Smartphones sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie steuern die Heizung, den Staubsaugroboter, schießen Bilder von Kindern und enthalten zahlreiche private Daten. Doch genau diese Attraktivität macht sie auch zu einem Ziel für Angriffe von außen, insbesondere durch schadhafte Software wie Viren, Trojaner und Spyware. Immer wieder lassen sich Betrüger neue Angriffsmethoden einfallen, und es ist wichtig, vorbereitet zu sein und zu wissen, wie man sich schützen kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Leitfaden zu Sicherheitswarnungen auf Android-Geräten und zeigt, was zu tun ist, um die Sicherheit des Geräts und der persönlichen Daten zu gewährleisten.
Die Bedrohung durch aggressive Werbung und Malware
Eine häufige Form von Belästigung auf Android-Geräten ist aggressive Werbung, die das gesamte Display blockiert. Diese Pop-up-Werbung erscheint oft beim Öffnen von Internetseiten und kann sehr nervig sein. Im schlimmsten Fall führt sie unbewusst zum Abschluss eines Abos. Es ist wichtig, in solchen Situationen nichts anzutippen und keine persönlichen Daten einzutragen, da oft Adressensammler dahinterstecken, die mit den Daten Geld verdienen wollen. Auch die Installation von Apps, die in der Werbung beworben werden, sollte vermieden werden, da diese oft schädlich sind und Daten stehlen können (Scareware).
Ursachen und Prävention von Werbeeinblendungen
Solche Werbeanzeigen werden meist in große Werbenetzwerke eingeschleust und können auf fast jeder Internetseite erscheinen. Die Betreiber der Internetseite können in der Regel nichts dafür, sondern können höchstens beim Werbenetzwerk die Sperrung der Anzeigen fordern. Das wiederholte Auftreten ähnlicher Werbeanzeigen liegt oft an Cookies, die im Browser gespeichert werden, oder an installierten Apps, die Werbebotschaften auslösen.
Um aggressive Werbung loszuwerden bzw. zu verhindern, dass sie schnell erneut erscheint, können folgende Schritte helfen:
- Cache leeren: Öffnen Sie die Einstellungen des Smartphones, tippen Sie auf "Anwendungen" (oder ähnlich) und suchen Sie die Browser-App. Im Bereich "Speicher" tippen Sie auf "Cache leeren".
- Cookies löschen: Löschen Sie in den Einstellungen der Browser-App die Cookies (meist unter "Datenschutz" oder ähnlichem). Stellen Sie den Browser so ein, dass keine Cookies von Drittanbietern akzeptiert und die Cookies bei jedem Beenden gelöscht werden.
- Daten löschen: Wenn das nicht geholfen hat, wiederholen Sie die Schritte 1-4 und tippen im Bereich "Speicher" auf "Daten löschen". Beachten Sie, dass dadurch bereits geöffnete Tabs, gespeicherte Formulardaten und Einstellungen gelöscht werden.
- Browser überprüfen: Nutzen Sie verschiedene Browser, wiederholen Sie die Schritte für jeden einzelnen.
- Apps deinstallieren: Deinstallieren Sie testweise kürzlich installierte Apps, wenn sich das Problem nicht über das Bereinigen der Browser lösen lässt, da auch in Apps Browser enthalten sein können, in denen manipulierte Werbeanzeigen lauern.
Schutz vor Malware und Spyware
Neben aggressiver Werbung stellen auch Malware und Spyware eine erhebliche Bedrohung für Android-Geräte dar. Spyware bezeichnet Schadsoftware, die heimlich Informationen über den Nutzer und seine Aktivitäten sammelt. Sie kann Audio- oder Videoaufnahmen machen, den Browserverlauf und Standort auslesen oder als Keylogger jede Tasteneingabe protokollieren. Im Gegensatz zu Viren oder Ransomware verursacht Spyware keinen unmittelbaren Schaden am Gerät, ist aber keineswegs harmlos, da sie die Privatsphäre verletzt und zu Identitätsdiebstahl oder finanziellen Schäden führen kann.
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Wie gelangt Spyware auf das Gerät?
Spyware kann auf verschiedenen Wegen auf ein Android-Smartphone gelangen:
- Getarnte Apps (Trojaner): Spyware wird oft als nützliche App getarnt und vom Nutzer unwissentlich selbst installiert. Dies kann passieren, wenn man eine App außerhalb des offiziellen Play Stores als APK herunterlädt oder wenn sich eine schädliche App in den Play Store einschleicht.
- Social Engineering: Angreifer geben sich als vertrauenswürdiger Absender aus und verleiten das Opfer dazu, auf einen Link zu klicken oder eine Datei herunterzuladen.
- Drittanbieter-App-Stores: Alternative App-Stores oder Download-Portale stellen ein besonderes Risiko dar, da Apps aus unsicheren Quellen oft weder geprüft noch signiert sind und mit Malware durchsetzt sein können.
- Stalkerware durch physische Installation: In manchen Fällen wird Spyware gezielt von jemandem installiert, der physischen Zugriff auf das Gerät hat.
- Schwachstellen und Exploits: Hochentwickelte Spyware kann teils über Sicherheitslücken ins System eindringen, ohne dass der Nutzer etwas installieren muss.
Anzeichen einer Spyware-Infektion
Spyware versucht, unentdeckt zu bleiben, doch es gibt typische Warnsignale, die auf eine Infektion hindeuten können:
- Leistungsabfall und Überhitzung: Ein plötzlich langsameres, träger reagierendes Smartphone ohne ersichtlichen Grund ist verdächtig.
- Akkulaufzeit lässt stark nach: Ein Akku, der sich ohne ersichtlichen Grund sehr schnell entleert, ist ein klassisches Alarmzeichen.
- Erhöhter Datenverbrauch: Spyware muss die gesammelten Daten oft an einen Server übertragen, was zu ungewöhnlich hohem Datenaufkommen führen kann.
- Ungewöhnliche Geräusche bei Telefonaten: Klickgeräusche, Echo oder Rauschen während eines Anrufs können auf eine Überwachungssoftware hindeuten.
- Unbekannte Apps oder Änderungen: Findet man Apps auf dem Smartphone, die man selbst nicht installiert hat, ist Vorsicht geboten.
- Gerät aktiv im Standby: Das Handy schaltet sich von selbst aus dem Ruhezustand ein, der Bildschirm leuchtet auf, ohne dass eine Benachrichtigung erkennbar ist.
- Probleme beim Herunterfahren: Dauert das Ausschalten des Smartphones ungewöhnlich lange, kann ebenfalls Spyware dahinterstecken.
- Seltsame SMS oder Nachrichten: SMS mit kryptischen Inhalten von unbekannten Absendern könnten mit Spyware zu tun haben.
Überprüfung des Geräts auf Spyware
Vermutet man eine Spyware-Infektion, gilt es, Ruhe zu bewahren und systematisch vorzugehen. Du kannst dein Android-Gerät mit einfachen Schritten selbst überprüfen. Zusätzlich gibt es Sicherheits-Apps, die dir dabei helfen. Im Folgenden empfehlen wir ein Vorgehen in zwei Teilen: erst die manuelle Kontrolle, dann der Scan mit Anti-Spyware-Tools.
Manuelle Überprüfung (Schritt-für-Schritt)
- Smartphone im abgesicherten Modus starten: Schalte als Erstes dein Handy in den Safe Mode (Abgesicherter Modus). Dabei werden Apps von Drittanbietern vorübergehend deaktiviert. So kannst du feststellen, ob ungewöhnliches Verhalten auch ohne fremde Apps auftritt. In den meisten Fällen erreichst du den Modus, indem du den Ein-/Ausschalter gedrückt hältst und dann die Option Ausschalten lange antippst, bis Abgesicherter Modus neu starten erscheint. Bestätige den Neustart.
- App-Liste nach verdächtigen Anwendungen durchforsten: Öffne im abgesicherten Modus die Einstellungen-App und gehe zu Apps. Blende über das Menü auch System-Apps ein, damit alle installierten Programme sichtbar sind. Suche nach unbekannten oder verdächtigen App-Namen. Achte besonders auf generische Bezeichnungen wie "Service", "System Update" oder auf Apps, die du bewusst nie installiert hast. Sollte eine verdächtige App offensichtlich zur Spyware gehören, deinstalliere sie im abgesicherten Modus sofort. (Hinweis: Manche Spyware tarnt sich als Systemanwendung und lässt sich nicht ohne Weiteres entfernen - dazu gleich mehr.)
- Download-Ordner überprüfen: Öffne eine Dateimanager-App und navigiere zum Downloads-Verzeichnis. Dort liegen alle heruntergeladenen Dateien. Suche nach Dateien, an deren Download du dich nicht erinnern kannst. Häufig legen Spyware-Installer hier Spuren ab. Google „unbekannte Dateinamen“, um herauszufinden, ob sie mit Malware in Verbindung stehen. Lösche verdächtige Downloads, die eindeutig Schadsoftware sind.
- Geräteadministrator-Berechtigungen entziehen: Wenn sich eine verdächtige App nicht deinstallieren lässt, könnte sie Administratorrechte haben. Gehe in den Einstellungen zu Sicherheit > Geräteadministratoren (bei neueren Android-Versionen eventuell unter Apps > Spezieller Zugriff). Wenn in der Liste ein verdächtiger Eintrag auftaucht, deaktiviere dessen Admin-Recht. Danach solltest du zurück zur App-Liste gehen und die App nun löschen können.
- Neustart im Normalmodus & überprüfen: Starte dein Smartphone anschließend normal neu. Beobachte, ob die auffälligen Symptome verschwunden sind (bessere Performance, keine seltsamen Geräusche etc.). Falls ja, hast du die Spyware wahrscheinlich entfernt. Bleibt das Verhalten merkwürdig oder konntest du eine verdächtige App nicht finden, fahre mit dem nächsten Schritt fort.
- Auf Werkseinstellungen zurücksetzen (Ultima Ratio): Wenn alle Stricke reißen - sprich, du kannst eine vermutete Spyware nicht entfernen oder bist unsicher, ob noch Reste vorhanden sind - hilft das Zurücksetzen des Geräts. Setze dein Android-Handy auf Werkseinstellungen zurück, um sämtliche Daten und Apps zu löschen. Wichtig: Sichere vorher alle wichtigen Daten (Fotos, Kontakte etc.) auf einem externen Medium oder in der Cloud. Nutze möglichst ein Backup, das vor der Infektion erstellt wurde, um kein Schadprogramm wieder einzuspielen. Nach dem Reset richtest du das Gerät neu ein und installierst die benötigten Apps aus vertrauenswürdigen Quellen.
Antivirus-Software nutzen
Eine weitere Möglichkeit, das Gerät auf Malware zu überprüfen, ist die Verwendung von Antivirus-Software. Es gibt zahlreiche Antivirus-Apps für Android, die das Gerät auf Viren, Malware und Spyware scannen und diese entfernen können. Bekannte Antivirus-Apps sind beispielsweise Lookout, Avast, AVG AntiVirus, Bitdefender Mobile Security, F-Secure Total Security, G Data Mobile Security, McAfee Mobile Security und Norton Mobile Security.
Es ist wichtig, Testergebnisse zu vergleichen, da einige Trojaner sich sogar selbst als Virenschutzprogramm tarnen. Die Beratungsgruppe Forbes Adivsor empfiehlt Unternehmen den Einsatz von Antivirenprogrammen in jedem Fall. Trojaner könnten Daten von Kund:innen entwenden, was im schlimmsten Fall zu einem kostenintensiven Schaden führt.
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Weitere Sicherheitsmaßnahmen
Neben den oben genannten Maßnahmen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Sicherheit des Android-Geräts zu erhöhen:
- Sicherheitsupdates durchführen: Viele Angriffe zielen auf Sicherheitslücken in der Software ab, die erst durch ein Update der Hersteller geschlossen werden. Aktivieren Sie die automatische Update-Funktion oder kontrollieren Sie regelmäßig, ob Aktualisierungen verfügbar sind.
- Apps nur aus seriösen Quellen installieren: Meiden Sie Quellen, bei denen Sie Zweifel an der Seriosität haben. Achten Sie auf Erfahrungsberichte, Bewertungen und Tests von etablierten Online-Portalen.
- App-Berechtigungen prüfen: Viele Apps räumen sich ohne erkennbaren Grund umfassende Berechtigungen ein. Prüfen Sie vorab kritisch, ob die Zugriffsrechte für das Funktionieren der Anwendung wirklich notwendig sind. Im Zweifelsfall ist es besser, die App nicht zu installieren.
- PIN für SIM-Karte und Bildschirmsperre aktivieren: Achten Sie darauf, dass die PIN Ihrer SIM-Karte und die Bildschirmsperre Ihres Telefons stets aktiviert sind. Ersetzen Sie voreingestellte Sperrcodes durch eine eigene Kombination, die nicht leicht zu erraten ist.
- Drahtlosschnittstellen deaktivieren: Deaktivieren Sie Drahtlosschnittstellen wie Bluetooth, WLAN oder NFC in den Einstellungen Ihres Geräts, wenn Sie diese nicht benötigen.
- Vorsicht bei öffentlichen Hotspots: Öffentliche Hotspots verwenden oft kein Kennwort oder ein für alle Teilnehmenden gemeinsames Kennwort. Umso wichtiger ist es, dass die Kommunikation zwischen Ihrem Endgerät und dem Internetserver verschlüsselt abläuft (https-Protokoll).
- Geräte nicht unbeobachtet lassen: Um Ihre Geräte vor unbefugtem Zugriff und Manipulation zu schützen, sollten Sie Smartphones und Tablets niemals unbeobachtet lassen.
- Gerätespeicher löschen: Wenn Sie Ihr Handy weiterverkaufen, verschenken oder entsorgen, achten Sie darauf, den Speicher Ihrer Geräte zu löschen. Durch das Rücksetzen des Gerätes in den Werkszustand werden alle Daten der internen Speicher unbrauchbar gemacht.
- Misstrauen bei unbekannten Anrufen: Seien Sie bei Anrufen mit unbekannter oder unterdrückter Nummer misstrauisch. Rufen Sie niemals ungeprüft Nummern zurück, die Ihnen unbekannt sind.
- VPN nutzen: Wenn Sie die Möglichkeit haben, sich über ein Virtuelles Privates Netzwerk (VPN) mit Ihrem Heimnetz bzw. dessen Router zu verbinden, können Sie auch in öffentlichen WLAN-Hotspots genauso sicher unterwegs sein wie Sie es von zu Hause gewohnt sind.
Aktuelle Sicherheitslücken und Bedrohungen
Es ist wichtig, sich über aktuelle Sicherheitslücken und Bedrohungen auf dem Laufenden zu halten, um sich effektiv schützen zu können. So gab Google beispielsweise bekannt, dass Android-Geräte zur Zielscheibe von Angreifern werden und Sicherheitsupdates für Android 13 bis 16 zahlreiche Schwachstellen schließen. Nutzer sollten regelmäßig unter „Einstellungen/System/Softwareupdates“ prüfen, ob Aktualisierungen für ihr Gerät vorliegen.
Sicherheitsexperten warnen auch vor einem aggressiven Android-Schädling namens BingoMod, der seit Mai 2024 aktiv ist und sich als Antivirus-App tarnt. Über einen Keylogger wird versucht, alles mitzuschneiden, was Sie am Handy machen, und über umfangreiche Berechtigungen die komplette Kontrolle zu übernehmen. Es ist daher wichtig, wachsam zu sein und nicht auf solche Betrugsversuche hereinzufallen.
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