Eine Subarachnoidalblutung (SAB) ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch eine Blutung in den Subarachnoidalraum gekennzeichnet ist, den Raum zwischen der Arachnoidea mater (Spinnwebenhaut) und der Pia mater (weiche Hirnhaut), die das Gehirn und das Rückenmark umgibt. Sie stellt einen medizinischen Notfall dar, der sofortige Diagnose und Behandlung erfordert, um Komplikationen zu minimieren und die Überlebenschancen zu erhöhen.
Was ist eine Hirnblutung?
Als Hirnblutung werden alle Einblutungen im Schädelinneren (intrakranielle Blutungen) bezeichnet. Diese umfassen Hämatome im Gehirngewebe (intrazerebrale Blutungen) und in bzw. zwischen den Hirnhäuten (extrazerebrale Blutungen). Je nach Lage werden sie in intrazerebrale Blutungen (ICB) und extrazerebrale Blutungen (ECB) unterteilt.
- Intrazerebrale Blutungen: Diese finden direkt im Gehirnparenchym statt, wodurch große Teile von funktionsfähigem Hirngewebe zerstört werden können.
- Extrazerebrale Blutungen: Diese betreffen die drei Meningen: Pia mater, Arachnoidea und Dura mater. Je nach Lokalisation werden das Epiduralhämatom (zwischen Schädelknochen und Dura mater), Subduralhämatom (zwischen Dura mater und Arachnoidea) und Subarachnoidalhämatom (im Subarachnoidalraum unter der Arachnoidea) unterschieden.
Ursachen der Subarachnoidalblutung
Eine SAB kann traumatisch oder atraumatisch verursacht werden.
Traumatische SAB: Rund 40 % aller Schädel-Hirn-Traumata sind mit einer SAB assoziiert. Typische Situationen sind Stürze, Unfälle und Streitigkeiten nach Alkohol- oder Drogeneinfluss.
Atraumatische SAB: Atraumatische SAB machen 85 % aller Subarachnoidalblutungen aus.
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Aneurysmatische SAB: In etwa 85 % der Fälle entsteht eine Subarachnoidalblutung durch das Reißen eines Aneurysmas im Gehirn. Prädisponierende Faktoren sind Nikotin- und Alkoholabusus, arterielle Hypertonie sowie Angiopathien. Nach großer körperlicher Anstrengung oder starkem Pressen bei erschwerter Defäkation beispielsweise wird die dünne Wand dieser geweiteten Gefäße extrem belastet. Rupturiert eine solche Gefäßwandaussackung, kommt es zu einer Subarachnoidalblutung. Häufigste Lokalisation ist der Circulus arteriosus Willisii mit der:
- A. cerebri anterior/ communicans anterior (40 %)
- A. carotis interna (30 %)
- A. cerebri media (20 %)
- A. basilaris/vertebrales (10 %)
Nicht-aneurysmatische SAB: Atraumatische nicht-aneurysmatogene Subarachnoidalblutungen machen 15 % aller SAB aus. Dazu zählen beispielsweise perimesenzephale SAB infolge venöser Einblutungen und kortikale SAB infolge einer Amyloidangiopathie. Weitere sekundäre nicht-aneurysmatogene Auslöser sind zerebrale arteriovenöse Malformationen, durale arteriovenöse Fisteln oder eine Dissektion intraduraler Gefäße.
Weitere Ursachen von Hirnblutungen
Blutgerinnungsstörungen und Gefäßerkrankungen können Hirnblutungen jeder Art begünstigen. Weitere Ursachen für intrazerebrale Blutungen sind:
- Erkrankungen von Arterien und Arteriolen
- Genetisch bedingte und erworbene Erkrankungen der kleinen Gefäße und großen Gefäße
- Zerebrale Amyloidangiopathie
- Zerebrales Aneurysma
- Moya-Moya-Erkrankung
- Vaskulitiden
- Reversibles Vasokonstriktionssyndrom
- Sekundäre hämorrhagische Transformation
- Venöse Erkrankungen
- Venen-/Sinusthrombose
- Gefäßmalformation wie arteriovenöse Malformation, durale arteriovenöse Fistel und zerebrale kavernöse Malformation
- Tumoren, Ischämie
- Blutgerinnungsstörungen (auch iatrogen, zum Beispiel mit Vitamin-K-Antagonisten assoziierte Blutungen)
- Hämatologische Erkrankungen
- Intrazerebrale Blutungen im Kontext anderer Erkrankungen
- Infektiöse Endokarditis
- Intoxikation
Risikofaktoren für Hirnblutungen
Als häufigster Risikofaktor für Hirnblutungen gilt Bluthochdruck. Epidemiologischen Studien zufolge kann eine arterielle Hypertonie bei bis zu 80 % aller Patienten mit intrazerebralen Blutungen nachgewiesen werden. Eine optimale Blutdruckeinstellung senkt das ICB-Risiko erheblich. Weitere allgemeine Risikofaktoren sind Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmer. Dazu gehören insbesondere Wirkstoffe wie Phenprocoumon und Warfarin sowie Clopidogrel und Acetylsalicylsäure. Fibrinolytika und Heparine steigern ebenfalls das ICB-Risiko. Weitere Risikofaktoren für eine SAB sind Rauchen, hoher Alkoholkonsum, bestimmte Medikamente, das Ehlers-Danlos-Syndrom sowie die polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD).
Pathogenese
Intrazerebrale Blutung
Jede intrazerebrale Blutung ist ein raumfordernder Prozess und verdrängt größenabhängig funktionierendes Hirnparenchym. Die meisten intrazerebralen Blutungen gehen auf eine Ruptur der Arteriae centrales anterolaterales zurück. Diese kleinen Gefäße entspringen vertikal aus der Arteria cerebri kurz nach deren Abgang aus der Arteria carotis interna. Eine solche Rhexisblutung schädigt zum einen das Hirngewebe selbst, beeinflusst aber auch die Blut-Hirn-Schranke. Dies fördert die Entstehung eines perifokalen Hirnödems - mit der Folge eines ansteigenden Hirndrucks.
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Subarachnoidalblutung
Infolge einer Aneurysma-Ruptur kommt es zum Hämatom im liquorgefüllten Subarachnoidalraum. Genau genommen handelt es sich bei einer SAB also um eine intrakraniale-extrazerebrale Blutung. Das Hämatom reizt die kranialen Hirngefäße und die umliegenden meningealen Areale von Arachnoidea und Pia mater. Zudem kann die Einblutung das Ventrikelsystem beeinflussen und beispielsweise den Aquaeductus cerebri und die Austrittsstelle des IV. Ventrikels verschließen. Infolge kann die Liquorflüssigkeit nicht mehr abfließen. Da fortwährend Liquor nachproduziert wird, staut sich die Flüssigkeit. Der Hirndruck steigt und ein Hydrozephalus entsteht. Je nach Ursache wird zwischen malresorptivem und okklusivem Hydrozephalus unterschieden.
Subduralhämatom
Nach Ruptur einer zwischen Dura mater und Arachnoidea verlaufenden Vene kommt es zur Einblutung zwischen Dura mater und Gehirn. Diese Raumforderung lässt den Druck im Subduralraum immer weiter ansteigen. Mit zunehmendem Druck (rasant über Stunden bis schleichend über Wochen) wird immer mehr Hirngewebe geschädigt und verdrängt.
Epiduralhämatom
Nach einer traumatischen Schädelkalottenfraktur wird häufig die Hirnhaut versorgende Arteria meningea media zwischen Schädelknochen und Dura mater verletzt. Die Einblutung breitet sich meist im Temporallappen aus.
Symptome
Die Symptome von Hirnblutungen unterscheiden sich nach Lokalisation und Größe des Hämatoms. Häufig sind Hirnblutungen jedoch mit einer verminderten Vigilanz, Kopfschmerzen, Paresen, Hemiplegien und anderen neurologischen Defiziten assoziiert. Da Hirnblutungen häufig die Ursache von hämorrhagischen Schlaganfällen sind, dominieren in vielen Fällen diese Symptome. Alleine aufgrund der Symptomatik kann ein blutungsbedingter Schlaganfall ohne bildgebende Verfahren weder ausgeschlossen, noch sicher bestätigt werden.
Intrazerebrale Blutung
Intrazerebrale Blutungen zeigen sich häufig mit plötzlichen beginnenden Kopfschmerzen und verminderter Vigilanz. Dazu kommen Übelkeit und Erbrechen sowie Krampfanfälle (fokal oder generalisiert). Innerhalb kurzer Zeit verlieren die Betroffenen das Bewusstsein. Große Blutungen in die Stammganglien verursachen kontralaterale Hemiparesen, konjugierte Blickdeviation zur Seite der Läsion, Ophthalmoplegie, homonyme Hemianopsie, Aphasie und komatöse Eintrübung.
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Vigilanzeintrübung, vertikale Blickparese und kontralaterale sensomotorische Hemisymptomatik weisen auf eine Thalamusbeteiligung hin. Typische Symptome für Kleinhirn-Blutungen sind Schwindel, Erbrechen, Ataxie, Dysarthrie und Spontannystagmus. Isolierte Hirnnervenausfälle sowie Tetraparese, kontralaterale Hemisymptomatik und komatöse Eintrübung deuten auf Pons-Hämatome hin. Gekreuzte Hirnstammsyndrome sind mögliche Anzeichen tegmentaler Blutungen.
Mit ansteigendem intrakraniellen Druck besteht die Gefahr der transtentoriellen Einklemmung. Je nach Region sind Bewusstseinsstörungen, Koma und Tod die Folge.
Ohne therapeutische Intervention schreiten die Beschwerden progressiv fort. Sobald sich das Blut resorbiert - und der Patient überlebt - gehen die neurologischen Symptome zurück. Je nach Ausbreitung und Region bleiben dauerhafte Einschränkungen zurück. Diese sind jedoch individuell verschieden und nur schwer vorherzusagen.
Subarachnoidalblutung
Eine Subarachnoidalblutung beginnt typischerweise mit plötzlichen (innerhalb weniger Sekunden), sehr ausgeprägten Kopfschmerzen. Der Schmerzcharakter wird als vernichtend beschrieben. Der Patient trübt ein und verliert zunehmend das Bewusstsein. Puls und Atemfrequenz sind vorerst oft noch normal. SAB bergen grundsätzlich die Gefahr einer Infarzierung.
Sekundäre Vasospasmen können fokale Hirnischämien verursachen und zu vegetativen Störungen, fokal-neurologischen Ausfällen, Meningismus, Hydrozephalus und beidseitig positivem Babinski-Zeichen führen. Ein Hydrozephalus macht sich mit Kopfschmerzen, Somnolenz und motorischen Defiziten bemerkbar.
Subduralhämatom
Bei Subduralhämatomen werden akute und chronische Verläufe unterschieden.
- Akute Subduralhämatome: Das akute SDH entwickelt sich rasch analog der traumatischen Verletzung. Typisch sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Vigilanzminderung. Häufig finden sich eine ipsilaterale Mydriasis und eine kontralaterale Herdsymptomatik in Form einer Hemiparese. In der Regel verlieren die Patienten innerhalb weniger Stunden das Bewusstsein. Beuge- und Strecksynergismen deuten auf hirndruckbedingte Ausfälle hin.
- Chronische Subduralhämatome: Das chronische SDH wird häufig erst nach mehreren Wochen diagnostiziert. An die auslösende Bagatellverletzung wird sich oft nicht mehr erinnert bzw. wird diese nicht in Zusammenhang mit den Beschwerden gebracht. Die Symptomatik ist uncharakteristisch. Hinweisgebend sind ein Druckgefühl im Kopf (mitunter auch Kopfschmerzen), Schwindel und psychomotorische Einschränkungen sowie Konzentrationsschwäche und Orientierungsverlust. Fokale Symptome wie Lähmungen, sensible Störungen und Krampfanfälle sind ebenfalls möglich. Cave: Bei älteren Patienten werden die Beschwerden häufig mit einer dementiellen Symptomatik verwechselt und das Subduralhämatom wird übersehen.
Epiduralhämatom
Ein Epiduralhämatom beginnt akut mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Unruhe oder mit einem Latenzintervall nach initialer Bewusstlosigkeit. Dieses symptomfreie Intervall ist nicht bei jedem EDH zu beobachten, kann aber als hinweisgebendes Zeichen einer epiduralen Blutung gewertet werden. Nach kurzzeitigem Bewusstseinsverlust klart der Patient auf, verliert aber aufgrund der ansteigenden intrakraniellen Druckverhältnisse nach einer relativen Latenzzeit (symptomfreies Intervall) erneut das Bewusstsein. Hinweisgebend für Epiduralhämatome sind eine Anisokorie infolge ipsilateraler Mydriasis und kontralaterale Fokaldefizite bzw.
Diagnose
Erste Hinweise auf eine Hirnblutung geben das klinische Bild, der neurologische Status und die Anamnese. Jede Hirnblutung muss bei Verdacht mit einer neuroradiologischen Bildgebung bestätigt werden. Je nach Lokalisation des Hämatoms zeigen sich unterschiedliche Befunde. In der Akutphase gilt eine Magnetresonanztomographie als diagnostisch gleichwertig. Aufgrund der längeren Untersuchungsdauer und der eingeschränkten Patienten-Überwachung ist eine MRT jedoch nicht Diagnose-Mittel der Wahl bei Verdacht auf Hirnblutungen.
Bildgebende Verfahren
- Computertomografie (CT): In der Akutsituation wird eine Computertomografie (CT) des Gehirns eingesetzt. Am dritten Tag nach einer SAB sinkt die Nachweiswahrscheinlichkeit per CT von 90-95 % auf 74 % und nach 1 Woche auf 50 %. Daher gilt das cCT als Untersuchungsmethode der ersten Wahl in der Akutphase nach einer Subarachnoidalblutung. Der Arzt erkennt in der sogenannten kranialen Computertomografie (cCT) die Subarachnoidalblutung meist als flächigen, weißen, der Gehirnoberfläche anliegenden Bezirk.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Auch mittels Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) lässt sich eine Subarachnoidalblutung in den ersten Tagen nach dem Ereignis nachweisen. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) hat in der Akutsituation einen untergeordneten Stellenwert, ist aber beim Nachweis einer subakuten oder älteren SAB überlegen.
- Angiografie: Bei der radiologischen Darstellung von Gefäßen (Angiografie) oder bei der CT-Angiografie kann die Blutung lokalisiert und ein Aneurysma erkannt werden. Spezielle Methoden der Angiografie ermöglichen sogar eine direkte Kombination von Diagnostik und Therapie. Um die Blutungsquelle (etwa ein Aneurysma) auszumachen, fertigt der Arzt mitunter eine röntgenologische Darstellung der Gefäße (Angiografie) an.
- Lumbalpunktion: Zeigt die CT-Untersuchung bei weiter bestehendem starkem Verdacht normale Ergebnisse, wird ein Liquortest (Lumbalpunktion) vorgenommen. Damit können selbst kleinste Blutmengen in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Zerebrospinalflüssigkeit) nachgewiesen werden. Hierbei dürfen aufgrund von Herniationsgefahr keine Hirndruckzeichen vorliegen. Die Durchführung sollte ca. 8-12 h nach Symptombeginn erfolgen, um eine Xanthochromie (Folge des Hämoglobinabbaus) von einer iatrogenen Blutung (frisches Blut als Folge der Punktion) differenzieren zu können. Eine blutige Probe weist auf eine SAB hin.
- Transkranielle Dopplersonografie (TCD): Manchmal entstehen als Reaktion auf die Subarachnoidalblutung Krämpfe (Vasospasmen) in den betroffenen Blutgefäßen, die bei einigen Patienten zu zusätzlichen Lähmungen führen. Die Vasospasmen erkennt man mithilfe einer speziellen Ultraschalluntersuchung der Hirngefäße (transkranielle Dopplersonografie, TCD).
Labordiagnostik
Neben der Bildgebung erfolgt eine laborchemische Blutanalyse. Wichtige Parameter sind:
- Blutbild
- Gerinnungsstatus (INR, PTT, TZ), ggf.
Therapie
Die Therapie von Hirnblutungen richtet sich nach Größe und Ursache der Blutung. Das Ziel der Behandlung ist es, eine weitere Blutung zu verhindern und die Schäden durch die bestehende Blutung einzudämmen, um die Vitalfunktionen zu erhalten und die Symptome zu lindern sowie Komplikationen zu vermeiden.
Konservative Behandlung
Im Krankenhaus wird auf eine strikte Bettruhe und die Vermeidung körperlicher Anstrengung geachtet. Eine Therapie mit Paracetamol oder ggf. Opiaten bzw. mit Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen dient der symptomatischen Behandlung. Der Blutdruck wird engmaschig kontrolliert und auf < 160 mmHg gehalten, um gemeinsam mit speziellen Medikamenten das Risiko von Vasospasmen zu reduzieren. Besonders wichtig bei der Behandlung mit konservativen Mitteln ist die Vorbeugung einer Hirnschwellung (Hirnödem). Diese ist oft eine Folge einer starken Hirnblutung und sorgt für einen gefährlichen Druckanstieg im Schädel. Durch den entstandenen Hirndruck können weitere Hirnzellen absterben.
Operative Behandlung
Ein Aneurysma sollte idealerweise innerhalb von 24 Stunden beseitigt werden, entweder durch mikrochirurgisches Clipping oder endovaskuläres Coiling. Bei der endovaskulären Therapie wird das Aneurysma per Stent oder Platinspiralen verschlossen.
- Clipping: Früher bestand die vorrangige Behandlungsweise darin, per Operation das gerissene Aneurysma durch Platzierung eines Metallclips um den Aneurysmahals zu verschließen. Beim Clipping bindet der Chirurg das Aneurysma an seiner Basis mit einer Klammer ab. Dadurch unterbricht er die Zufuhr des Blutes in das Aneurysma. Eine Operation ist aber nur möglich, wenn keine Verkrampfung der Gefäße (Vasospasmus) vorliegt. Deshalb werden Clipping-Operationen vor allem am ersten und zweiten Tag nach den ersten SAB-Beschwerden durchgeführt.
- Coiling: Beim Coiling bringt der Arzt eine Platin-Spirale ("Platin-Coil") in das Aneurysma ein. Dazu schiebt er einen Katheter über die Leistenarterie bis zur Gefäßaussackung vor. Der Coil füllt das Aneurysma aus und stoppt die Blutung. Diese Methode ist weniger kreislaufbelastend und provoziert weniger Gefäßverkrampfungen als das Clipping. Das Coiling ist empfehlenswert, wenn eine risikoarme Operation nicht möglich ist. Allerdings lässt sich das Aneurysma durch Coilen nicht ganz so effektiv ausschalten wie durch Clipping. Daher müssen alle Patienten, bei denen ein Coiling durchgeführt wurde, nach einigen Monaten zur Kontrolle mittels Angiografie (Darstellung der Gefäße mithilfe eines Röntgenkontrastmittels).
Die Entscheidung zwischen diesen Varianten hängt neben einer individuellen Nutzen-/Risiko-Abwägung und der Erfahrung der Behandler*innen ab, von dem Patientenalter, der Größe und Lage des Aneurysmas und den begleitenden Blutungen. In den meisten Fällen ist jedoch die endovaskuläre Therapie überlegen.
Bei großen Hirnblutungen kann es durch die Volumenzunahme im durch den Knochen begrenzten Schädel zu einer lebensbedrohlichen, druckbedingten Verdrängung und Funktionsstörung des umliegenden Gehirngewebes kommen (sog. Einklemmungssyndrom). In diesem Fall können eine operative Eröffnung des Schädelknochens (sog. Trepanation) und ggf. eine Entfernung des Blutes zur Entlastung des Gehirns führen. Auch das Einbringen einer Sonde zur Druckmessung oder eines Schlauchs zur Ableitung von Flüssigkeit aus dem Gehirn (sog. Liquordrainage) können erforderlich sein.
Behandlung von Komplikationen
- Gefäßkrämpfe (Vasospasmen): Gefäßverkrampfungen setzen nach dem vierten Tag nach der Subarachnoidalblutung ein und halten etwa zwei bis drei Wochen an. Durch Beeinträchtigung der Hirndurchblutung bewirken sie oft ein Auftreten oder eine Zunahme der Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen. Gefäßspasmen werden medikamentös behandelt.
- Hydrozephalus: Eine weitere mögliche Komplikation der Subarachnoidalblutung ist der „Wasserkopf“ (Hydrozephalus) - eine durch aufgestaute Hirnflüssigkeit bedingte Erweiterung der Hirnkammern. In manchen Fällen bildet sich der Hydrozephalus spontan wieder zurück. Meist muss das aufgestaute Hirnwasser aber für einige Tage über einen Schlauch nach außen abgeleitet werden. Ist eine Ableitung über längere Zeit notwendig, erhalten die Patienten einen Shunt - einen operativ eingesetzten Katheter, der das überschüssige Hirnwasser entweder in die Bauchhöhle (ventrikuloperitonealer Shunt) oder in den rechten Vorhof des Herzens (ventrikuloatrialer Shunt) ableitet.
- Erhöhter intrakranieller Druck (ICP): Erhöhter intrakranieller Druck (ICP) zu therapieren, um eine sekundäre Ischämie zu verhindern. Ggf. Kranialer Entlastungsschnitt. Ggf. Barbiturat-Koma. Ggf. Hypothermie. Ggf. Einsatz mechanischer Mittel (z.B. osmotische Therapie).
Akutbehandlung bei Verdacht auf Hirnblutung
Bei Verdacht auf eine Hirnblutung werden Betroffene vom Rettungsdienst unverzüglich in ein Krankenhaus gebracht. Die Akutbehandlung hängt unter anderem vom Ort und der Menge des ausgetretenen Blutes sowie der Ursache der Hirnblutung ab. Bei einer Blutgerinnungsstörung, z. B. durch gerinnungshemmende Medikamente, wird diese nach Möglichkeit umgehend behoben. Spezifische Antidots für Faktor-X-Inhibitoren verfügbar (z.B. Andexanet alfa).
Rehabilitation
Die (Früh-)Rehabilitation sollte möglichst frühzeitig noch während der Krankenhausbehandlung begonnen und anschließend ambulant oder stationär fortgeführt werden. Die Rehabilitation dient der Wiederherstellung der durch die Schädigung des Gehirngewebes beeinträchtigten Funktionen. Darüber hinaus sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine psychosoziale Betreuung und Beratung entscheidend, z. B. durch Selbsthilfegruppen.
Prävention
Eine generelle Vorbeugung gegen die häufigste Ursache der Subarachnoidalblutung - einem Aneurysma - ist nicht möglich. Bestimmte Risikofaktoren für die SAB lassen sich jedoch vermeiden. Dazu zählen alle Maßnahmen, die zu einem gesunden Blutdruck beitragen, etwa:
- Nicht rauchen
- Bluthochdruck behandeln und kontrollieren lassen
- Übergewicht vermeiden
- Maßvoller Alkoholkonsum
- Kein Drogenkonsum
Prävention der Subarachnoidalblutung: Maßnahmen für den Alltag
Die Prävention einer Subarachnoidalblutung (SAB) ist besonders für Personen mit einem bekannten zerebralen Aneurysma oder einer familiären Vorbelastung von Bedeutung. Doch auch ohne diese Risikofaktoren können Sie durch einen gesunden Lebensstil das Risiko einer SAB reduzieren.
- Rauchverzicht: Rauchen ist ein bekannter Risikofaktor für die Entwicklung und Ruptur von Aneurysmen. Wir empfehlen dringend, das Rauchen komplett einzustellen, um das Risiko einer Subarachnoidalblutung zu verringern.
- Blutdruckkontrolle: Bluthochdruck (arterielle Hypertension) ist ein weiterer Risikofaktor für SAB. Eine regelmäßige Überwachung des Blutdrucks und dessen Kontrolle durch eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und gegebenenfalls medikamentöse Einstellung ist essenziell.
- Alkohol vermeiden oder reduzieren: Da Alkohol den Körper in vielerlei Hinsicht schädigen kann, empfiehlt es sich, den Konsum zu vermeiden oder zumindest erheblich zu verringern.
- Gesunde Ernährung: Mit einer ausgewogenen Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und mageren Proteinen ist und gleichzeitig gesättigte Fette und Cholesterin begrenzt, können Sie dazu beitragen, das Risiko einer SAB zu senken.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung hilft Ihnen, den Blutdruck zu senken und Ihr Gewicht zu kontrollieren. Wir empfehlen Ihnen, mindestens 150 Minuten mäßig intensive oder 75 Minuten intensivere körperliche Aktivität pro Woche zu absolvieren.
- Stressmanagement: Chronischer Stress kann zu Bluthochdruck und anderen gesundheitlichen Problemen führen, die das Risiko einer SAB erhöhen.
- Regelmäßige medizinische Untersuchungen: Personen mit einem erhöhten Risiko für eine SAB, wie zum Beispiel mit nicht geplatzten (unrupturierten) Aneurysmen, sollten regelmäßige medizinische Untersuchungen wahrnehmen, um den Zustand der Aneurysmen zu überwachen. Die Häufigkeit und Art der Untersuchungen sollten mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin abgesprochen werden.
- Screening bei familiärer Vorbelastung: Bei einer familiären Vorgeschichte von SAB oder Aneurysmen kann ein Screening mittels Magnetresonanzangiografie (MRA) für erstgradige Angehörige (Eltern, Geschwister, Kinder) sinnvoll sein.
Indem Sie diese präventiven Maßnahmen in Ihren Alltag integrieren, können Sie das Risiko einer Subarachnoidalblutung reduzieren und Ihre allgemeine Gesundheit fördern.
Prognose
Etwa 15 % der Patient*innen mit einer spontanen Subarachnoidalblutung sterben in der Akutphase. Innerhalb von 30 Tagen versterben 20-35 % der Betroffenen. Nach 1 Jahr bestehen in 35 % der Fälle funktionelle Einschränkungen mit Auswirkungen auf die Lebensqualität wie anhaltende sensomotorische Defizite, kognitive Störungen, Angst oder Depression. Nicht-aneurysmatische Subarachnoidalblutungen haben eine bessere Prognose. Bei traumatischen SAB ist die Prognose abhängig von der Schwere des Schädel-Hirn-Traumas und den Begleitverletzungen. Der langfristige Verlauf ist wesentlich abhängig vom initialen Schweregrad und möglichen Komplikationen.
Die Heilungschancen einer Hirnblutung hängen von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören neben Alter, Grunderkrankungen und eventuellen Begleitverletzungen der Patientin oder des Patienten auch die Lokalisation und Ausdehnung der Einblutung. Eine große Rolle für die Heilungschancen und Überlebenschancen bei einer Hirnblutung spielt auch eine frühzeitige Behandlung. Die Dauer der Therapie, die an eine Hirnblutung anschließt, variiert von Fall zu Fall und hängt vom Ausmaß der Blutung ab. Eine Reha nach einer Hirnblutung wird stationär durchgeführt und kann zwischen vier und sechs Wochen dauern.
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