Sertralin bei Nervenschmerzen: Dosierung, Wirkung und Anwendung

Sertralin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), der hauptsächlich zur Behandlung von Depressionen, Zwangsstörungen, Angststörungen, Panikstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt wird. Obwohl Sertralin nicht primär als Schmerzmittel entwickelt wurde, kann es bei bestimmten Arten von Schmerzen, insbesondere neuropathischen Schmerzen, eine unterstützende Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Sertralin bei Nervenschmerzen, die Dosierung, die Wirkungsweise und wichtige Hinweise zur Einnahme.

Einführung in Sertralin

Sertralin verhindert die Wiederaufnahme des Neurotransmitters Serotonin in die Nervenzellen des Gehirns. Es wirkt stimmungsaufhellend, angstlösend und aktivierend. Obwohl die genaue Ursache für die antidepressive Wirkung noch nicht vollständig geklärt ist, wird angenommen, dass die Erhöhung der Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt eine wichtige Rolle spielt.

Anwendungsgebiete von Sertralin

Sertralin wird hauptsächlich bei folgenden Erkrankungen eingesetzt:

  • Depressive Erkrankungen
  • Zwangsstörungen
  • Angststörungen
  • Panikstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörung

Obwohl Sertralin nicht primär zur Behandlung von Schmerzen zugelassen ist, kann es bei bestimmten Schmerzzuständen, insbesondere solchen, die mit Nervenschädigungen oder Depressionen einhergehen, eine unterstützende Wirkung haben.

Sertralin bei Nervenschmerzen

Die Rolle von Antidepressiva bei Schmerzen

Die schmerzstillende Wirkung von Antidepressiva wurde bereits in den 1960er Jahren entdeckt. Antidepressiva können bei der Behandlung von chronischen Schmerzen nützlich sein, insbesondere bei komplexen Schmerzsyndromen, die somatische, psychische und soziale Faktoren umfassen.

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Schmerzreize werden von den Nerven zum Rückenmark und von dort zum Gehirn geleitet, wo die Empfindung "Schmerz" wahrgenommen wird. Komplexe chemische Vorgänge verändern die Schmerzempfindlichkeit der Nervenfasern und der Verarbeitungs- und Wahrnehmungszentren. Auf Ebene der Reizweiterverarbeitung im Rückenmark kommt es zur Veränderung der beteiligten Nervenzellen, wodurch Schmerzreize verstärkt und nicht mehr "normal" ins Gehirn weitergeleitet werden.

Wirkungsweise von Antidepressiva bei Schmerzen

Die schmerzstillende Wirkung von Antidepressiva entsteht durch eine Veränderung bei der Übertragung der Schmerzreize auf Ebene des Rückenmarks. Die Übertragung wird entweder durch eine Blockade der Botenstoffe oder durch die Hemmung ihres Abbaus gestört, wodurch die Weiterleitung der "Schmerz-Nachrichten" behindert wird.

Im Normalfall verfügt der Körper über ein effektives Schmerzhemmsystem, das den Schmerzreizen mit Endorphinen und anderen Botenstoffen entgegenwirkt. Bei chronischen Schmerzen gibt es jedoch einen Mangel an schmerzhemmenden Botenstoffen, ähnlich wie bei Depressionen und Angststörungen. Antidepressiva können dazu beitragen, den Mangel an Überträgerstoffen auszugleichen und zu gewährleisten, dass ausreichend Überträgerstoffe mit schmerzhemmender Wirkung an den Nervenschaltstellen vorhanden sind.

Sertralin als Option bei Nervenschmerzen

Obwohl trizyklische Antidepressiva (TCA) wie Amitriptylin, Doxepin, Clomipramin und Imipramin in der Schmerztherapie traditionell häufiger eingesetzt werden, kann Sertralin in bestimmten Fällen eine Option sein. Insbesondere bei Patienten, die unter neuropathischen Schmerzen leiden und gleichzeitig depressive oder Angstsymptome aufweisen, kann Sertralin sowohl die Schmerzen lindern als auch die Stimmung verbessern.

Alternativen zu Sertralin

Es ist wichtig zu beachten, dass Cannabinoide und Alpha-Liponsäure aufgrund geringer Wirksamkeit und hoher Nebenwirkungsraten nicht zur Therapie neuropathischer Schmerzen empfohlen werden. Auch Nicht-Opioid-Analgetika wie NSAR, Cox-2-Inhibitoren, Paracetamol oder Metamizol sind aufgrund mangelnder Evidenz und möglicher Nebenwirkungen bei Langzeitanwendung keine idealen Optionen.

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Dosierung und Anwendung von Sertralin

Übliche Dosierung

Die übliche Sertralin-Dosierung beträgt je nach Erkrankung 25 bis 50 Milligramm pro Tag. Bei Bedarf kann die Dosis auf bis zu 200 Milligramm täglich gesteigert werden. Die Dosierung bei Nervenschmerzen kann niedriger sein als bei Depressionen. Die genaue Dosierung sollte jedoch immer von einem Arzt festgelegt werden.

Einnahmehinweise

Sertralin wird in Form von Tabletten oder Kapseln einmal täglich morgens oder abends mit ausreichend Flüssigkeit (ein großes Glas Wasser) eingenommen. Es ist wichtig, das Medikament regelmäßig einzunehmen und die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen.

Beginn der Wirkung

Zu Beginn der Therapie wirkt Sertralin hauptsächlich antriebssteigernd, während die stimmungsaufhellende Wirkung meist erst später einsetzt. Bei Menschen mit Suizidgedanken kann am Anfang der Therapie zusätzlich ein beruhigendes Medikament gegeben werden, bis Sertralin eine ausreichende stimmungsaufhellende Wirkung entfaltet.

Beendigung der Therapie

Soll eine Therapie mit Sertralin beendet werden, muss dies schrittweise über einen Zeitraum von mehreren Wochen erfolgen, um Absetzerscheinungen zu vermeiden.

Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Gegenanzeigen

Sertralin darf nicht gleichzeitig mit Monoaminooxidasehemmern (MAO-Hemmer) angewendet werden, da dies zu einer gefährlichen Erhöhung der Serotoninkonzentration im Gehirn führen kann (Serotonin-Syndrom). Auch bei schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung, erhöhter Krampfbereitschaft oder akuter Vergiftung mit Alkohol oder Medikamenten darf Sertralin nicht eingenommen werden.

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Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit Epilepsie geboten. Selten kann Sertralin bestimmte Blutzellen stören, etwa Blutplättchen. Bei einer erhöhten Blutungsneigung sollten Ärzte Nutzen und Risiko daher besonders genau abwägen.

Wechselwirkungen

Sertralin kann bei gleichzeitiger Gabe die Konzentration von trizyklischen Antidepressiva, Haloperidol, Phenytoin, Carbamazepin, Diazepam und Lithiumsalzen erhöhen. Während der Behandlung mit Sertralin sollte Alkoholkonsum vermieden werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Sertralin gehört zu den Antidepressiva der Wahl bei Frauen in der Schwangerschaft und Stillzeit. Bei einer behandlungsbedürftigen Depression sollte eine Therapie mit Sertralin unverändert fortgesetzt werden. Vor der Entbindung sollte mit der Patientin ein Absetzen oder eine Dosisverminderung besprochen werden, um Anpassungsstörungen des Neugeborenen weitgehend zu verhindern.

Altersbeschränkungen

Sertralin besitzt eine Zulassung zur Behandlung von Zwangsstörungen für Kinder ab 6 Jahren. Kinder und Jugendliche, die an einer depressiven Erkrankung leiden, sollten nicht mit dem Wirkstoff Sertralin behandelt werden.

Weitere wichtige Hinweise

  • Suizidgedanken: Wenn Sie depressiv sind und/oder an Angststörungen leiden, können Sie Gedanken daran haben, sich selbst zu verletzen oder Suizid zu begehen. Solche Gedanken können bei der erstmaligen Anwendung von Antidepressiva verstärkt sein. Suchen Sie unverzüglich ärztliche Hilfe, wenn Sie solche Gedanken haben.
  • Psychomotorische Unruhe/Akathisie: Die Anwendung von Sertralin wurde mit als quälend erlebter Unruhe und Bewegungsdrang in Zusammenhang gebracht. Sprechen Sie beim Auftreten solcher Symptome mit Ihrem Arzt.
  • Absetzreaktionen: Bei einer Beendigung der Behandlung treten häufig Nebenwirkungen auf (Absetzreaktionen), besonders wenn die Behandlung plötzlich abgebrochen wird. Reduzieren Sie die Dosis schrittweise über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten.
  • Sexuelle Probleme: Arzneimittel wie Sertralin können Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie solche Probleme haben.
  • Kinder und Jugendliche: Sertralin sollte normalerweise nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, mit Ausnahme von Patienten mit Zwangsstörung, angewendet werden.

Mögliche Nebenwirkungen von Sertralin

Wie alle Medikamente kann auch Sertralin Nebenwirkungen haben. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Starkes Schwitzen
  • Gestörte Sexualität (verringerte Erregbarkeit)
  • Mundtrockenheit
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Haarausfall
  • Herzrasen
  • Verdauungsbeschwerden (Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall)

Manche Patienten werden durch die Behandlung ängstlicher oder aggressiver. Kontaktieren Sie unbedingt Ihren Arzt, wenn Sie bei sich solche Tendenzen bemerken.

Eine sehr seltene, aber bedrohliche Nebenwirkung ist das Serotonin-Syndrom. Erste Anzeichen sind innere Erregung und verkrampfte, zuckende Muskeln, Fieber und Desorientiertheit. Kontaktieren Sie umgehend Ihren Arzt, wenn diese Beschwerden auftreten.

Seien Sie vorsichtig, wenn Sie während der Behandlung mit Sertralin Alkohol trinken, da Müdigkeit, Schwindel und Sturzgefahr deutlich früher eintreten können.

Sertralin kann den Herzrhythmus beeinflussen und bestimmte Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auslösen. Vor der Behandlung wird Ihr Arzt deshalb ein EKG machen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Sertralin kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben, darunter:

  • MAO-Hemmer (z. B. Selegilin, Moclobemid)
  • Pimozid (ein Arzneimittel gegen Psychosen)
  • Johanniskrautextrakt
  • Bestimmte Schmerzmittel (NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac)
  • Entwässernde Medikamente (Diuretika)
  • Bestimmte Antibiotika, trizyklische Antidepressiva oder Neuroleptika

Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Sertralin und Alkoholkonsum

Während der Einnahme von Sertralin sollte auf den Konsum von Alkohol verzichtet werden, da dies die Nebenwirkungen verstärken kann.

Sertralin und Grapefruitsaft

Sertralin sollte nicht zusammen mit Grapefruitsaft eingenommen werden, da sich hierdurch der Wirkstoffspiegel von Sertralin im Körper erhöhen kann.

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