Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich durch motorische und nicht-motorische Symptome auszeichnet. Synkopen, also plötzliche Bewusstseinsverluste, können bei Parkinson-Patienten auftreten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze von Synkopen bei Parkinson.
Einführung in Morbus Parkinson
Morbus Parkinson ist eine unheilbare Erkrankung des Nervensystems, bei der Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen, insbesondere in den Basalganglien, abgebaut werden. Dies führt zu einem Mangel an Dopamin, einem wichtigen Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen verantwortlich ist. Obwohl die Erkrankung nicht gestoppt werden kann, können die Symptome durch verschiedene Therapieansätze deutlich gelindert werden.
Frühsymptome von Parkinson
Vor der eigentlichen Diagnose können unspezifische Frühsymptome auftreten. Dazu gehören:
- REM-Schlafverhaltensstörung: Ausleben von Träumen im Schlaf. Ein gesunder Mensch hat im Traumschlaf eine erschlaffte Körpermuskulatur, während Parkinson-Patienten ihre Träume aktiv ausleben.
- Riechstörung: Vermindertes oder fehlendes Riechvermögen.
- Seelische Veränderungen: Konzentrationsprobleme.
Motorische Symptome und Diagnose
Die typischen motorischen Frühsymptome führen meist zur Diagnose. Dazu gehören:
- Zittern: Unwillkürliches Zittern, oft in Ruhe.
- Verkrampfung: Muskelsteifigkeit und -spannung (Rigor).
- Verlangsamung von Bewegungen: Bewegungsarmut (Akinese) oder verlangsamte Bewegungen (Bradykinese).
- Reduziertes Mitschwingen eines Armes: Auffällige Veränderung des Gangbildes.
Therapie und Wirkungsschwankungen
Die Therapie zielt darauf ab, die Motorik zu verbessern. Allerdings kann sich im Laufe der Zeit die Wirkdauer der Parkinson-Medikamente verkürzen, was zu Wirkungsschwankungen führt.
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Off-Phasen
Vor der nächsten Medikamenteneinnahme kann eine Verschlechterung der Symptomatik auftreten, die sogenannte Off-Phase. Symptome während der Off-Phase können sein:
- Krämpfe in den Beinen
- Zehen, die sich aufstellen
- Schwitzen
- Schmerzen
- Kleinschrittigkeit
Nach der Einnahme des Parkinson-Medikaments bessern sich die Symptome in der Regel innerhalb von 20-30 Minuten.
Fortgeschrittenes Stadium
In einem fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Krankheit gewinnen Symptome die Oberhand, die nicht mehr so gut auf die Parkinson-Medikamente ansprechen. Dies bedeutet nicht, dass die Medikamente keine Wirkung mehr zeigen, sondern dass zusätzlich zu den behandelbaren Symptomen weitere Symptome auftreten, die nicht auf die Medikamente ansprechen.
Motorische Symptome im fortgeschrittenen Stadium
- Stärker vorgebeugte Haltung
- Gehblockaden
- Haltungsinstabilität, die zu Stürzen führen kann
- Stärkere Sprechstörung
- Schluckprobleme
Nicht-motorische Symptome im fortgeschrittenen Stadium
- Geistige Veränderungen
- Orthostatische Hypotonie
Atypische Parkinson-Krankheit und Begleiterkrankungen
Eine rasche Verschlechterung des Zustands ist ungewöhnlich für eine klassische Parkinson-Erkrankung. In solchen Fällen sollte eine atypische Parkinson-Krankheit oder eine Begleiterkrankung in Betracht gezogen werden.
Atypische Parkinson-Krankheit
Etwa 10 Prozent der Menschen mit Parkinson-Symptomatik leiden an einer atypischen Parkinson-Krankheit, die ein schlechteres Ansprechen auf die Medikamente und ein rascheres Voranschreiten zeigt.
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Begleiterkrankungen
Mögliche Begleiterkrankungen sind:
- Schlaganfall
- Zuckerkrankheit
- Dehydration
- Mangelernährung
- Vitaminmangel
Rolle der Angehörigen
Angehörige können wichtige Informationen liefern, insbesondere in Bezug auf:
- Schlafstörungen
- Seelische Veränderungen
- Motorische Veränderungen, die dem Patienten selbst möglicherweise nicht auffallen (z.B. reduziertes Mitschwingen eines Arms beim Gehen)
Bildgebende Verfahren
Bildgebende Verfahren spielen eine wichtige Rolle in der Diagnostik. Zu Beginn der Erkrankung wird in der Regel eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns durchgeführt, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. Im späteren Verlauf kann eine weitere Bildgebung sinnvoll sein, wenn der Patient nicht gut auf die Medikamente anspricht, um eine atypische Parkinson-Krankheit zu diagnostizieren.
Dopa-Test und Apomorphin-Test
Um das Ansprechen auf Dopamin zu testen, können ein Dopa-Test oder ein Apomorphin-Test durchgeführt werden. Beim Dopa-Test wird die Morgenmedikation weggelassen und eine höhere Dosis von L-Dopa verabreicht. Der Apomorphin-Test beinhaltet die subkutane Verabreichung von Apomorphin, einem Dopamin-Agonisten, der schnell wirkt. Der Apomorphin-Test kann auch verwendet werden, um die individuelle Dosis für die Behandlung von Off-Zuständen zu bestimmen.
Medikamentöse Therapie
L-Dopa
Levodopa (L-Dopa) gleicht den Dopaminmangel aus, indem es als Vorstufe des Dopamins die Blut-Hirn-Schranke überwindet und dort zu Dopamin umgewandelt wird. Allerdings kann es relativ schnell zu Wirkungsschwankungen kommen.
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Dopaminagonisten
Dopaminagonisten imitieren die Wirkung von Dopamin an den Nervenzellen und können Wirkungsschwankungen hinauszögern. Sie werden häufig bei jüngeren Patienten oder im Frühstadium der Erkrankung eingesetzt. Dopaminagonisten müssen nicht im Körper umgewandelt werden, um zu wirken, und haben eine längere Wirkdauer als L-Dopa.
Apomorphin
Apomorphin ist ein starker Dopaminagonist, der nicht über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden kann und daher mehrmals täglich unter die Haut gespritzt oder über eine Pumpe kontinuierlich verabreicht wird.
Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Therapie spielen nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle. Bewegung und Sport haben einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung und die Symptome.
Synkopen bei Parkinson
Synkopen sind kurze Bewusstseinsverluste, die durch einen plötzlichen Blutdruckabfall und eine vorübergehende Mangeldurchblutung des Gehirns entstehen. Bei Parkinson-Patienten können Synkopen verschiedene Ursachen haben.
Ursachen von Synkopen
- Reflexvermittelte Synkopen: Ausgelöst durch bestimmte Reize wie emotionalen Stress, Angst, Schmerzen oder Phobien (vasovagale Synkope). Eine besondere Form ist das Karotis-Sinus-Syndrom, das durch Druck auf die Halsschlagader ausgelöst wird.
- Orthostatische Synkopen: Durch aufrechte Körperhaltung ausgelöst, wenn sich der Körper nicht schnell genug an die veränderte Position anpasst. Dies kann durch Medikamente wie Antidepressiva oder Antihypertensiva sowie durch Grunderkrankungen wie Parkinson oder Diabetes mellitus verursacht werden.
- Kardiale Synkopen: Durch Herzprobleme bedingt, wie Herzrhythmusstörungen, hypertrophe Kardiomyopathie, Herzinfarkt oder Lungenembolie.
Diagnose von Synkopen
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen ärztlichen Gespräch und der Erhebung der Anamnese. Anschließend können verschiedene diagnostische Tests durchgeführt werden:
- Elektrokardiogramm (EKG): Messung der elektrischen Aktivität des Herzens.
- Echokardiografie: Ultraschalluntersuchung des Herzens.
- Kipptischtest: Provokation orthostatischer Synkopen durch Kippen des Patienten in eine aufrechte Position.
- Ereignisrekorder (Loop-Recorder): Aufzeichnung von Herzrhythmusstörungen über einen längeren Zeitraum.
Behandlung von Synkopen
Die Behandlung hängt von der Ursache ab:
- Kardiale Synkopen: Herzschrittmacher bei Bradykardie, Medikamente, Katheterablation oder Kardioverter-Defibrillator (ICD) bei Tachykardie, Operation bei strukturellen Herzerkrankungen.
- Orthostatische Synkopen: Anpassung der Medikation, physikalische Maßnahmen wie Stützstrümpfe, ausreichende Flüssigkeits- und Salzzufuhr.
Erste Hilfe bei Synkopen
- Ruhe bewahren
- Betroffene Person ansprechen und leicht berühren
- Kopf vorsichtig nach hinten überstrecken, um die Atemwege freizuhalten
- Atmung überprüfen
- Bei Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung: Stabile Seitenlage
- Bei fehlender Atmung: Notruf wählen und mit der Wiederbelebung beginnen
Nicht-motorische Symptome bei Parkinson
Neben den motorischen Symptomen treten bei Parkinson auch nicht-motorische Symptome auf, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können.
Kategorien nicht-motorischer Symptome
- Psychiatrische Symptome: Depressionen, Angstzustände
- Sensorische Symptome: Schmerzen
- Autonome Symptome: Blasenstörungen, Verstopfung, orthostatische Hypotonie
Behandlung nicht-motorischer Symptome
Die Behandlung zielt zunächst auf die Optimierung der dopaminergen Stimulation ab. Zusätzlich können spezifische Therapien für die einzelnen Symptome eingesetzt werden.
Orthostatische Hypotonie bei Parkinson
Orthostatische Hypotonie, ein niedriger Blutdruck beim Aufstehen, ist ein häufiges nicht-motorisches Symptom bei Parkinson. Sie kann zu Schwindel, Benommenheit und Synkopen führen.
Diagnose der orthostatischen Hypotonie
Die Diagnose erfolgt durch regelmäßige Blutdruckmessungen, insbesondere beim Auftreten von Symptomen. Ein Schellong-Test kann zur weiteren Sicherung der Diagnose durchgeführt werden.
Behandlung der orthostatischen Hypotonie
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Ausreichend trinken (1,5 bis 2 Liter pro Tag), ausreichende Salzzufuhr, Vermeidung großer Mahlzeiten, Tragen einer Bauchbinde, Schlafen mit erhöhtem Oberkörper, langsames Aufstehen.
- Medikamentöse Maßnahmen: Anpassung der Parkinson-Medikation, Überprüfung blutdrucksenkender Medikamente.