Einführung
Schluckstörungen, auch Dysphagie genannt, stellen eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Sie können in unterschiedlichen Schweregraden auftreten und verschiedene Ursachen haben. Besonders bei älteren Menschen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson treten sie gehäuft auf. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Speiseröhrenkrämpfen, Schluckstörungen und Parkinson, um Betroffenen und Angehörigen ein besseres Verständnis der komplexen Zusammenhänge zu ermöglichen und Behandlungswege aufzuzeigen.
Was sind Schluckstörungen (Dysphagie)?
Eine Dysphagie bezeichnet eine Schluckerschwernis für feste und/oder flüssige Speisen oder Getränke. Treten beim Schlucken zusätzlich Schmerzen hinter dem Brustbein oder in der Magengrube auf, spricht man von einer Odynophagie. Bis zu 7 % der Bevölkerung sind von Schluckstörungen betroffen, wobei ältere Menschen besonders häufig darunter leiden. Schluckstörungen sind keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann.
Ursachen von Schluckstörungen
Die Auslöser für Dysphagie sind vielfältig. Hauptsächlich sind neurologische, psychiatrische und chronische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose oder Krebs verantwortlich. Auch Entzündungen, Infektionen und Operationen können mit Dysphagie in Verbindung stehen. Altersbedingte Veränderungen können die Symptome zusätzlich verstärken.
Symptome von Schluckstörungen
Die Symptome einer Schluckstörung können je nach betroffenem Bereich variieren.
Oropharyngeale Dysphagie (Störung im Mund-Hals-Bereich):
- Langsames Essen oder Essensverweigerung
- Sabbern
- Würgen oder Husten während oder nach der Nahrungsaufnahme
- Nasse und gurgelnde Stimme
- Essensrückstände im Mund nach Beendigung der Mahlzeit
Ösophageale Dysphagie (Störung in der Speiseröhre):
- Druckgefühl, Brennen und Schmerzen hinter dem Brustbein
- Saures sowie nicht saures Aufstoßen
Eine gefürchtete Komplikation von Dysphagien ist die Aspiration, bei der Nahrung oder Flüssigkeit unbewusst in die Luftröhre gelangt. Dies kann zu einer Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) führen.
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Schluckstörungen bei Parkinson
Für acht von zehn Parkinsonpatienten in Deutschland kann Schlucken im Verlauf ihrer Krankheit zur Qual werden. Nahrung und Flüssigkeit bleiben in der Kehle stecken und rufen Hustenanfälle bis zur Erstickung hervor. Langfristig drohen Mangelernährung, starker Gewichtsverlust und Dehydrierung. Zudem ist die neurogene Schluckstörung (Dysphagie) ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer Lungenentzündung - der häufigsten Todesursache für Parkinsonpatienten.
Die Parkinson-Erkrankung beeinträchtigt die Nervenzellen, die für die Steuerung der Muskeln verantwortlich sind, die am Schluckvorgang beteiligt sind. Dies kann zu einer verminderten Koordination und Kraft der Muskeln führen, was das Schlucken erschwert.
Zusammenhang zwischen Speiseröhrenkrämpfen und Parkinson
Speiseröhrenkrämpfe, auch Ösophagusspasmen genannt, sind unkoordinierte Kontraktionen der Speiseröhrenmuskulatur. Sie können Schmerzen hinter dem Brustbein verursachen und das Schlucken erschweren. Obwohl Speiseröhrenkrämpfe nicht direkt durch Parkinson verursacht werden, können sie bei Parkinson-Patienten häufiger auftreten. Dies liegt möglicherweise daran, dass Parkinson die Funktion des autonomen Nervensystems beeinträchtigen kann, das die Muskeln der Speiseröhre steuert.
Diagnose von Schluckstörungen
Die Diagnose von Schluckstörungen beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Anamnesegespräch, das von einer Logopädin geführt wird. Ergibt das Gespräch keine ausreichenden Anhaltspunkte, kann eine transnasale Fiberendoskopie durchgeführt werden. Diese instrumentelle Untersuchung umfasst die Ruhebeobachtung und die Funktionsprüfung (mit unterschiedlichen Konsistenzen) vom Rachen bis zum Kehlkopf.
Behandlung von Schluckstörungen
Die Behandlung von Schluckstörungen ist vielfältig und richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Störung.
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Allgemeine Maßnahmen:
- Anpassung der Nahrungskonsistenz: Flüssigkeiten werden angedickt und feste Nahrung wird als Püree oder in weicherer Form zubereitet.
- Schlucktraining: Logopädie und Physiotherapie helfen, die beteiligten Muskelgruppen zu kräftigen und Bewegungsabläufe einzuüben.
- Hilfsmittel: Strohhalme, Schnabelbecher und Tellerranderhöhungen können die Nahrungsaufnahme erleichtern.
- Enterale Ernährung: Bei schweren Schluckstörungen kann eine Ernährung über eine Sonde (PEG) notwendig sein.
Spezifische Maßnahmen bei Parkinson:
- Medikamentöse Therapie: Levodopa, ein bewährter Wirkstoff zur Therapie des Parkinsonsyndroms, kann Schluckstörungen auch bei schwer betroffenen Patienten im fortgeschrittenen Stadium lindern.
- Tiefe Hirnstimulation (THS): In einigen Fällen kann eine THS die Schluckfunktion verbessern.
Ernährung bei Parkinson mit Schluckstörungen
Eine ausgewogene Ernährung ist für Parkinson-Patienten mit Schluckstörungen besonders wichtig.
- Ausgewogene Ernährung: Auf einen abwechslungsreich gestalteten Speiseplan achten, um eine adäquate Nährstoffversorgung zu gewährleisten.
- Angepasste Konsistenz: Die Nahrung muss an die Schluckfähigkeit angepasst sein. Pürierte oder weiche Speisen sind oft leichter zu schlucken.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Flüssigkeiten sollten angedickt werden, um das Verschlucken zu verhindern.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Kleine, häufige Mahlzeiten sind oft besser verträglich als große Mahlzeiten.
- Vermeidung von Ablenkungen: Langsames und bewusstes Essen in einer ruhigen Umgebung kann das Schlucken erleichtern.
Medikamentöse Wechselwirkungen bei Parkinson
Bei der Behandlung von Parkinson ist es wichtig, mögliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten zu beachten.
- L-Dopa und Eiweiß: Die Einnahme L-Dopa-haltiger Medikamente mit Milch, Molke, Quark und Joghurt ist wegen dem hohen Eiweißgehalt nicht optimal. Die Aufnahme von L-Dopa-Präparaten sollte mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit erfolgen.
- L-Dopa und Eisen: Zwischen der Einnahme von L-Dopa und Eisenpräparaten muss ein Abstand von 2 Stunden eingehalten werden.
- Amantadin und andere Medikamente: Amantadin darf nicht mit anderen Medikamenten kombiniert werden, welche ebenfalls eine Leitungsstörung am Herzen hervorrufen können (QT-Strecken-Verlängerung).
- COMT-Hemmer und Eisen: Die Kombination mit Eisenpräparaten führt zur Bildung von Chelaten.
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