Kopfschmerzen und Migräne im Wochenbett sind ein häufiges Problem für frischgebackene Mütter. Verschiedene Faktoren, darunter hormonelle Veränderungen, Flüssigkeitsmangel, Ernährungsumstellungen, Stress und Schlafmangel, können eine Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen stillem Schlafmangel, Migräne und den spezifischen Ursachen im Wochenbett.
Kopfschmerzen im Wochenbett: Ein Überblick
Wochenbettkopfschmerzen sind ein Phänomen, das viele frischgebackene Mütter betrifft und unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu Kopfschmerzen im Wochenbett führen können. Zu den häufigsten Ursachen zählen hormonelle Veränderungen, Flüssigkeitsmangel, Ernährungsumstellungen, Stress und Schlafmangel.
Hormonelle Veränderungen als Auslöser
Während des Wochenbetts durchläuft der Körper einer frischgebackenen Mutter signifikante hormonelle Schwankungen. Die hormonellen Veränderungen, die nach der Geburt auftreten, können einen erheblichen Einfluss auf das Auftreten von Kopfschmerzen im Wochenbett haben. Insbesondere der plötzliche Östrogenabfall nach der Geburt kann Migräneattacken auslösen.Auch das Hormon Prolaktin, das die Milchbildung anregt, wird von Medizinern als möglicher Auslöser von Migräne im Wochenbett vermutet.
Flüssigkeitsmangel und Ernährungsgewohnheiten
Kopfschmerzen im Wochenbett können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter auch Dehydration und Ernährungsgewohnheiten. Dehydration ist ein häufiger Auslöser für Kopfschmerzen, insbesondere nach der Geburt. Der Körper benötigt während des Wochenbetts vermehrt Flüssigkeit, um sich zu regenerieren und die Milchproduktion zu unterstützen. Ernährungsgewohnheiten können ebenfalls eine Rolle bei Kopfschmerzen im Wochenbett spielen. Eine ausgewogene Ernährung, reich an Vitaminen und Mineralstoffen, kann helfen, Kopfschmerzen zu vermeiden.
Stress als Migränefaktor
Stress ist eine häufige Ursache für Kopfschmerzen im Wochenbett. Die Belastung durch die neue Rolle als Mutter, die Pflege des Neugeborenen und die körperliche Erholung nach der Geburt können erheblichen Stress verursachen. Eine Studie zeigt, dass 60% der frischgebackenen Mütter über erhöhte Stresslevel in den ersten Wochen nach der Geburt berichten. Emotionaler Stress oder auch nach einer anstrengenden, stressigen Zeit können Migräneanfälle auftreten.
Lesen Sie auch: Vergesslichkeit bei Müttern
Der Einfluss von Schlafmangel auf Migräne
Schlafmangel ist eine weitere häufige Ursache für Kopfschmerzen im Wochenbett. Neugeborene haben unregelmäßige Schlafmuster, die es den Müttern oft schwer machen, ausreichend Schlaf zu bekommen. Ausreichender Schlaf ist wichtig, um den Körper zu regenerieren und die Freisetzung von Stresshormonen zu reduzieren. Stress und Schlafmangel sind wesentliche Faktoren, die Wochenbettkopfschmerzen beeinflussen können.
Schlafmangel und Migräne: Eine wechselseitige Beziehung
Schlaf und die verschiedenen Arten von Kopfschmerzen stehen in einem wechselseitigen Verhältnis. Viele Studien und Befragungen belegen dies. Schlechter Schlaf erhöht das Migränerisiko. In einer repräsentativen Umfrage gaben über die Hälfte der Befragten an, dass eine schlechte Schlafqualität die Ursache ihrer Beschwerden sei. Neuere Studien untermauern den wechselseitigen Zusammenhang zwischen (schlechtem) Schlaf und Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne.
Natürliche Linderungsmethoden
Frischgebackene Mütter können auf verschiedene Weise Linderung für Kopfschmerzen im Wochenbett finden. Natürliche Methoden können oft effektiv sein, um Kopfschmerzen im Wochenbett zu lindern.
Ätherische Öle
Ätherisches Pfefferminzöl oder Lavendelöl können Kopfschmerzen lindern. Vor allem Pfefferminzöl hat einen kühlenden und entspannenden Effekt. Wichtig ist aber, dass Du das Öl erst nach dem Stillen und nicht im Beisein Deines Babys auf die Schläfen aufträgst. Bei Babys können ätherische Öle zu Augen- und Schleimhautreizungen führen.
Kälte- und Wärmeanwendungen
Kälte hilft gut bei Kopfschmerzen. Lege Dir einen kalten Lappen oder ein Kühlpack auf die Stirn oder Schläfen. Bei Verspannungen tut eher Wärme gut. Lege Dir hier ein Kirschkernkissen in den Nacken, um den Schmerz zu lindern.
Lesen Sie auch: Unterstützung für stillende Mütter
Entspannung und Flüssigkeitszufuhr
Darüber hinaus solltest Du versuchen, zu entspannen. Nutze die (kleinen) Schläfchen Deines Babys für Ruhepausen. Schließe die Augen, atme tief und spüre die Ruhe in Deinem Inneren. Wichtig ist, dass Du viel trinkst: mindestens um die zwei Liter in Form von Mineralwasser, ungesüßten Tees und Fruchtschorlen.
Medikamentöse Optionen
Wenn natürliche Maßnahmen nicht ausreichen, können medikamentöse Optionen in Betracht gezogen werden. Es ist wichtig, diese nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin anzuwenden, insbesondere während der Stillzeit. Paracetamol und Ibuprofen gelten als Mittel der Wahl in der Stillzeit, denn bisher konnten keine Beobachtungen zu Nebenwirkungen bei gestillten Kindern beobachtet werden.
Vorbeugende Maßnahmen
Eine vorbeugende Herangehensweise kann helfen, Kopfschmerzen im Wochenbett zu minimieren.
Regelmäßigkeit und Ernährung
Eine ausgeglichene Lebensführung ist bei Migräne immer von Vorteil. Regelmäßige Schlafzeiten oder eine gute Schlafqualität sind in der Stillzeit eher Glückssache, aber zum Beispiel kann man auf regelmäßige Einschlafzeiten und Mahlzeiten achten. Neuere Studien haben Zusammenhänge zwischen unserem Zuckerstoffwechsel und Migräne festgestellt. Besonders stark schwankende Blutzuckerreaktionen nach dem Essen können auf mehreren Ebenen Migräneanfälle fördern. Eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, ist daher eine effektive Migräneprophylaxe.
Entspannung und Sport
Durch gezieltes Entspannungstraining, wie z.B. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenem Training oder Atem-Meditation, kann sich die Muskulatur entspannen, Stresshormone abgebaut und körpereigene Schmerzabwehrsysteme regeneriert werden. Ausdauersport ist ebenfalls eine gute Methode, um Migräne- und Kopfschmerz-Attacken vorzubeugen.
Lesen Sie auch: Entspannte Stillzeit
Migräne: Ursachen und Auslöser im Detail
Die genauen Ursachen der Migräne und die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Man vermutet bei den Betroffenen eine genetische Veranlagung (Prädisposition) - nicht selten tritt Migräne familiär gehäuft auf. Auf Basis dieser genetischen Neigung scheint es im Zusammenspiel mit verschiedenen inneren oder äußeren Faktoren (Triggern) zu den Migräne-Attacken zu kommen.
Genetische Veranlagung
Migräne ist vererbbar - diese Art des Kopfschmerzes kann innerhalb einer Familie weitergegeben werden. Oft handelt es sich um ähnliche Formen der Migräne, aber nicht immer. Es kann also sein, dass die Migräne bei Kindern mit Übelkeit, Sehstörungen und Lichtempfindlichkeit einhergeht, die ebenfalls betroffenen Eltern oder Großeltern aber keine dieser zusätzlichen Symptome aufweisen.
Auslöser (Trigger)
Verschiedene Trigger können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräne-Attacke auslösen. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall „triggern“, ist individuell verschieden. Einige Beispiele:
- Stress: Ein häufiger Auslöser ist Stress im privaten oder beruflichen Umfeld.
- Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus: Betroffen sind oft Menschen, die im Schichtdienst arbeiten.
- Reizüberflutung: Wenn das Gehirn zu viele Eindrücke gleichzeitig verarbeiten muss, entsteht ebenfalls Stress.
- Wetter/Wetterwechsel: Es gibt kein bestimmtes „Migräne-Wetter“, das Attacken verursacht. Viele Betroffene reagieren empfindlich auf schwülwarme Gewitterluft, starken Sturm, Föhnwetter oder sehr helles Licht an einem wolkenlosen Tag. Bei manchen wiederum löst Kälte Migräne-Attacken aus.
- Ernährung: Bei einigen Produkten wie Bananen oder bestimmten Käsesorten hat man Tyramin im Verdacht. Achten Sie darauf, regelmäßig zu essen. Häufig setzen Migräne-Anfälle ein, wenn man zu wenig gegessen hat (Unterzuckerung).
- Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen starken Einfluss auf Migräne. Vielfach steht die Migräne in Zusammenhang mit der Menstruation. So löst der Abfall des Östrogenspiegels vor der Regelblutung bei manchen Frauen eine Migräne-Attacke aus. Darüber hinaus können hormonelle Verhütungsmittel („Pille“) ebenfalls Migräne verursachen. Deshalb heißt diese Form auch „hormonelle Migräne“.
Migräne: Formen und Symptome
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne. Dazu gehören Migräne ohne Aura, Migräne mit Aura, chronische Migräne und Migränekomplikationen. Die Hauptformen sind Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura.
Migräne ohne Aura
Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form von Migräne. Typisch sind anfallsartig auftretende, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität. Sie verstärken sich durch körperliche Routineaktivitäten (z. B. Gehen, Treppensteigen) und halten vier (bei Kindern und Jugendlichen zwei) bis 72 Stunden an. Begleitet werden sie von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Migräne mit Aura
Die Migräne mit Aura ist seltener als die Migräne ohne Aura. Die Aura bezeichnet neurologische Symptome, die der Kopfschmerzphase vorausgehen oder zusammen mit dieser auftreten können. Die Symptome der Aura setzen schleichend ein und zeigen sich auf einer Kopfseite. Sie können Lichtblitze, Flimmern, Sehen von gezackten Linien, Gesichtsfeldausfall, Sprachstörungen, Missempfindungen, unvollständige Lähmungen und Schwindel umfassen. Sie sind vorübergehend und verursachen keine bleibenden Schäden.
Diagnose und Behandlung von Migräne
Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden ihrer Patienten. Unter anderem wird nach der Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und nach Begleitsymptomen gefragt. Auch ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen.
Vorbeugung von Migräne
Bei häufiger Migräne sind möglicherweise vorbeugende Maßnahmen sinnvoll - etwa regelmäßiger Sport oder Entspannungsübungen. Bei häufigen oder schweren Migräne-Attacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wir Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage. Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen.
Akut-Therapie von Migräne-Attacken
Zur Linderung akuter Migräne-Anfälle werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate eingesetzt. Migränespezifische Medikamente wie Triptane oder Ditane sind wirksam gegen starke Symptome und sollten frühzeitig eingenommen werden. Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon.
Kopfschmerzen in der Stillzeit: Was tun?
Kopfschmerzen in der Stillzeit können infolge der hormonellen Umstellungen nach der Geburt vermehrt auftreten. Weitere Faktoren wie Schlafmangel, Stress oder Flüssigkeitsmangel können die Entstehung von Kopfschmerzen zusätzlich begünstigen. Damit Sie Ihrem Baby nicht unnötig schaden, sollten Sie so gut es geht auf Schmerzmittel verzichten und erst einmal zu natürlichen Behandlungsmethoden greifen.
Natürliche Behandlungsmethoden
Viele der bekannten Hausmittel bei Kopfschmerzen und Migräne können auch in der Stillzeit angewendet werden, da sie Ihrem Baby nicht schaden.
- Pfefferminzöl: Tragen Sie die Pfefferminzlösung vorsichtig auf die Haut im Bereich der Schläfen, der Stirn und im Nacken auf.
- Flüssigkeitszufuhr: Bei Kopfschmerzen viel zu trinken, vor allem da Sie beim Stillen ohnehin einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf haben.
- Kälteanwendungen: Kalte Wickel oder Kompressen im Bereich der Stirn, der Schläfen oder im Nacken können deshalb helfen, die Beschwerden zu lindern.
- Wärmeanwendungen: Eine Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen auf der verhärteten Muskulatur fördert die Durchblutung in diesem Bereich und hilft das verkrampfte Gewebe zu entspannen.
- Akupunktur und Akupressur: Dabei werden bestimmte Punkte am Körper gedrückt (Akupressur) oder mit feinen Nadeln stimuliert (Akupunktur), wodurch die Schmerzintensität sowie auch die Häufigkeit von Kopfschmerzanfällen gelindert werden sollen.
Wann zum Arzt?
Vor allem, wenn Sie öfter von Kopfschmerzen und Migräne in der Stillzeit betroffen sind, sollten Sie unbedingt der Ursache auf den Grund gehen. Wenn bei anhaltenden Kopfschmerzen mit Hausmitteln und natürlichen Behandlungsmethoden nicht weiter kommen oder die Schmerzen einfach nicht auszuhalten sind, können Sie ein stillverträgliches Schmerzmittel einnehmen.
Migräne und Stillen: Eine persönliche Erfahrung
Oft fragen mich Leute, wie es ist, Migräne zu haben und sich um ein so kleines Baby kümmern zu müssen. Ich sage ihnen dann, sie sollen sich folgende Szene vorstellen: Du hast unaushaltbare Schmerzen. Es fühlt sich so an, als würde dir jemand im Rhythmus deines Herzschlags einen Hammer auf deinen Kopf hauen, immer und immer wieder. Licht brennt dir in den Augen, Lärm tut dir in den Ohren weh. Dir ist übel und du erbrichst. Endlich schläfst du vor Erschöpfung und Kraftlosigkeit ein, spürst keine Schmerzen mehr. Und dann schreit dein Baby, laut und inbrünstig. Es hat Hunger. Du wirst wach, spürst erneut die heftigen Schmerzen, jemand haut dir einen Hammer auf deinen Kopf, immer und immer wieder.
tags: #stillen #schlafmangel #migrane