Der Beckenboden, eine Muskelplatte, die den Körper nach unten abschließt, spielt eine entscheidende Rolle für die Kontinenz und die Stabilität der Beckenorgane. Eine Funktionsstörung des Beckenbodens kann sich in vielfältigen Beschwerden äußern, darunter das spastische Beckenbodensyndrom, auch bekannt als hypertoner Beckenboden oder Levator-ani-Syndrom. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und verschiedenen Behandlungsansätze dieses komplexen Krankheitsbildes.
Die Funktion des Beckenbodens
Der Beckenboden hält die inneren Organe im kleinen Becken, wie Harnblase, Genitalorgane und Enddarm, in der richtigen Position. Bei einer Beckenbodenschwäche können diese Organe absinken und zu Inkontinenz oder Entleerungsstörungen führen. Unkontrollierter Urin- oder Stuhlabgang, Stuhlschmieren oder eine unvollständige oder erschwerte Entleerung können die Folge sein. Eine Stuhlinkontinenz kann auch durch eine Schließmuskelverletzung entstehen, beispielsweise bei erschwerten Geburten oder nach analen Operationen.
Das Spastische Beckenbodensyndrom
Im Gegensatz zur Beckenbodenschwäche, bei der die Muskulatur zu schwach ist, zeichnet sich das spastische Beckenbodensyndrom durch eine Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur aus. Diese Verkrampfungen können dauerhaft oder plötzlich auftreten und wieder verschwinden (Proktalgia fugax). Sie können schmerzhafte Probleme verursachen, insbesondere bei Verstopfung oder beim Geschlechtsverkehr.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen des spastischen Beckenbodensyndroms sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können:
- Chronischer Stress: Psychischer Stress kann zu einer erhöhten Anspannung der Muskulatur führen, einschließlich der Beckenbodenmuskulatur.
- Fehlhaltungen: Eine ungünstige Körperhaltung kann zu einer Überlastung und Verspannung der Beckenbodenmuskulatur führen.
- Operationen im Beckenbereich: Operationen wie beispielsweise eine Gebärmutterentfernung oder Enddarmoperation können die Beckenbodenmuskulatur beeinträchtigen.
- Psychosoziale Faktoren: Depressionen, Angstzustände und traumatische Erlebnisse können mit chronischen Beckenschmerzen in Verbindung stehen.
Symptome
Die Symptome des spastischen Beckenbodensyndroms können vielfältig sein:
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- Chronische Beckenschmerzen: Anhaltende Schmerzen im Bereich des Beckens, des unteren Rückens oder des Genitalbereichs.
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie): Insbesondere beim Eindringen kann es zu Schmerzen kommen.
- Verstopfung: Schwierigkeiten beim Stuhlgang, begleitet von dem Gefühl einer unvollständigen Entleerung.
- Harnbeschwerden: Häufiger Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen oder das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung.
- Muskelverspannungen: Verspannungen im Beckenbodenbereich, die sich als Druckgefühl oder Fremdkörpergefühl äußern können.
Diagnose
Die Diagnose des spastischen Beckenbodensyndroms erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können.
Anamnese
Im Rahmen der Anamnese werden die Art, Lokalisation und Dauer der Beschwerden erfragt. Auch Begleitsymptome, Vorerkrankungen, Operationen und psychosoziale Faktoren werden berücksichtigt. Standardisierte Fragebögen wie der NIH-CPSI (National Institute of Health - Chronic Prostatitis Symptom Index) oder der IPSS (International Prostate Symptom Score) können helfen, die Symptome zu quantifizieren.
Körperliche Untersuchung
Die körperliche Untersuchung umfasst die Inspektion des Genitalbereichs und des Afters sowie die Palpation der Beckenbodenmuskulatur. Dabei wird auf Verspannungen, Schmerzpunkte undTriggerpunkte geachtet. Eine rektale Untersuchung kannAdditional information about the original termhelfen, die Funktion des Schließmuskels und des Musculus puborectalis zu beurteilen.
Weitere Untersuchungen
Ergänzende Untersuchungen können erforderlich sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen oder die Diagnose zu sichern:
- Manometrie: Eine Druckmessung im Enddarm kann Aufschluss über die Funktion der Beckenbodenmuskulatur geben.
- EMG (Elektromyographie): Eine Elektromyographie kann die elektrische Aktivität der Beckenbodenmuskulatur messen und so Verkrampfungen oder Koordinationsstörungen aufdecken.
- Ultraschall: Ein endoanaler oder transperinealer Ultraschall kann die Struktur der Beckenbodenmuskulatur und des Schließmuskels beurteilen.
- Urodynamik: Eine urodynamische Untersuchung kann die Funktion der Harnblase und der Harnröhre beurteilen.
- Defäkographie: Eine Defäkographie kann die Entleerung des Enddarms darstellen und so Funktionsstörungen aufdecken.
- Beckenboden-MRT: Eine Magnetresonanztomographie des Beckenbodens kann die Struktur der Beckenorgane und der Muskulatur beurteilen.
Behandlung
Die Behandlung des spastischen Beckenbodensyndroms ist multimodal und zielt darauf ab, die Verkrampfungen zu lösen, die Schmerzen zu lindern und die Funktion des Beckenbodens zu verbessern.
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Konservative Therapie
- Beckenbodengymnastik: Gezielte Übungen zur Entspannung und Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur. Wichtig ist, dass die Übungen korrekt ausgeführt werden, um eine weitere Verkrampfung zu vermeiden.
- Biofeedback: Eine Technik, bei der die Patienten lernen, ihre Beckenbodenmuskulatur bewusst wahrzunehmen und zu entspannen.
- Elektrostimulation: Durch elektrische Impulse können die Muskeln stimuliert und entspannt werden.
- Manuelle Therapie: Eine manuelle Therapie kann helfen, Verspannungen im Beckenbereich zu lösen und die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern.
- Wärmeanwendungen: Wärmeanwendungen können die Muskulatur entspannen und die Durchblutung fördern.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden.
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, Stress abzubauen, Ängste zu bewältigen und den Umgang mit chronischen Schmerzen zu erlernen.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, die Muskelspannung zu reduzieren und Stress abzubauen.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Ballaststoffen und ausreichend Flüssigkeit kann helfen, Verstopfung zu vermeiden.
Invasive Therapie
- Botulinumtoxin (Botox): Die Injektion von Botulinumtoxin in die Beckenbodenmuskulatur kann die Verkrampfung lösen und die Schmerzen lindern.
- Sakrale Neuromodulation: Eine sakrale Neuromodulation kann die Nerven stimulieren, die die Blase, den Darm und den Beckenboden steuern.
- Triggerpunkt-Injektionen: Die Injektion von Lokalanästhetika in Triggerpunkte in der Beckenbodenmuskulatur kann die Schmerzen lindern.
- Fokussierte Stoßwellentherapie: Durch die fokussierten Stoßwellen werden die Triggerpunkte/Verspannungen dieser Muskeln gelöst, und eine Lockerung mit Verbesserung von Stoffwechsel und Durchblutung bewirkt. Die Nervenkompressionen (Einengungen) des Pudendusnerven (Genital-Beckenbodennerv) und damit die Ursachen für Brennen, Schmerzen, Beschwerden werden gelöst, und Ziehen im Damm, Brennen/Schmerzen im Genitalbereich, Blasenreizung, Harndrang, Sitzbeschwerden werden dauerhaft beseitigt.
Operative Therapie
In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache des spastischen Beckenbodensyndroms zu beheben. Beispielsweise kann eine Schließmuskelrekonstruktion bei einer Schließmuskelverletzung oder eine Pexie (Anheftung des Darms an das Kreuzbein) bei einer Senkung des Enddarms durchgeführt werden.
Chronisches Beckenschmerz-Syndrom (CPPS)
Das spastische Beckenbodensyndrom kann auch im Rahmen des chronischen Beckenschmerz-Syndroms (CPPS) auftreten. Das CPPS ist ein komplexes Krankheitsbild, das durch chronische Schmerzen im Beckenbereich gekennzeichnet ist. Die Schmerzen können von Muskel-Faszienverspannungen, Nervenkompressionen oder Entzündungen verursacht werden. Die Behandlung des CPPS erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der neben den oben genannten Maßnahmen auch Schmerzmedikamente, Psychotherapie und alternative Therapien umfassen kann.
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