Leberzirrhose: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Leberzirrhose ist eine chronische Erkrankung, bei der gesundes Lebergewebe zerstört und durch funktionsloses Bindegewebe (Narbengewebe) ersetzt wird. Dieser irreversible Prozess führt zu einer fortschreitenden Beeinträchtigung der Leberfunktion und kann langfristig zu einem Leberausfall führen. Die Leberzirrhose entwickelt sich oft über viele Jahre hinweg unbemerkt und kann vielfältige Ursachen haben, darunter langjähriger Alkoholkonsum, chronische Leberentzündungen und Stoffwechselerkrankungen.

Was ist eine Leberzirrhose?

Bei einer Leberzirrhose wird das normale Lebergewebe allmählich durch knotiges Bindegewebe ersetzt, was zu einer Vernarbung bis hin zur kompletten Leberschrumpfung führt. Dieses Bindegewebe kann die Funktionen der Leberzellen nicht mehr übernehmen, was langfristig zum Leberausfall führt. Die Leber ist ein zentrales Stoffwechselorgan, das lebenswichtige Aufgaben erfüllt, darunter die Entgiftung des Körpers, die Produktion von Gerinnungsfaktoren und die Speicherung von Vitaminen.

In Deutschland und den USA erkranken jährlich etwa 250 von 100.000 Menschen an einer Leberzirrhose. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

Ursachen der Leberzirrhose

Eine Leberzirrhose kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wobei die häufigsten Ursachen in den westlichen Ländern übermäßiger Alkoholkonsum und chronische Leberentzündungen (Hepatitis) sind.

  • Alkoholmissbrauch: Langjähriger, starker Alkoholkonsum ist eine der Hauptursachen für Leberzirrhose. Die Leber baut Alkohol ab, wobei Giftstoffe entstehen, die zu einer Fettleber führen können.
  • Chronische Virushepatitis: Infektionen mit Hepatitisviren (insbesondere Hepatitis B und C) können zu chronischen Entzündungen der Leber führen, die langfristig eine Zirrhose verursachen können. Die Viren sind in Körperflüssigkeiten wie Blut und Sperma zu finden und können durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder über Blut übertragen werden.
  • Nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH): Eine Fettleber, die nicht durch Alkoholkonsum bedingt ist, kann sich zu einer NASH entwickeln, die wiederum zu einer Zirrhose führen kann. Übergewicht, Diabetes und das metabolische Syndrom sind Risikofaktoren für NASH.
  • Andere Ursachen: Seltenere Ursachen sind Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen (z.B. Eisenspeicherkrankheit, Kupferspeicherkrankheit), bestimmte Medikamente, Gallengangserkrankungen und Herzinsuffizienz.

In etwa 5 % der Fälle kann die Ursache der Leberzirrhose nicht eindeutig festgestellt werden.

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Symptome einer Leberzirrhose

Eine Leberzirrhose entwickelt sich oft über Jahre hinweg unbemerkt, da sie häufig lange Zeit ohne Symptome verläuft. Oft wird die Erkrankung erst bemerkt, wenn Komplikationen auftreten.

Frühe Symptome:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Gewichtsverlust
  • Appetitverlust
  • Übelkeit
  • Juckende Haut
  • Druckgefühl oder Schmerzen im Oberbauch

Fortgeschrittene Symptome:

  • Gelbsucht: Gelbfärbung der Haut, Schleimhäute und Augäpfel durch erhöhte Bilirubinwerte.
  • Leberhautzeichen: Typische Hautveränderungen wie Gefäßspinnen (rote, spinnenartige Gefäßerweiterungen), gerötete Handinnenflächen (Palmarerythem), Weißnägel, Verdickung der Sehnen in den Handinnenflächen, gerötete, glänzende Lippen und Zunge (Lacklippen, Lackzunge) und Erweiterung der Hautgefäße (Geldscheinhaut).
  • Hormonelle Störungen: Bei Männern können Brustwachstum (Gynäkomastie), Verlust der Bauchbehaarung ("Bauchglatze"), Potenzstörungen und Hodenverkleinerung auftreten. Bei Frauen kann es zu Zyklusunregelmäßigkeiten kommen.
  • Bauchwassersucht (Aszites): Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum, die zu einem erhöhten Bauchumfang und Atemnot führen kann.
  • Ödeme: Wassereinlagerungen in den Beinen und Füßen.
  • Blutungen: Erhöhte Blutungsneigung, z.B. Nasenbluten, Zahnfleischbluten, blaue Flecken. Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) können platzen und zu lebensbedrohlichen Blutungen führen.
  • Hepatische Enzephalopathie: Störung der Gehirnfunktion aufgrund von Giftstoffen, die von der Leber nicht mehr ausreichend abgebaut werden können. Dies kann zu Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisproblemen, Stimmungsschwankungen, Schläfrigkeit und im schlimmsten Fall zum Koma führen.

Diagnose einer Leberzirrhose

Bei Verdacht auf eine Leberzirrhose werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen, den Schweregrad der Erkrankung zu bestimmen und mögliche Komplikationen zu erkennen.

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt achtet auf Leberhautzeichen, die Größe der Leber (vergrößert oder verkleinert), Bauchwasser und andere Anzeichen einer Lebererkrankung.
  • Blutuntersuchungen: Leberwerte (GOT, GPT, Gamma-GT, Cholinesterase, Albumin, Bilirubin), Gerinnungsparameter (Quick, INR) und andere Blutwerte geben Aufschluss über den Zustand der Leber und den Schweregrad der Erkrankung.
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie): Die Ultraschalluntersuchung der Leber kann Veränderungen der Leberstruktur (z.B. Vernarbung, Knotenbildung) und die Größe der Leber und Milz zeigen. Auch Bauchwasser kann im Ultraschall erkannt werden.
  • Transiente Elastographie: Diese spezielle Ultraschalltechnik misst die Steifigkeit des Lebergewebes und kann so den Grad der Vernarbung beurteilen.
  • Leberbiopsie: In manchen Fällen ist die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) erforderlich, um die Ursache der Leberzirrhose zu klären und das Ausmaß der Leberschädigung genauer zu beurteilen.
  • Gastroskopie: Eine Magenspiegelung kann durchgeführt werden, um Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) zu erkennen.
  • Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT): Diese bildgebenden Verfahren können weitere Informationen über die Leberstruktur und mögliche Komplikationen liefern.

Zur Beurteilung des Schweregrads der Leberzirrhose werden der Child-Pugh-Score und der MELD-Score (Model for End-Stage Liver Disease) verwendet. Diese Scores helfen, die Prognose einzuschätzen und über eine mögliche Lebertransplantation zu entscheiden.

Behandlung einer Leberzirrhose

Eine Heilung der Leberzirrhose ist nicht möglich, da das zerstörte Lebergewebe nicht wiederhergestellt werden kann. Ziel der Behandlung ist es, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten oder zu verlangsamen, Komplikationen zu behandeln und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

  • Behandlung der Grunderkrankung: Die wichtigste Maßnahme ist die Behandlung der Ursache der Leberzirrhose. Bei alkoholbedingter Zirrhose ist ein strikter Alkoholverzicht erforderlich. Bei Virushepatitis werden antivirale Medikamente eingesetzt. Bei Autoimmunhepatitis werden Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems eingesetzt. Bei Stoffwechselerkrankungen erfolgt eine spezifische Therapie der Ursache.
  • Allgemeine Maßnahmen:
    • Alkoholverzicht: Unabhängig von der Ursache der Zirrhose ist ein strikter Alkoholverzicht unerlässlich.
    • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß und Vitaminen ist wichtig, um den Körper zu unterstützen und Mangelerscheinungen vorzubeugen. Eine salzarme Ernährung kann bei Bauchwasser und Ödemen helfen.
    • Vermeidung leberschädigender Medikamente: Medikamente sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, da einige Medikamente die Leber zusätzlich belasten können.
    • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Leberfunktion unterstützen und das allgemeine Wohlbefinden verbessern.
  • Behandlung von Komplikationen:
    • Bauchwassersucht (Aszites): Entwässerungstabletten (Diuretika) und eine salzarme Ernährung können helfen, die Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum zu reduzieren. In manchen Fällen ist eine Punktion des Bauchwassers (Aszitespunktion) erforderlich, um die Flüssigkeit abzuleiten.
    • Ösophagusvarizen: Krampfadern in der Speiseröhre können endoskopisch verödet oder abgebunden werden, um Blutungen zu verhindern. Bestimmte Betablocker können den Druck in der Pfortader senken und das Risiko von Blutungen reduzieren.
    • Hepatische Enzephalopathie: Medikamente wie Lactulose können helfen, die Ansammlung von Giftstoffen im Gehirn zu reduzieren. Eine eiweißmodifizierte Ernährung kann ebenfalls sinnvoll sein.
    • Spontan bakterielle Peritonitis: Eine Infektion des Bauchwassers wird mit Antibiotika behandelt.
  • Lebertransplantation: In fortgeschrittenen Fällen, wenn die Leberfunktion stark eingeschränkt ist und Komplikationen auftreten, kann eine Lebertransplantation die einzige Behandlungsmöglichkeit sein. Dabei wird die geschädigte Leber durch eine gesunde Spenderleber ersetzt.

Vorbeugung einer Leberzirrhose

Um einer Leberzirrhose vorzubeugen, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

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  • Vermeidung von übermäßigem Alkoholkonsum: Ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol ist entscheidend. Frauen sollten nicht mehr als 12 Gramm reinen Alkohol pro Tag konsumieren, Männer nicht mehr als 24 Gramm.
  • Impfung gegen Hepatitis B: Eine Impfung gegen Hepatitis B schützt vor einer Infektion und kann so einer chronischen Leberentzündung und Zirrhose vorbeugen.
  • Schutz vor Hepatitis C: Da es keine Impfung gegen Hepatitis C gibt, ist es wichtig, sich vor einer Infektion zu schützen, z.B. durch Safer Sex und Vermeidung des Teilens von Spritzen.
  • Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und die Vermeidung von Übergewicht können das Risiko einer nicht-alkoholischen Fettleber und NASH reduzieren.
  • Vorsicht bei Medikamenten: Leberbelastende Medikamente sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Lebenserwartung und Komplikationen bei Leberzirrhose

Die Lebenserwartung bei einer Leberzirrhose hängt stark vom Stadium der Erkrankung, den Ursachen, dem Vorliegen von Komplikationen und der individuellen Reaktion auf die Behandlung ab. Bei einer kompensierten Zirrhose (Child-Pugh A) ist die Lebenserwartung oft noch relativ gut, während sie bei einer dekompensierten Zirrhose (Child-Pugh C) deutlich reduziert ist.

Häufige Komplikationen einer Leberzirrhose sind:

  • Bauchwassersucht (Aszites)
  • Ösophagusvarizen und Blutungen
  • Hepatische Enzephalopathie
  • Spontan bakterielle Peritonitis
  • Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom)
  • Hepatorenales Syndrom (Nierenversagen aufgrund der Lebererkrankung)
  • Leberversagen

Die häufigsten Todesursachen bei Patienten mit Leberzirrhose sind Leberversagen, Blutungen aus Ösophagusvarizen und Leberkrebs.

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