Die Spinalkanalstenose, auch Wirbelkanalverengung genannt, ist eine weit verbreitete Diagnose, die insbesondere im mittleren und höheren Lebensalter auftritt und nicht selten eine Ursache für Arbeitsunfähigkeit darstellt. Die Verengung des Wirbelkanals ist ein im Alter häufiges Leiden, das sich nicht von allein bessern kann. Unbehandelt kann die Spinalkanalstenose zur Einschränkung der Mobilität führen, was negative Folgen für die Gesundheit im Allgemeinen mit sich bringt. Glücklicherweise bietet die heutige Medizin viele Möglichkeiten, um die Symptome einer Verengung des Spinalkanals zu lindern und betroffenen Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen.
Was ist eine Spinalkanalstenose?
Die Spinalkanalstenose bezeichnet eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanal), durch die das Rückenmark und die Nerven, die durch den Wirbelkanal verlaufen, gereizt oder gequetscht werden. Normalerweise handelt es sich um einen breiten, ovalen Raum, der dem Rückenmark ausreichend Platz bietet. Mit zunehmendem Alter kann der Kanal jedoch verengt werden, wodurch Druck auf das Rückenmark ausgeübt wird, Schmerzen und Folge-Symptomatiken entstehen. Dadurch entsteht ein akuter oder chronischer Schmerz. Am häufigsten treten Rückenschmerzen auf, die auch teilweise bis in die Beine ziehen können. Typischerweise verursacht der sogenannte Claudicatio Spinalis dann weitere Beschwerden und Einschränkungen in der Mobilität: Oftmals ist es den Betroffenen nicht möglich, eine längere Strecke zurückzulegen.
Ursachen einer Spinalkanalstenose
In den meisten Fällen handelt es sich bei einer Spinalkanalstenose um altersbedingte Abnutzungserscheinungen, Verletzungen oder Krankheiten. Eine ganze Reihe von Dingen können demnach eine Verengung des Wirbelkanals auslösen. Selten kommen als Ursachen der Spinalkanalverengung angeborene bzw. genetische oder externe Faktoren in Betracht. Auch kann eine Spinalkanalstenose in Kombination mit einem zusätzlichen Bandscheibenvorfall auftreten, der meist als Altersverschleiß zu interpretieren ist.
Einige der Hauptursachen sind:
- Degenerative Veränderungen: Mit zunehmendem Alter verliert die Wirbelsäule an Beweglichkeit. Es gibt kaum Menschen über 30 Jahren ohne degenerative Wirbelsäulenveränderungen. Wie bei jedem Gelenk entsteht bei einem Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit ein vorzeitiger Verschleiss. Die Bandscheiben werden dünner, wodurch die Wirbelsäule ihre ursprüngliche Stabilität verliert. Der Körper versucht dies auszugleichen, was zu Verspannungen und Entzündungen im umgebenden Gewebe führt. Es entsteht eine Arthrose der Zwischenwirbelgelenke (Spondylarthrose).
- Bandscheibenvorfälle: Die Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern in der Wirbelsäule und bestehen aus einem äußeren Faserring (Anulus) und einem weichen, gallertartigen Kern (Nukleus), welcher für die Beweglichkeit der Wirbelsäule verantwortlich ist und gleichzeitig als Stossdämpfer wirkt. Bei einem Bandscheibenvorfall (Diskushernie) verrutscht der Kern und durchbricht den schützenden Bindegewebsring. Die meisten Bandscheibenvorfälle kommen an der Lendenwirbelsäule vor. Ein Bandscheibenvorfall ist zumeist ein akutes Ereignis, wo plötzlich infolge einer Druckerhöhung in der Bandscheibe ein geschädigter Faserring einreist und Bandscheibengewebe des so genannten weichen Kerns in den Wirbelkanal hineingedrückt wird. Dort quetscht er häufig einen Nerven.
- Spondylose und Spondylarthrose: Bei der Spondylose handelt es sich um eine degenerative Skeletterkrankung, bei der es zu einem Umbau der Knochen (Wirbelkörper) und der Gelenke kommt. Sind zudem auch die Wirbelgelenke betroffen, so bezeichnet man dies als Spondylarthrose.
- Osteochondrose: Unter einer Osteochondrose versteht man eine degenerative Veränderung des Bandscheibenknorpels (griech. osteon = Knochen; griech. des Wirbelkörpers. Als Ursache kommt am häufigsten ein Verschleiss in Frage, z.B. durch eine Überlastung der Bandscheibe.
- Skoliose: Eine Skoliose, d.h. eine Seitenverbiegung der Wirbelsäule, kann ebenfalls zu einer Spinalkanalstenose führen. Dadurch wird die Bandscheibe einseitig zu stark belastet und im Laufe der Jahre verschlissen.
- Wirbelgleiten (Spondylolisthese): Das Wirbelgleiten (Spondylolisthese) kann in Kombination mit einer Osteochondrose kommen.
- Verletzungen und Tumoren: Auch Verletzungen und Tumoren, die sich im Spinalkanal abspielen (z.B. Blutungen) und aufgrund entzündlicher Veränderungen, können eine Spinalkanalstenose verursachen.
- Bandhypertrophie: Eine Verdickung der Bänder (Bandhypertrophie) im Bereich der Wirbelsäule kann ebenfalls zu einer Verengung des Spinalkanals führen.
- Knochenveränderungen: Veränderungen am knöchernen System (z.B. im Bereich der Wirbelsäule, Hüft- oder Beingelenke) können den physiologischen Alterungsprozess der Wirbelsäule mit verursachen oder beschleunigen.
Auswirkungen einer Spinalkanalstenose
Die Spinalkanalstenose kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die von leichten Beschwerden bis hin zu schweren neurologischen Ausfällen reichen können. Die Symptome hängen davon ab, welche Nervenwurzeln betroffen sind und wie stark die Verengung des Wirbelkanals ist.
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Einige der häufigsten Symptome sind:
- Rückenschmerzen: Rückenschmerzen sind das häufigste Symptom einer Spinalkanalstenose. Die Schmerzen können dumpf, stechend oder brennend sein und sich bei bestimmten Aktivitäten, wie z.B. Gehen oder Stehen, verschlimmern.
- Schmerzen in den Beinen (Claudicatio spinalis): Viele Patienten mit Spinalkanalstenose leiden unter Schmerzen in den Beinen, die sich beim Gehen verschlimmern und beim Sitzen oder Liegen bessern. Diese Schmerzen werden als Claudicatio spinalis bezeichnet und entstehen durch die Kompression der Nervenwurzeln, die die Beine versorgen.
- Taubheitsgefühl und Kribbeln: Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Beinen, Füßen oder im Gesäßbereich sind ebenfalls häufige Symptome einer Spinalkanalstenose. Diese Symptome entstehen durch die Reizung der Nervenwurzeln.
- Muskelschwäche: In schweren Fällen kann die Spinalkanalstenose zu Muskelschwäche in den Beinen oder Füßen führen. Dies kann das Gehen erschweren und zu Stürzen führen.
- Blasen- und Darmfunktionsstörungen: In seltenen Fällen kann die Spinalkanalstenose zu Blasen- und Darmfunktionsstörungen führen. Dies ist ein Zeichen für eine massive Quetschung der Cauda equina (Pferdeschweif mit Ansammlung intradural verlaufender Spinalnerven am Ende des Rückenmarks) beruhen und stellt einen medizinischen Notfall dar. Bei der Blasenfunktion ist es häufig, dass die Blase nicht vollständig entleert werden kann, es besteht Restharn. Beim Stuhlgang ist häufig der Schließmuskel nicht ganz funktionstüchtig, so dass Stuhlgang verloren geht. Auch Störungen der Sexualfunktion mit Erektionsschwäche können bestehen. Typisch ist auch die Gefühlsstörung um die Analregion, wodurch der Betroffene nicht merkt, dass er auf einer Toilettenbrille sitzt.
- Einfluss auf die Regelblutung: Es gibt keine direkten Auswirkungen der Spinalkanalstenose auf die Regelblutung. Allerdings können die mit der Spinalkanalstenose verbundenen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen indirekt das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen, was sich möglicherweise auf den Menstruationszyklus auswirken kann. Stress und chronische Schmerzen können hormonelle Ungleichgewichte verursachen, die wiederum die Regelblutung beeinflussen können.
Diagnose einer Spinalkanalstenose
Um bei einer Verengung des Spinalkanals einen Befund erstellen zu können, ist eine gewissenhafte Anamnese und körperliche Untersuchung von großer Bedeutung. Dabei werden Informationen über mögliche Ursachen gesammelt. Der Lokalisierung und Beschreibung der Symptome gehören unbedingt zur Feststellung der Diagnose.
Zur genauen Diagnose und eindeutigen Lokalisierung der Spinalkanalstenose müssen bildgebende Diagnoseverfahren eingesetzt werden:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist das bevorzugte bildgebende Verfahren zur Diagnose einer Spinalkanalstenose. Sie ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Weichteile, wie z.B. des Rückenmarks, der Nervenwurzeln und der Bandscheiben.
- Computertomographie (CT): Das CT zeigt wiederum besser die knöchernen Strukturen. Auf diese Weise kann man das Ausmaß der Knochenspangen und die Weite der Nervenaustrittskanäle besser beurteilen.
Eine entsprechende und professionelle Diagnostik kann dazu beitragen, Probleme frühzeitig zu erkennen, und damit auch, bevor sie ernster werden. Wenn Sie sich also nicht wohl fühlen, sollten Sie nicht zögern, eine Diagnose stellen zu lassen.
Behandlungsoptionen bei Spinalkanalstenose
Nach einer exakten Diagnose einer Spinalkanalstenose kann mit konservativen Therapien etwas, aber oft nur wenig bewirkt werden. Der Grund: Die Ursache der Beschwerden, also die Verengung des Wirbelkanals, kann mit Medikamenten, Hilfsmitteln oder Physiotherapie nicht beseitigt werden. Zur dauerhaften Behebung der Spinalkanalstenose eignet sich daher am besten eine Operation.
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Konservative Behandlung
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern, die durch die Spinalkanalstenose verursacht werden.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken und die Flexibilität zu verbessern.
- Injektionen: Injektionen von Kortikosteroiden in den Wirbelkanal können helfen, Entzündungen zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
- Alternative Behandlungsmethoden: Alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur können bei der Behandlung von Symptomen einer Spinalkanalstenose unterstützen.
Operative Behandlung
Bei der sog. „mikrochirurgischen Dekompression“ entfernt der Neurochirurg die einengenden Elemente und sorgt für eine Druckentlastung (Dekompression). Eine sogenannte „dynamische Spondylodese“ könnte nach der Dekompression bei leichter Instabilität und noch recht „guter“ Höhe sowie Qualität der Bandscheibe durchgeführt werden.
- Mikrochirurgische Dekompression: Bei diesem minimalinvasiven Verfahren entfernt der Chirurg die Knochen und das Gewebe, die auf die Nerven drücken.
- Laminektomie: Bei diesem Verfahren wird ein Teil des Wirbelbogens (Lamina) entfernt, um mehr Platz für die Nerven zu schaffen.
- Spondylodese: Bei diesem Verfahren werden zwei oder mehr Wirbel miteinander verbunden, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.
Die Entscheidung für die geeignete Behandlungsmethode hängt von der Schwere der Symptome, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.
Risiken einer Spinalkanal-OP
Bei einer Spinalkanal-OP können verschiedenen Risiken auftreten, die bei jeder Operation ein Risiko darstellen. Dazu gehören: Infektionen, Blutungen und Nervenschäden und die Risiken einer Anästhesie. Vor der Spinalkanalstenose OP werden Sie über Risiken und mögliche Komplikationen aufgeklärt. Allgemein gilt, dass je erfahrener der Wirbelsäulenchirurg und das OP-Team ist, je routinierter und sicherer verläuft auch der operative Eingriff. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Verschlechterung der Symptomatik bei einer Spinalkanalenge kommen, jedoch wird im Gegenteil die Spinalkanalstenose OP die Symptomatik in der Mehrheit der Fälle eher verbessern.
Genesung nach einer Spinalkanal-OP
Die Genesung nach einer Spinalkanal-OP variiert individuell, es kann einige Wochen oder bis zu Monaten dauern, bis die Heilung abgeschlossen ist. Nach einigen Tagen im Krankenhaus sind noch Schmerzen möglich. Es gibt aber auch Patient:innen, die direkt nach dem Eingriff davon berichten, symptomfrei zu sein. Sollten Schmerzen auftreten, werden diese durch Medikamente und physikalische Therapie kontrolliert. Sobald es die eigene körperliche Verfassung zulässt, beginnt die Mobilisation anhand von Bewegungsübungen und Physiotherapie.
Leben mit Spinalkanalstenose
Eine Enge des Spinalkanals wird oft als starke Einschränkung der Lebensqualität empfunden. Die Ernährung hat keinen direkten Einfluss auf die Spinalkanalenge, jedoch gibt es Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil, der dabei hilft, die Gesundheit der Wirbelsäule im Allgemeinen zu fördern. Generell werden entzündungshemmende Lebensmittel empfohlen, das heißt eine Ernährung, die reich an Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren ist günstig.
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Eine Spinalkanalenge kann erneut auftreten. Ebenfalls können Gefühlsstörungen wie taube Zehen auch nach der Spinalkanal OP noch nicht vollständig abgeklungen sein.
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