Stressbedingte Migräne: Symptome, Ursachen und Bewältigungsstrategien

Druck bei der Arbeit, bevorstehende Prüfungen oder die plötzliche Erkrankung eines Kindes - stressige Momente kennt jeder. Für Migränepatienten können diese Situationen jedoch besonders belastend sein, da Stress häufig Migräneattacken oder Spannungskopfschmerzen auslösen kann. Hinzu kommt, dass die Angst vor einer Migräne die Psyche so stark beeinträchtigen kann, dass sie selbst zum Auslöser von Kopfschmerzen wird. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome stressbedingter Migräne, die zugrunde liegenden Ursachen und gibt praktische Tipps zur Bewältigung.

Der Zusammenhang zwischen Stress und Migräne

Stress wird von Patienten am häufigsten als Auslöser von Migräne genannt. Vor allem Belastungen im Beruf, aber auch Druck in der Freizeit sind häufige Gründe für Stressgefühle. Interessanterweise tritt eine Migräneattacke bei vielen Patienten oft nicht während der akut stressigen Situation auf, sondern erst in der Entspannungsphase danach. Da diese Erholungsphasen oft mit dem Wochenende zusammenfallen, wird diese Art von Migräne auch als „Wochenendmigräne“ bezeichnet.

In emotional belastenden Situationen reagiert der Körper, indem er vermehrt das Hormon Cortisol ausschüttet. Cortisol hat eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem und wird in der Medizin zur Hemmung von Entzündungen eingesetzt. Mediziner vermuten, dass Schwankungen im Cortisol-Spiegel dafür verantwortlich sind, dass nachlassender Stress eine Migräne auslösen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Menschen am Wochenende einen anderen Schlafrhythmus haben, was für Migränepatienten ebenfalls ein möglicher Trigger sein kann.

Es ist also nicht das absolute Stressniveau, das entscheidend ist, sondern die Veränderung des Stressniveaus.

Was ist Stress überhaupt?

Um den Migräne-Auslöser Stress besser zu verstehen, ist es wichtig zu definieren, was Stress eigentlich ist. Stress ist ein körperlicher Spannungszustand, der durch verschiedene Reize ausgelöst werden kann, beispielsweise durch die Angst, etwas nicht zu schaffen. Der Körper versetzt sich in Alarmbereitschaft, indem er den Herzschlag beschleunigt, die Muskeln anspannt und die Durchblutung im Gehirn erhöht. Diese Reaktionen sind eigentlich nützlich, um die Leistungsfähigkeit kurzfristig zu steigern. Nimmt der Stress jedoch überhand oder bleibt er über einen längeren Zeitraum bestehen, kann er krankmachen.

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Die Belastungsgrenze ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab, darunter die Persönlichkeit und der erlernte Umgang mit Stresssituationen. Stress ist ein sehr subjektives Empfinden, was die Untersuchung von seelischen Ursachen bei Migräne erschwert. Da Stress für jeden etwas anderes bedeutet, ist es wichtig, die individuellen Stressfaktoren zu identifizieren.

Symptome der stressbedingten Migräne

Die Symptome der stressbedingten Migräne ähneln denen anderer Migräneformen, können aber durch die spezifische Auslösesituation verstärkt oder verändert sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Heftige Kopfschmerzen: Die Kopfschmerzen sind oft einseitig, pulsierend oder pochend und können sich bei körperlicher Aktivität verstärken.
  • Übelkeit und Erbrechen: Viele Betroffene leiden unter Übelkeit und Erbrechen während einer Migräneattacke.
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Betroffene sind oft sehr empfindlich gegenüber Licht und Geräuschen und ziehen sich in dunkle, ruhige Räume zurück.
  • Aura: Einige Menschen erleben vor oder während der Migräneattacke eine Aura, die sich durch Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachstörungen äußern kann.
  • Verspannungen: Stressbedingte Migräne geht oft mit Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich einher.
  • Müdigkeit und Erschöpfung: Nach einer Migräneattacke fühlen sich viele Betroffene müde und erschöpft.
  • Konzentrationsstörungen: Während und nach der Migräne kann es zu Konzentrationsstörungen kommen.
  • Reizbarkeit: Viele Betroffene sind während einer Migräneattacke gereizt und unruhig.

Chronische Migräne

Üblicherweise tritt Migräne in unregelmäßigen Abständen als anfallsartiger Kopfschmerz auf. Diese gut voneinander abgrenzbaren Kopfschmerzattacken werden auch Episoden genannt. Wird die Migräne immer häufiger und geht eine Migräneattacke nahezu ohne Pause in die nächste über, kann aus der Episodischen Migräne eine Chronische Migräne werden.

Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist eine schwere Migräne eine der am stärksten einschränkenden Erkrankungen. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne. Haben Sie im Monat mehr Tage mit Kopfschmerzen als ohne, kann das ein Hinweis auf Chronische Migräne sein.

Mögliche Vorboten und Auslöser einer chronischen Migräne

Bereits ein paar Tage vor der eigentlichen Migräneattacke können sogenannte Vorboten Hinweise auf den nächsten Anfall liefern. Etwa 30 % der Menschen mit Migräne ohne Aura beschreiben dieses Phänomen. Mögliche Symptome, die auf eine bevorstehende Migräneattacke hindeuten, sind Stimmungsschwankungen, häufiges Gähnen, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, extremer Durst sowie Verdauungsprobleme.

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Zickzack-Formen, Blitze oder Wortfindungsstörungen: Bevor der eigentliche Migränekopfschmerz einsetzt, kommt es bei etwa 10-15 % der Migränepatienten zu neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen. Die sogenannte Aura kündigt die nächste Migräneattacke an. In der Regel klingen die Symptome spätestens nach einer Stunde wieder vollständig ab. Der typische Migränekopfschmerz tritt entweder zusammen mit den Ausfallerscheinungen auf oder etwas verzögert.

Sehstörungen, die bei geöffneten und geschlossenen Augen auftreten Sehfeldeinschränkung Flimmersehen Blendende Kreise oder Vierecke, die sich immer weiter ausbreiten Lichtblitze, Zickzackstrukturen oder Sterne vor den Augen Gefühlsstörungen Taubheitsgefühle in Arm, Bein oder im Gesicht Sensibilitätsstörungen, z.B. Kribbeln in Armen oder Beinen Essen kann anders schmecken oder geschmacklos werden Lähmungserscheinungen Sprech- und Wortfindungsstörungen Aussprache und/oder die richtige Verwendung von Worten ist beeinträchtigt

Es gibt bestimmte innere und äußere Einflussfaktoren, die eine Migräne-Attacke begünstigen können. Viele Migränepatienten wissen mit der Zeit, auf welche Dinge oder Situationen bei ihnen eine Attacke folgt. Solch mögliche Auslöser, auch Trigger genannt, sind:

  • Aufregung oder Stress
  • Entspannungsphasen nach Stresssituationen, z.B. der abrupte Wechsel vom stressigen Alltag in die erholsame Urlaubszeit
  • Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, z.B. durch späteres Zubettgehen oder längeres Ausschlafen am Wochenende
  • Körperliche Anstrengung bei Sport, Freizeitaktivitäten oder der Arbeit
  • Nackenschmerzen
  • Hormonelle Veränderungen durch Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre
  • Auslassen von Mahlzeiten
  • Lebensmittel, z.B.: Käse, Alkohol, Kaffee und das darin enthaltene Koffein (auch die Reduzierung des Kaffeekonsums), Cola, Schokolade
  • Wetterumschwünge und Klimawechsel Temperaturanstieg mit plötzlicher Hitze, Luftdruckveränderungen, Föhnwetter
  • Düfte und Gerüche Parfüm, Zigarettenrauch, Duftbaum im Auto, Raumsprays
  • Licht Blendende Scheinwerfer, Helles oder flackerndes Licht, Neonlicht

Mögliche Trigger sind individuell sehr verschieden und können bei jedem anders ausgeprägt sein. Die gute Nachricht: Wenn Sie Ihre Trigger kennen, lassen sich manche davon bewusst vermeiden. Finden Sie Ihre persönlichen Auslöser heraus, indem Sie ein Kopfschmerztagebuch führen.

Migräne begünstigt Begleiterkrankungen

Menschen mit Migräne leiden häufig zusätzlich an Angststörungen und Depressionen. Zudem haben Migränepatienten ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Auch zeigt sich ein Zusammenhang von Migräne und hohem Blutdruck sowie Herzkreislauf-Erkrankungen und anderen Schmerzerkrankungen.

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Migräne durch Stress - das können Sie tun

Die Fähigkeit, Stress zu bewältigen, ist eine wesentliche Maßnahme zur Vorbeugung von Migräne. Aber wie geht man im Alltag am besten damit um?

  • Struktur: Für Migränepatienten kann ein strikt geplanter Tagesablauf bei der Strukturierung der Aufgaben helfen. Achten Sie jedoch darauf, sich nicht zu viel zuzumuten. Am besten planen Sie zwischendurch kleine Pausen ein - zum Beispiel für einen kurzen Spaziergang in der Mittagspause.
  • Unterstützung im Alltag suchen: Gerade für Eltern ist es nicht einfach, Migräne und Kinder gleichzeitig zu bewältigen. Im Notfall, zum Beispiel wenn das Kind krank ist, ist es deshalb wichtig, wenn Sie sich auf Personen in Ihrem Umfeld, zum Beispiel die Großeltern oder gute Freunde, verlassen können.
  • Bewegung: Regelmäßiger Ausdauersport wie Walking oder Joggen - etwa drei bis viermal in der Woche - ist eine gute Möglichkeit, um Stress abzubauen.
  • Entspannung: Erlernen Sie Entspannungsübungen wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, um für Körper und Geist etwas Gutes zu tun.
  • Gespräche: Suchen Sie sich vertraute Personen, um über Ihre Unsicherheiten zu sprechen.
  • Stressbewältigungskurse: Nehmen Sie an speziellen Stressbewältigungskursen teil, wo die psychosomatischen Ursachen Ihrer Migräne identifiziert werden und in denen Sie Verfahren kennenlernen, um stressigen Situationen gelassener zu begegnen.
  • Schlaf: Ein erholsamer Schlaf ist die Grundlage für eine bessere Stressresistenz und weniger Kopfschmerzen. Experten empfehlen sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht, um die Schmerzempfindlichkeit des Körpers zu reduzieren.
  • Zeitmanagement: Strukturieren Sie Ihren Tag und setzen Sie Prioritäten. Erledigen Sie wichtige Aufgaben in den produktivsten Stunden, planen Sie regelmäßige Pausen und reduzieren Sie die Bildschirmzeiten.
  • Grenzen setzen: Lernen Sie, „Nein“ zu sagen und Ihre Grenzen zu kommunizieren.

Wenn die Angst vor Migräne zur Attacke führt

Die ständige Angst vor der Migräne begleitet viele Patienten und belastet die Psyche. Denn die heftigen Kopfschmerzen, gepaart mit Übelkeit oder visuellen Störungen, werden oftmals zur Qual. Das kann soweit führen, dass die Betroffenen direkt nach einer überstandenen Migräne-Attacke Ängste entwickeln, dass bald eine neue ins Haus steht. In einer Untersuchung kam heraus, dass die Ängste umso größer sind, je häufiger Migräne-Attacken auftreten. Daher kann Angst durchaus als Triggerfaktor für Migräne fungieren. Durch die Empfindung gerät der Körper in eine Stresssituation, was wiederrum zu den Kopfschmerzen führt. Betroffene machen sich beispielsweise in folgenden Situationen angstvolle Gedanken:

  • Es steht ein wichtiger Termin auf der Arbeit an. Die Angst, dass eine Migräne-Attacke zum Ausfall führt, steigt so weit, dass es tatsächlich dazu kommt.
  • Ein schöner Abend mit Freunden wird die ganze Zeit durch die Angst begleitet, dass sich die späte Uhrzeit oder das Gläschen Sekt am nächsten Tag rächen werden.
  • Etwas im Leben verändert sich: Ein neuer Job oder ein Umzug kann durch ständige Angst begleitet werden, dass sich eine schmerzhafte Migräne ausbildet.

So entwickeln sich Ängste oftmals zur selbsterfüllenden Prophezeiung: Sie lösen einen derartigen Stress aus und belasten die Psyche, sodass eine Migräne-Attacke tatsächlich eintritt. Bei manchen Personen entstehen aus den Ängsten psychische Erkrankungen. Bei diesen Angststörungen nimmt die Furcht übermäßige Ausmaße an, die Betroffenen leiden unter Panikattacken oder Phobien. Weitere Zusammenhänge bestehen zu Depressionen und bipolaren Störungen.

Tipps gegen die Migräne-Angst: Was kann man tun?

Wenn Sie ständig Angst vor Migräne haben oder gar Panik entwickeln, scheuen Sie sich nicht und suchen Sie unbedingt einen Arzt auf. Es gibt eine Vielzahl an Therapien, die zur Behandlung infrage kommen. Dazu gehören zum Beispiel Psycho- und Verhaltenstherapien oder auch Medikamente.

Darüber hinaus gibt es einige Dinge, die Sie selbst gegen die Angst vor Migräne tun können:

  • Mehr Gelassenheit: Versuchen Sie, Ihr Leben nicht komplett nach Ihren Ängsten zu gestalten. Wenn Sie Verabredungen absagen oder auf jede kleine Sünde verzichten, weil Sie Angst vor Migräne haben, leiden Sozialleben und die Lebensqualität. Das führt wiederum zu Verspannungen und Unzufriedenheit. Stattdessen ist es ratsam zu lernen, mit den Triggern umzugehen und sich ihnen in kleinen Dosen immer mal wieder auszusetzen. So besteht die Chance, dass sich Ihr Körper daran gewöhnt.
  • Sport: Kopfschmerzexperten sind überzeugt davon, dass regelmäßiger Sport eine Möglichkeit bietet, den Teufelskreis zu durchbrechen. Zwei- bis viermal Bewegung pro Woche von mindestens einer halben Stunde wird empfohlen. Ideal sind Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Walking.
  • Entspannungsübungen: Um die Angst vor Migräne zu bewältigen, lassen sich die gleichen Techniken wie zum Stressabbau verwenden. Entspannungsverfahren wie autogenes Training, aber auch Yoga oder Meditationen stehen zur Auswahl. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction - MBSR). Studien haben bestätigt, dass das Programm zur Stressbewältigung helfen kann, mit der Krankheit besser umzugehen und Stress, Angst und Depressionen zu reduzieren.

Eine entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule beugen einer Migräne-Attacke vor.

Akute Behandlung und Prävention

Bei Verdacht auf Migräne sollte man sich ärztlich beraten lassen. Die Therapiemethoden sind vielfältig und individuell verschieden.

Medikamentöse Hilfe

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Attacken können Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Präparate mit Koffein helfen.
  • Triptane: Bei heftigen Migräneattacken können Triptane eingesetzt werden, die jedoch nicht öfter als zehn Tage im Monat eingenommen werden sollten.
  • Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können die Begleitsymptome lindern.

Präventive Maßnahmen

  • Regelmäßiger Schlafrhythmus: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
  • Stress vermeiden: Vermeiden Sie Stress, Alkohol und Flüssigkeitsmangel.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Essen Sie regelmäßig.
  • Vermeidung schneller Wechsel: Verzichten Sie auf schnelle Wechsel von An- zu Entspannung.
  • Bewusste Pausen: Planen Sie bewusste Pausen ein.
  • Präventive Medikamente: Bei chronischen Beschwerden können präventive Medikamente wie Betablocker oder Antidepressiva eingesetzt werden.

Akute Hilfe bei Migräne

  • Ruhe und Dunkelheit: Ziehen Sie sich in einen abgedunkelten, stillen Raum zurück.
  • Kühlung: Legen Sie ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage auf die Stirn.
  • Stimulation des Nervus trigeminus: Ein spezielles Gerät kann den für Schmerz verantwortlichen Nerv des Gesichts stimulieren.

Falsche Vorstellungen über Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung und entsteht nicht einfach durch ein stressiges Leben. Sie ist keine psychische Erkrankung und auch nicht mit einem banalen Spannungskopfschmerz zu verwechseln. Betroffene sind weder arbeitsunwillig noch suchen sie nach Aufmerksamkeit. Migräne ist auch keine Allergie und kann nicht durch Diäten geheilt werden.

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