Streptokokken-Meningitis: Ursachen, Diagnose, Behandlung und Prävention

Streptokokken sind eine vielfältige Gruppe von Bakterien, von denen einige Arten beim Menschen verschiedene Krankheiten verursachen können, darunter auch die Meningitis. Die Streptokokken-Meningitis ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, die durch Streptokokken-Bakterien verursacht wird. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Streptokokken-Meningitis, einschließlich der Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Prävention.

Was sind Streptokokken?

Zur Gattung Streptococcus gehört eine Reihe von Spezies grampositiver Kokken, die sich in Ketten oder Paaren lagern. Streptokokken sind typische Bakterien des Schleimhautmikrobioms, überwiegend mit positiver Wirkung auf die Physiologie der Wirte. Ein klassisches Kriterium ihrer taxonomischen Einteilung ist das Hämolyseverhalten auf hammelbluthaltigen Nährböden. Die wichtige pathogene Arten enthaltende Gruppe der β-hämolysierenden Streptokokken (sie bewirken eine vollständige Hämolyse, d.h.

Streptokokken sind eine große Gruppe von kugelförmigen Bakterien, von denen es unterschiedliche Arten gibt. Die meisten Streptokokken-Arten sind harmlos und finden sich natürlicherweise auf der Haut und auf Schleimhäuten, im Darm, im Mund- und Rachenraum sowie in der Scheide (Vagina). Warum manche Menschen mit Streptokokken besiedelt sind, aber nicht erkranken, und bei anderen eine Krankheit ausbricht, ist nicht vollständig geklärt. Ärzte vermuten, dass das Immunsystem eine entscheidende Rolle spielt. Neugeborene, Kleinkinder und Kinder erkranken vermutlich, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgreift ist. Erwachsene sind vor allem dann von einer Streptokokken-Infektion betroffen, wenn ihr Immunsystem geschwächt ist. Hier spielt auch Stress eine Rolle, der sich negativ auf die Abwehrkräfte des Körpers auswirkt. Besonders gefährdet sind Immungeschwächte, chronisch Kranke und ältere Personen.

Im Wesentlichen gibt es zwei unterschiedliche Arten, Streptokokken einzuteilen:

  • Fähigkeit, rote Blutkörperchen aufzulösen: Manche Streptokokken sind in der Lage, rote Blutkörperchen zu zerstören. Mediziner sprechen von Hämolyse beziehungsweise hämolysierenden Streptokokken. Werden die roten Blutkörperchen aufgelöst, wird der rote Blutfarbstoff Hämoglobin frei. Alphahämolysierende Streptokokken bauen Hämoglobin nur teilweise ab, wobei grünliche Abbauprodukte entstehen. Betahämolysierende Streptokokken bauen den roten Blutfarbstoff vollständig ab. Gammahämolysierende Streptokokken sind nicht in der Lage, rote Blutkörperchen aufzulösen.
  • Einteilung nach bestimmten Zellwandbestandteilen (Lancefield-Klassifizierung): Anhand bestimmter Zellwandbestandteile unterscheiden Mediziner zwischen Streptokokken der Gruppen A bis Q. Für den Menschen sind vorwiegend die Gruppe A (Streptococcus pyogenes) und die Gruppe B (Streptococcus agalactiae) krankmachend.

Ursachen der Streptokokken-Meningitis

Die häufigsten Erreger der bakteriellen Meningitis variieren je nach Altersgruppe:

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  • Neugeborene: Streptokokken der Gruppe B (Streptococcus agalactiae), Escherichia coli, Listeria monocytogenes
  • Säuglinge und Kleinkinder: Neisseria meningitidis, Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae
  • Erwachsene: Neisseria meningitidis, Streptococcus pneumoniae, Listeria monocytogenes

Seltenere Erreger sind Enterokokken, Enterobakterien und Pseudomonas aeruginosa, Koagulase-negative Staphylokokken, Staphylococcus aureus, Streptokokken und Anaerobier (nach neurochirurgischen Eingriffen) und Brucellen (insbes. in Mittelmeerländern).

Die Bakterien können die Hirnhäute auf verschiedenen Wegen erreichen:

  • Hämatogene Streuung: Über das Blut gelangen die Erreger durch die Blut-Hirn-Schranke bzw. Blut-Liquor-Schranke in die Hirnhäute.
  • Direkte Ausbreitung: Von Entzündungen im Nasen- und Rachenraum (z.B. Otitis, Sinusitis) oder nach offenen Verletzungen (Schädel-Hirn-Trauma, Wirbelsäulenverletzungen) können sich die Bakterien direkt ausbreiten.
  • Direkte Übertragung: Durch Tröpfcheninfektion können Meningokokken übertragen werden, die bei einem Teil der Bevölkerung den Nasen-Rachenraum besiedeln.

Symptome der Streptokokken-Meningitis

Die Symptome einer Streptokokken-Meningitis können je nach Alter des Patienten variieren. Bei Erwachsenen können die Symptome plötzlich auftreten und umfassen:

  • Hohes Fieber
  • Starke Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit (Meningismus)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Lichtempfindlichkeit (Photophobie)
  • Verwirrung oder Desorientierung
  • Krampfanfälle

Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Symptome weniger spezifisch sein und umfassen:

  • Fieber
  • Reizbarkeit
  • Schläfrigkeit
  • Ernährungsstörungen
  • Erbrechen
  • Vorgewölbte Fontanelle (weiche Stelle am Kopf)
  • Krampfanfälle

Diagnose der Streptokokken-Meningitis

Die Diagnose der Streptokokken-Meningitis erfordert eine Lumbalpunktion (auch Spinalpunktion genannt), bei der eine Probe der Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor) entnommen und analysiert wird. Die Liquoruntersuchung umfasst:

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  • Zellzählung und -differenzierung: Erhöhte Anzahl von weißen Blutkörperchen, insbesondere neutrophilen Granulozyten, deutet auf eine bakterielle Infektion hin. Die Zahl der Neutrophilen kann sich bereits bei einer Lagerung von 2 Stunden um 50 % reduzieren. Die Zellzählung sollte daher möglichst bald nach der Liquorentnahme erfolgen. Die Beurteilung der Zellzahl wird durch eine längere Lagerung des Liquors beeinträchtigt und kann daher gegenüber Ergebnissen, die direkt nach Abnahme des Liquors ermittelt wurden, stark differieren.
  • Protein- und Glukosebestimmung: Erhöhter Proteingehalt und erniedrigter Glukosegehalt sind typisch für eine bakterielle Meningitis.
  • Gram-Färbung und Mikroskopie: Durch die Gram-Färbung können Bakterien direkt in der Liquorprobe nachgewiesen werden. Ein mikroskopisch positiver Nachweis von Bakterien wird immer telefonisch mitgeteilt. Der mikroskopische Nachweis grampositiver Kettenkokken im Untersuchungsmaterial ist bei typischer Klinik zwar richtungweisend, aber wenig spezifisch, da morphologisch kein Unterschied zu anderen Streptokokken besteht. Kettenlängen von mehr als zwei Kokken sind allerdings hinweisend auf β-hämolysierende Streptokokken.
  • Kulturelle Untersuchung: Die Liquorprobe wird auf Nährböden angezüchtet, um die Bakterien zu identifizieren und eine Resistenztestung durchzuführen. Erste Ergebnisse der Kultur liegen frühestens nach 18 Std. vor. Eine Resistenztestung erfolgt bei allen aus dem Liquor isolierten Bakterien und liegt in der Regel nach 2-3 Tagen vor.
  • PCR-Diagnostik: Mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) kann die DNA von bestimmten Bakterien (z.B. Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis, Listeria monocytogenes) nachgewiesen werden.

Zusätzlich zur Lumbalpunktion werden in der Regel Blutkulturen entnommen, um eine Bakteriämie (Bakterien im Blut) nachzuweisen. Im Blut lassen sich regelhaft deutlich erhöhte Entzündungszeichen nachweisen (Anstieg von C-reaktivem Protein und Leukozyten).

Bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns können durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen oder Komplikationen der Meningitis zu beurteilen.

Behandlung der Streptokokken-Meningitis

Die Behandlung der Streptokokken-Meningitis umfasst in erster Linie die intravenöse Verabreichung von Antibiotika. Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem identifizierten Erreger und dessen Resistenzmuster. Es ist wichtig, Substanzen zu wählen, die die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden können, d.h. in den Nervenwasserraum eindringen, den Erreger erreichen und abtöten. Die Entnahme des Liquors sollte unbedingt vor Beginn der Antibiotikatherapie erfolgen.

Zusätzlich zu Antibiotika können Kortikosteroide verabreicht werden, um die Entzündung im Gehirn zu reduzieren und Komplikationen wie Hirnödeme zu verhindern.

Weitere Maßnahmen umfassen:

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  • Fiebersenkung: Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen können zur Senkung des Fiebers eingesetzt werden.
  • Schmerzlinderung: Schmerzmittel können zur Linderung von Kopfschmerzen und anderen Schmerzen eingesetzt werden.
  • Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, um eine Dehydration zu verhindern.
  • Überwachung: Die Patienten werden engmaschig auf Komplikationen wie Krampfanfälle, Hirnödeme oder septischen Schock überwacht.

In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Komplikationen wie Hirnabszesse oder subduralen Empyeme zu behandeln. Ist die Infektquelle bekannt, ist es wichtig, diesen Herd chirurgisch zu sanieren.

Prävention der Streptokokken-Meningitis

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Risiko einer Streptokokken-Meningitis zu verringern:

  • Impfungen: Gegen einige Erreger der bakteriellen Meningitis, wie Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae, stehen Impfstoffe zur Verfügung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Impfungen gegen Pneumokokken für Kleinkinder und Menschen über 60 Jahren, um eine potenziell gefährliche Lungenentzündung zu verhindern. Vor allem für Kleinkinder wird die Impfung gegen bestimmte Erregertypen empfohlen.
  • Chemoprophylaxe: Enge Kontaktpersonen von Patienten mit Meningokokken- oder Haemophilus influenzae-Meningitis sollten eine Antibiotika-Prophylaxe erhalten, um eine Infektion zu verhindern. Das Erkrankungsrisiko von engen Kontaktpersonen bei Infektion mit Haemophilus influenzae oder Meningokokken ist um 200 bis 1000fach erhöht. Daher ist dringend die Einnahme von Antibiotika als Chemoprophylaxe angeraten. Ideal ist eine Einnahme innerhalb der ersten 24 Stunden. Die Chemoprophylaxe ist aber bis zu 10 Tagen nach Kontakt mit dem Patienten sinnvoll.
  • Hygienemaßnahmen: Eine gute Händehygiene und das Vermeiden von engem Kontakt mit erkrankten Personen können dazu beitragen, die Ausbreitung von Streptokokken zu verhindern.
  • Früherkennung und Behandlung von Infektionen: Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von Streptokokken-Infektionen, wie z.B. Halsentzündungen, können das Risiko einer Meningitis verringern.

Meldepflicht

Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht eine Meldepflicht für:

  • Den Krankheitsverdacht, die Erkrankung und den Tod an einer Meningokokken-Meningitis oder -Sepsis.
  • Den mikroskopischen Nachweis gramnegativer Kokken im Liquor.
  • Das Labor ist verpflichtet, den Nachweis von Haemophilus influenzae, Neisseria meningitidis, Listeria monocytogenes und Brucella spp. zu melden.

Streptokokken-Angina

Die Streptokokken-Angina ist eine bakterielle Infektionskrankheit der Gaumenmandeln (Tonsillen) und meist auch der Rachenschleimhäute, die typischerweise durch Streptococcus pyogenes hervorgerufen wird. Klein- und Schulkinder stecken sich meist mit Streptococcus pyogenes an, der zugleich der wichtigste Erreger für die Entstehung einer Streptokokken-Angina ist.

Die Streptokokken-Angina ist hochgradig ansteckend und erfolgt in der Regel über Tröpfcheninfektion von Person zu Person, etwa durch Niesen oder Husten. Patienten mit einer akuten Streptokokken-Infektion und ohne eine spezifische Behandlung können bis zu drei Wochen ansteckend sein - auch wenn die Symptome nach drei bis vier Tagen oft wieder verschwunden sind.

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