Einleitung
Die Parkinson-Krankheit, eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, betrifft Millionen von Menschen weltweit. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, konzentriert sich die Forschung zunehmend auf innovative Therapieansätze, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und die Symptome lindern können. In den letzten Jahren hat sich die Rolle des Darmmikrobioms bei der Entstehung und Entwicklung von Parkinson immer deutlicher herauskristallisiert. Dies hat zu vielversprechenden Forschungsarbeiten im Bereich der Stuhltransplantation (fäkaler Mikrobiomtransfer, FMT) geführt, die möglicherweise eine neue Behandlungsoption für Parkinson-Patienten darstellen könnte.
Die Rolle des Darmmikrobioms bei Morbus Parkinson
Es wird vermutet, dass bei Parkinson-Patienten häufig eine intestinale Dysbiose vorliegt, d. h. ein Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Darmflora. Einige Darmbakterien scheinen mit den Symptomen und dem Schweregrad der Erkrankung zu korrelieren. Andere wiederum können die Aufnahme des Medikaments Levodopa im Darm beeinträchtigen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Protein α-Synuclein. Lokale und systemische Entzündungen können dazu führen, dass sich dieses Protein im Darm ansammelt und sich von dort aus prionenartig ins zentrale Nervensystem ausbreitet.
Fäkaler Mikrobiomtransfer (FMT) als potenzieller Therapieansatz
Vor diesem Hintergrund könnte ein durch fäkalen Mikrobiomtransfer (FMT) verändertes Mikrobiom ein vielversprechender Behandlungsansatz sein. Experimentelle Studien an genetisch prädisponierten Mäusen mit Parkinson zeigen, dass die Anreicherung der Mikrobiota durch amyloidproduzierende Bakterien die Kumulation von α-Synuclein, motorische Defizite und Entzündungen in Darm und Gehirn verschlimmert. Umgekehrt konnte die Einnahme des pflanzlichen Polyphenols Epigallocatechingallat, das u. a. in grünem Tee vorkommt, motorische Störungen und die Anhäufung des Proteins im Gehirn verringern. Im Rotenon-Modell der Maus erwies sich der FMT als vorteilhaft: Die Mäuse erlangten eine gesunde Darmflora zurück, zudem verbesserten sich Permeabilität und Funktion des Darms sowie die motorischen Parkinsonsymptome.
Klinische Studien und erste Ergebnisse
Eine erste Phase-2-Studie untersuchte die Auswirkungen der nasojejunalen Transplantation von Stuhl gesunder Menschen auf Parkinson-Patienten. Die Ergebnisse zeigten eine Verbesserung des Motorik-Scores MDS-UPDRS III um durchschnittlich 5,8 Punkte, während bei der Übertragung von Eigenstuhl eine Verbesserung um 2,7 Punkte festgestellt wurde. Dies deutet auf das Potenzial von FMT als Therapieoption hin, was in größeren Kohorten näher untersucht werden sollte.
Eine weitere randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie ("GUT-PARFECT") an der Universität Ghent (Belgien) untersuchte die Auswirkungen einer einmaligen nasojejunalen Verabreichung von aufbereitetem Stuhl von gesunden Spendern oder von Patienten selbst auf 46 Parkinson-Patienten im frühen Stadium (Hoehn und Yahr-Stadium 2). Die Ergebnisse zeigten, dass sich der MDS-UPDRS-Wert in der Gruppe mit Fremdtransplantation um 5,8 Punkte verbesserte, während sich die Kontrollgruppe nur um 2,7 Punkte verbesserte. Dieser Unterschied war statistisch signifikant (p = 0,0235). Nebenwirkungen beschränkten sich auf vorübergehendes abdominales Unwohlsein.
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Die Studienautoren folgerten, dass eine einzige Fäkaltransplantation bei Patienten im frühen Stadium der Parkinson-Krankheit einen mäßigen, aber lang anhaltenden Nutzen bezüglich der motorischen Symptome haben könnte.
Wie die Stuhltransplantation bei Parkinson wirken könnte
Die Parkinson-Krankheit ist durch die Fehlfaltung und Verklumpung des Proteins Alpha-Synuclein gekennzeichnet. Diese Klumpen schädigen dann die Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn, was zu den typischen Parkinson-Symptomen führt. Es wird vermutet, dass sich die Eiweißklumpen in einem sehr frühen Stadium der Krankheit in der Darmwand bilden. Von dort gelangen sie über den Vagusnerv (der Darm und Gehirn miteinander verbindet) zu den Gehirnzellen. Dieser Prozess kann wohl durch Darmbakterien beeinflusst werden. Parkinson-Patienten haben im Vergleich zu gesunden Menschen häufig ein verändertes Darmmikrobiom und leiden auch häufiger an Darm-Entzündungen. Die Stuhltransplantation könnte dazu beitragen, das Darmmikrobiom wiederherzustellen und Entzündungen zu reduzieren, wodurch die Bildung und Ausbreitung von Alpha-Synuclein-Klumpen möglicherweise verringert wird.
Die Bedeutung des Mikrobioms für die Immunabwehr des Gehirns
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Besiedlung des Darms mit Bakterien lebenslang die Immunabwehr des Gehirns beeinflusst und damit möglicherweise auch den Verlauf von Hirnerkrankungen wie Alzheimer und Multipler Sklerose. Eine Studie an Mäusen zeigte, dass die Funktion von Fresszellen des Gehirns (Mikroglia) durch Abbauprodukte von Darmbakterien gesteuert wird. Insbesondere bei der Zersetzung von Ballaststoffen produzieren Bakterien kurzkettige Fettsäuren, die für die korrekte Funktion der Mikroglia benötigt werden. Mäuse ohne Darmbakterien entwickelten unreife und verkümmerte Mikroglia. Wurde später eine Darmflora etabliert, waren auch die Mikroglia-Zellen wieder gesünder.
Herausforderungen und zukünftige Forschung
Obwohl die bisherigen Ergebnisse vielversprechend sind, gibt es noch viele offene Fragen und Herausforderungen im Bereich der Stuhltransplantation bei Parkinson. Es sind größere klinische Studien erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit von FMT bei Parkinson-Patienten weiter zu untersuchen. Darüber hinaus ist es wichtig, die optimale Zusammensetzung des Spenderstuhls zu bestimmen und die langfristigen Auswirkungen von FMT auf das Darmmikrobiom und den Krankheitsverlauf zu verstehen.
Die Rolle der Ernährung bei der Vorbeugung von Gehirnerkrankungen
Die Forschungsergebnisse unterstreichen auch die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung für die Vorbeugung von Gehirnerkrankungen. Eine Ernährung, die reich an Ballaststoffen ist und die bakterielle Bildung von kurzkettigen Fettsäuren fördert, könnte dazu beitragen, die Immunabwehr des Gehirns zu stärken und das Risiko neurodegenerativer Erkrankungen zu verringern.
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Stuhltransplantation: Ein Überblick
Die Fäkaltransplantation, auch bekannt als Stuhltransplantation, ist ein Verfahren, bei dem Stuhl von einem gesunden Spender in den Darm eines Patienten übertragen wird. Ziel ist es, das gestörte Darmmikrobiom des Patienten wiederherzustellen und dadurch Krankheiten zu behandeln, die mit einer Dysbiose in Verbindung stehen.
Wie funktioniert die Stuhltransplantation?
Die Stuhltransplantation kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden:
- Nasojejunal: Der Stuhl wird über eine Sonde, die durch die Nase in den Dünndarm eingeführt wird, verabreicht.
- Koloskopie: Der Stuhl wird während einer Darmspiegelung direkt in den Dickdarm eingebracht.
- Kapseln: Der Stuhl wird in Kapseln gefüllt, die der Patient oral einnimmt.
Wer kommt für eine Stuhltransplantation in Frage?
Die Stuhltransplantation wird derzeit hauptsächlich zur Behandlung von wiederkehrenden Clostridium-difficile-Infektionen eingesetzt, die auf Antibiotika nicht ansprechen. In den letzten Jahren hat sich das Interesse an der Anwendung von FMT bei anderen Erkrankungen, wie z. B. entzündlichen Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom, Stoffwechselerkrankungen und neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, erhöht.
Voraussetzungen für Spender
Spender müssen sorgfältig auf Krankheiten und Risikofaktoren untersucht werden, um sicherzustellen, dass der Stuhl keine schädlichen Bakterien oder Viren enthält. Zu den üblichen Kriterien gehören:
- Gute allgemeine Gesundheit
- Keine chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
- Keine Antibiotikaeinnahme in den letzten Monaten
- Keine bekannten Infektionen
Risiken und Nebenwirkungen
Die Stuhltransplantation ist im Allgemeinen ein sicheres Verfahren, aber es gibt einige Risiken und Nebenwirkungen, darunter:
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- Vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall
- Infektionen
- Allergische Reaktionen
- Übertragung von Krankheiten (selten)
Die Zukunft der Stuhltransplantation
Die Stuhltransplantation ist ein vielversprechender Therapieansatz für eine Vielzahl von Erkrankungen, die mit einer Dysbiose des Darmmikrobioms in Verbindung stehen. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit von FMT bei verschiedenen Erkrankungen zu bestätigen und die optimalen Bedingungen für die Durchführung des Verfahrens zu bestimmen.
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