Alzheimer-Krankheit: Ein wissenschaftlicher Überblick und Ratgeber

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft dar. Mit schätzungsweise 1,5 Millionen Betroffenen in Deutschland ist die Demenzerkrankung nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein soziales und politisches Problem. Trotz intensiver Forschungsanstrengungen ist eine kausale Therapie bislang nicht in Sicht, was Prävention, Behandlung und Versorgung umso wichtiger macht.

Die vielschichtige Verantwortung in der Versorgung von Demenzerkrankungen

Die Verantwortung für die Versorgung von Menschen mit Demenz liegt nicht allein bei Psychiatern und Geriatern. Neurologen, Hausärzte und Internisten tragen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei Diagnose, Beratung und Behandlung. Gerade in der Primärversorgung liegt die Verantwortung zur Einleitung und Überprüfung angemessener Behandlungspläne. Die Behandlung dementer Patienten erfordert große Sorgfalt und eine therapeutische Nachhaltigkeit.

Ursachenforschung und Therapieansätze

Die jahrzehntelange Suche nach den molekularen Auslösern der Alzheimer-Krankheit hat ein Zusammenspiel von Beta-Amyloid und Tau-Proteinen identifiziert. Dies führte zu einer sich immer weiter perfektionierenden Diagnostik. Was fehlt, sind Erfolg versprechende Therapieverfahren. Anti-Amyloid-Therapien gegen die Alzheimer-Krankheit markieren eine neue Ära in der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen. Bislang liegen jedoch im europäischen Raum - außerhalb von klinischen Studien - nur wenige diesbezügliche Anwendungserfahrungen vor. Ärztinnen und Ärzte sowie Betroffene stehen hinsichtlich der Anwendungsbereiche, der praktischen, technischen und instrumentellen Voraussetzungen und der Durchführung folglich vor zahlreichen Fragen und Herausforderungen.

Prävention und Lebensstil

Michael Nehls behauptet, es gäbe so etwas wie eine »Formel« gegen Alzheimer. Denn Alzheimer sei kein Schicksal, sondern eine Mangelerkrankung. Behebe man nur jene Mängel konsequent, so lasse sich Alzheimer vermeiden und im Anfangsstadium sogar heilen. Die Grundthese des Werks lautet: Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Komplikationen, Krebs und eben Alzheimer seien vor allem eine Folge unserer modernen Ernährungs- und Lebensweise. Viele gesundheitliche Probleme wären vermeidbar, würden wir uns wieder »artgerechter« ernähren und eine insgesamt »natürlichere« Lebensweise praktizieren. Nehls' Anti-Alzheimer-Formel umfasst fünf Bereiche: gesunde Ernährung, körperliche Aktivität, Schlaf, soziale Aktivität und Lebenssinn. In der Sache einfach, wie Nehls konstatiert, doch praktisch schwer realisierbar. Denn die Herausforderung bestehe darin, genügend Zeit für alle fünf Bereiche aufzubringen: »Finden wir keine Zeit für all diese natürlichen Bedürfnisse, wird Alzheimer zu einer Krankheit aus Zeitmangel.« All seine Ratschläge zielen darauf ab, einer Schrumpfung des Hippocampus entgegenzuwirken, und zwar bis ins hohe Alter.

Psychologische Aspekte und Lebensqualität

Psychologische Diagnostik ist neben medizinischer unverzichtbar, wenn über Therapie und rechtliche Aspekte bei Demenz entschieden wird. Wie kann man zuverlässig messen, wie gut Gedächtnis, Denken, Konzentration und alltagspraktisches Handeln bei Menschen mit (Verdacht auf) Demenz funktionieren? Was ist bei der Interpretation von Testergebnissen zu beachten? Im Zentrum dieses Praxishandbuchs steht die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit Demenz.

Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige

Verhaltensbezogene und psychologische Symptome (BPSD)

Verhaltensbezogene und psychologische Symptome im Rahmen von Demenzerkrankungen (BPSD) und deren Management sind im gesamten Erkrankungsverlauf von großer Bedeutung und stellen häufig eine größere therapeutische Herausforderung dar als kognitive Symptome. Ihre Entstehung ist komplex, heterogen und steht immer in einer Wechselwirkung zwischen neurobiologischen Phänomenen, patientenbezogenen Faktoren wie prämorbider Persönlichkeitsstruktur und Biografie, angehörigenbezogenen Faktoren wie Stresserleben, Depressivität und ungünstiger Interaktions- und Kommunikationsstile sowie Umgebungsfaktoren. Die diagnostische und therapeutische Annährung bedarf daher eines strukturierten Vorgehens und sollte situative und allgemeine medizinische Auslösefaktoren berücksichtigen. Die Behandlung sollte nach Möglichkeit primär kausal und nicht medikamentös erfolgen und fortlaufend reevaluiert werden. Doch die medikamentöse Therapie ist in unterschiedlichen klinischen Situationen unverzichtbar. Neben den in dieser Indikation häufig eingesetzten Antidementiva, Antipsychotika und Antidepressiva wurden verschiedene Substanzen in klinischen Studien untersucht.

Die soziale Dimension der Demenz

Eine Demenz stellt drei zentrale Schlüsselwerte unserer Gesellschaft radikal infrage: Produktivität, Rationalität und Autonomie. Die Vorstellung einer Demenzerkrankung löst deshalb bei vielen Menschen tiefe Ängste aus, so dass man von einer Angst vor Demenz als Hölle im Kopf sprechen kann. Dieser Band zeigt das Gegenteil: Menschen mit Demenz sind selbstverantwortlich handelnde Persönlichkeiten, und sie haben eine Stimme, die gehört werden sollte. Was berichten sie über ihre Erfahrungen und Gefühle? Wie deuten, gestalten und organisieren sie ihren Alltag? Aber auch: Wie reagiert das Umfeld? Welche Netzwerke der Selbsthilfe und Sorge bilden sich infolge einer Demenzdiagnose?

Pflege und Versorgung

Die Pflege krankt und mangelt. Finanziell, personell, strukturell. Wer, wie, wo künftig in Deutschland die Alten und Kranken pflegt, ist gänzlich offen. Sicher ist: Ohne »gemeinsames Engagement aller« wird in der Pflege nichts mehr gehen. Die menschenwürdige Versorgung alter Menschen kann nur gelingen, wenn alle Generationen und Gruppen der Gesellschaft einen Teil der Lasten tragen. Noch immer hat die Pharmaindustrie keine wirksame Therapie gegen Alzheimer & Co. entwickelt. Unterdessen wächst die Angst der Menschen vor dem Verlust der geistigen Kontrolle über das eigene Leben. Derzeit leben gut 1,5 Millionen Demenz-Patienten in Deutschland. Die Familien sind vielfach überfordert mit der Pflege von Angehörigen, die an Demenz bzw. Alzheimer erkrankt sind. Und die Finanzierung von Pflegekräften und Pflegeheimen stößt an ihre Grenzen.

Literaturempfehlungen

Es gibt eine Vielzahl von Ratgebern und Fachbüchern zum Thema Demenz. Hier eine Auswahl:

  • Allgemeine Ratgeber:

    Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick

    • Bowlby Sifton, C.: Das Demenz-Buch.
    • Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO) (Hrsg.): Zu Hause gut versorgt.
    • Bundesministerium für Gesundheit: Ratgeber Demenz - lnformationen fdr die häusliche Pflege von Menschen mit Demenz (2019).
    • Dobele, M.; Schmidt, S.: Demenzbegleiter für Betroffene und Angehörige.
    • Frohn, B., Staack, S.: Demenz - Leben mit dem Vergessen.
    • Hammerla, M.: Der Alltag mit demenzerkrankten Menschen.
    • Haughey, A.: Das Demenz-Buch.
    • Klessmann, E., Wollschlager, P.: Wenn Eltern Kinder werden und doch die Eltern bleiben.
    • Mace, N.; Rabins P.: Der 36-Stunden-Tag.
    • Maier, W., Jessen, F. und weitere: Alzheimer & Demenzen verstehen.
    • Muller, F.; Romero, B.; Wenz, M.: Alzheimer und andere Demenzformen.
    • Nachtigall, L.: 24-Stunden-Betreuung zu Hause oder Pflegeheim?
    • Schwarz, G.: Basiswissen: Umgang mit demenzkranken Menschen.
    • Wojnar, J.: Die Welt der Demenzkranken.
    • Zentrum für Qualitat in der Pflege: Pflegeratgeber zu verschiedenen Themen wie Mundpflege, lnkontinenz, Scham oder Ernahrung.
  • Erfahrungsberichte und Perspektiven von Betroffenen:

    • Bryden, C.: Mein Tanz mit der Demenz.
    • Davide: Miss Demenzia und ihr demenzielles Herrchen.
    • Demenz Support Stuttgart (Hrsg.): „Ich spreche für mich selbst“ Menschen mit Demenz melden sich zu Wort.
    • Hauser, U.: Wenn die Vergesslichkeit noch nicht vergessen ist - zur Situation Demenzkranker im frühen Stadium.
    • Inauen, F.: Demenz - Eins nach dem anderen.
    • Mitchell, W.: Der Mensch, der ich einst war.
    • Piechotta, G.: Das Vergessen erleben.
    • Rohra, H.: Aus dem Schatten treten.
    • Rohra, H.: Ja zum Leben trotz Demenz!
    • Snyder, L.: Wie sich Alzheimer anfühlt.
    • Swaffer, K.: Was zum Teufel geschieht in meinem Hirn?
    • Taylor, R.: Alzheimer und Ich.
    • Taylor, R.: Hallo Mister Alzheimer.
    • Weiler, T.: Das Ich in mir - oder wer ist Georg?
    • Wißmann, P., Steinauer, B., Köhnemann, R.: Herausforderung angenommen! Unser neues Leben mit Demenz.
    • Zimmermann, C. & Wißmann, P.: Auf dem Weg mit Alzheimer.
  • Romane und Erzählungen:

    • Ahlborn, H.: Tilla. Eiskönigin wider Willen.
    • Alzheimer-Gesellschaft Berlin, Christa Matter, Noel Matoff (Hg.): „ich habe Fulsheimer“ Angehörige und ihre Demenzkranken.
    • Braam, S.: „Ich habe Alzheimer“.
    • Dahmen, U.; Röser, A.: Demenz- Angehörige erzählen.
    • Eichmann, B.: Vatter baut ab.
    • Geiger, A.: Der alte König in seinem Exil.
    • Hartewig, K.: Schön ist es hier!
    • Herber, H.: Der lange Abschied.
    • Hummel, K.: Gute Nacht, Liebster.
    • Kühte, S.: Gnädige Frau, wo waren Sie gestern? Ich geh‘ in Omazeit!
    • Nachtigall, L.: Anna, Alzheimer und ich.
    • Scheib-Berten, A.: Bis dass der Tod uns scheidet? Alzheimer-Lieben.
    • Seyfert, O.: Vom Privileg, einen kranken Vater zu haben.
    • Sieveking, D.: Vergiss mein nicht.
    • Thimm, K.: Vatertage.
    • Tietjen, B.: Unter Tränen gelacht.
    • Tönnies, I.: Abschied zu Lebzeiten.
    • Wenderoth, A.: Ein halber Held.
  • Spezielle Themen:

    • ASBH (Hrsg.): Altershirndruck (NPH) - Auswirkungen, Behandlung, Hilfen.
    • Buell Withworth, H.; Whitworth, J.: Das Lewy-Body-Demenz-Buch.
    • Gusset-Bährer, S.: Demenz bei geistiger Behinderung.
    • Boss, P.: Da und doch so fern.
    • Camp, C.: Tatort Demenz - Menschen mit Demenz verstehen.
    • de Klerk-Rubin, V.: Mit dementen Menschen richtig umgehen, Validation für Angehörige.
    • Ellis, M., Astell, A.: Nonverbale Kommunikation mit demenzkranken Menschen.
    • Flemming, D.: Praktische Validation erfolgreich anwenden.
    • Theresia Albers Stiftung (Hrsg.): Alltag mit Demenz neu gestalten-Bedürfnisse verstehen, Ressourcen erkennen, neue Wege gehen.
    • James, I. A., Jackman, L.: Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Demenz.
    • Leuthe, F.: Richtig sprechen mit dementen Menschen.
    • McCarthy, B.: Nur nicht den Verstand verlieren.
    • pro familia: Sexualität und Demenz.
    • Rühl, M.: Ich muss in die Schule!
    • Sachweh, S.: „Noch ein Löffelchen?“.
    • Schmieder, M.: Dement, aber nicht bescheuert.
    • Schützendorf, E., Datum, J.: Anderland - entdecken, erleben, begreifen.
    • Tschainer-Zangl, S.: Demenz ohne Stress.
    • Urselmann, H.-W.: Schreien und Rufen.
  • Ernährung:

    • Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen: Ratgeber für die richtige Ernährung bei Demenz.
    • Kolb, Ch.: Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken.
    • Ebel, S.; Zens, N.: Fingerfood.
    • Knels, C.: Sprache und Ernährung bei Demenz.
    • Schlee, K.: Schluckstörungen.
  • Aktivierung und Beschäftigung:

    Lesen Sie auch: Alzheimer und Demenz im Vergleich

    • Diverses Material unter www.mal-alt-werden.de
    • Arbeitshilfe Demenz und geistige Behinderung.
    • Becker, A.: Ach, ja, das kenne ich auch!
    • Boest, N.: Gedächtnistraining für Männer.
    • Eiring, U.: Aktivieren mit Sprichwörtern, Liedern und Musik (mit CD).
    • Friese, Andrea: Sommerfrische, 28 Kurzaktivierungen im Sommer für Menschen mit Demenz.
    • Gatz, S.; Schäfer L.: Themenorientierte Gruppenarbeit mit Demenzkranken - 24 aktivierende Stundenprogramme.
    • Goldschmidt, B.; van Meines, N.: Handmassage bei Demenz und in der Palliativpflege.
    • Gutensohn, S.: Sprichwort Box, 400 farbige Karten, Vincentz-Verlag 2010.
    • Hegert, M., Dellermann, K.; Engermann, G.: Aktivierungskarten für die Seniorenarbeit: Ideen für das ganze Jahr.
    • Heil, J.: Menschen mit Alzheimer & anderen Demenzen fördern und beschäftigen.
    • Hirsch, A. B., Thomas, U., Uhlich, V.: Märchen für Menschen mit Demenz.
    • Kiefer, B.; Rudert, B.: Der therapeutische Tischbesuch, TTB - die wertschätzende Kurzzeitaktivierung.
    • Kießling, H. u. B.; Osten, B.: Malen mit Demenz.
    • Lambert, H.: Aktiv leben mit Alzheimer und Demenz.
    • Schmidt-Hackenberg, U.: Wahrnehmen und Motivieren - Die 10-Minuten-Aktivierung für die Begleitung Hochbetagter.
    • SingLiesel Redaktion: Die große Sprichwort-Box - Bekannte Sprichwörter erkennen und ergänzen.
    • Quizbücher für die Praxis der Seniorenarbeit.
    • Hermanns, K.: Samstags ist Badetag.
    • Krallmann, p.; Kottmann, U.: Ein Koffer voller Erinnerungen.
    • McConnell, A.: Wo sich Huhn und Eule gute Nacht sagen.
    • Schön, Ch.: Hörzeit - Radio wie früher.

tags: #alzheimer #buch #wissenschaftlich