Das Nervensystem ist die zentrale Steuerzentrale unseres Körpers und kontrolliert, koordiniert und reguliert lebenswichtige Funktionen. Eine Störung des Nervensystems liegt vor, wenn die normale Funktion von Gehirn, Rückenmark oder peripheren Nerven beeinträchtigt ist. Nervenkrankheiten, auch neurologische Erkrankungen genannt, sind Störungen des Nervensystems. Sie unterscheiden sich in Symptomatik, Ursachen und Behandlungswegen.
Arten von Nervenkrankheiten
Nervenkrankheiten betreffen entweder das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) oder das periphere Nervensystem (Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark). Es gibt unzählig viele Nervenkrankheiten in unterschiedlichsten Ausprägungen. Einige treten jedoch häufiger als andere auf:
- Erbliche Nervenkrankheiten: Hast du entweder seit Geburt oder kannst sie aufgrund deiner erblichen Veranlagung im Laufe des Lebens entwickeln.
- Degenerative Nervenkrankheiten: Sind fortschreitende Erkrankungen, bei denen deine Nervenzellen nach und nach absterben oder ihre Funktion verlieren. Krankheiten wie diese beeinträchtigen deine Sprache, Bewegung oder auch dein Gedächtnis. Wie sie entstehen ist nicht vollends geklärt.
- Entzündliche Nervenkrankheiten: Autoimmunreaktionen, Infektionen oder sonstige Prozesse lösen im Zweifel entzündliche Nervenkrankheiten aus.
- Neuromuskuläre Erkrankungen: Betreffen das Zusammenspiel zwischen Nervensystem und Muskulatur.
- Gefäßbedingte Nervenkrankheiten bzw. neurovaskuläre Erkrankungen: Entstehen durch Durchblutungsstörungen im Gehirn oder Rückenmark. Sie führen wiederum zu einer unzureichenden Sauerstoff- und Nährstoffversorgung.
Häufige Nervenkrankheiten
- Schlaganfall: Entsteht infolge einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn. Symptome wie Lähmungen, Sprachstörungen oder der Verlust des Bewusstseins gehen mit ihm einher. Da Nervenzellen im Gehirn kaum regenerationsfähig sind, können bei einem Schlaganfall bleibende Schäden entstehen. Schäden sind zum Beispiel Persönlichkeitsveränderungen, Schwindel, Schluck-, Sprach- oder Sehstörungen. Die Therapie hat das Ziel, die korrekte Durchblutung möglichst schnell wiederherzustellen, um eine weitere Schädigung von Neuronen zu verhindern. Dies geschieht zum Beispiel durch eine sogenannte Lyse-Therapie, bei der der gefäßverschließende Thrombus medikamentös aufgelöst wird. Handelt es sich um einen durch eine Hirnblutung verursachten Schlaganfall, erfolgt in der Regel ein operativer Eingriff am Gehirn. Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einen Schlaganfall zu erleiden, dazu gehören zu hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen, Übergewicht und zu hohe Cholesterinwerte.
- Hirnblutung: Tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt. Dann tritt Blut in das umliegende Gewebe aus. Die austretende Blutmenge drückt infolge auf das Gehirngewebe, was Nervenzellen zerstören oder ihre Funktion stark beeinträchtigen kann.
- Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Entsteht durch eine äußere Gewalteinwirkung auf den Kopf. Häufig ist es auf einen Unfall oder Sturz zurückzuführen. Abhängig von der Schwere der Einwirkung, können Symptome von Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit und neurologischen irreversiblen Schäden reichen. Die Schädigung des Gehirns bei einem SHT erfolgt in zwei Phasen: Die erste Phase umfasst die direkte Schädigung durch den Unfall. Diese ist nicht therapierbar, da zerstörte Neurone im Gehirn nicht regenerieren können. In der zweiten Phase treten, durch pathophysiologische Prozesse die im Hirn ablaufen, sekundäre Schädigungen auf, die zu einer weiteren Zerstörung von Neuronen führen können. Diese sind prinzipiell therapierbar, sofern sich die pathophysiologischen Prozesse z.B. medikamentös beeinflussen lassen. Die Behandlung des SHT ist abhängig vom Schweregrad der Verletzung. Primäres Ziel ist es die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns aufrechtzuerhalten, um möglichst viele Neurone vor sekundären Schäden zu retten.
- Morbus Parkinson: Ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Dopamin produzierende Nervenzellen im Gehirn langsam absterben. Da Dopamin eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegungen spielt, verlieren Betroffene zunehmend die Kontrolle über motorische Abläufe. Dies führt zu den Parkinson-typischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamten Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen.
- Multiple Sklerose (MS): Ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bisher nicht geklärt. Es entstehen in der weißen Substanz von Gehirn und Rückenmark Entzündungsherde, in denen das körpereigene Immunsystem die Myelinschicht attackiert. Die Myelinschicht, ist die isolierende Schicht welche die Axone der Nervenzellen umgibt und wird im ZNS von den Oligodendrozyten gebildet. Die Zerstörung der Myelinschicht führt dazu, dass die Signalweiterleitung entlang der Axone nicht mehr korrekt erfolgt, was letztendlich zu den Symptomen der MS führt.
- Hirnhautentzündung (Meningitis): Entsteht durch eine bakterielle oder virale Infektion, die die Hirnhäute entzündet. Typische Symptome sind starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Fieber und in schweren Fällen Bewusstseinsstörungen. Da die Entzündung das zentrale Nervensystem betrifft, kann sie unbehandelt zu schweren neurologischen Schäden wie Krampfanfällen oder Taubheit führen.
- Kopfschmerzen: Können viele Ursachen haben - darunter Stress, Verspannungen oder Durchblutungsstörungen. Bestimmte Formen der Kopfschmerzen sind auf neurologische Faktoren zurückzuführen - die bekannteste ist Migräne. Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden, meist einseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit und Lichtempfindlichkeit.
- Polyneuropathie: Bezeichnet eine Schädigung mehrerer peripherer Nerven. Die geschädigten Nervenfasern leiten Reize nur noch fehlerhaft oder gar nicht weiter, was zu Empfindungsstörungen und unkontrollierter Muskelaktivität führt.
- Gehirntumor: Ist eine gutartige oder bösartige Wucherung im Gehirn, die durch unkontrolliertes Zellwachstum entsteht. Abhängig von der Lage kann er Kopfschmerzen, Sehstörungen, Sprachprobleme oder Lähmungen verursachen. Da der Schädelknochen das Gehirn umgibt, kann ein wachsender Tumor Druck auf Nervenzellen ausüben und deren Funktion beeinträchtigen.
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Ist eine schwere, bisher nicht heilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems. Bei der ALS verlieren die motorischen Nervenzellen, die für die willkürliche Steuerung der Muskulatur verantwortlich sind, fortschreitend ihre Funktion. Die geschädigten motorischen Nervenzellen (Motoneurone) befinden sich im Gehirn und im Rückenmark. Der Abbau von Nervenzellen (Neurodegeneration) stellt sich für Menschen mit ALS vor allem als Kraftminderung und Muskelschwäche, Muskelschwund oder Steifigkeit dar. Der Nervenzellverlust hat zur Folge, dass die Mobilität der Hände, Arme, Beine sowie des Rumpfes und der Zunge im Laufe der Krankheit eingeschränkt wird oder verloren geht. Nicht betroffen von der ALS sind die Körperwahrnehmung und Sinneswahrnehmungen (Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Gleichgewichtssinn, Tastsinn). Auch die Herzmuskulatur und die Kontrolle von Urin und Stuhl bleiben meist unberührt.
Symptome von Nervenkrankheiten
So vielfältig die Arten von Nervenkrankheiten sind, so vielfältig sind auch die Symptome, die auf Nervenkrankheiten hinweisen. Sie betreffen häufig die Motorik, die Sinneswahrnehmung oder die kognitive Leistungsfähigkeit. Wichtig sei hierbei, dass es sich selten um eine Nervenkrankheit handelt, nur weil du ein Symptom allein verspürst.
- Motorische Störungen: Entstehen, wenn der Körper Nervensignale nicht mehr richtig an die Muskeln weiterleitet.
- Sinnesstörungen: Treten auf, wenn das Nervensystem sensorische Reize nicht mehr richtig verarbeitet.
- Kognitive Störungen: Betreffen das Denkvermögen, die Sprache, das Gedächtnis oder die Aufmerksamkeit.
Diagnose und Behandlung
Bei Verdacht auf Nervenerkrankungen sollten Betroffene frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Um eine genaue Diagnose zu stellen, führen Ärzte verschiedene Untersuchungen durch.
- Im ersten Schritt helfen Fragen, um die Symptomatik und den Krankheitsverlauf zu verstehen. Im zweiten Schritt untersucht der Arzt deinen Körper.
- In weiterführenden Untersuchungen und Tests diagnostizieren Mediziner und Ärzte anschließend, um welche Nervenkrankheit es sich explizit handelt.
Die Therapie von Nervenkrankheiten ist individuell und richtet sich nach der jeweiligen Diagnose, der Ursache und dem Krankheitsverlauf. Je nach Art der Erkrankung kann eine Kombination verschiedener Behandlungsansätze erforderlich sein, um die Symptome zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Lesen Sie auch: Homöopathie zur Behandlung vegetativer Dysfunktion
Rückenmark
Das Rückenmark verläuft im Wirbelkanal und stellt die Verbindung zwischen Gehirn und Extremitäten her. Im ventralen Anteil des Rückenmarks liegen die unteren Motoneurone, welche die Skelettmuskulatur innervieren und für die Bewegungsausführung verantwortlich sind. Ihre Axone verlassen über den jeweiligen Spinalnerv den Wirbelkanal und ziehen zu ihren Zielmuskeln. Ihr Eingangssignal erhalten die unteren Motoneurone von den sogenannten oberen Motoneuronen die sich im motorischen Kortex im Gehirn befinden und für die bewusste Auslösung der Bewegung zuständig sind (Willkürmotorik).
Die Fasern der sensorischen Neurone, die Informationen aus der Peripherie weiterleiten, treten am Spinalnerven in das Rückenmark ein. Ihre Zellkörper liegen allerdings außerhalb des Rückenmarks, in den sogenannten Hinterwurzelganglien. Die sensorischen Informationen laufen dann über das Rückenmark zum Gehirn und werden dort verarbeitet. Das Gehirn kann anschließend eine Reaktion einleiten die wiederum die Motoneurone aktiviert. Liegen hier Störungen vor, z.B. durch eine traumatische Verletzung des Rückenmarks, gelangen keine sensorischen Informationen mehr ins Gehirn und umgekehrt gelangen auch keine Signale über die Axone der Motoneurone zu den Muskeln. Es kommt zu Ausfallerscheinungen und Lähmungen, obwohl der periphere Nerv, durch den die Nervenfasern der Motoneurone und der sensorischen Neurone laufen, selbst noch intakt ist. Auch neurodegenerative Erkrankungen (z.B. die amyotrophe Lateralsklerose), Infektionen oder Kompressionen können zum Absterben von Neuronen im Rückenmark und damit einhergehenden Funktionsverlusten führen.
Myelitis (Rückenmarkentzündung)
Als Oberbegriff fasst Myelitis alle Entzündungen des Rückenmarks zusammen. Diese unterscheiden sich in ihrer Lage und darin, wie oft sie auftreten. Die seltene Erkrankung hat vielfältige Ursachen, zum Beispiel eine Infektion oder eine Autoimmunkrankheit. Zu den typischen Symptomen gehören unter anderem Muskelschwäche, Lähmungen und Taubheitsgefühle. Die Behandlung einer Myelitis hängt von ihrer jeweiligen Ursache ab.
Ursachen
Das Rückenmark gehört zum zentralen Nervensystem und liegt innerhalb der Wirbelsäule. Es ist für die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper zuständig. So können wir uns bewegen oder eine Berührung spüren. Im Inneren des Rückenmarks befindet sich die graue Substanz, welche die Nervenzellkörper enthält. Die äußere Schicht bildet die weiße Substanz mit den Nervenfasern. Beide können sich entzünden. Auslöser solcher Entzündungen ist eine Reaktion des Immunsystems. Diese Ursachen können für eine Myelitis verantwortlich sein:
- Infektion durch Bakterien (zum Beispiel bei Borreliose, Syphilis), Viren (etwa FSME, HIV, Epstein-Barr-Virus) oder Pilze
- Infektion über das Blut: metastatische Myelitis (zum Beispiel durch eine Sepsis)
- parainfektiöse Myelitis (auch postinfektiös): indirekt durch eine fehlgeleitete Immunreaktion ausgelöste Entzündung
- Impfungen: Hier wird von einer postvakzinalen Myelitis gesprochen, die ebenfalls auf eine fehlgeleitete Immunreaktion zurückzuführen ist.
- Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel Lupus, Multiple Sklerose oder Neuromyelitis optica
- Krebs: Bei einer paraneoplastischen Myelitis greifen Antikörper gegen Krebszellen auch das Rückenmark an.
- Strahlentherapie
- Vergiftungen (zum Beispiel mit Blei)
Wenn keine Ursache festgestellt werden kann, wird von einer idiopathischen Myelitis gesprochen. Dass eine Myelitis durch Stress oder Ähnliches ausgelöst werden kann, ist übrigens nicht richtig.
Lesen Sie auch: Neurowissenschaftliche Aspekte der bipolaren Störung
Arten von Myelitis
- transverse Myelitis / Querschnittsmyelitis: diffuse Entzündung über den ganzen Rückenmarksquerschnitt
- disseminierte Myelitis: mehrere verteilte Entzündungen
- Leukomyelitis: Entzündung der weißen Substanz
- Poliomyelitis (Kinderlähmung): Entzündung der grauen Substanz
- Querschnittsmyelitis: Entzündung der weißen und der grauen Substanz
- Myeloradikulitis: Myelitis mit Entzündung der Nervenwurzeln
- Meningomyelitis: Myelitis mit Entzündung der Rückenmarkshäute
Symptome
Typische Myelitis-Symptome sind unter anderem Lähmungen, Spastiken, Fieber, Rückenschmerzen und Störungen der Darm- und Blasenfunktion. Betroffene spüren oft Kribbeln oder Taubheit, v. a. in den Beinen und dem Rumpf. Auch Herzrhythmusstörungen und Blutdruckstörungen sowie Atemversagen können auftreten. Die Beschwerden hängen jedoch stark davon ab, wo genau das Rückenmark entzündet ist. Die Symptome entwickeln sich in der Regel innerhalb von vier bis 21 Tagen vollständig.
Diagnose
Um eine Rückenmarksentzündung zu diagnostizieren, erfolgt zunächst das Anamnesegespräch. Zudem sind eine neurologische Untersuchung und eine Magnetresonanztomografie (MRT) nötig. Auch die Blut- und die Nervenwasserwerte werden gemessen. Es ist entscheidend, mögliche andere Erkrankungen auszuschließen.
Behandlung
Eine erfolgreiche Myelitis-Behandlung hängt von der raschen Erstversorgung ab. In erster Linie werden Medikamente eingesetzt, je nach Ursache Medikamente gegen eine Infektion (Virustatika oder Antibiotika) oder hochdosierte Kortikoide bei autoimmuner Ursache. Bei nicht ausreichendem Ansprechen auf eine Kortikoidtherapie kann ein Plasmaaustausch erfolgen. Nach Abschluss der Akuttherapie mit Medikamenten schließt sich eine intensive Rehabilitationsphase an. Physiotherapie und Ergotherapie sollen dauerhaften Einschränkungen durch Muskelschwäche, Spastizität und Koordinationsstörungen entgegenwirken bzw. deren Auswirkungen verringern. Einige Patienten leiden aufgrund der körperlichen Einschränkungen auch unter psychischen Belastungen wie Ängsten und Depressionen.
Nervenschädigungen (Mono- oder Polyneuropathien)
Unter Nervenschädigungen (auch: Mono- oder Polyneuropathien) ist üblicherweise eine Beeinträchtigung eines beziehungsweise mehrerer Nerven des peripheren Nervensystems - etwa in Armen, Beinen oder Organen - zu verstehen. Auch das zentrale Nervensystem (ZNS) in Gehirn und Rückenmark kann in manchen Fällen betroffen sein. Für Schäden an den peripheren Nerven gibt es nicht „die eine“, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen.
Ursachen
Laut Experten gibt es über 300 verschiedene Ursachen, die zu einer Polyneuropathie führen können. In manchen Fällen bleibt der genaue Grund dafür jedoch unklar.
Lesen Sie auch: Razer Synapse Störung: Was tun?
- Diabetes mellitus: Vor allem Menschen mit Diabetes mellitus (Typ 1 und Typ 2) entwickeln häufig Nervenschädigungen. In diesem Fall sprechen Mediziner von einer sogenannten diabetischen Neuropathie. Experten gehen davon aus, dass sie mit dem dabei vorhandenen überhöhten Blutzuckerspiegel zusammenhängt.
- Alkohol: Konsumieren Sie jedoch regelmäßig große Mengen, können die Nerven darunter leiden. Nicht nur gehen Wissenschaftler davon aus, dass das Ethanol im Alkohol die Nervenzellen direkt angreift und somit schädigt, gleichzeitig geht mit einem übermäßigen Alkoholkonsum meist eine einseitige und mangelhafte Ernährung einher.
- Externe Verletzungen: Nervenschädigungen sind nicht selten eine Folge externer Verletzungen. Beispielsweise ist es bei Operationen möglich, dass Gewebe durchtrennt wird und gleichzeitig Nerven beschädigt werden. Auch Unfälle - etwa im Straßenverkehr oder an schweren Maschinen - und körperliche Angriffe (mit Messern oder Schusswaffen) können bleibende Nervenschäden hinterlassen.
- Weitere Ursachen: Nervenentzündungen (Neuritis) (beispielsweise ausgelöst durch Viren, Bakterien oder Giftstoffe), Engstellen an Gelenken (klemmen den Nerv regelrecht ab) und Tumore.
- Amputationen: Viele Betroffene empfinden nach erfolgter Amputation sogenannte Phantomschmerzen, die das entfernte Areal betreffen. In erster Linie hängen diese damit zusammen, dass jedem Bereich des Körpers eine entsprechende Region im Gehirn zugewiesen ist, die Reize (etwa Schmerzen) verarbeitet.
- Autoimmunerkrankungen: Bei diesen Krankheiten richtet sich das Immunsystem, das eigentlich fremde Erreger (zum Beispiel Viren oder Bakterien) bekämpfen soll, gegen den Organismus. Der Körper unterscheidet dann nicht mehr eindeutig zwischen fremden und eigenen Strukturen und greift sich selbst an. Die dabei entstehenden Entzündungsreaktionen können in der Folge dafür sorgen, dass Nervenschädigungen entstehen. Zu den häufigen Erkrankungen dieser Art zählen beispielsweise Multiple Sklerose, bei der sowohl das periphere als auch das zentrale Nervensystem betroffen sein kann.
Neurodegenerative Erkrankungen
Bei den neurodegenerativen Erkrankungen handelt es sich um eine Vielzahl von Krankheiten, bei denen nach und nach Neurone des ZNS absterben. Die häufigsten Erkrankungen sind Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington. Die Ursachen für die Erkrankungen können sowohl genetisch als auch sporadisch sein und sind nicht immer bekannt. Allerdings wurden einige zelluläre Mechanismen identifiziert, die bei den meisten Erkrankungen zur Zellschädigung beitragen. Dazu gehören: Störungen der Proteinhomöostase (Amyloid- und Tau-Ablagerungen bei Alzheimer, Synuclein bei Parkinson und Huntingtin bei Chorea Huntington). Außerdem finden sich gehäuft Mutationen in Hitzeschockproteinen und Chaperonen, erhöhter oxidativer Stress, Störungen der Mitochondrien oder des intrazellulären Transports und Entzündungsreaktionen.
Häufig sind zuerst bestimmte Gehirnregionen betroffen z.B. der Hippocampus bei Alzheimer, oder diedopaminergen Neurone der Susbtantia nigra bei Parkinson. Die Symptome können abhängig von der Erkrankung und der betroffenen Hirnregion sehr vielfältig sein und umfassen Gedächtnisstörungen, motorische Störungen, Orientierungsprobleme, Persönlichkeitsveränderungen und Änderungen im Verhalten. Bisher gibt es keine Ursachen-Therapie, sondern nur symptomatische Behandlungen. Es gibt für die Betroffenen keine Heilung, lediglich eine Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung.
Ataxien
Der Begriff „Ataxie“ leitet sich vom griechischen Wort „a-taxia“ für „fehlende Ordnung“ ab. Als Ataxien bezeichnet man eine Reihe von seltenen Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks, bei denen das Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen gestört ist. Dadurch leiden das Gleichgewicht und die Bewegungskoordination. Betroffen sind das Gehen ebenso wie das Sitzen oder Stehen, das Sprechen, die Handbewegungen und die Kontrolle der Augenbewegungen. Der Gang wird unsicher und breitbeinig, die Handschrift wird unleserlich, Greifen und Halten fallen schwer. Andere Betroffene können ohne Unterstützung nicht aufrecht sitzen oder stehen. Aber auch das Sprechen kann beeinträchtigt werden.
Entscheidende Mitspieler bei der Feinabstimmung von Bewegungen sind das Kleinhirn und das Rückenmark, sowie die Verbindungen dazwischen und mit anderen Teilen des Gehirns. Erworbene Ataxien gehen meist auf Schäden im Kleinhirn zurück, die vielfältige Ursachen haben können. Daneben können Ataxien genetisch bedingt sein. Bei den erblich bedingten Ataxien gibt es mindestens 200 verschiedene Genmutationen, die die Erkrankung verursachen. Ursache von angeborenen, erblichen Ataxien ist ein fortschreitender Untergang bestimmter Nervenzellen im Kleinhirn, wofür - je nach Unterform - unterschiedliche Genveränderungen verantwortlich sind.
Prävention von Demenz
- Hörgeräte bei Schwerhörigkeit: Schwerhörigkeit nicht auf die leichte Schulter nehmen und lieber früh auf ein Hörgerät setzen.
- Vorsicht bei Medikamenten: Anticholinerge Medikamente in der niedrigst möglichen Dosis verschreiben, den Therapieerfolg regelmäßig zu prüfen und die Behandlung zu beenden, falls die Medikamente nicht die gewünschte Wirkung zeigen.
- Vitamin-D-Mangel vermeiden: Sonnenbaden schützt möglicherweise vor Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen.
- Stress reduzieren: Große seelische Belastungen treiben das Demenzrisiko in die Höhe.
- Soziale Kontakte pflegen: Wer einsam ist, leidet darunter, dass er alleine ist. Genau dieses Gefühl ist offenbar auch ein Risikofaktor für eine Demenz.
- Diabetes und Bluthochdruck kontrollieren: Diabetes und Bluthochdruck sind schlecht für die Gefäße und erhöhen das Demenzrisiko.
- Nicht rauchen: Wer regelmäßig Zigaretten raucht, schadet nicht nur seiner Lunge und erhöht sein Krebsrisiko. Auch das Gehirn leidet, weil durch Nikotin und Co. die Gefäße verengt werden.
- Gesunden Lebensstil pflegen: Keine Zigaretten, kein Alkohol, eine gesunde Ernährung, Normalgewicht und Bewegung - diese fünf Lebensstilregeln stärken nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Gesundheit.
- Depressionen behandeln: Je stärker die Symptome der Depression, desto höher das anschließende Risiko für die Demenz.
tags: #storung #gehirn #ruckenmark