Ungerechtigkeiten und respektloses Verhalten können sehr belastend sein. Es ist wichtig, zu erkennen, wann es an der Zeit ist, sich abzugrenzen und die eigenen Nerven zu schonen. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Respekt, die Gefahren toxischer Beziehungen und die Notwendigkeit von Selbstliebe, um ein gesundes und erfülltes Leben zu führen.
Respekt: Eine Frage der Wertschätzung
Respekt ist eine Form der Wertschätzung, der Aufmerksamkeit, Anerkennung und Toleranz. Es ist wichtig, Respekt nicht nur anderen entgegenzubringen, sondern auch sich selbst. Selbstrespekt bedeutet, für sich einzustehen und sich nicht alles gefallen zu lassen.
Eine Situation im Supermarkt verdeutlicht den Mangel an Respekt: Eine Kassiererin wird beschimpft und beleidigt, das Kleingeld wird ihr abfällig in den Schoß geschmissen. Die Kassiererin reagiert nicht, aber man sieht ihr an, dass sie ihren Selbstrespekt verloren hat. Sie steht nicht für sich ein und glaubt wahrscheinlich, dass sie es nicht wert ist, respektvoll behandelt zu werden.
Selbstrespekt bedeutet jedoch nicht, jeden anzupflaumen, der einem doof kommt. Es kann auch bedeuten, tief durchzuatmen und sich gegen eine Konfrontation und für die eigenen Nerven zu entscheiden. Es ist eine persönliche Entscheidung, wie man reagiert. Wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass man eine Wahl hat und sich zu fragen, ob man mit der gewählten Reaktion umgehen kann oder ob sie einen innerlich auffrisst.
Toxische Beziehungen: Ein gefährlicher Kreislauf
Toxische Beziehungen sind ungesunde Beziehungen, in denen man sich im Laufe der Zeit selbst verliert. Der Fokus verlagert sich zunehmend auf den Beziehungspartner, und man richtet sich mehr nach ihm aus als nach sich selbst. Oft findet emotionaler Missbrauch statt, Manipulation, emotionale, geistige oder auch körperliche Ausbeutung.
Lesen Sie auch: Die Kraft der Walnüsse
In toxischen Beziehungen wird man kleingemacht und verletzt. Der Selbstwert schwindet mit der Zeit, genauso wie die Lebensfreude. Man weiß irgendwann nicht mehr, was richtig oder falsch ist, und ist in Angst und Schuldgefühlen gefangen.
Ein Beispiel ist die Geschichte von Ines, einer klugen jungen Frau, die in einer toxischen Beziehung mit Matthias steckt. Matthias ist oft wochenlang im Ausland unterwegs, meldet sich kaum und ist angenervt, wenn Inez Kontakt aufnimmt. Er will nicht gestört oder eingeschränkt werden. Dass er andere Frauen hat, ist ganz selbstverständlich und wird nicht verheimlicht. Dann wieder taucht Matthias ganz plötzlich auf und erwartet selbstherrlich, dass Inez ihn bei sich wohnen lässt. Inez bemüht sich, alle Erwartungen zu erfüllen, stets fröhlich und sexy zu sein. Doch Matthias behandelt sie wie ein Objekt, eine Puppe, die hin und hergeschoben wird, je nach Bedarf.
Toxische Beziehungen haben oft einen On/Off-Charakter, sie gleichen einer emotionalen Achterbahnfahrt. Man fühlt sich nie sicher und weiß nie, was als nächstes passiert. Dieses „Komm her-geh weg“-Wechselspiel ist sehr nervenaufreibend und steigert den Bindungswunsch. Ein Teufelskreis der Sucht entsteht.
Der typische Verlauf einer toxischen Beziehung beginnt spektakulär, mit einer Art euphorischem Urknall. Auf einmal ist da jemand, der einen so unglaublich liebt, alles für einen tut, einen auf Händen trägt, um einen wirbt. Schnell werden große gemeinsame Pläne gemacht. Doch bald beginnt der Traum zu bröckeln. Unzuverlässigkeit oder Genervtheit können auftreten, ein zunehmendes Desinteresse des Partners oder Distanzierung in emotionaler und auch räumlicher Hinsicht. Es kommt zu immer wiederkehrenden Abläufen von Anziehung und Ablehnung.
Oft einigen sich die Partner unausgesprochen darauf, wer Opfer und wer Täter ist. Man übernimmt die Sichtweise, dass man selbst schuld ist, wenn es schwierig wird, und versucht, alles richtig zu machen. Doch selbst diese Aufopferung ändert nichts daran, dass die Beziehung zwischen Anziehung und Ablehnung pendelt.
Lesen Sie auch: Gehirnvitamine: Ein detaillierter Überblick
In dem Moment, in dem man sich lösen möchte, ändert sich das Verhalten des Partners schlagartig. Plötzlich werden wieder Versprechungen gemacht, Einsichten gezeigt, und der Partner bemüht sich wieder aktiv um einen. Doch sobald man wieder zur Verfügung steht, dreht sich die Situation wieder um 180 Grad, und man findet sich in Leid und Lieblosigkeit wieder.
Toxische Beziehungen basieren auf einer falschen Grundannahme: dass das beziehungsuntaugliche Verhalten des Partners mehr mit einem selbst als mit diesem selbst zu tun hat. Doch oft genug wird dabei vergessen oder nicht erkannt, dass der Beziehungspartner das, was man sich wünscht, gar nicht geben kann oder will.
Selbstliebe: Die Basis für ein erfülltes Leben
Selbstliebe, als Beziehung zu sich selbst, ist tatsächlich eine der wichtigsten Beziehungen im Leben. Sie ist die Basis für ein glückliches und zufriedenes Leben. Fast alle Menschen streben danach, ihr Selbstwertgefühl zu stärken, selbstbewusster zu sein oder sich einfach wohler zu fühlen.
Oft wird dies aber mit “andere müssen mich gut finden” verwechselt. Denn nur wenn andere mich toll finden, bin ich auch etwas wert. Das ist Quatsch! Und der Grund, warum du dich selbst, auch wenn alle anderen dich toll finden, oft nicht leiden kannst.
Es gibt Warnsignale, die darauf hindeuten, dass einem eine mitfühlende Art der Selbstliebe fehlt:
Lesen Sie auch: Walnüsse: Ein Superfood für Ihr Gehirn
- "Ich bin nicht gut genug": Wenn man diesen Satz öfter von sich selbst hört, ist die Selbstliebe mangelhaft.
- Negative Denkweisen: Das Unterbewusstsein beeinflusst das Leben stark. Negative Denkweisen sollten erkannt und durch positive ersetzt werden.
- Vergleichen mit anderen: Beim Vergleichen verliert man immer. Menschen mit einer wertschätzenden Art der Selbstliebe vergleichen sich weniger mit anderen und sind glücklich, so wie sie sind.
- Alles persönlich nehmen: Wenn man mit sich selbst unzufrieden ist, bezieht man alles auf sich. Menschen mit einem stabilen Selbstwertgefühl nehmen sich solche Dinge nicht ganz so zu Herzen, sondern schauen nach dem hilfreichen in der Kritik.
- Nicht zufrieden mit sich selbst: Es ist völlig okay, Makel zu haben oder Fehler zu machen. Menschen sind nicht perfekt.
- Sich selbst runtermachen: Es ist nicht hilfreich, sich selbst für Dinge, die nicht so gelaufen sind, wie man sie wollte, runterzumachen. Akzeptieren, eventuell daraus lernen und weitermachen.
- Immer sind die anderen Schuld: Zu wenig Eigenverantwortung deutet auch auf ein geringes Selbstwertgefühl hin. Menschen, die sich selbst respektvoll lieben können, übernehmen die Verantwortung für ihre Taten, selbst wenn die Konsequenzen nicht rosig aussehen.
- Angst vor Nähe: Eventuell hat man oft schlechte Beziehungserfahrungen gemacht und hat Angst, das Gleiche nochmal durchzumachen. Menschen, die realisiert haben, dass sie Liebe verdienen, können akzeptieren, dass sie Liebe verdienen.
- Schwierigkeiten, sich abzugrenzen oder Nein zu sagen: Abgrenzen oder Nein-sagen fällt ziemlich schwer, wenn man sich nicht selbst akzeptiert. Mit einer wertschätzenden Selbstliebe kann man lernen, Nein zu sagen, weil es total angebracht ist.
Zum Thema Selbstliebe gehört auch, dass man einen gesunden Umgang, eine gesunde Beziehung zu sich selbst pflegt. Auch die kann mal durch Selbstzweifel gekennzeichnet sein, allerdings schafft man es, sich in genau diesen Momenten zu unterstützen und sich mitfühlend um sich selbst zu kümmern.
Das Selbstwertgefühl gehört zu den Persönlichkeitsanteilen, die so bedeutsam sind, dass sie das ganze Verhalten eines Menschen durchwirken. Der Weg zum Selbstwertgefühl führt über jeden Gedanken, jedes Gefühl, jeden ersten Impuls, jeden Teil von mir, den ich wahrnehmen, dann ernst nehmen und schließlich nach außen vertreten lernen kann.
Der Mangel an Selbstwertgefühl ist integraler Bestandteil fast jeden psychischen Leids und vielfach sogar eine seiner Wurzeln. Er ist einer der zentralen Gründe, die Menschen in innere Not bringen. Sie geraten unter Druck, verlieren sich, orientieren sich an anderen, passen sich an - das alles, weil sie sich selbst nicht annehmen, nicht lieben können.
Was kann nun helfen, das geschwächte Selbst wieder aufzurichten, das Selbstwertgefühl zu stärken? Es gibt ja keine Reset-Taste, mit der wir unser Leben auf Neuanfang setzen können. Was jedoch gelingen kann, ist eine allmähliche Wiederentdeckung des eigenen Wertes. Am Anfang steht dabei die Konfrontation mit der Scham. Allein das Wahrnehmen und Aussprechen der verborgenen Gefühle ist bereits ein elementarer Schritt zu ihrer Überwindung.
Jeder Schritt, seine (vermeintlichen oder realen) Schwächen oder Schattenseiten einzuräumen, kann zu der Erfahrung führen, darin nicht - wie befürchtet - abgelehnt, sondern angenommen zu werden. Die Sorge davor, verlassen zu werden, entpuppt sich in der Regel als Scheinriese. Wir können erst so die Erfahrung machen, dass diese Art von Authentizität eher verbindet, während das Verbergen der inneren Wahrheit eher trennt bzw. den anderen den Weg zu uns versperrt.
Kein Lob, keine Anerkennung oder Wertschätzung kann so stark sein, dass es ein stabiles Selbstwertgefühl vermittelt. Es entsteht letztlich nur durch Selbst-Respekt, der aus dem Gefühl einer inneren Stimmigkeit erwächst, die dann keiner äußeren Bestätigung mehr bedarf.
Überforderung und Burnout: Wenn die Nerven blank liegen
Sich überfordert zu fühlen, das kennen viele. Ob im Job oder Privatleben - manchmal ist alles zu viel. Wir leben in einer Gesellschaft, in der es oft darum geht, möglichst viel zu leisten. Und das am besten in kürzester Zeit. Da fällt es schwer „Ich kann nicht mehr“ oder „Ich weiß nicht weiter” zu sagen. Schließlich wollen wir anderen gegenüber keine Schwäche zeigen.
Der Satz „Ich kann nicht mehr” ist ein wichtiges Warnsignal, eine Alarmfunktion. Er kann ein Warnsignal dafür sein, dass man eine psychische Erkrankung entwickeln könnte. Wenn der Gedanke „Ich kann nicht mehr” sich immer wieder bemerkbar macht, weitere Beschwerden wie gedrückte Stimmung, Hoffnungslosigkeit oder Interessenverlust hinzukommen und länger als zwei Wochen anhalten, kann eine Depression vorliegen.
Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit. Eine Depression ist mehr als nur ein vorübergehendes Stimmungstief. Der Gedanke „Ich kann nicht mehr" taucht bei vielen Menschen mit Depression auf. Er kann Ausdruck der Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit sein. Manchmal kann sich hinter dem Gedanken auch die Vorstellung oder der Wunsch verbergen, nicht mehr leben zu wollen.
Wenn du an Suizid denkst, versuche dich jemandem anzuvertrauen - aus deinem Umfeld oder bei einer professionellen Anlaufstelle. Suizidgedanken sind oft Ausdruck einer schweren Krise oder Teil einer psychischen Erkrankung wie einer Depression. Auch wenn es sich in diesen Momenten oft nicht so anfühlt: Das Gute ist, dass sie auch wieder vorübergehen, wenn die Erkrankung behandelt wird oder die Krise bewältigt ist.
Hilfe bekommst du z. B. in deiner hausärztlichen, deiner psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis. Wenn du akut Hilfe brauchst, kannst du jedoch nicht auf einen Termin warten. Psychiatrische Ambulanzen oder Kliniken in deiner Nähe können helfen.
Burnout ist ein Zustand dauerhafter Erschöpfung, der durch Energielosigkeit, eine zunehmend negative Haltung oder Distanzierung zur eigenen Arbeit und ein Gefühl nachlassender Leistungsfähigkeit gekennzeichnet ist. „Ich kann das alles nicht mehr“ ist auch hier ein typischer Gedanke.
Die Symptome von Burnout und Depression können sich ähneln oder auch überschneiden, wie beispielsweise Konzentrationsschwierigkeiten, Schlaflosigkeit oder Erschöpfung. Auch der Gedanke „Ich kann nicht mehr” kann in beiden Fällen vorkommen. Im Unterschied zu einer Depression wird Burnout als Phänomen im Arbeitskontext verstanden, das durch chronischen Arbeitsstress entsteht. Hierbei muss aber nicht zwangsläufig der Erwerbsjob gemeint sein. Auch die Pflege von Angehörigen oder Care-Arbeit kann zu einem Burnout - zum Beispiel einem Eltern-Burnout - führen.
Ob hinter deinen Beschwerden eine Depression oder ein Burnout steckt, kann am besten eine Fachperson beurteilen.
Es ist wichtig, Pausen zu machen, um die Leistungsfähigkeit zu steigern. Nimm dir bewusst Auszeiten und schaffe so ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Erholung. Plane dir jede Woche Zeit für deine Hobbys ein.
Wenn du denkst „Ich müsste doch jetzt eigentlich etwas tun“ denke daran: Du tust gerade etwas! Du schärfst deine Axt, du steigerst dein Wohlbefinden, deine Gesundheit und sogar deine Produktivität - indem du dich erholst.
Wenn Belastungen und der Gedanke „Ich kann nicht mehr“ anhalten, empfehlen wir dir Unterstützung von einer Fachperson zu holen. Du bist mit deinen Gefühlen nicht allein. Beschwerden einer Depression oder chronischen Erschöpfung lassen sich behandeln.
Emotionale Entwertung: Wenn Gefühle nicht ernst genommen werden
"Ach, so schlimm ist das doch gar nicht." Solche Sätze sind schnell dahingesagt, können aber mehr verletzen, als wir glauben. Wir alle wollen so akzeptiert werden, wie wir sind. Dazu gehören auch all unsere Gefühle, selbst wenn sie für unser Gegenüber unangenehm sind.
Hören wir allerdings ständig Sätze wie "Das ist doch halb so wild" oder "Du übertreibst", wenn wir jemandem erklären, wie wir uns fühlen, ist das nicht nur sehr belastend für uns, es kann auch die Beziehung schwächen. Denn wir können einander nicht auf Augenhöhe begegnen, wenn wir uns nicht angenommen fühlen und Angst haben, unsere Gefühle zu äußern.
In der Psychologie nennt sich dieses Verhalten emotionale Entwertung und kann verschiedene Formen annehmen.
Formen der emotionalen Entwertung:
- Herunterspielen von Gefühlen: Sätze wie "Das ist doch gar nicht so schlimm" oder "Stell dich nicht so an" suggerieren, dass die Gefühle nicht wichtig seien und sprechen einem das Recht auf die Gefühle ab.
- Verurteilen von Gefühlen: Sätze wie "Du bist viel zu empfindlich" oder "Nimm dir das nicht so zu Herzen" suggerieren, dass man weniger wert sei, weil man so fühlt, wie man es gerade tut.
- Ablehnen von Gefühlen: Sätze wie "Das stimmt nicht" oder "Ich will das nicht hören" geben einem das Gefühl, dass die Emotionen falsch seien.
Emotionale Entwertung kann an der Beziehung nagen, anfangs sogar, ohne dass wir es bemerken. Wenn eine Person die Gefühle der anderen ständig nicht ernst nimmt, verurteilt oder sogar vollständig ablehnt, sorgt das für ein gefährliches Ungleichgewicht.
Wie man gegen emotionale Entwertung vorgehen kann:
- Starkes Selbstvertrauen: Es ist wichtig, dass man nicht selbst glaubt, die Gefühle seien nicht valide. Vertraue dir und deinen Emotionen. Egal, was du gerade fühlst: Es darf da sein.
- Gefühle nicht verteidigen: Du musst dir die Daseinsberechtigung für deine Gefühle nicht erst erarbeiten. Wenn jemand dich mit Sprüchen wie "Stell dich nicht so an" oder "Du bist viel zu empfindlich" abspeisen will, ergibt es wenig Sinn, darüber zu diskutieren. Lass dich also gar nicht erst in die Verteidigungshaltung drängen, sondern beende das Gespräch am besten an der Stelle.
- Red Flags erkennen: Wenn jemand deine Gefühle regelmäßig entwertet, ist das in jedem Fall eine Red Flag - egal, ob es sich um eine:n romantische:n Partner:in, einen guten Freund oder deine Mutter handelt. Das solltest du möglichst nur bei Menschen tun, die dir guttun. Und dazu gehört auch, dass sie deine Gefühle annehmen können, ohne sie kleinzureden oder abzutun.
Umgang mit Kränkungen: Eine Frage der Resilienz
Die meisten zwischenmenschlichen Konflikte werden durch Kränkungen ausgelöst. Bei den Opfern lösen sie ein komplexes Bündel aus Emotionen aus: Angst, Schmerz, Scham. In der Folge ziehen sich Gekränkte oft zurück.
Eine Kränkung ist eine völlig normale menschliche Reaktion. Sie ist immer einer Mischung aus verschiedenen emotionalen Zuständen. Zum Beispiel fühlen wir uns ohnmächtig und empört, dass der andere so mit uns umgeht. Psychologen zufolge tragen Kränkungen Züge von Angst, Schmerz und Scham: Angst, weil meist ein Gefühl von Bedrohung vorliegt. Oft ist dabei nicht ganz klar, worin diese Bedrohung besteht. Sie geht aber - anders als bei Angst - mit einem tatsächlichen Schmerz einher. Daraus wiederum kann Scham resultieren.
Kränkungen sind auch deshalb schwer zu vermeiden, weil jede Seite von sich annimmt, im Guten zu handeln. Nur in seltenen Fällen wird bewusst gekränkt, in der Regel liegt keine Absicht vor.
Was ein Mensch tut, sagen Emotionspsychologen, das ist in der Regel nicht die Ursache für das, was ein anderer Mensch fühlt. Sondern meist lediglich der Auslöser für ein Gefühl. Welches Gefühl die andere Person erlebt, kann dabei ganz verschieden sein. Und - außer Angst bei der Begegnung mit wilden Tieren und Freude beim Anblick geliebter Personen - ist es abhängig davon, wie die erlebte Handlung bewertet und interpretiert wird. Dieselbe Handlung kann jemanden kränken - und jemand anderen nicht.
Das heißt für den Umgang mit Kränkung: Es kann entweder die kränkende Handlung vermieden werden. Oder man unterstützt die Gekränkten darin, diese Handlung nicht überzubewerten.
Wer in der frühen Kindheit ein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln konnte, ist weniger kränkbar. Umgekehrt ist das Selbstwertgefühl von jemandem, der sich häufig gekränkt fühlt, wahrscheinlich eher brüchig.
Kränkungen sind auch deshalb schwer zu vermeiden, weil jede Seite von sich annimmt, im Guten zu handeln. Nur in seltenen Fällen wird bewusst gekränkt, in der Regel liegt keine Absicht vor.
Gekränkte Menschen reden oft nicht da darüber. Viel besser ist: Ich sage dem anderen: 'Das, was du jetzt gemacht hast, das hat mich verletzt. Und wie ist es denn für dich? Ja? Dann kann der andere sagen: 'Das tut mir leid, das hab ich gar nicht so gemeint.' Dann kann man sich verständigen und dann wird die Beziehung nicht darunter leiden.