Hirntumore, einschließlich Meningeome, sind seltene Erkrankungen, die sowohl Erwachsene als auch Kinder betreffen können. Die Diagnose und Behandlung eines Hirntumors können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, oft begleitet von einer Verringerung der körperlichen Aktivität. Bewegung, Sport und gezieltes Training werden jedoch zunehmend als wichtige Bestandteile der Therapie und Rehabilitation anerkannt. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Sport und Rehabilitation nach einem Meningeom, wobei der Fokus auf den Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität und der Rückkehr zu einem aktiven Lebensstil liegt.
Symptome und Diagnose von Hirntumoren
Hirntumore, einschließlich Meningeome, bleiben oft unentdeckt, da sie in den frühen Stadien nur wenige oder keine Symptome verursachen. Mit der Zeit können jedoch verschiedene Beschwerden auftreten, darunter:
- Neu auftretende epileptische Anfälle
- Taubheitsgefühle oder Lähmungen
- Gleichgewichtsstörungen
- Empfindungsstörungen beim Sehen oder Hören
- Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen
- Bewusstseinsstörungen
- Konzentrationsstörungen
- Persönlichkeitsveränderungen
Rehabilitation nach Hirntumortherapie
Nach einer Operation und/oder Bestrahlung beginnen viele Betroffene eine Anschlussheilbehandlung (AHB), die in der Regel spätestens 14 Tage nach dem Krankenhausaufenthalt beginnt. Eine Rehabilitation kann jedoch auch ohne vorherigen stationären Aufenthalt beantragt werden. Die Beantragung erfolgt über den behandelnden Arzt, meist den Hausarzt.
Ziele der medizinischen Rehabilitation
Die medizinische Rehabilitation dient dazu, den Erfolg der Hirntumortherapie zu sichern. Sie beginnt in der Regel nach Abschluss der ersten Behandlungsphase, beispielsweise nach einer Operation oder Strahlentherapie. Die Rehabilitation umfasst medizinische Behandlungen zur Beseitigung oder Linderung der körperlichen Folgen der Erkrankung, sowie Maßnahmen zur Erleichterung der Rückkehr zum gewohnten Alltag.
Bestandteile der Rehabilitation
- Physiotherapie: Verbesserung der Beweglichkeit und Vorbereitung auf Alltagsaktivitäten.
- Ernährungsberatung: Unterstützung bei der Bewältigung von Ernährungsproblemen im Zusammenhang mit der Erkrankung oder Therapie.
- Logopädie: Verbesserung der Stimm-, Sprach- und Sprechfähigkeiten.
- Ergotherapie: Wiederherstellung beeinträchtigter Körperfunktionen durch praktische Übungen und alltagsnahe Aktivitäten.
- Neurokognitive Trainingsprogramme: Förderung von Aufmerksamkeit und Gedächtnis.
- Psychoonkologische Beratung: Unterstützung bei der seelischen Bewältigung der Erkrankung.
Für Hirntumorpatienten können viele Maßnahmen in einer stationären "Anschlussheilrehabilitation" gebündelt werden, einem etwa dreiwöchigen Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik. Inzwischen gibt es auch Tageskliniken, in denen alle Reha-Maßnahmen tagsüber durchgeführt werden.
Lesen Sie auch: Wadenkrämpfe und die Schmerzen danach
Schwerpunkte der medizinischen Rehabilitation
- Logopädie: Verbesserung der Stimm-, Sprach- und Sprechfähigkeiten durch aktive Übungen und Entwicklung von Hilfsstrategien für den Alltag.
- Ergotherapie: Übungen zur Verbesserung und Wiederherstellung beeinträchtigter Körperfunktionen, einschließlich praktischer und alltagsnaher Übungen wie Kunsttherapie oder Gruppenaktivitäten wie Kochen.
- Physiotherapie: Krankengymnastik zur Verbesserung der Beweglichkeit und Vorbereitung auf Alltagsaktivitäten.
- Neurokognitive Trainingsprogramme: Förderung von Aufmerksamkeit und Gedächtnis durch spezielle Aufgaben.
Zusätzlich können sozialrechtliche Themen wie die Rückkehr ins Berufsleben, die Anerkennung einer Schwerbehinderung oder die Planung häuslicher oder stationärer Pflege Teil der Rehabilitation sein.
Sport und Bewegung nach Meningeom
Lange Zeit wurde Hirntumorpatienten von Sport abgeraten. Neuere Erkenntnisse und Erfahrungen zeigen jedoch, dass Sport und Bewegung positive Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit haben können.
Positive Auswirkungen von Sport
- Verbesserung der Lebensqualität: Sport kann die Lebensqualität erheblich verbessern, insbesondere bei Fatigue und Erschöpfung.
- Stärkung der Therapieergebnisse: Bewegung und gezieltes Training können die Wirksamkeit von Chemo- und Immuntherapien sowie der Strahlentherapie verstärken.
- Reduktion des Krebsrückfall-Risikos und der Mortalität: Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität mit einem Rückgang des Krebsrückfall-Risikos und der Mortalität einhergehen kann.
- Modulierung des Mikromilieus im Tumor: Körperliches Training kann die Blutgefäßstrukturen im Tumor normalisieren, die Durchblutung und Sauerstoffversorgung verbessern und oxidativen Stress reduzieren.
- Aktivierung der Immunabwehr: Sport kann die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten und Lymphozyten) erhöhen und die Produktion von Zytokinen fördern.
Individuelle Trainingsprogramme
Es wird eine Kombination aus Ausdauer- und allgemeinem Krafttraining empfohlen, wobei eine individuell geeignete Sportart gefunden und das Anforderungsniveau allmählich gesteigert werden sollte. Ein Training unter Anleitung auf dem aktuellen Leistungsstand ist am besten geeignet. Dies kann zunächst ein täglicher 10-minütiger Spaziergang sein, aber auch dreimal wöchentliches Joggen.
Geeignete Sportarten
Besonders geeignet sind eine Kombination aus Kraft- und Ausdauersport, Joggen, Walken, Radfahren, Tanzen, Ballsport und Schwimmen (mit aufmerksamer Begleitperson). Beim Radfahren sollte unbedingt ein Helm getragen werden. Von Tauchgängen und sturz- und erschütterungsträchtigen Sportarten wie Bergsteigen, Klettern, Motorsport, Reiten oder Boxen sollte abgesehen werden.
Vorsichtsmaßnahmen
- Überlastung und Überhitzung vermeiden.
- Ausreichend trinken.
- Großen Licht- bzw. Sonneneinfluss vermeiden.
- Aktuell bestehende Corona-Regeln beachten.
Erfahrungen und Studien
Das Hirntumorzentrum des Universitätsklinikums Münster hat positive Erfahrungen mit individuell zugeschnittenen Fitnesstrainingseinheiten für Hirntumorpatienten gemacht. Die Patienten zeigten nach einigen Wochen ähnliche oder sogar bessere Leistungen als gleichaltrige Gesunde, trotz paralleler Chemotherapie und Bestrahlung. Auch die Verträglichkeit der Chemotherapie schien sich durch das Training zu verbessern. Am wichtigsten ist jedoch die positive Auswirkung auf die Psyche: Das Gefühl, über sich hinauszuwachsen und Leistungen zu erreichen, die man nicht für möglich gehalten hätte, spendet viel wertvollen, neuen Lebensmut.
Lesen Sie auch: Demenz und Bewegung
Sport nach Meningeom-Operation
Viele Betroffene fragen sich, wann sie nach einer Meningeom-Operation wieder mit Sport beginnen können. Die Antwort hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Art der Operation, dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem individuellen Heilungsverlauf. Es ist wichtig, das Anliegen mit dem Neurochirurgen zu besprechen und sich von einem erfahrenen Sportwissenschaftler oder Physiotherapeuten beraten zu lassen.
Einige allgemeine Empfehlungen:
- In den ersten Monaten auf Bewegungen verzichten, die den Kopf zu sehr durchschütteln (Joggen, Radfahren, Reiten).
- Mit leichten Yogaübungen beginnen und langsam steigern.
- Gehen und Joggen abwechseln.
- Wert auf Gleichgewichtstraining legen.
- Auf den Körper hören und bei Überanstrengung pausieren.
Neuroonkologische Sportsprechstunde
Einige Kliniken bieten eine spezielle Neuroonkologische Sportsprechstunde an, in der Patienten nach einer Hirntumoroperation von einem Oberarzt in der Neurochirurgie und einem erfahrenen Sportwissenschaftler und Diplomtrainer beraten werden. Ziel ist es, Fragen zu beantworten, Ängste zu nehmen und gemeinsam ein individuelles Sportkonzept zu entwickeln.
Weitere Aspekte der Rehabilitation
Neben Sport und Bewegung gibt es weitere wichtige Aspekte der Rehabilitation nach einem Meningeom:
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, die körperliche Verfassung zu verbessern und Nebenwirkungen der Therapie zu reduzieren.
- Psychosoziale Unterstützung: Die Diagnose und Behandlung eines Hirntumors können psychische Belastungen verursachen. Eine psychosoziale Unterstützung kann helfen, mit diesen Belastungen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Berufliche Rehabilitation: Viele Betroffene möchten nach der Behandlung wieder in ihren Beruf zurückkehren. Eine berufliche Rehabilitation kann helfen, die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen und den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern.
Leben mit einem Meningeom
Die Diagnose eines Meningeoms kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark verändern. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, sich Unterstützung zu suchen und aktiv an der Rehabilitation teilzunehmen. Mit der richtigen Behandlung und Rehabilitation können viele Betroffene ein erfülltes Leben führen.
Lesen Sie auch: Nervensystem am Limit: Symptome und Behandlung