Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der auftritt, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird. Dies führt zu einer Sauerstoffunterversorgung und kann innerhalb von Minuten zu Schäden an Nervenzellen führen. Es ist entscheidend, die Symptome frühzeitig zu erkennen und sofort zu handeln, um die Auswirkungen zu minimieren.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall, auch Gehirnschlag, Apoplex oder Insult genannt, ist eine plötzliche Erkrankung des Gehirns, die durch eine Minderversorgung von Nervenzellen mit Sauerstoff verursacht wird. Es gibt zwei Haupttypen von Schlaganfällen:
- Ischämischer Schlaganfall: Hierbei wird ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verschlossen. Dies ist die häufigste Ursache für einen Schlaganfall (über 80 % der Fälle).
- Hämorrhagischer Schlaganfall: Hierbei platzt ein Blutgefäß im Gehirn, was zu einer Blutung führt (Hirnblutung).
Transitorische ischämische Attacke (TIA)
Eine transitorische ischämische Attacke (TIA), oft als "kleiner Schlaganfall" bezeichnet, ist eine kurzzeitige Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns. Die Symptome sind die gleichen wie bei einem Schlaganfall, bilden sich jedoch innerhalb weniger Minuten wieder zurück. Eine TIA ist ein Warnsignal und sollte ernst genommen werden, da sie das Risiko für einen nachfolgenden Schlaganfall erhöht. Etwa 10-30 % der Betroffenen erleiden innerhalb der nächsten 5 Jahre einen Schlaganfall. TIA’s können zunächst mit einem Schlaganfall verwechselt werden, das liegt daran, dass die Symptome die gleichen sind.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein Schlaganfall kann jeden treffen, aber bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit:
- Bluthochdruck: Chronischer Bluthochdruck ist eine der Hauptursachen für Hirnblutungen.
- Arteriosklerose: Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose) kann zu Verengungen und Verschlüssen führen.
- Vorhofflimmern: Unregelmäßiger Herzschlag (Vorhofflimmern) kann zur Bildung von Blutgerinnseln im Herzen führen, die ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall verursachen können.
- Diabetes: Erhöhte Blutzuckerwerte sind Warnsignale.
- Rauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel.
- Erhöhte Blutfettwerte: Erhöhte Blutfettwerte sind Warnsignale.
- Thrombose: Eine Thrombose in den Beinvenen kann unter bestimmten Umständen (z.B. Loch im Herzen) zu einem Schlaganfall führen.
- Alter: Das Risiko steigt ab dem 60. Lebensjahr stark an.
- Familiäre Vorbelastung: Wenn Schlaganfälle in der Familie häufig vorkommen, ist das Risiko erhöht.
Symptome eines Schlaganfalls
Die Symptome eines Schlaganfalls treten meist plötzlich auf und können je nach betroffenem Hirnareal variieren. Es ist wichtig, auf folgende Anzeichen zu achten:
Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick
- Plötzliche Schwäche oder Taubheit: Einseitige Schwäche oder Taubheit in Arm, Bein oder Gesicht.
- Gesichtslähmung: Hängender Mundwinkel.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen (undeutliche Sprache, Stottern, falsche Wortwahl) oder Verstehen von Sprache.
- Sehstörungen: Plötzliche Sehstörungen wie verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, Gesichtsfeldausfälle oder einseitige Blindheit.
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen: Unerwarteter Schwindel, der als Drehschwindel (Karussell-Fahrt), Schwankschwindel (Wellengang auf Schiff) oder dem Gefühl, als würde man mit einem Aufzug fahren, wahrgenommen wird. Mit dem Schwindel geht in der Regel eine Unsicherheit beim Gehen sowie Schwierigkeiten bei der Koordination einher.
- Starke Kopfschmerzen: Plötzliche, heftige Kopfschmerzen, oft in Verbindung mit Übelkeit und Erbrechen.
- Schluckstörungen: Probleme beim Schlucken.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome einzeln, in Kombination und in unterschiedlicher Intensität auftreten können.
Spezifische Symptome im Detail
- Seh- und Sprachstörungen:
- Sehstörungen: Plötzliche Einschränkung des Gesichtsfeldes, Doppelbilder, einseitiges Erblinden oder verschwommenes Sehen.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Ausdrücken (Stottern, zusammenhanglose Sätze, Verdrehen von Silben) oder Verständnisprobleme. Häufig gehen Sprachstörungen mit einer Lähmung der rechten Körperseite einher, wenn ein Infarkt in der linken Hirnhälfte vorliegt.
- Lähmungserscheinungen:
- Halbseitige Lähmung (Hemiparese) betrifft meist Arme, Beine oder eine Gesichtshälfte; ein herabhängender Mundwinkel ist ein typisches Anzeichen. Es kann auch zu Taubheitsgefühlen kommen.
- Schwindel und Gleichgewichtsverlust:
- Unerwartetes Auftreten von Schwindel, der als Drehschwindel (Karussell-Fahrt), Schwankschwindel (Wellengang auf Schiff) oder dem Gefühl, als würde man mit einem Aufzug fahren, wahrgenommen wird. Mit dem Schwindel geht in der Regel eine Unsicherheit beim Gehen sowie Schwierigkeiten bei der Koordination einher.
- Starker Kopfschmerz:
- Die Mangeldurchblutung des Gehirns kann ebenfalls zu heftigen Kopfschmerzen führen. Die Symptome ähneln einer Migräne, allerdings tritt der Kopfschmerz bei einem Schlaganfall sehr plötzlich auf. Häufig sind damit weitere Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen verbunden.
Seltene Symptome und Syndrome
- Neglect: Eine Wahrnehmungsstörung einer Körperseite, bei der die betroffene Seite nicht mehr wahrgenommen wird. Dies kann auch das Sehen (Visueller Neglect) und Hören (Auditorischer Neglect) betreffen. Der Patient ist einseitig "blind" und "taub". Es handelt sich um eine Störung der Aufmerksamkeit.
- Zentraler Schmerz: Schmerzen, die durch Schädigungen im zentralen Nervensystem (ZNS) verursacht werden. Der Schmerz kann brennend, bohrend, ziehend oder reißend sein und wird oft von Empfindungsveränderungen begleitet. Die Behandlung ist schwierig.
- Wallenberg-Syndrom (PICA-Infarkt): Ein Schlaganfall im Bereich der dorso-lateralen Medulla oblongata (verlängertes Rückenmark) aufgrund einer Durchblutungsstörung der Arteria cerebelli posterior inferior (PICA). Symptome sind Drehschwindel, Fallneigung, Hemiataxie, dissoziierte Empfindungsstörung, Nystagmus, Schluckstörung, heisere Stimme und Horner-Syndrom.
Diagnose
Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist eine schnelle Diagnose entscheidend. Folgende Untersuchungen werden durchgeführt:
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Reflexe, Koordination, Sensibilität und anderer neurologischer Funktionen.
- Ultraschalluntersuchung der Hals- und Hirngefäße: Zur Beurteilung der Blutgefäße und Erkennung von Verengungen oder Verschlüssen.
- Bildgebung:
- Computertomographie (CT): Zur schnellen Darstellung des Gehirns und zum Ausschluss von Blutungen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Für eine detailliertere Darstellung des Gehirns und zur Erkennung von ischämischen Veränderungen.
Behandlung
Die Behandlung eines Schlaganfalls zielt darauf ab, die Blutversorgung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen und weitere Schäden zu verhindern. Die Behandlung hängt vom Typ des Schlaganfalls ab:
- Ischämischer Schlaganfall:
- Thrombolyse: Auflösung des Blutgerinnsels mit Medikamenten (innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn).
- Thrombektomie: Mechanische Entfernung des Blutgerinnsels mit einem Katheter (innerhalb von 6 Stunden nach Symptombeginn, in bestimmten Fällen auch länger).
- Hämorrhagischer Schlaganfall:
- Blutdrucksenkung: Zur Reduzierung des Blutungsrisikos.
- Chirurgische Entfernung des Blutergusses: In bestimmten Fällen zur Entlastung des Gehirns.
Stroke Units
Die beste Behandlung erhalten Betroffene in den sogenannten Stroke Units der Krankenhäuser.
Rehabilitation
Nach einem Schlaganfall ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um verlorene Funktionen wiederzuerlangen und die Lebensqualität zu verbessern. Die Rehabilitation kann Folgendes umfassen:
Lesen Sie auch: Korsakow-Demenz: Ein umfassender Überblick
- Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination.
- Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagskompetenzen.
- Logopädie: Zur Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
- Neuropsychologie: Zur Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen.
Vorbeugung
Es gibt gute Möglichkeiten, das Risiko für einen Schlaganfall zu verringern:
- Gesunder Lebensstil:
- Nicht rauchen.
- Gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse.
- Regelmäßige körperliche Aktivität.
- Übergewicht vermeiden.
- Kontrolle der Risikofaktoren:
- Blutdruck regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf behandeln.
- Blutzuckerwerte im Normbereich halten.
- Erhöhte Blutfettwerte behandeln.
- Vorhofflimmern behandeln.
- Regelmäßige ärztliche Untersuchung:
- Hausarzt konsultieren, um Risikofaktoren zu erkennen und zu behandeln.
Lesen Sie auch: Ein umfassender Leitfaden zur idiopathischen generalisierten Epilepsie
tags: #symptome #schlaganfall #wikipedia