im Rückenmark gar nicht erst zum Gehirn weitergeleitet, sondern unmittelbar auf derselben oder einer höher gelegenen Rückenmarksebene umgeschaltet. Diesen Weg der Erregungsübertragung nennt man Reflexbogen, und eine so ausgelöste Muskelreaktion nennt man Reflex. Reflexe werden bei jeder körperlichen Untersuchung geprüft.
Sensorische Nerven: Die Grundlagen
Sensorische Nerven, auch afferente Nerven genannt, sind spezialisierte Nervenzellen, die Reize aus der Umwelt oder dem Körperinneren aufnehmen und diese Informationen in Form von elektrischen Signalen zum Gehirn und Rückenmark leiten. Sie ermöglichen uns die Wahrnehmung von Berührung, Temperatur, Schmerz, Druck, Licht, Geräuschen, Gerüchen und Geschmäckern.
Aufbau der sensorischen Nerven
Sensorische Nerven bestehen aus folgenden Komponenten:
- Axone: Leiten elektrische Impulse von den Sinnesrezeptoren zum zentralen Nervensystem. Die Geschwindigkeit solcher Signale kann bis zu 360 km pro Stunde erreichen.
- Myelinscheiden: Fetthaltige Hüllen um die Axone, die die Geschwindigkeit der Signalübertragung erhöhen.
- Dendriten: Empfängliche Fortsätze, die Reize aus der Umgebung aufnehmen.
- Ganglien: Ansammlungen von Nervenzellkörpern außerhalb des zentralen Nervensystems, die als Schaltstellen fungieren.
Funktion der sensorischen Nerven
Sensorische Nerven wandeln verschiedene Reize in elektrische Signale um, die vom Gehirn interpretiert werden. Jeder Reiztyp wird von spezifischen Rezeptoren und Nervenfasern erkannt:
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- Mechanorezeptoren: Reagieren auf mechanische Reize wie Druck, Berührung und Vibration.
- Thermorezeptoren: Reagieren auf Temperaturänderungen.
- Nozizeptoren: Reagieren auf Schmerzreize.
- Photorezeptoren: Reagieren auf Licht und ermöglichen das Sehen.
- Chemorezeptoren: Reagieren auf chemische Reize und ermöglichen das Riechen und Schmecken.
Adaptation
Ein interessanter Aspekt der sensorischen Nerven ist die Adaptation, d.h. die Anpassung ihrer Empfindlichkeit an anhaltende Reize. Dadurch nehmen wir beispielsweise den Druck unserer Kleidung auf der Haut nach einer Weile nicht mehr bewusst wahr.
Sensorische Nerven im Vergleich zu motorischen Nerven
Sensorische und motorische Nerven unterscheiden sich in ihrer Funktion:
- Sensorische Nerven: Übertragen Signale von den Sinnesorganen an das Gehirn und Rückenmark.
- Motorische Nerven: Leiten Befehle vom Gehirn und Rückenmark zu den Muskeln und Drüsen.
Einige Nerven können sowohl sensorische als auch motorische Aufgaben übernehmen. Diese gemischten Nerven enthalten Fasern, die Signale in beide Richtungen leiten können.
Die Hirnnerven: Sensorische und motorische Funktionen im Kopfbereich
Die zwölf Hirnnerven entspringen dem Gehirn und steuern wichtige Funktionen im Kopf- und Halsbereich. Einige Hirnnerven sind rein sensorisch, andere rein motorisch und wieder andere gemischt.
Sensorische Hirnnerven
- Nervus olfactorius (I): Riechnerv, leitet Geruchsinformationen von der Nase zum Gehirn.
- Nervus opticus (II): Sehnerv, leitet visuelle Informationen von der Netzhaut des Auges zum Gehirn.
- Nervus vestibulocochlearis (VIII): Hör- und Gleichgewichtsnerv, leitet Informationen über Schall und Gleichgewicht vom Innenohr zum Gehirn.
Motorische Hirnnerven
- Nervus oculomotorius (III), Nervus trochlearis (IV), Nervus abducens (VI): Steuern die Augenmuskeln und ermöglichen die Augenbewegung.
- Nervus accessorius (XI): Steuert die Muskeln des Halses und der Schulter.
- Nervus hypoglossus (XII): Steuert die Zungenmuskulatur.
Gemischte Hirnnerven
- Nervus trigeminus (V): Sensible Versorgung des Gesichts, der Mundhöhle und der Nasenhöhle; motorische Versorgung der Kaumuskulatur.
- Nervus facialis (VII): Steuert die Gesichtsmuskulatur, Geschmacksempfindungen im vorderen Zungenbereich, Speichel- und Tränenproduktion.
- Nervus glossopharyngeus (IX): Steuert das Schlucken, Geschmacksempfindungen im hinteren Zungenbereich, Speichelproduktion.
- Nervus vagus (X): Versorgt zahlreiche Organe im Körper mit sensorischen, motorischen und parasympathischen Fasern.
Sensorische Nerven in der Physiotherapie
In der Physiotherapie spielen sensorische Nerven eine wichtige Rolle bei der Verbesserung von Bewegungsfähigkeit und Schmerzlinderung. Physiotherapeuten nutzen ihr Wissen über sensorische Nerven, um gezielt Nerven und Rezeptoren zu stimulieren und so die Bewegungs- und Reaktionsmuster des Patienten zu optimieren.
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Anwendungsbereiche in der Physiotherapie
- Schmerzerkennung und -behandlung: Techniken zur Verringerung der Schmerzwahrnehmung.
- Gleichgewicht und Koordination: Übungen zur Verbesserung des sensorischen Feedbacks.
- Bewegungskontrolle: Förderung der Feinsteuerung der Muskelaktivität durch verbesserte Sensibilität.
- Wiederherstellung motorischer Funktionen: Sensorische Stimulation zur Regeneration verlorener Funktionen nach Verletzungen.
Sensorische Übungen
- Gleichgewichtsübungen: Auf instabilen Oberflächen werden die sensorischen Nerven stimuliert und das Gleichgewicht verbessert.
- Taktile Stimulation: Aktivierung der Hautsensoren durch verschiedene Texturen und Temperaturen.
- Visualisierungstechniken: Verbesserung des sensorischen und motorischen Gedächtnisses durch mentales Durchspielen von Bewegungen.
- Propriozeptive Übungen: Verstärkung des propriozeptiven Feedbacks durch Schließen der Augen während der Bewegung.
- Spiegeltherapie: Besonders hilfreich bei Phantomschmerz oder nach einem Schlaganfall.
Erkrankungen und Schädigungen der sensorischen Nerven
Sensorische Nerven können durch Verletzungen, Krankheiten (z. B. Diabetes), Infektionen, Toxine, Entzündungen oder chronischen Druck (z. B. Bandscheibenvorfall) geschädigt werden. Schädigungen der sensorischen Nerven können zu vielfältigen Symptomen führen, wie z.B.:
- Taubheitsgefühl
- Kribbeln
- Schmerzen
- Eingeschränkte Wahrnehmung von Temperatur, Berührung und Vibration
Untersuchung sensorischer Nerven
Sensorische Nerven können bei neurologischen Erkrankungen durch elektrophysiologische Tests wie die Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG) und die Elektromyographie (EMG) untersucht werden.