Stirnfalten, Migräne und Botox: Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und neue Therapieansätze

Stirnfalten sind ein natürlicher Bestandteil des Alterungsprozesses. Sie entstehen durch die Aktivität des Stirnmuskels und können je nach Muskelaktivität quer über die gesamte Stirn verlaufen oder nur einen bestimmten Teil betreffen. Obwohl sie oft als ästhetisches Problem wahrgenommen werden, können Behandlungen von Stirnfalten in manchen Fällen auch positive Nebeneffekte haben, insbesondere bei Migränepatienten.

Entstehung von Stirnfalten

Ob wir es wollen oder nicht, schon mit dem 25. Lebensjahr können sich erste Fältchen zeigen. Bei den Stirnfalten handelt es sich um horizontale, meist wellenförmige Falten auf der Stirn. Diese entstehen auf Grund der Aktivität des Stirnmuskels. In Abhängigkeit der Muskelaktivität können sich die Stirnfalten quer über die gesamte Stirn legen oder nur über einen bestimmten Teil.

Bekannt sind sie als Zornes- oder Sorgenfalten. Das sog. Quer- und störende Längsfalten entstehen mit zunehmendem Alter am Hals. Haben die Muskeln die Haut erst losgelassen, gleichen sich die Falten von selbst aus. Andere Muskeln wie diejenigen, die die Augenbrauen anheben, sind hiervon nicht betroffen.

Botox zur Behandlung von Stirnfalten

Botox, oder Botulinumtoxin A, ist ein von dem Bakterium Clostridium botulinum produziertes Nervengift. Es wird in der ästhetischen Medizin häufig zur Behandlung von Mimikfalten eingesetzt, wie z.B. Zornesfalten, queren Stirnfalten und seitlichen Augenwinkelfältchen (Krähenfüßchen). Botox lähmt vorübergehend die Muskeln und verringert somit die Bewegung in den behandelten Bereichen.

Bei der Behandlung von Stirnfalten wird Botox in den Stirnmuskel injiziert, um dessen Aktivität zu reduzieren. Dies führt zu einer Glättung der Stirnfalten. Schon wenige Tage nach der Behandlung zeigt sich eine erste Wirkung, nach etwa 10 - 14 Tagen ist der maximale Effekt sichtbar. Das Ergebnis der Behandlung ist bei Fillerinjektion sofort sichtbar und hält je nach Material ca. 1-4 Jahre an. Bei Botulinumtoxin ist das Ergebnis etwa 3-6 Monate sichtbar.

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Je nach Schmerzempfinden kann die Behandlung von den Falten auf der Stirn als unangenehm empfunden werden. Die Schmerzschwelle in der Stirnhaut ist normal etwas höher, wobei es in der Richtung der Augenbrauen schmerzhafter werden kann.

Der Zusammenhang zwischen Stirnfalten und Migräne

Wie so oft in der Wissenschaft war auch diese Entdeckung ein Zufall: Bahman Guyuron, ein plastischer Chirurg, der seinen Patienten Botox gegen lästige Stirnfalten spritzte, stellte fest, dass das Nervengift nicht nur die Haut glättete - es befreite einige seiner Patientinnen auch von lästigen Kopfschmerzen. Der Grund war klar: Botox legte mitsamt den Muskeln an der Stirn die Schlüsselstellen für die Entstehung des Kopfschmerzes lahm, die Nerven konnten so keine Schmerzen mehr verursachen.

Botox ist in der Therapie der chronischen Migräne prophylaktisch wirksam. Sprich, das Ziel ist es, damit die Attacken- beziehungsweise die Kopfschmerzfrequenz zu senken. Botox Präparate sind zur Behandlung von chronischer Migräne zugelassen wenn Patienten auf orale vorbeugende Medikamente nicht angesprochen oder diese nicht vertragen haben.

Bei einem Migräne-Anfall werden bestimmte Muskeln im Gesicht-, Nacken- und Halsbereich derartig aktiviert, dass der Bluttransport zum Gehirn in benachbarten Gefäßen behindert wird. Die starke Muskelanspannung und die verminderte Blutversorgung verursachen Migräne-Kopfschmerzen. Botox Injektionen entspannen die Muskeln, behindern die Schmerzweiterleitung und wirken dadurch direkt auf die Ursache der Migräne.

Botox als Migräne-Therapie

Botulinumtoxin Unterspritzungen sind seit 2011 zur Behandlung von chronischer Migräne zugelassen. Besonders empfehlenswert ist diese Methode für Patienten, bei welchen sonstige Behandlungen nicht zufriedenstellend wirken.

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Eine Migräne gilt dann als chronisch, wenn ein Patient an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leidet und davon an mindestens acht unter Migräne.

Bewährten Behandlungsprotokollen entsprechend werden bei der Botox Migräne Therapie bis zu 39 Injektionspunkte gesetzt. In unserer Praxis injizieren wir das Botox® gegen Migräne in München in bestimmte Punkte an Kopf und Nacken. Die Botox® Unterspritzung ist eine effektive nicht-invasive Methode zur Migräne-Behandlung in München. Die Behandlung selbst dauert in der Regel 10-30 Minuten.

Die Wirkung von Botox bei Migräne hält in der Regel 3-4 Monate an. Ungeachtet dessen sollte im 1. Jahr ein Behandlungsintervall von 3 Monaten eingehalten werden. Bei guter Wirkung kann im 2. Jahr versucht werden, das Intervall auf 4 Monate auszudehnen. Unter günstigen Bedingungen kann die Behandlung im weiteren Verlauf auch abgesetzt werden.

Mögliche Nebenwirkungen von Botox

Wie bei jeder Therapie können auch bei Botox Nebenwirkungen auftreten. Grundsätzlich können an der Injektionsstelle kurzfristig Schmerzen auftreten. Botox wird bei der Migräne-Behandlung auch in die Stirn gespritzt. Da das Medikament Muskeln lähmt, kann als Nebenwirkung auch der Muskel betroffen sein, der das Augenlid hebt - und dann hängt das Lid runter. Die Dosis, die zur Migräne-Prophylaxe in die Stirn injiziert wird, ist geringer als die Dosis, die zur kosmetischen Behandlung eingesetzt wird. Häufig beeinträchtigt die Botox-Therapie die Stirnmimik nicht wesentlich, einige Patienten haben jedoch tatsächlich anschließend eine glattere Stirn. Die Lidschwäche dagegen ist in den Zulassungs-Studien bei 3,3 Prozent der Patienten aufgetreten.

In bestimmten Fällen darf Botox nicht eingesetzt werden: beispielsweise, wenn der Patient an einer Erkrankung leidet, die die neuromuskuläre Übertragung beeinflusst, wie z.B. die Myasthenia gravis oder wenn der Patient eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber Botulinumtoxinen hat. Beides kommt jedoch im klinischen Alltag nicht häufig vor.

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Äußerst selten soll der gewünschte Botox Effekt wegen einer Antikörperbildung ausbleiben.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten der Botox Behandlung gegen Migräne. Voraussetzung für die Kostenübernahme: Die Erkrankung Migräne muss zweifelsfrei vorliegen und die Therapie mit mindestens 2-3 herkömmlichen Medikamenten (wie z.B. Metoprolol, Flunarizin, Topiramat) muss zuvor erfolglos versucht worden sein. Abhängig von individuellen Faktoren der Patienten können die Kosten sehr unterschiedlich sein. Preis der Migräne Botox Behandlungen: ab 270 Euro. Oftmals übernimmt die gesetzliche oder private Krankenkasse die Kosten für die Behandlung mit Botox bei schweren neurologischen Erkrankungen vollständig oder zumindest einen Teil davon. Jede Krankenkasse hat jedoch eigene teils unterschiedliche Voraussetzungen.

Alternative Behandlungsmethoden bei Migräne

Es gibt medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren, um der Migräne vorzubeugen. Bei Patienten, bei denen die Migräne noch nicht sehr stark ausgeprägt ist, sollten zunächst die nicht-medikamentösen Verfahren ausgeschöpft werden. Dazu gehören zum Beispiel Entspannungs-Übungen und / oder ein regelmäßiger Ausdauersport. Oft helfen auch gewisse Lebensstil-Modifikationen, wie regelmäßig zu essen, regelmäßig zu schlafen und ein gutes Stress-Management. Wenn trotzdem noch häufig Attacken vorkommen, die die Lebensqualität eines Patienten deutlich beeinträchtigen, sollte eine medikamentöse Therapie, optimalerweise in Kombination mit nicht-medikamentösen Verfahren, begonnen werden.

Migräne-Operation als letzte Option

Etwa einem Drittel aller Migränepatienten helfen herkömmliche Therapieansätze nicht. Für sie haben Ärzte eine chirurgische Lösung entwickelt: Wenn durch Botox stillgelegte Muskeln für Schmerzfreiheit sorgen, dann könnte eine komplette Entfernung der Schmerzen verursachenden Muskeln Patienten wieder Lebensqualität zurückgeben.

Patienten, deren Migräne im Stirnbereich entsteht, wurden die Muskeln im kritischen Bereich entfernt. Dadurch lässt offenbar der Druck auf die Nerven in diesem Bereich nach. Vor der Operation bekam jeder Patient Botox injiziert. So konnten die Mediziner prüfen, welche Bereiche den Schmerz auslösen. Mindestens zwei Areale waren im Fall der meisten Patienten dafür verantwortlich. Fünf Jahre nach der Behandlung unterzogen sich 69 Patienten Untersuchungen zum Schmerz, zu kopfschmerzbedingten Einschränkungen und den Auswirkungen auf die Lebensqualität. Fast 90 Prozent der so behandelten Patienten waren zumindest zum Teil vom Schmerz befreit. Für 59 Prozent hatten die Kopfschmerzattacken signifikant abgenommen. Ein Drittel war die Migräne sogar komplett los, berichtet Bahman Guyuron von der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio.

Die Migräneattacken waren nach dem Eingriff auch seltener - sie sanken von durchschnittlich elf auf vier pro Monat. Wenn sie auftraten, waren sie kürzer: Sie plagten die Betroffenen acht Stunden statt zuvor durchschnittlich 34 Stunden.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die Ursachen für Migräne sind noch nicht eindeutig geklärt. Allerdings weiß man, dass die Kopfschmerzen durch sogenannte Trigger ausgelöst werden können.

Typische, verallgemeinerbare Trigger gibt es nicht, Migräne ist immer sehr individuell. Stress ist sicherlich ein sehr häufiger Auslöser. Schlafmangel kann Migräneattacken auslösen, aber auch zu viel Schlafen - das heißt, jedes Abweichen vom normalen Rhythmus kann das Auftreten von Migräneattacken begünstigen. Bei einigen Patienten können auch bestimmte Nahrungsmittel eine Migräneattacke auslösen. Glutamat wird immer als klassisches Beispiel genannt. Dazu gibt es aber eine Studie, die untersucht hat, wie viel Natriumglutamat man nehmen muss, um Kopfschmerzen auszulösen - und das sind recht hohe Dosen (2,5 Gramm), die selbst in einem sehr glutamatreichen Gericht nicht erreicht werden.

Unterscheidung zwischen Migräne und anderen Kopfschmerzarten

Häufig wird die Migräne mit gewöhnlichen Kopfschmerzen verwechselt. Dabei hat Migräne weitaus mehr Symptome als einfache Kopfschmerzen. Er beginnt meist mit einer Aura, wie Flimmern im Auge oder das Einschlafen von Gliedmaßen. Einige betroffene Menschen klagen dabei nicht nur über den Schmerz im Kopf, sondern zudem über Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit und Sehstörungen. Der Schmerz ist vorwiegend einseitig zu spüren, dabei pulsiert oder hämmernd dieser stark im Kopf. Bewegungen verschlimmern die Beschwerden meist.

Migräne unterscheidet sich von Spannungskopfschmerzen in der Art des Schmerzes, in dessen Intensität und den Begleiterscheinungen. Der Migräne-Schmerz ist meist pochend-pulsierend und oft nur in einer Kopfhälfte zu spüren. Hinzu kommen häufig Licht- und Lärmempfindlichkeit, Sehstörungen, Müdigkeit und Übelkeit. Eine Schmerzattacke dauert bei Migräne oft mehrere Stunden oder Tage.

Der Unterschied zum einseitigen Migränekopfschmerz liegt bei Spannungskopfschmerzen beim ganzheitlichen Schmerz im Kopf. Die Schmerzen können vom Nacken bis in die Schulter ausstrahlen. Cluster-Kopfschmerzen werden ebenso häufig mit Migräne verwechselt, denn der Schmerz tritt ebenfalls einseitig auf und zieht sich bis in eine Augenpartie.

Bruxismus (Zähneknirschen) als möglicher Faktor

Unbewusstes, meist nächtliches Zähneknirschen wird als Bruxismus bezeichnet. Im Milchgebiss kann Zähneknirschen durchaus normal sein und biologische, wachstumsbedingte Gründe haben. Durch das Aufeinanderpressen der Zähne (nachts mit bis zu zehnfach erhöhter Kaukraft) werden vor allem die Zahnsubstanz, der Zahnhalteapparat, die Kiefergelenke (craniomandibuläre Dysfunktion) und die Kaumuskeln stark geschädigt. Langzeitschäden können nicht nur lokal, sondern auch ganzheitlich wirken.

Botox Behandlungen reduzieren die Aktivität der Kaumuskulatur. Unangenehme Verspannungen und Schmerzen im Kiefergelenk- und Kaumuskelbereich werden durch die Injektion von Muskelrelaxans sehr effektiv beseitigt. Die schmerzarme Behandlung dauert nur wenige Minuten, die Wirkung hält durchschnittlich ca. Ästhetische Nebenwirkung von Botulinumtoxin Injektionen in die Kaumuskulatur: Bei Hypertrophie des M. Die Anwendung von Botox-Unterspritzungen zur Muskelentspannung ist auch bei Bruxismus Behandlungen äußerst risikoarm.

Mit einigen gezielten Botox Injektionen in einem der Kaumuskeln kann man somit vorübergehend die Kraft, mit der die Zähne aufeinandergepresst werden, reduzieren und somit das Problem des Bruxismus erheblich lindern.

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