Die Strahlentherapie ist eine wichtige Behandlungsmethode bei Hirntumoren. Sie zielt darauf ab, Tumorzellen durch den Einsatz von ionisierenden Strahlen abzutöten. Obwohl moderne Techniken darauf abzielen, gesundes Gewebe zu schonen, können Nebenwirkungen auftreten. Eine häufige und oft belastende Nebenwirkung ist der Haarverlust. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Strahlentherapie, Hirntumoren und Haarverlust, gibt Einblicke in den Umgang damit und zeigt Möglichkeiten auf, die Lebensqualität während und nach der Behandlung zu verbessern.
Strahlentherapie bei Hirntumoren: Ein Überblick
Die Strahlentherapie ist ein integraler Bestandteil der Behandlung von Hirntumoren. Durch den Einsatz von ionisierenden Strahlen können Tumorzellen direkt abgetötet werden. Bei der Bestrahlung des Glioblastoms beispielsweise wird die Zellteilung durch hochenergetische ionisierende Strahlen, sogenannte Photonenstrahlung, behindert. Dies hemmt das weitere Wachstum der Tumorzellen und führt im besten Fall auch zum Absterben der Tumorzellen.
Um gesundes Hirngewebe zu schonen, wird ein individueller Bestrahlungsplan für jeden Patienten erstellt. Die Bestrahlung erfolgt aus mehreren Richtungen und mit jeweils genau angepassten Feldern, sodass die gewünschte Dosis in die Tumorregion appliziert werden kann und außerhalb der Tumorregion ein steiler Abfall der Dosis gewährleistet wird. Eine täglich genau gleiche Lage der Tumorregion ist dabei unerlässlich. Dies wird durch eine individuell angefertigte Maske erreicht, die am Bestrahlungstisch befestigt werden kann.
Die Bestrahlung selbst dauert nur wenige Minuten, ist schmerzfrei, umfasst regulär 30 Sitzungen und erfolgt meist ambulant über einen Zeitraum von sechs Wochen jeweils werktags.
Mögliche Nebenwirkungen der Strahlentherapie
Trotz schonender Therapieverfahren kann es während der Bestrahlung zu Nebenwirkungen kommen. Äußerlich können Hautreizungen und Haarausfall auftreten. Je nach bestrahlter Region kann es auch zu Übelkeit und Erbrechen kommen, welche sich mit vorbeugend gegebenen Medikamenten weitgehend verhindern lassen. Zusätzlich können auch vermehrte Müdigkeit und Erschöpfbarkeit auftreten. Auch Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen sind möglich. Eine Ursache dafür kann eine Reizung der Hirnhäute oder auch eine Schwellung des Gehirns („Hirnödem“) sein.
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Haarausfall als Folge der Strahlentherapie
Viele Patienten mit einem Kopf-, Nacken- oder Hirntumor bekommen eine Strahlentherapie im Bereich des Kopfes. Den meisten fallen danach die Haare ganz oder teilweise aus, und bei mehr als der Hälfte ist der Haarverlust von Dauer.
Haarausfall nach einer Strahlentherapie ist keine Seltenheit. Während eine Glatze bei Männern keine Seltenheit und damit nicht so auffällig ist, leiden Frauen unter dem Haarausfall oft so sehr, dass ihre Lebensqualität deutlich beeinträchtigt ist.
Ob, wann und wie stark die Haare ausfallen, hängt von der Strahlendosis ab, die direkt auf die Haarwurzel trifft. Selbst bei hohen Strahlendosen, die auf den Kopf treffen, sind die Haarwurzeln geringer belastet als der zu bestrahlende Tumor, so dass nicht in jedem Fall ein Haarausfall die Folge ist. Falls es zum Haarverlust nach einer Bestrahlung kommt, dauert es länger als bei der Chemotherapie bis die Haare nachwachsen. Bei einer Hirnbestrahlung ist es möglich, dass das Haar dauerhaft schütterer bleibt, ansonsten erholen sich die Haarwurzeln auch nach einer Strahlentherapie wieder.
Erfahrungen von Betroffenen
Viele Betroffene berichten von ähnlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit Haarverlust nach einer Strahlentherapie. Einige Beispiele:
- Ein Patient berichtete, dass ihm im Vorgespräch gesagt wurde, dass die Haare ausgehen würden, was auch so war. Er rasierte die nicht betroffenen Stellen ab und trug Beanies. Nach einiger Zeit wuchsen die Haare wieder nach.
- Eine Patientin, deren Tumor am hinteren Oberkopf saß, trug einen halblangen Bob und konnte die rasierte OP-Stelle mit zurückgekämmten Haaren und Spange abdecken. Sie plante, ein Haarteil zu tragen, um die Zeit des Übergangs zu überbrücken.
- Ein anderer Patient erlebte, dass die Haare während der Bestrahlung massiv ausfielen. Nach der Bestrahlung dauerte es einige Zeit, bis die ersten Stoppeln kamen. Die neuen Haare waren lockig und in einer anderen Farbe.
- Ein Patient hatte nach einer Meningeom-OP Bestrahlung erhalten. Nach vier Wochen fielen die Haare am Hinterkopf total aus. Nach ca. 10 Wochen kamen sie lockig wieder, total verändert und dünn.
- Einige Patienten berichten, dass die Haare nach der Bestrahlung wieder anfangen zu wachsen. Die Strahlentherapeuten sagten, dass die ersten Haare nach 6 - 8 Wochen zu sehen sein müssten. Allerdings halt nicht an allen Stellen.
Faktoren, die den Haarverlust beeinflussen
Mehrere Faktoren können beeinflussen, ob und in welchem Ausmaß es zu Haarverlust kommt:
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- Lage des Tumors: Tumoren, die nah an der Hirnhaut liegen, können dazu führen, dass die Haarwurzeln während der Bestrahlung weniger geschont werden können.
- Strahlendosis: Höhere Strahlendosen können das Risiko für dauerhaften Haarverlust erhöhen.
- Individuelle Faktoren: Wie stabil die Haarwurzeln grundsätzlich sind, kann ebenfalls eine Rolle spielen.
Was sagen die Ärzte?
Die Einschätzungen der Ärzte bezüglich des Haarwachstums nach der Bestrahlung können variieren:
- Ein Radiochirurg meinte, die Haare würden an der bestrahlten Fläche plus 1-2 cm ausfallen, aber nach etwa 3 Monaten etwas dünner bzw. nicht mehr ganz so dicht nachwachsen.
- Ein anderer Arzt sagte, dass es dazu kommen könnte, dass Haare rausgehen um die Strahlung herum, die entweder nachwachsen oder auch nicht.
- Ein Professor meinte, er hätte noch niemand erlebt bei dem die Haare nach der Behandlung nicht nachgewachsen sind. Ein Assistenzarzt war da etwas zaghafter, er meinte ein Risiko bestünde schon, dass sie nicht mehr wachsen würden.
Umgang mit Haarverlust: Tipps und Strategien
Der Verlust der Haare kann eine belastende Erfahrung sein. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern:
Vorbereitung ist wichtig
- Informieren Sie sich: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Wahrscheinlichkeit von Haarausfall und wie Sie sich am besten vorbereiten können.
- Lassen Sie sich das Bestrahlungsfeld zeigen: So können Sie besser einschätzen, welcher Bereich betroffen sein wird.
- Planen Sie im Voraus: Besorgen Sie sich vorsorglich Kopfbedeckungen wie Mützen, Tücher oder Beanies.
- Sprechen Sie mit Ihrem Friseur: Besprechen Sie Ihre Situation mit Ihrem Friseur und lassen Sie sich beraten.
Während der Behandlung
- Schonende Haarpflege: Verwenden Sie ein mildes Shampoo und trocknen Sie die Haare vorsichtig. Vermeiden Sie Styling-Produkte und chemische Behandlungen.
- Kopfbedeckung: Tragen Sie eine Kopfbedeckung, um die Kopfhaut vor Sonne und Kälte zu schützen.
- Haarteil oder Perücke: Wenn Sie sich unwohl fühlen, können Sie ein Haarteil oder eine Perücke tragen. Lassen Sie sich in einem spezialisierten Zweithaarstudio beraten.
Nach der Behandlung
- Geduld: Haben Sie Geduld, bis die Haare wieder nachwachsen. Dies kann einige Monate dauern.
- Haarwuchsmittel: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Verwendung von Haarwuchsmitteln wie Minoxidil.
- Haartransplantation: Wenn die Haare nicht wieder ausreichend nachwachsen, kann eine Haartransplantation eine Option sein.
- Unterstützung: Suchen Sie Unterstützung bei Selbsthilfegruppen oder Psycho-Onkologen, wenn Sie emotional stark belastet sind.
Kopfbedeckungen als modisches Statement
Viele Betroffene nutzen Kopfbedeckungen wie Mützen, Tücher, Turbane oder Beanies, um den Haarverlust zu kaschieren. Diese können nicht nur funktional sein, sondern auch als modisches Statement dienen. Wählen Sie Farben und Stile, die zu Ihrem Typ passen und Ihnen ein gutes Gefühl geben.
Zweithaar: Perücken und Haarteile
Perücken und Haarteile sind eine weitere Möglichkeit, den Haarverlust zu kaschieren. Es gibt sie in verschiedenen Materialien (Kunsthaar oder Echthaar) und Ausführungen. Lassen Sie sich in einem spezialisierten Zweithaarstudio beraten, um die passende Lösung für sich zu finden. Die Krankenkasse übernimmt in der Regel einen Teil der Kosten für eine Perücke.
Kosmetik und Hautpflege
Die Kopfhaut kann während und nach der Strahlentherapie sehr empfindlich sein. Verwenden Sie milde, parfümfreie Pflegeprodukte und schützen Sie die Kopfhaut vor Sonne und Kälte. Wenn Augenbrauen oder Wimpern ausfallen, können Sie diese mit Make-up nachzeichnen oder künstliche Wimpern verwenden.
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Forschung und Studien
Es gibt einige Studien, die sich mit der Behandlung von dauerhaftem Haarverlust nach einer Bestrahlung des Kopfes beschäftigen. Eine Studie des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York zeigte, dass eine 5-prozentige Minoxidil-Lösung bei vielen Patienten zu einer Verbesserung des Haarwachstums führte. Auch Haartransplantationen und plastisch-chirurgische Eingriffe können eine Option sein.
Emotionale Aspekte und Unterstützung
Haarverlust kann das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich diese Gefühle einzugestehen und sich Unterstützung zu suchen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie, Freunden oder einer Selbsthilfegruppe. Psycho-Onkologen können Ihnen helfen, mit der emotionalen Belastung umzugehen.
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