Spinalen Rückenmarks MRT Indikationen: Eine umfassende Übersicht

Die Magnetresonanztomographie (MRT) der Wirbelsäule ist ein bildgebendes Verfahren, das detaillierte Aufnahmen der Wirbelsäule, der Bandscheiben, des Rückenmarks und des umliegenden Weichteilgewebes ermöglicht. Im Gegensatz zum Röntgen oder der Computertomographie (CT) kommt die MRT ohne ionisierende Strahlung aus, was sie zu einer besonders sicheren Methode macht, auch für wiederholte Untersuchungen. Eine MRT der Wirbelsäule kann gezielt einzelne Abschnitte oder die gesamte Wirbelsäule untersuchen.

Abschnitte der Wirbelsäule und ihre Bedeutung

Die Wirbelsäule besteht aus insgesamt 24 Wirbeln, die durch Bandscheiben beweglich miteinander verbunden sind. Sie lässt sich in drei Hauptabschnitte gliedern:

  • Halswirbelsäule (HWS): Sie besteht aus vergleichsweise kleinen Wirbeln, beginnt am Schädel und geht in die Brustwirbelsäule über. Die MRT der Halswirbelsäule (MRT-HWS) ist das Mittel der Wahl, wenn Krankheitsprozesse oder Verletzungen im Bereich des zervikalen Rückenmarks oder der oberen Nervenwurzeln diagnostiziert oder genauer untersucht werden sollen.
  • Brustwirbelsäule (BWS): Dieser Abschnitt besteht aus 12 Wirbeln und dient zusammen mit den Intercostalgelenken und den Rippen der Stabilisierung des Brustkorbes. Hier treten besonders häufig Haltungsschäden und dadurch resultierende Rückenschmerzen auf.
  • Lendenwirbelsäule (LWS): Die Lendenwirbelsäule besteht aus fünf Wirbeln und ist der am stärksten belastete Abschnitt. Hier treten die meisten Bandscheibenschäden auf.
  • Kreuzbein/Steißbein: Den Abschluss der Wirbelsäule bildet das Kreuz-/Steißbein.

Wann ist eine MRT der Wirbelsäule sinnvoll?

Eine MRT des Rückens wird bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt, darunter:

  • Anhaltende oder starke Rückenschmerzen ohne erkennbare Ursache
  • Nackenschmerzen (stark, wiederkehrend, chronisch)
  • Neurologische Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen
  • Bandscheibenvorfälle oder Verdacht auf eine Spinalkanalstenose
  • Entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew
  • Multiple Sklerose (MS) - zur Beurteilung typischer weißer Flecken auf MRT-Bildern der Wirbelsäule
  • Tumorverdacht - Abklärung von spinalen Tumoren oder Metastasen
  • Osteoporose-bedingte Wirbelbrüche
  • Fehlbelastung, Überbelastung, Überlastung
  • Schädigungen des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose, Verletzungen)
  • Schädigungen der Bandscheiben (Verschleiß, Bandscheibenvorwölbung, Bandscheibenvorfall)
  • Nervenerkrankungen an der Wirbelsäule (Nervenwurzelreizungen, Taubheit)
  • Schädigungen der Wirbelgelenke (Verschleiß, Wirbelinstabilität)
  • Knochenbrüche
  • Unfälle

Die MRT der Wirbelsäule liefert eine präzise Diagnose, indem sie hochauflösende Bilder von Bandscheiben, Nerven und Weichteilen erstellt - und das ganz ohne Strahlenbelastung. In vielen Fällen ermöglicht die MRT der Wirbelsäule eine frühzeitige Diagnose, sodass gezielte Therapien eingeleitet werden können.

Neben der Diagnostik kann eine MRT auch Anwendung finden, um den Sitz von Wirbelkörperprothesen und Bandscheibenprothesen zu überprüfen. Auch nach einer Versteifungs-OP am Rücken ist eine MRT möglich. Metallene Bestandteile sind dabei in der Regel kein Problem.

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Spezifische Indikationen für die MRT der Halswirbelsäule (HWS)

Verschiedene Erkrankungen und Verletzungen der HWS können mit Hilfe der MRT erkannt beziehungsweise ausgeschlossen werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Bandscheibenvorfall im Bereich der HWS
  • Entzündungen des Rückenmarks (zum Beispiel Multiple Sklerose und Transverse Myelitis)
  • Entzündliche Erkrankungen des Knochenmarks (Osteomyelitis)
  • Chronisch-entzündliche Krankheit der Wirbelsäule (Spondyloarthritis wie beim Morbus Bechterew)
  • Gutartige oder bösartige Tumore im Bereich der HWS
  • Gefäßmissbildungen (arteriovenöse Fisteln, Aneurysmata) im Bereich der HWS
  • Verletzungen im Bereich der HWS und auch bei anhaltenden Beschwerden nach einem Schleudertrauma (HWS-Distorsion)
  • Grundsätzlich bei allen unklaren Beschwerden im Bereich der HWS (HWS-Syndrom), insbesondere, wenn diese über längere Zeit bestehen und/oder zunehmen

Welche Erkrankungen lassen sich mit einer MRT des Rückens erkennen?

Die MRT ist eines der genauesten Verfahren zur Untersuchung der Wirbelsäule und kann zahlreiche Erkrankungen sichtbar machen.

Bandscheibenerkrankungen und Nervenkompressionen

  • Bandscheibenvorfall (Prolaps): Wenn Gewebe auf Nerven drückt und Schmerzen oder Taubheitsgefühle verursacht.
  • Bandscheibenvorwölbung (Protrusion): Eine Vorstufe des Bandscheibenvorfalls.
  • Spinalkanalstenose: Eine Verengung des Wirbelkanals, die Nerven einengen kann.
  • Nervenwurzelreizungen (Ischialgie, Radikulopathie): Z. B. durch Bandscheibenvorfälle oder Spinalkanalstenosen.

Entzündliche Erkrankungen

  • Multiple Sklerose (MS): Die MRT kann Entzündungsherde (Läsionen) im Rückenmark und Gehirn sichtbar machen. Sie eignet sich zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs und kann eine MS schon im frühen Stadium erkennen, was eine rechtzeitige Therapie ermöglicht. Zudem können akute und bereits abgeklungene Entzündungen voneinander unterschieden werden.
  • Rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew: Die MRT kann Entzündungen der Wirbelgelenke und des umliegenden Gewebes darstellen.
  • Spondylodiszitis (Entzündung der Bandscheiben) und Spondylitis (Entzündung der Wirbelkörper): Die MRT ist die Methode der Wahl, um diese Entzündungen zu untersuchen.

Verletzungen und Traumata

  • Wirbelbrüche: Die MRT kann auch mikroskopisch kleine Wirbelbrüche nach akuten Verletzungen erkennen.
  • Schleudertrauma (HWS-Distorsion): Bei anhaltenden Beschwerden nach einem Schleudertrauma kann die MRT Verletzungen im Bereich der HWS aufzeigen.

Tumore und Metastasen

  • Spinale Tumore: Die MRT kann Tumore im Bereich der Wirbelsäule und des Rückenmarks darstellen.
  • Metastasen: Die MRT kann Metastasen (Tochtergeschwülste) im Bereich der Wirbelsäule erkennen.

Andere Erkrankungen

  • Osteoporose: Die MRT kann osteoporosebedingte Wirbelbrüche erkennen.
  • Gefäßmissbildungen: Arteriovenöse Fisteln und Aneurysmata im Bereich der HWS können mit der MRT dargestellt werden.

Ablauf einer MRT der Wirbelsäule

Vor der Untersuchung sollten Sie alle Kleidungsstücke und sonstige Gegenstände, die magnetische Metalle enthalten, in der Umkleide ablegen. Informieren Sie das medizinische Personal über:

  • Gefäßstützen wie Stents
  • OP-Clips
  • Metallsplitter
  • Tätowierungen, einschließlich Permanent-Make-up
  • Andere metallhaltige Teile in Ihrem Körper
  • Bringen Sie zu Ihrem Termin Ihren Implantat-Pass mit.

Während der Untersuchung liegen Sie auf einer Liege, die in die Röhre des MRT-Geräts gefahren wird. Die zu untersuchende Wirbelsäule muss sich in der Mitte des Geräts befinden. Es ist wichtig, dass Sie während der Untersuchung still liegen, da sonst die Bildqualität negativ beeinträchtigt werden kann. Die MRT-Untersuchung der Wirbelsäule dauert in der Regel zwischen 15 und 30 Minuten. Während der Untersuchung herrscht ein starkes Magnetfeld, und das Gerät erzeugt laute Klopfgeräusche. Um den Lärm zu reduzieren, erhalten Patienten meistens Kopfhörer oder Ohrstöpsel.

In einigen Fällen kann Kontrastmittel zum Einsatz kommen, um bestimmte Gewebe oder Strukturen besser sichtbar zu machen. Das Kontrastmittel wird während der Untersuchung gespritzt.

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Nach der Untersuchung erhalten Sie Ihre Bilder auf einer CD (als DICOM-Datei), damit Sie den Befund mit Ihrem zuweisenden Arzt besprechen können. Auf Wunsch haben Sie auch die Möglichkeit, die Bilder direkt nach der Untersuchung in einem Arztgespräch mit einer Radiologin bzw. einem Radiologen zu besprechen.

Spezielle Aspekte

  • Offene MRT: Sollten Sie unter Platzangst oder Adipositas leiden, stellt ein offener MRT eine Alternative zu herkömmlichen MRT-Geräten dar. Genauso können mit einem offenen MRT aber auch Kinder oder Patienten, deren Mobilität eingeschränkt ist, komfortabel untersucht werden. Sprechen Sie bitte vorher mit Ihrer Krankenkasse, ob eine Untersuchung auch in einem offenen MRT möglich ist.
  • Funktionsaufnahmen: Manchmal macht der Arzt auch sogenannte Funktionsaufnahmen bei der MRT-HWS: Hals und Kopf des Patienten werden dazu für die Untersuchung nacheinander in Beugestellung, Links- oder Rechtsdrehung und andere Positionen gebracht. So kann der Arzt neben Instabilitäten der Halswirbelsäule auch Verengungen und Einklemmungen von Nervenwurzeln ausfindig machen, die nur in einer bestimmten Kopfhaltung auftreten.

Wer wertet die MRT-Bilder aus?

Die MRT-Bilder werden von Fachärzten für Radiologie ausgewertet. Diese Experten verfügen über eine spezielle Ausbildung und Erfahrung in der Interpretation von MRT-Bildern. Einige Radiologen haben sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert, wie z.B. Neuroradiologie (Bildgebung des Gehirns und des Rückenmarks) oder muskuloskelettale Radiologie (Bildgebung des Bewegungsapparates).

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es gibt nicht eine richtige Antwort, denn es hängt von der Ursache der Rückenschmerzen ab, welcher Arzt der geeignete Spezialist ist. Aus diesem Grund ist es oft empfehlenswert, mit Rückenbeschwerden zunächst zum Hausarzt zu gehen. Dieser kann je nach Bedarf zum Facharzt überweisen, wenn er seine Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft hat oder er die Ursache der Schmerzen selbst nicht eindeutig feststellen kann.

  • Ein Orthopäde ist der richtige Spezialist, wenn die Schmerzen vom Bewegungsapparat, also von Knochen oder Muskeln, ausgehen.
  • Sind Nerven für die Schmerzen verantwortlich, ist ein Neurologe der geeignete Facharzt.
  • Wenn eine Entzündung die Rückenbeschwerden verursachen könnte, kann ein Rheumatologe hinzugezogen werden.
  • Ebenso gibt es auf Rückenschmerzen spezialisierte Einrichtungen wie z.B. die Grönemeyer Institute.

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