Migräne-Spritze: Neue Hoffnung für Betroffene

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der Millionen Menschen weltweit betroffen sind. Charakteristisch sind wiederholte, oft sehr starke Kopfschmerzattacken, die von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden können. Für viele Betroffene bedeuten Migräneattacken eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität. Neben der Akutbehandlung von Migräneattacken spielt die Prophylaxe eine wichtige Rolle, um die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren. In den letzten Jahren haben sich neue Therapieansätze entwickelt, darunter die sogenannten Migräne-Spritzen mit monoklonalen Antikörpern.

Was sind Migräne-Spritzen?

Als Migräne-Spritzen werden Medikamente bezeichnet, die monoklonale Antikörper enthalten und zur Vorbeugung von Migräneanfällen eingesetzt werden. Mittlerweile sind vier Migräne-Antikörper in Deutschland zugelassen:

  • Eptinezumab (Vyepti®)
  • Erenumab (Aimovig®)
  • Fremanezumab (Ajovy®)
  • Galcanezumab (Emgality®)

Diese Antikörper wirken, indem sie einen wichtigen Botenstoff im Körper ausschalten, der bei der Entstehung von Migräne eine zentrale Rolle spielt: das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP).

Wie wirken CGRP-Antikörper?

CGRP ist ein Eiweißstoff, der von Nervenzellen freigesetzt wird und an der Entzündungsreaktion bei Migräne beteiligt ist. Während einer Migräneattacke konnten bei Betroffenen erhöhte CGRP-Werte nachgewiesen werden. CGRP wirkt gefäßerweiternd und spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Migräne.

Die Migräne-Spritzen enthalten monoklonale Antikörper, die entweder an CGRP selbst binden (Galcanezumab und Fremanezumab) oder an den CGRP-Rezeptor, also die Andockstelle des Moleküls (Erenumab und Eptinezumab). Dadurch wird die Wirkung von CGRP blockiert und die Entstehung von Migräneattacken kann verhindert werden.

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Anwendung und Dosierung

Die Anwendung der Migräne-Spritzen hängt vom jeweiligen Medikament ab:

  • Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab: Diese Antikörper werden subkutan (unter die Haut) injiziert. Die Injektion kann vom Patienten selbst am Bauch, Oberschenkel oder Oberarm verabreicht werden. Die Dosierung und Häufigkeit der Injektion variiert je nach Medikament. Erenumab und Galcanezumab werden in der Regel einmal monatlich verabreicht, während Fremanezumab entweder monatlich oder alle drei Monate injiziert werden kann.
  • Eptinezumab: Dieser Antikörper wird intravenös (in die Vene) als Infusion verabreicht. Die Infusion erfolgt alle zwölf Wochen durch medizinisches Fachpersonal.

Die Behandlung mit CGRP-Antikörpern sollte von Ärzten eingeleitet werden, die Erfahrung in der Diagnose und Behandlung von Migräne haben.

Für wen sind Migräne-Spritzen geeignet?

Die Migräne-Spritzen sind für Erwachsene mit Migräne geeignet, die an mindestens vier Migränetagen pro Monat leiden. Häufig werden sie eingesetzt, wenn andere vorbeugende Behandlungen nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden.

Studienergebnisse und Wirksamkeit

Die Wirksamkeit der CGRP-Antikörper wurde in zahlreichen Studien untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Antikörper die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren können. Eine Ansprechrate von 50 Prozent bedeutet, dass bei diesem Anteil der Patienten die durchschnittliche monatliche Migräne im Vergleich zum Ausgangswert um mindestens 50 Prozent zurückgeht.

In Metaanalysen, die mehrere Studien zusammenfassen, zeigten sich jedoch keine wesentlichen Unterschiede in der Wirksamkeit der verschiedenen monoklonalen Antikörper hinsichtlich der durchschnittlichen Reduktion der monatlichen Migränetage oder der Ansprechraten.

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Zumindest für Erenumab liegen vergleichende Daten zu Topiramat vor: In der HER-MES-Studie wirkte Erenumab besser und reduzierte die monatlichen Migränetage bei 55,4 Prozent der Migränepatienten um die Hälfte, Topiramat schaffte dies bei 31,2 Prozent.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente können auch die Migräne-Spritzen Nebenwirkungen haben. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Rötungen an der Einstichstelle
  • Verstopfung
  • Muskelspasmen
  • Juckreiz

In der Regel sind die Nebenwirkungen leicht bis mittelschwer. Daten legen zudem eine erhöhte Infektanfälligkeit nahe.

Kosten und Erstattung

Die Kosten für die Migräne-Spritzen sind relativ hoch. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nur, wenn herkömmliche Therapien nicht geholfen haben. Die genauen Erstattungskriterien können je nach Krankenkasse variieren.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat für Erenumab einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber einer Migräneprophylaxe mit Topiramat festgestellt. Deswegen übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Erenumab auch ohne Vortherapien mit einem anderen Migräneprophylaktikum.

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Anders bei Fremanezumab und Galcanezumab: Nach Ansicht des G-BA sind Fremanezumab und Galcanezumab nur für austherapierte Patienten sinnvoll, wenn diese auf keine der genannten medikamentösen Therapien mit Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin, Valproinsäure und Clostridium botulinum Toxin Typ A (Letzteres bei chronischer Migräne) angesprochen haben, sich diese Arzneimittel nicht eignen oder die Patienten diese nicht vertragen haben. Für Eptinezumab ist laut dem G-BA-Beschluss vom 16. Februar 2023 der Zusatznutzen verglichen mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie (Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin, Clostridium botulinum Toxin Typ A oder Erenumab) oder nach Versagen dieser Behandlung verglichen mit Erenumab, Fremanezumab oder Galcanezumab nicht belegt.

Individuelle Wahl des Antikörpers

Für welchen Antikörper sich Arzt und Patient entscheiden, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter individuelle Vorlieben und die Häufigkeit der Anwendung. So besteht beispielsweise bei Fremanezumab die Möglichkeit, den Antikörper nur vierteljährlich zu injizieren. Erenumab und Galcanezumab dürfen nur im Vier-Wochen- beziehungsweise Monatsrhythmus verabreicht werden. Für Eptinezumab gilt ebenfalls ein Dosierintervall von zwölf Wochen, allerdings erhalten Migränepatienten diesen Antikörper intravenös.

Alternativen zur Migräne-Spritze

Neben den Migräne-Spritzen gibt es noch andere Möglichkeiten zur Vorbeugung von Migräneattacken:

  • Medikamentöse Prophylaxe: Hierzu gehören Betablocker (Metoprolol, Propranolol), Amitriptylin, Flunarizin, Topiramat, Valproinsäure und Clostridium botulinum Toxin Typ A (Botulinumtoxin Typ A).
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Dazu zählen Ausdauersport, Entspannungsübungen, Stressbewältigung, ein gesunder Takt bei Schlaf und Mahlzeiten sowie Akupunktur.

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