Viele Menschen empfinden übermäßiges Schwitzen als unangenehm und sind oft unsicher über die Ursachen. Das sympathische Nervensystem kann eine wichtige Rolle bei übermäßigem Schwitzen, auch Hyperhidrose genannt, spielen.
Das vegetative Nervensystem und seine Funktion bei der Thermoregulation
Das vegetative Nervensystem, das in Sympathikus und Parasympathikus unterteilt wird, ist an der Thermoregulation des Körpers beteiligt und reguliert unter anderem die Schweißsekretion, wodurch der Körper gekühlt wird. Manchmal gerät dieses innere Gleichgewicht aus dem Gleichgewicht, was zu einer Verschiebung der Erregungsleitung im vegetativen System führt. Dies führt zu übermäßigem Schwitzen, beispielsweise unter den Achseln, auch ohne körperliche Anstrengung.
Ursachen von übermäßigem Schwitzen
Die Ursache für Hyperhidrose ist oft eine Fehlfunktion des Sympathikus im vegetativen Nervensystem. Obwohl bekannt ist, dass die Schweißregulation vom sympathischen Nervensystem gesteuert wird und es zahlreiche Studien über das sympathische Nervensystem gibt, ist der spezifische Defekt, der zu Hyperhidrose führt, noch immer unbekannt. Es ist unklar, ob die Ursache für übermäßiges Schwitzen in einer Überaktivität des sympathischen Nervensystems liegt oder den Schweißdrüsen selbst zuzuschreiben ist.
Grundsätzlich werden zwei Arten von Schwitzen unterschieden:
- Thermoregulatorisches Schwitzen, das hauptsächlich vom Hypothalamus gesteuert wird.
- Emotional bedingtes Schwitzen, das hauptsächlich vom limbischen System gesteuert wird.
Die Hyperhidrose kann entweder generalisiert oder fokal auftreten. Die häufigste Form, die primäre fokale Hyperhidrose, betrifft vor allem die Achseln, Füße, Hände oder das Gesicht.
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Symptome und Auswirkungen von Hyperhidrose
Hyperhidrose-Patienten leiden unter übermäßigem Schwitzen, das ihre täglichen Aktivitäten beeinträchtigt. Das übermäßige Schwitzen kann durch Stress, Emotionen oder Anstrengung ausgelöst werden, tritt aber bei manchen Patienten auch spontan auf.
- Palmare Hyperhidrose: Patienten haben feuchte oder nasse Hände, was oft zu sozialen Problemen führt, da es ihnen schwerfällt, jemandem die Hand zu geben.
- Axilläre Hyperhidrose: Patienten leiden unter starkem Schwitzen im Achselbereich und müssen ihre Kleidung häufig wechseln, was zu Unsicherheit in der Öffentlichkeit und sozialer Ausgrenzung führen kann. Es ist kaum möglich, helle Kleidung zu tragen, und viele Betroffene schwitzen so stark, dass auch dickere Kleidungsstücke durchgeschwitzt werden.
- Plantare Hyperhidrose: Übermäßiges Schwitzen tritt an den Füßen auf, was zu feuchten Socken und Schuhen sowie einem unangenehmen Schweißgeruch führt.
Diagnose von Schwitzstörungen
Verschiedene Untersuchungsverfahren können helfen, eine Störung des Schwitzens nachzuweisen. Bei fokalen Schwitzstörungen bietet sich der Jod-Stärke-Test nach Minor an. Hierbei wird Jodlösung auf die Haut aufgetragen und anschließend Stärkepulver darüber gestreut. Sobald diese Substanzen in Kontakt mit Schweiß geraten, färben sie sich violett. Das Verteilungsmuster der Färbung (oder Nichtfärbung) erlaubt oft Rückschlüsse auf die Ursache der fokalen Schweißstörung.
Die Schweißmenge kann man mit einer quantitativen Sudometrie bestimmen. Hierbei kann mittels einer Plexiglaskapsel und kontinuierlichem Luftstrom die freigesetzte Schweißmenge gemessen werden - und zwar entweder der spontan produzierte Schweiß oder nach Stimulation, zum Beispiel durch die Iontophorese von Acetylcholin (Axonreflexschwitzen, QSART).
Zur Quantifizierung des Schwitzens unter der Achsel ist die Gravimetrie besonders geeignet. Dazu wird ein zuvor gewogenes Filterpapier für eine definierte Zeit (60 s oder 5 min) unter die Achsel geklemmt und danach wieder gewogen. Die Differenz entspricht dann der freigesetzten Schweißmenge in mg/Zeit. Ab einer freigesetzten Schweißmenge > 50 mg/min spricht man von einer axillären Hyperhidrose. An der Handfläche sind Werte > 20 mg/min als pathologisch anzusehen.
Behandlungsmöglichkeiten von Hyperhidrose
Es gibt verschiedene konservative und operative Optionen zur Behandlung von Hyperhidrose.
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Konservative Behandlungsmethoden
- Antitranspirante: Der einfachste Weg ist die Desensibilisierung der Schweißkanäle durch ein Antitranspirant. Diese enthalten Aluminiumsalze, die die Schweißdrüsen vorübergehend verschließen. In vielen Fällen lernt der Körper auf diesem Weg wieder eine Normalität der Regulation, sodass die Frequenz des Auftragens reduziert werden kann, ohne dass starkes Schwitzen auftritt.
- Topische Anwendungen: Aluminiumsalze sind in vielen frei verkäuflichen Antiperspiranzien enthalten, meist in einer Konzentration von 1 bis 2 %. In Arzneimitteln ist Aluminiumchlorid bis zu einer Konzentration von 15 bis 25 % enthalten. Wiederholte tägliche Anwendungen sind nötig. Nebenwirkungen bestehen in Hautreizungen, brennenden oder stechenden Missempfindungen. Adstringierende Externa wie Formaldehyd und Glutaraldehyd werden nur sehr eingeschränkt angewendet, weil sie zu allergischen Reaktionen und lokalen Hautirritationen führen können.
- Leitungswasser-Iontophorese: Dies ist eine elektrische Stimulation, die an den Händen erfolgt. Hierzu werden Hände oder Füße in ein Wasserbad getaucht oder mit feuchten Elektroden versehen. Die Standardtherapie besteht aus kontinuierlichem Gleichstrom, alternativ kann gepulster Gleichstrom genutzt werden. Diese Therapie ist bei bis zu 81 % der Patienten wirksam, jedoch sehr zeitaufwendig, weil sie initial mindestens dreimal wöchentlich erfolgen sollte. In der Erhaltungsphase kann eine Therapiesitzung pro Woche ausreichen.
- Botulinumtoxin (Botox): Das übermäßige Schwitzen kann auch durch eine Injektion von Botox im betroffenen Bereich behandelt werden. Dieses Toxin greift die Nervenenden an und vermindert die Übertragung von Nervenimpulsen zu den Schweißdrüsen, wodurch die Schweißneigung reduziert wird. Häufig sind wiederholte Injektionen im Bereich der Arme oder Unterarme erforderlich. Der Behandlungseffekt hält drei bis sechs Monate an.
- Medikamente: Zusätzlich zu diesen Behandlungen wurden mit unterschiedlichem Erfolg zahlreiche Medikamente zur Behandlung der Hyperhidrose eingesetzt. Dazu zählen Sedativa und Medikamente, die das Nervensystem beeinflussen.
Operative Behandlungsmethoden
- Thorakoskopische Sympathektomie: Bei einer chirurgischen Behandlung der Hyperhidrose wird der Teil des sympathischen Nervensystems, der für die Regulation der Schweißdrüsen des Armes bzw. der Hand zuständig ist, entfernt. Dieser Teil des Sympathikus-Grenzstrangs liegt innerhalb des Brustkorbs, auf Höhe des dritten und vierten Rippenköpfchens, unmittelbar unter dem Rippenfell. Um eine palmare Hyperhidrose zu behandeln, ist es notwendig, den Sympathikus auf Höhe des dritten Rippenköpfchens zu durchtrennen. Für die Behandlung der axillären Hyperhidrose wird der Nerv auf Höhe des vierten Rippenköpfchens durchtrennt, bei kombinierter palmarer und axillärer Hyperhidrose dann entsprechend an beiden Stellen. Die Sympathektomie wird heute minimalinvasiv, als sogenannte videoassistierte Operation durchgeführt.
- Axilläre Kürettage und Liposuktion: Bei der axillären Kürettage und der Liposuktion werden die Schweißdrüsen entfernt.
Weitere Maßnahmen zur Linderung von Hyperhidrose
- Entspannungstechniken: Emotionaler Stress ist ein häufiger Auslöser für übermäßiges Schwitzen, insbesondere bei der primären Hyperhidrose. Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Yoga können das sympathische Nervensystem beruhigen.
- Geeignete Kleidung: Tragen Sie lockere Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen oder Wolle. Sie nehmen die Feuchtigkeit besser auf und lassen die Haut atmen. Synthetische Stoffe sollten Sie hingegen vermeiden, da diese die Schweißbildung fördern und die Haut reizen können.
- Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht muss der Körper mehr Energie aufwenden, um sich zu kühlen. Dadurch steigt die Schweißproduktion. Ausdauersportarten wie Schwimmen, Wandern oder Radfahren sind ideal, um überschüssige Kilos abzubauen und gleichzeitig die allgemeine Gesundheit zu fördern.
- Vermeidung bestimmter Lebensmittel und Getränke: Bestimmte Lebensmittel und Getränke regen die Schweißdrüsen an. Verzichten Sie möglichst auf scharfe Speisen wie Chili, Pfeffer oder Curry. Auch heiße Getränke und Speisen verstärken das Schwitzen, da sie die Körpertemperatur erhöhen. Alkohol und koffeinhaltige Getränke wirken anregend auf das Nervensystem, wodurch die Schweißproduktion zunimmt. Entscheiden Sie sich stattdessen für Wasser oder ungesüßte Kräutertees.
- Hautpflege: Die ständige Feuchtigkeit durch übermäßiges Schwitzen reizt die Haut und begünstigt Infektionen. Reinigen Sie die betroffenen Hautstellen mindestens zweimal täglich mit einer milden, pH-neutralen Seife und trocknen Sie sie gründlich ab. Anschließend hilft eine schweißabsorbierende Creme oder ein Puder, die Haut trocken zu halten.
- Strukturierter Tagesablauf: Körperlich anstrengende Tätigkeiten sollten Sie möglichst in die kühleren Morgen- oder Abendstunden legen. Vermeiden Sie überhitzte Räume und schaffen Sie mit Ventilatoren oder Klimageräten eine angenehme Umgebungstemperatur.
Risiken und Erfolgsaussichten der thorakoskopischen Sympathektomie
Die Erfolgsaussichten der thorakoskopischen Sympathektomie hängen mit der anatomischen Lokalisation des übermäßigen Schwitzens zusammen. Wie bei allen chirurgischen Eingriffen existieren auch hier einige Risiken - dazu zählen allergische Reaktionen auf bestimmte Medikamente oder Narkosemittel, sowie mögliche Infektionen. Weiterhin kann es zu Schäden im Bereich der Blutgefäße oder der Nerven in der Nähe der Rippe kommen, an welcher die Operationsinstrumente vorbeigeführt werden müssen, Folge davon sind Blutungen oder Nervenentzündungen. Bei älteren Patienten bestehen zudem Risiken in Form von Herzproblemen, Lungenentzündungen oder Embolien. Es ist jedoch anzumerken, dass die Häufigkeit dieser Komplikationen sehr gering ist.
Die häufigste Nebenwirkung einer thorakoskopischen Sympathektomie ist das sogenannte kompensatorische Schwitzen. 50 bis 60 % der Patienten sind davon betroffen. Das kompensatorische Schwitzen kann in allen Bereichen des Körpers vorkommen (Gesicht, Bauch, Rücken, Arme und Füße). Obgleich es von einer Vielzahl der Patienten als nicht unangenehm empfunden wird, kommt es bei etwa 5 bis 10 % der Patienten zu schwereren Schweißausbrüchen, die im täglichen Leben Probleme machen können. Sowohl das kompensatorische Schwitzen als auch das gustatorische Schwitzen bessern sich oft nach einigen Wochen. Vom sogenannten Horner-Syndrom sind nur ca. 1 % der Patienten betroffen. Die Symptome treten auf der operierten Seite auf: eine Augenlidsenkung, eine enge Pupille, ein Zurückziehen des Augapfels oder gelegentlich auch eine erschwerte Tränenbildung. Zu einem Horner-Syndrom kommt es, wenn das höchste Brustganglion des sympathischen Nervensystems bei der Operation geschädigt wird. Die Symptome bessern sich jedoch häufig nach einigen Wochen.
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