Spielerisch aktiv bleiben: Spielkonsolen als Therapie für Menschen mit Parkinson

Einführung

Parkinson-Erkrankte stehen vor der Herausforderung, alltägliche Aufgaben zu bewältigen, die für die meisten Menschen selbstverständlich sind. Unkontrollierbares Zittern, Muskelsteifheit und verlangsamte Bewegungen sind typische Symptome. Neben medikamentösen Behandlungen rücken ergänzende Therapieansätze immer stärker in den Fokus. Videospiele mit Bewegungssteuerung stellen hierbei einen vielversprechenden neuen Ansatz dar, um die Lebensqualität von Parkinson-Patienten zu verbessern.

Der Einsatz von Spielkonsolen in der Therapie

Die memoreBox: Eine therapeutische Spielkonsole

Die memoreBox ist eine computergesteuerte Spielkonsole, die speziell für ältere Menschen entwickelt wurde und therapeutisch abgestimmte Übungen beinhaltet. Sie integriert Elemente aus der Geriatrie, Neuropsychologie sowie Physio- und Musiktherapie. Die Spiele sind so konzipiert, dass sie mit leichten Körperbewegungen im Sitzen oder Stehen gesteuert werden können und das Spielniveau sich an die Fähigkeiten der Spieler anpasst.

Pilotprojekte und erste Ergebnisse

In verschiedenen Pilotprojekten wurde die memoreBox bereits erfolgreich eingesetzt. Im Seniorenpflegehaus Sonnenhang in Mehren (Landkreis Altenkirchen) wird beispielsweise getestet, wie sich die geistigen und körperlichen Fähigkeiten von Pflegeheimbewohnern durch den Einsatz der memoreBox verbessern lassen. Bundesweit nehmen 100 Pflegeheime an diesem Test teil. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Spielkonsole das Erinnerungsvermögen, die Stand- und Gangsicherheit, Ausdauer und Koordination der Senioren stärken kann.

Exergames als Ergänzung zur Physiotherapie

Videospiele mit Bewegungssteuerung, sogenannte Exergames, sind ein neuer Therapieansatz zur Sturzprävention bei Menschen mit Parkinson. Sie sollen Bewegungsabläufe verbessern und die Freude am Rehabilitationstraining erhöhen. Experten sehen in den Spielen eine flexible und motivierende Ergänzung zur klassischen Physiotherapie. Studien haben gezeigt, dass Teilnehmer mit Parkinson im Frühstadium ihre Bewegung durch virtuelle Sportarten wie Tennis, Bowling oder Skislalom ähnlich verbessern wie Patienten, die herkömmliche Physiotherapie erhalten.

Wie Spielkonsolen die Lebensqualität verbessern

Förderung der körperlichen und geistigen Fitness

Videospiele können die körperliche und geistige Fitness von älteren Menschen verbessern. Durch die spielerischen Möglichkeiten werden die Fähigkeiten der Senioren in allen Bereichen gestärkt, besonders im kognitiven, aber auch im körperlichen Bereich. Die Trainings integrieren verschiedene therapeutische Elemente, die auf Erkenntnissen aus Geriatrie, Neuropsychologie sowie Physio- und Musiktherapie basieren.

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Verbesserung von Gleichgewicht und Koordination

Parkinson-Patienten leiden häufig unter Gleichgewichtsstörungen. Spezielle Spielekonsolen mit Gleichgewichtstrainern können helfen, die Stützmuskulatur zu trainieren und das Gleichgewicht zu verbessern. Beim virtuellen Motorradfahren beispielsweise können die Heimbewohner ihre Aufmerksamkeit und Gewichtsverlagerung schulen.

Steigerung der Motivation und Lebensfreude

Die Spielerinnen und Spieler meistern die Aufgaben mit Begeisterung und viel Ehrgeiz. Die Konsole ist motorisch intuitiv zu bedienen und bietet positive Spielerlebnisse, die die Motivation unterstützen. Die musikalische Untermalung der Spiele sorgt zusätzlich für Spielfreude.

Förderung der sozialen Interaktion

Das Spielen in der Gemeinschaft fördert die Kommunikation untereinander sowie mit dem Pflegepersonal oder den Angehörigen. Die memoreBox kann auch generationenübergreifend gespielt werden, etwa gemeinsam mit dem benachbarten Kindergarten.

Beispiele für Spiele und ihre therapeutische Wirkung

Das Briefträger-Spiel

Bei diesem Spiel trainieren die Senioren einen stabilen Gang und ihre Armbewegung, indem sie auf einem virtuellen Fahrrad Briefe austragen.

Das virtuelle Motorradfahren

Hier können die Senioren, auch im Rollstuhl sitzend, das Gefährt lenken und dabei ihre Aufmerksamkeit und Gewichtsverlagerung schulen.

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Tanzspiele

Bewegungsgesteuerte Tanzspiele können die Bewegungsnetzwerke im Gehirn wieder fit machen und so die Sturzprävention unterstützen.

Kegelspiel

Dieses Spiel regt zu sozialer Interaktion und zur Bewegung an.

Herausforderungen und Perspektiven

Patientensicherheit und Spielauswahl

Es gilt zu prüfen, welche Spiele für die Patienten in Frage kommen, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. Viele kommerzielle Spiele, bei denen alte Menschen oder Patienten mit Parkinson schnelle Entscheidungen treffen und komplexe Bewegungen ausführen müssen, um Hindernisse zu umgehen, könnten zu risikoreich und vor allem demotivierend sein.

Individualisierung der Spiele

Ein nächster Schritt muss es sein, die Spiele auf die Senioren zugeschnitten zu personalisieren und mit ihnen zugleich Biografiearbeit zu leisten. Dann ist der Weg auf dem Motorrad vielleicht genau der, den man früher zur Arbeit gefahren ist.

Studien und Forschung

Es bedarf weiterer groß angelegter Studien mit verschiedenen Patientengruppen, um die bisherigen Ergebnisse zu bestätigen und die langfristigen Auswirkungen von Spielkonsolen auf die Lebensqualität von Parkinson-Patienten zu untersuchen.

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Die Rolle der Krankenkassen und Förderprogramme

Die Barmer bietet das digitale Gesundheitstraining mit der memoreBox als Prävention für Senioren inzwischen bundesweit an. Die Deutsche Fernsehlotterie hat das Projekt ebenfalls gefördert und ermöglicht so die Entwicklung und den Einsatz von Spielkonsolen in der Therapie.

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