Spastik, auch bekannt als Spasmus oder Spastizität, ist ein Zustand erhöhter Muskelspannung, der häufig bei älteren Menschen auftritt. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort "spasmós" ab, was Krampf bedeutet. Medizinisch gesehen handelt es sich um eine krankhafte Erhöhung des Muskeltonus, die durch eine Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS) verursacht wird. Die überaktive Muskulatur kann zu dauerhaften Fehlstellungen von Bewegungsabschnitten und somit zu Bewegungseinschränkungen führen, die als spastische Lähmungen bezeichnet werden. Das Ausmaß, in dem die Muskulatur und die Gliedmaßen betroffen sind, hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung und der individuellen Ausprägung der Symptome beim Patienten ab. Eine spastische Bewegungsstörung ist in der Regel mit Einschränkungen der Beweglichkeit verbunden und kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Schmerzhafte und entstellende Körperhaltungen sind keine Seltenheit.
Grundlagen der Spastik
Spastik ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom einer Schädigung des zentralen Nervensystems, das aus Gehirn und Rückenmark besteht. Ursachen für eine Spastik können beispielsweise ein Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma sein. Doch nicht nur plötzliche Traumata können die Ursache für eine Spastik sein, auch chronische neurologische Störungen können früher oder später zu spastischen Lähmungen führen. In jedem Fall ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt die genaue Ursache für die Spastik diagnostiziert.
Die Symptome der Spastik können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Verschiedene Betroffene können daher ähnliche Symptome aufweisen, aber völlig andere Einschränkungen in ihrem Alltag erleben. Eine individuelle Betrachtung der Symptome einer spastischen Lähmung ist somit unerlässlich.
Spastik ist nicht gleich Spastik
Spastische Lähmungen können in unterschiedlichem Schweregrad und Ausmaß sowie mit unterschiedlichen Begleiterscheinungen auftreten. Dies ist bei jedem Betroffenen unterschiedlich und muss daher individuell untersucht werden. Da die Spastik mit einer Einschränkung der Beweglichkeit einhergeht, bezeichnet man sie auch als spastische Lähmung oder spastische Parese.
Eine spastische Lähmung kann sich als leichte Muskelsteifigkeit mit nur geringen Bewegungseinschränkungen oder als dauerhafte Muskelverkrampfung mit schweren Einschränkungen bis hin zur vollständigen Bewegungsunfähigkeit äußern. Der Schweregrad der Spastik hängt davon ab, wie stark die Bereiche des Gehirns bzw. des Rückenmarks geschädigt sind. Doch nicht nur die Stärke der Symptome einer Spastik sind davon abhängig. Auch die Verortung, also wo am Körper es zu den Verkrampfungen kommt, wird dadurch bestimmt.
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Klassifikation der Spastik nach Ausmaß
Spastische Lähmungen können einzelne Muskeln oder ganze Körperbereiche betreffen. Dabei unterscheidet man bei dem Ausmaß der Spastik zwischen zwei Kategorien: fokale Spastik und generalisierte Spastik.
Ist die Spastik lokal begrenzt, spricht man von einer fokalen Spastik. Tetraspastik: Beide Beine und Arme sind von der Spastik betroffen. Je nach Ausprägung können auch die Hals- und Rumpfmuskulatur betroffen sein.
Weitere Symptome einer Spastik
Eine Spastik kann von weiteren Symptomen begleitet sein, die ebenfalls durch die Schädigung des Gehirns oder Rückenmarks verursacht sind.
- Schmerzen und / oder Sensitivitätsstörungen
- Insbesondere bei einer Spastik nach Schlaganfall kommt es neben der spastischen Lähmung häufig zu einer halbseitigen schlaffen Lähmung, die den Arm und das Bein einer Körperhälfte betrifft.
Die Symptome einer Spastik hängen damit zusammen, wo und wie stark das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) geschädigt ist. Dementsprechend können die damit verbundenen funktionellen Beeinträchtigungen von nur leichten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit bis zu einer vollständigen körperlichen Behinderung reichen.
Ursachen von Spastik
Die Ursache einer Spastik ist eine Schädigung im zentralen Nervensystem (ZNS), also im Gehirn, Rückenmark oder deren Verbindungen. Dort gibt es Bereiche, die über Nervenbahnen mit der Skelettmuskulatur verbunden sind und auf diese Weise unsere Bewegungen steuern. Bei einer Spastik sind genau diese Bereiche des ZNS betroffen.
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Unseren Bewegungen liegt ein harmonisches Zusammenspiel von Muskeln zugrunde. Die Befehle hierfür stammen aus dem ZNS und werden über Nervenbahnen auf die Skelettmuskeln übertragen. Normalerweise geben die Nerven dem Muskel durch eine Erhöhung seiner Spannung das Signal, aktiv zu werden - der Muskel wird in einen sogenannten Erregungszustand versetzt. Ist die Spannung hoch genug, spannt sich der Muskel kurzzeitig an und verkürzt sich: Es kommt zur Muskelkontraktion, ehe der Muskel wieder in seinen entspannten Ausgangszustand zurückkehrt.
Bei einer Spastik liegt eine Schädigung im ZNS vor, die zu einer gestörten Feinabstimmung zwischen Muskelanspannung und Muskelentspannung führt. Der Muskel wird von den Nerven dauerhaft in einen Erregungszustand versetzt. Dies kann von einer leichten Erhöhung der Eigenspannung des Muskels (erhöhter Muskeltonus) bis zu einem eindeutigen Befehl für eine Muskelkontraktion (Muskelanspannung) reichen.
In jedem Fall kann unter diesen Umständen die Aktivität des Muskels - und damit die von ihm ausgehende Bewegung - nicht mehr kontrolliert werden. Es kommt zur spastischen Parese oder Lähmung.
Beispiele für Ursachen
Die Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks kann zahlreiche Ursachen haben, z. B.
- Schlaganfall bzw. Hirninfarkt
- Schädel-Hirn-Trauma
- Rückenmarksverletzungen
- Multiple Sklerose
- Frühkindliche Hirnschädigungen
- Hirnentzündungen
- Hirntumor
Eine Spastik kann somit sowohl im Erwachsenen- als auch im Kindes- und Jugendalter auftreten. In Deutschland sind schätzungsweise 800.000 Personen betroffen, darunter ca. 50.000 Kinder.
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Die Spastik kann zeitnah oder mit einer Verzögerung von Wochen oder Monaten nach der eigentlichen Schädigung des Zentralnervensystems auftreten.
Eine sehr häufige Ursache für eine Spastik ist ein Schlaganfall bzw. Hirninfarkt. In Deutschland erleiden jährlich 250.000 Menschen einen Schlaganfall (Stiftung dt. Schlaganfall-Hilfe). Bei mehr als einem Viertel entwickelt sich nach einer Zeitspanne von ca. 3-6 Monaten eine Spastik (auch als spastische Lähmung oder Spastizität bezeichnet).
Risikofaktoren
Rückenmarksverletzungen können bei jedem auftreten. Personen, die Hochrisikosport betreiben: z. B. Menschen mit Knochen- oder Gelenkerkrankungen: z. B.
Diagnose von Spastik
Spastische Lähmungen können in einzelnen Muskeln oder ganzen Muskelgruppen auftreten. Weil die Muskeln an den Gelenken ansetzen, äußern sich muskuläre Verkürzungen und Verspannungen vor allem an diesen verbindenden Elementen. Infolge einer Spastik kommt es also zu einer eingeschränkten Beweglichkeit und teils bizarren Fehlhaltungen der Gelenke.
Eine Armspastik äußert sich an den Schulter- sowie Ellbogen-, Hand- und Fingergelenken. Gebeugte Zehen
Zur Diagnose einer Spastik untersucht der Arzt den Patienten zunächst körperlich. Zusätzlich wird er wahrscheinlich einige neurologische Tests durchführen und bildgebende Verfahren (z. B. CT, MRT) anwenden. Der Muskeltonus (Messung des Grades der Anspannung der Muskulatur z.B. Die Schmerzintensität
Die Informationen helfen dem Arzt bei der Diagnosestellung und Planung der anschließenden Therapiemaßnahmen, um die Spastik zu lösen. Ferner kann anhand von Bewertungsskalen das Ansprechen auf die Behandlung beurteilt und nachverfolgt werden.
Die Ashworth-Skala (nach Ashworth 1964) bzw. die modifizierte Ashworth-Skala (nach Bohannon und Smith 1987) ist eine gebräuchliche Methode zur Beurteilung der Spastizität von Muskeln. Bei einer Spastik sind Gelenke oder Körperabschnitte an den Muskeln steifer als normal. Die Bewegungen sind dadurch gestört - und je schneller Betroffene ein Gelenk bewegen, desto steifer wird es (spastische Tonuserhöhung). Für eine Spastik nach Schlaganfall gibt es Zahlen, wann und wie das Symptom auftritt [1]: Bis 3 Monate nach dem Schlaganfall ist es bei 27 Prozent aller Schlaganfall-Betroffenen der Fall. Oft kommen bei einer Spastik Schmerzen an betroffenen Muskeln oder Gelenken hinzu. Auch Lähmungen und einer vorzeitige Erschöpfbarkeit der Muskeln können auftreten. Eine bestehende Spastik kann sich durch Bewegungseinschränkung, Schmerzen, emotionale Anspannung, Entzündungen/Infekte, Stuhl- oder Harndrang, Hautschädigungen, Thrombosen oder Knochenbrüche verstärken. Solche Faktoren sollten beseitigt bzw. Neben der körperlichen Untersuchung gibt es spezielle Diagnoseverfahren, um eine Spastik festzustellen. Auch auftreten kann Spastik bei selteneren Erkrankungen (zum Beispiel der hereditären spastischen Paraparese, HSP). Hilfreiche Hinweise können hier im Einzelfall noch genetische Untersuchungen geben. Nach einer solchen Schädigung gibt es Veränderungen des Zentralnervensystems [2]. Durch diese verändern sich auch Nerven, Muskeln und Weichteile, wodurch sich die mechanischen Eigenschaften und Strukturen in betroffenen Muskeln und Extremitäten ändern (zum Beispiel die elastischen Eigenschaften). Eine Spastik wird dabei immer durch mehrere Faktoren verursacht. Nach einem Schlaganfall bekommen Menschen häufiger Spastik, wenn sie stärkere Lähmungen und Gefühlsstörungen haben sowie deutlich in der Alltagsbewältigung eingeschränkt sind [3]. Für die Therapie ist wichtig, wie die Spastik über den Körper verteilt ist. eine fokale Spastik an ein oder zwei eng benachbarten Bewegungssegmenten (z. B. eine segmentale Spastik einer Extremität mit mehreren Bewegungssegmenten (z. B.
Woran erkenne ich, dass sich eine Spastik entwickelt?
Spastiken entwickeln sich oft schleichend und werden deshalb anfangs vernachlässigt. Sie äußern sich in Muskelsteifheit, Verkrampfungen und unkontrollierten Kontraktionen. Diese Körperhaltung und Anspannung können sehr schmerzhaft sein. Unbehandelt verstärken sich die Symptome häufig und führen zu weiteren Problemen wie einer deutlich eingeschränkten Beweglichkeit durch eine Versteifung von Gelenken.
An wen wende ich mich, wenn ich Anzeichen einer Spastik wahrnehme?
Grundsätzlich ist die hausärztliche Praxis für Schlaganfall-Betroffene als erster Anlaufpunkt sinnvoll. Bei Verdacht auf eine einsetzende Spastik empfehlen wir jedoch immer, auch eine neurologische Facharztpraxis aufzusuchen, weil man dort die meiste Erfahrung in der Behandlung dieses Krankheitsbildes hat.
Behandlungsmöglichkeiten
Für die Behandlung gibt es Therapien mit und ohne Medikamente. Günstige Effekte auf Spastik haben systematisches Arm-Basis-Training [5], häufige Wiederholungen und die Kombination mit muskulärer Elektrostimulation [6]. Besonders wichtig ist die passive Muskelstreckung zusätzlich zur ausgewählten Standardtherapie [7]. Für die Therapie von Standsicherheit, Gang, Treppensteigen oder der Arm-Hand-Funktion sieht man vielversprechende Verbesserungen bei einer Spastik durch den Einsatz von Robotern [9]. Eine Lähmung ausgleichen und günstige Effekte auf die Muskelspannung und Muskellänge haben Schienen, Splints, Verbände (Casts) und Orthesen. Für die Beine ist das Aufrichten der Betroffenen die beste Mobilisationsform. Durch das Anlegen von Casts kann schrittweise ein eingeschränkter Bewegungsumfang wieder ausgedehnt werden. Elektrostimulation aktiviert über angeklebte Elektroden auf der Haut Nerven und Muskelfasern mit kleinen Strömen (transkutane elektrische Nervenstimulation, TENS). Hier gibt es positive Effekte auf Spastik und den Bewegungsumfang (ROM) [10]. Auch die funktionelle Elektrostimulation (FES) für Bewegungen, die vom Patienten ganz oder teilweise selbst ausgeführt werden (z.B. Greifen und Hantieren, Gehen), kann neben der Verbesserung motorischer Funktionen einen Spastik-mindernden Effekt aufweisen. Günstige Auswirkungen auf die Spastik wurden zudem mittels Oberflächenelektrostimulation des Rückenmarks bzw. Eine spastische Tonuserhöhung lässt sich mit gezielten Magnetfeldreizen zur Stimulation ausgewählter Nerven, Nervenwurzeln oder Hirnarealen behandeln (periphere repetitive Magnetstimulation, prMS; repetitive transkranielle Magnetstimulation, rTMS). Stoßwellentherapie kann über Wochen anhaltend einen spastisch erhöhten Muskeltonus mindern mit einer begleitenden Erweiterung des Bewegungsumfangs (extrakorporale Stoßwellentherapie, ESTW) [12]. Bei Menschen mit Querschnittlähmung sind die Behandlungsschwerpunkte und die erreichbaren Behandlungsziele von der Höhe der Rückenmarksschädigung und dem Ausmaß der Lähmung abhängig. Ein erhöhter Muskeltonus in den Beinen kann bei Lähmung beider Beine sogar dazu führen, dazu dass Betroffene trotzdem laufen können, wenn auch sehr unsicher. Problematisch sind jedoch starke spastische Tonuserhöhungen, einschießende Streck- oder Beugespasmen, starke Muskelzuckungen (Spastik mit unwillkürlichen rhythmischen Muskelzuckungen) und unerwünschte Mitbewegungen nicht aktivierter Muskelgruppen. Regelmäßiges Durchbewegen und geräteunterstützte Bewegungen helfen, diese störenden Phänomene einer Schädigung von Hirn/Rückenmark und speziell den spastischen Muskeltonus zu reduzieren. Für die Auswahl einer medikamentösen Behandlung ist entscheidend, wo die Spastik am Körper vorkommt und ob sich eine zugrundeliegende Schädigung im Rückenmark oder im Gehirn befindet. Vor diesem Hintergrund müssen Nutzen und Nebenwirkungen, Akzeptanz und Umsetzbarkeit einer Behandlung gründlich abgewogen werden. Mit Tabletten oder Spray (orale Therapie) werden vermehrte Muskelaktivität bei Spastik behandelt behandelt. Patienten mit einer Spastik beider Beine (Paraspastik) und nicht mobile Patienten mit generalisierter spastischer Tonuserhöhung profitieren in der Regel von einer oralen Therapie. Dantrolen bewirkt Muskelentspannung durch Hemmung der Freisetzung von Kalziumionen im Muskel. Sativex® ist ein Spray für die Mundhöhle und ausschließlich für die bei Multipler Sklerose auftretende spastische Tonuserhöhung zugelassen. Spastik-Medikamente, die im Zentralnervensystem wirken, führen dosisabhängig relativ häufig zu Müdigkeit, Antriebsminderung oder einer störenden Abnahme der Muskelkraft. Daher sollte die Erhöhung der Dosis vorsichtig erfolgen. Dantrolen sollte wegen der potenziell toxischen Leberschädigung und der Verstärkung bestehender Lähmungen nur eingesetzt werden, wenn es keine bessere Alternative gibt und die Symptome es wirklich erfordern. Die Verbesserungen einer Spastik mit Tabletten und Spray sind zwar messbar, werden von Betroffenen aber nicht immer im Alltag wahrgenommen. Für Tolperison gegenüber Baclofen und für Tizanidin gegenüber Diazepam wurden jedoch auch Alltagsvorteile für Schlaganfall-Betroffene) beschrieben [16]. Bei fokaler Spastik (ein oder zwei eng benachbarte Bewegungssegmente sind betroffen, z. B. BoNT wird bei einer Überaktivität von Muskeln angewendet, also auch zur Behandlung einer Spastik. Es lässt Muskeln für eine bestimmte Zeit erschlaffen, indem es die Übertragung vom Nerv auf den Muskel für einige Wochen bis Monate blockiert. Sowohl im Hinblick auf die Nebenwirkungen einer oralen Therapie, als auch im Hinblick auf die Wirksamkeit ist eine BoNT-Behandlung Tabletten und Spray überlegen [17-21] und mindert zudem Schmerzen, die von der Spastik herrühren [22]. Schließlich mehren sich Daten, dass sich eine Spastik nach Schlaganfall durch eine frühzeitige Injektion in reduzierter Dosis vermeiden lässt. Nebenwirkungen sind unter BoNT in den empfohlenen Dosisbereichen pro Muskel und Injektionssitzung selten. Es kann zu Lähmungen kommen (wenn der falsche Muskel getroffen oder zu viel BoNt gespritzt wird). Möglich sind auch Effekte wie Mundtrockenheit oder eine allgemeine Schwäche und lokalen Problemen (Bluterguss und lokale Schmerzen). Bei wiederholtem Einsatz können neutralisierende Antikörper im Blut von Betroffenen können die Wirkung von BoNT abschwächen oder aufheben. Das kommt bei etwa 6 Prozent der Patienten mit Spastik-Behandlung vor [24]. Das Risiko für das Auftreten neutralisierender Antikörper steigt mit der langjährigen Gesamtdosis und wenn das Behandlungsintervall kürzer als drei Monate ist. Zur Behandlung einer schweren Spastik kann man das Medikament Baclofen auch über ein spezielles Infusionssystem mit einer Pumpe einsetzen. Das Mittel wird dabei direkt in den Nervenwasserraum des Rückenmarks injiziert (intrathekal). Typische und erfolgversprechende Fälle sind Betroffene mit schwerer Spastik nach Rückenmarksverletzungen oder Hirnschädigung, Menschen mit Paraspastik oder multisegmentaler Spastik sowie Hemispastik mit einschießenden Tonussteigerungen. Patienten mit länger zurückliegendem Schlaganfall und Spastik profitieren von einer ITB im Vergleich zur Therapie mit Tabletten und Spray [25]. Auch für Querschnittgelähmte ist die gute Wirksamkeit belegt [26]. Die Indikation für eine ITB sollte erst erfolgen, wenn andere Behandlungen nicht zufriedenstellend waren. Unerwünschte Wirkungen können Infektionen und lokale Flüssigkeitsansammlungen (Serome) beinhalten. Die Diagnose und Betreuung bei Patienten mit ITB sollte daher von einem interdisziplinären Team mit ausgewiesener Kompetenz erfolgen. Die Abklärung und Behandlung von Nebenwirkungen und Komplikationen sollte zu jeder Zeit gewährleistet sein. Leichtere Nebenwirkungen in der Test- und Einstellungsphase verschwinden im Verlauf meist von alleine. Schwere Nebenwirkungen und Komplikationen können im Einzelfall zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Bei schwerster Spastik, die anders nicht zu behandeln sind, gibt es chirurgische Verfahren (dorsale Rhizotomie oder Eingriffe in der Eintrittszone der Hinterwurzel ins Rückenmark). Durch sie können ausgeprägte Fehlhaltungen vermieden werden und damit verbundene Pflegehemmnisse, hygienische Probleme und Komplikationen wie Kontrakturen oder Hautläsionen [29]. Nach Versagen der Standardtherapieverfahren und damit verbundenen Schmerzen können in weiteren chirurgischen Verfahren bestimmte Stellen eines Nerven durchtrennt werden (motorische Endäste, z.B. Nervus tibialis bei spastischem Spitzfuß, „pes equinus“) [30].
Ist eine Behandlung noch möglich, wenn ich schon lange unter einer Spastik leide?
Ja! Grundsätzlich gilt zwar: Je früher die Therapie beginnt, desto besser. Aber: Auch eine „alte“ Spastik kann noch gelindert werden und die Behandlung zu spürbarer Erleichterung im Alltag führen.
Was kann ich selbst tun, um die Folgen einer Spastik zu mindern?
Suchen Sie sich zunächst eine Therapie-Praxis, in der man Erfahrung mit der Behandlung dieses Krankheitsbildes hat. Gute Therapeuten werden Sie nicht nur passiv behandeln, sondern Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie zuhause trainieren und die Therapie selbst fortsetzen können, um Muskelspannungen abzubauen und Beweglichkeit zu erhalten.
Rolle von Hilfsmitteln
Hilfsmittel sind eine wichtige Ergänzung, weil sie die Therapieziele der Ergo- und Physiotherapie unterstützen, Gelenke stabilisieren und Aktivität ermöglichen. Zudem tragen sie dazu bei, starke Gelenkfehlstellungen zu korrigieren und können dadurch Schmerzen reduzieren. In der Behandlung der Spastik sind sie deshalb ein wichtiger Baustein.
Wichtig ist, dass Hilfsmittel individuell auf Ihre Beeinträchtigungen abgestimmt sind und bei Veränderungen angepasst werden. Die größte Kompetenz besitzen spezialisierte Sanitätshäuser. Wo Sie ein solches Haus finden, weiß die Deutsche Schlaganfall-Hilfe oder eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe. Gute Sanitätshäuser beraten Sie, machen einen Versorgungsvorschlag und unterstützen Sie bei der Kostenübernahme durch Ihre Krankenkasse.
Medikamentöse Therapie mit Botulinumtoxin
Die Behandlung kommt bei einer sogenannten fokalen Spastik zum Einsatz. Das meint, dass die Behandlung auf eine begrenzte Anzahl von Muskeln beschränkt wird. In diese Muskeln wird Botulinumtoxin gespritzt, was dann nach einigen Tagen zu einer Verminderung der Spannung führt. Die Wirkdauer ist begrenzt und die Behandlung muss oft nach circa 10 bis 12 Wochen wiederholt werden. Häufig ist eine Kombination von Therapien mit Physiotherapie oder Ergotherapie, aber auch Schienen sinnvoll.
Bei entsprechenden Voraussetzungen bei Spastik nach Schlaganfall in der Regel nicht. Bei einer zugelassenen Indikation übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Botulinumtoxin-Therapie, ebenso wie viele private Krankenkassen. Eine Einschätzung dazu kann in einer spezialisierten Facharztpraxis oder Spezialambulanz erfolgen.
Prävention
Die Prävention ist sehr wichtig, um größere Störungen wie dauerhafte Kontrakturen oder Knochendeformationen zu vermeiden. Die Positionierung von Gliedmaßen kann eine wesentliche Rolle bei der Hemmung spastischer Reaktionen spielen, da sie gezielt die Muskelspannung beeinflusst und dadurch die Spastik mindern kann. Das Prinzip dahinter beruht darauf, dass sich ein Muskel bei Kontraktion in einen „Muskelbauch“ zusammenzieht, wie es etwa bei einem angespannten Bizeps sichtbar wird. Durch gezielte Streckung wird dieser Muskelbauch minimiert, was eine Kontraktion erschwert und spastische Reaktionen hemmt. Dieses Prinzip lässt sich gezielt in der Konfiguration eines Rollstuhls anwenden, insbesondere zur Hemmung von Streckspastiken in den Beinen. Beispielsweise kann ein enger Beinwinkel von etwa 88° bis 92° (anstatt der üblichen 100°) gewählt werden, manchmal ist hier auch eine zusätzliche Rahmenkröpfung sinnvoll. Auch zur Hemmung von Hüftstreckerspastiken kann die Rollstuhlanpassung beitragen. Ein reduzierter Sitzwinkel (z. B. eine Sitzneigung von 5-10°) kombiniert mit einem nach vorne geneigten Rückenwinkel (einstellbar auf unter 90°) kann die Spastik wirksam hemmen. Darüber hinaus können spezielle Positionierungskissen zur Regulierung des Muskeltonus beitragen, indem sie eine anatomisch unterstützende Sitzhaltung fördern. Studien zeigen, dass eine optimierte Positionierung der Gliedmaßen nicht nur die Spastik reduzieren, sondern auch die allgemeine Mobilität und Stabilität der Betroffenen verbessern kann (vgl.
Weitere präventive Maßnahmen
- Kälte und Hitze vermeiden: Vor allem große Kälte aber auch Hitze können extreme Reize darstellen, die das Auftreten von Spastik begünstigen.
- Ausreichend Schlaf: Konzentration auf die Entspannung der spastischen Muskeln ist beeinträchtigt, wenn der Betroffene müde oder erschöpft ist.
- Stress vermeiden: Stress und intensive Gefühlsregungen (ob nun positiver oder negativer Natur) können Spastik ebenfalls verschlimmern.
- Infektionen behandeln: Es wurde beobachtet, dass es bei Menschen mit Spastik zu einer Verschlimmerung der Symptome kommt, wenn eine Infektion vorliegt.
- Darm- und Blasenmanagement: Nicht nur eine Blasenentzündung, auch eine volle Blase oder sogar ein Dauerkatheter, können Spastik verstärken. Dies gilt auch für eine Volumenzunahme im Darm.
- Körperhaltung: Eine dauerhaft schlechte Körperhaltung kann Spastik verstärken.