Tachykardie-Ablation von Nervenfasern: Ein Überblick

Vasovagale Synkopen, auch bekannt als Ohnmachtsanfälle aufgrund von Nervenreizungen, stellen eine Herausforderung in der medizinischen Behandlung dar. Bisher gibt es nur wenige wirksame Therapien, um diesen Zustand zu behandeln. Eine spezielle Ablationsprozedur hat jedoch in einer randomisierten Studie vielversprechende Ergebnisse gezeigt und Hoffnung für eine bestimmte Patientengruppe geweckt.

Cardioneuroablation: Eine neue Hoffnung für Patienten mit vasovagalen Reflexsynkopen?

Die Cardioneuroablation könnte eine vielversprechende Behandlungsoption für Menschen mit schweren vasovagalen Reflexsynkopen sein. In einer randomisierten Studie konnte gezeigt werden, dass entsprechende Vorfälle durch diese Methode signifikant reduziert werden können. Die Autoren der Studie betonen, dass dies besonders wichtig ist, da es derzeit nur wenige wirksame Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene von vasovagalen Reflexsynkopen gibt.

Vasovagale Synkopen sind häufig auf eine übermäßige Aktivierung des Parasympathikus zurückzuführen, was zu Bradykardie oder Asystolie und letztendlich zu Bewusstseinsverlust führt. Diese Form der Synkope wird als vasovagale Synkope vom kardioinhibitorischen Typ bezeichnet.

Konventionelle Behandlungen und ihre Grenzen

Im ersten Schritt werden Patienten mit vasovagalen Reflexsynkopen in der Regel Lebensstilmodifikationen empfohlen, um den Ursachen entgegenzuwirken. Dazu gehören eine gesteigerte Flüssigkeits- und Kochsalzzufuhr, das Vermeiden von Triggern oder ein Kipptischtraining. Laut Piotrowski und Kollegen kommt es jedoch trotz dieser Maßnahmen bei bis zu 61 % der Patienten zu Rückfällen. Auch pharmakologische Therapien haben in Studien bisher enttäuschende Ergebnisse gezeigt. So erzielten Midodrin und Fludrocortison Wirksamkeitsraten von lediglich 58 % bzw. 56 %. Eine Schrittmachertherapie kommt wiederum nur für ältere Menschen ab 40 Jahren mit prädominant kardioinhibitorischer vasovagaler Synkopen und schwerer Symptomatik infrage.

Die Cardioneuroablation: Ein neuer Ansatz zur Behandlung von Reflexsynkopen

Angesichts des Mangels an wirksamen Alternativen wurde im Jahr 2005 von einem Team um den Kardiologen Jose Pachon die Cardioneuroablation als Behandlungskonzept für Reflexsynkopen vorgestellt. Bei diesem Verfahren werden mittels Radiofrequenzablation die ganglionierten Plexi, die im epikardialen Fettgewebe des rechten und linken Vorhofs lokalisiert sind, abladiert. Ziel ist es, durch diesen Eingriff die parasympathische Aktivität der dort lokalisierten Nervenfasern abzuschwächen.

Lesen Sie auch: Nachwachsen von Nervenfasern im Auge

Die ROMAN-Studie: Bestätigung der Wirksamkeit der Cardioneuroablation

In der aktuell publizierten randomisierten ROMAN-Studie wurde nun überprüft, ob eine Cardioneuroablation tatsächlich das Auftreten vasovagaler Synkopen verhindern kann. Insgesamt 48 Probanden (17 Männer) in einem durchschnittlichen Alter von 38 Jahren wurden hierfür randomisiert. Die Patienten waren im Vorfeld stark symptomatisch, im Schnitt hatten sie bereits zehn kardioinhibitorische bzw. oder gemischte vasovagale Synkopen erlitten, im Mittel drei davon während des vorherigen Jahres. Bei allen Patienten hatten sich die oben genannten nicht pharmakologischen Interventionen als wirkungslos herausgestellt. Medikamente wurden nur bei wenigen Personen - insgesamt bei 5 - im Vorfeld eingesetzt (vermutlich, weil die Probanden keine dauerhafte Therapie wollten). Im nächsten Schritt wurden die Teilnehmenden 1:1 entweder zu einer Cardioneuroablation oder zur Kontrollgruppe zugeteilt. Patienten der Kontrollgruppe wurden weiterhin angehalten, die üblichen nicht pharmakologischen Maßnahmen umzusetzen. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum Auftreten einer erneuten Synkope.

Deutliche Reduktion erneuter Synkopen durch Cardioneuroablation

Während des Follow-up von zwei Jahren kam es bei zwei Personen aus der Ablationsgruppe zu einem erneuten Bewusstseinsverlust (8%), in der Kontrollgruppe waren 13 Patientinnen/Patienten betroffen, also mehr als die Hälfte (54%). Damit hat die Cardioneuroablation die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Synkope deutlich um 95% reduziert (Odds Ratio, OR: 0,05; p=0,029). Keinen signifikanten Effekt hatte die Behandlung allerdings auf die Zeit bis zur nächsten Synkope (OR: 1,05; p=0,398). Auch die Lebensqualität der abladierten Patientinnen und Patienten verbesserte sich in den kommenden zwei Jahren nach dem Eingriff deutlich (von 10 auf 30 Punkte in einem speziellen Fragebogen für Synkopen-Betroffene, p=0,0001), wohingegen sie in der Kontrollgruppe unverändert blieb (30 vs. 31 Punkte, p=0,5501).

Der Eingriff machte sich zudem auf Parameter der Herzfrequenzvariabilität bemerkbar, in der Hinsicht, dass die parasymphatische Komponente bei den abladierten Patienten nach 3, 12 und 24 Monaten im Vergleich zu vorher weniger wurden. So wiesen die Patienten nach der Ablation im 24-Stunden-Holter-EKG schnelleren Sinusrhythmus auf als vor dem Eingriff.

Sicherheit der Cardioneuroablation

Erfreulicherweise gab es keinerlei, durch die Ablation verursachte Komplikationen. Die Autoren gehen deshalb davon aus, dass es ein sicheres Verfahren ist, wenn es von erfahrenen Operateuren durchgeführt werde. Allerdings entwickelten zwei Patienten (8%) nach dem Eingriff eine Sinustachykardie, die sich unter Betablocker- bzw. Ivabradin-Therapie wieder normalisierte. Auch in anderen Untersuchungen kam es, wie die Autoren berichten, bei wenigen Patienten nach der Ablation zu solchen Vorfällen.

Einschränkungen und Ausblick

Obwohl die Ergebnisse vielversprechend sind, ist der Weg für die Cardioneuroablation in den Praxisalltag noch nicht völlig offen. Die Studie wurde bei einer relativ selektierten Patientenpopulation (jüngere mit starker Symptomatik) durchgeführt. Die Patientenzahl war insgesamt sehr klein und da es keine Sham-Prozedur gab, kann ein Placebo-Effekt nicht ausgeschlossen werden. Ebenso wenig wurde die Wirksamkeit der Ablation mit der verfügbarer Medikamente ins Verhältnis gesetzt, in der Studie wurde der Vergleich ausschließlich mit nicht pharmakologischen Interventionen gemacht.

Lesen Sie auch: Aufbau und Funktion von Nervenfaserbündeln

Kammertachykardien: Ursachen, Risiken und Behandlung

Kammertachykardien sind Herzrhythmusstörungen, bei denen das Herz zu schnell schlägt. Mögliche Folgen sind Kreislaufversagen, Ohnmacht und der plötzliche Herztod. Das Risiko für diese Komplikationen ist erhöht, wenn der Herzmuskel zum Beispiel nach einem Herzinfarkt geschwächt ist oder man schon einmal eine Kammertachykardie hatte. Dann werden vorbeugende Maßnahmen empfohlen.

Der wichtigste Schutz vor dem plötzlichen Herztod ist der implantierbare Kardioverter-Defibrillator (ICD). Auch eine Katheterablation ist möglich. Dabei wird etwas Gewebe verödet, wodurch Herzrhythmusstörungen vorgebeugt werden kann. Außerdem kommen Medikamente infrage. Katheterablation und Medikamente werden oft mit einem ICD kombiniert. Deshalb gibt es wenige Studien, in denen die einzelnen Verfahren miteinander verglichen wurden. Welches Vorgehen am ehesten geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab - etwa von der Ursache der Herzrhythmusstörungen oder ob es dabei zu Bewusstlosigkeit gekommen ist, aber auch von Begleiterkrankungen und den eigenen Wünschen.

Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD)

Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) wird - ähnlich wie ein Herzschrittmacher - mit einem kleinen Eingriff im Brustbereich unter die Haut oder den Brustmuskel eingesetzt. Das Gerät ist über Elektroden mit dem Herzen verbunden.

Der ICD überwacht den Herzrhythmus. Wenn eine Kammertachykardie einsetzt, gibt er einen oder mehrere Stromstöße ab.

Ein ICD wird empfohlen für:

Lesen Sie auch: Vom Finger zum Gehirn

  • Menschen, die bereits eine Kammertachykardie hatten oder nach einem plötzlichen Herztod wiederbelebt wurden - sofern sich die Ursache nicht behandeln und dadurch beseitigen lässt.
  • Menschen, die aufgrund ihrer Herzerkrankung ein erhöhtes Risiko haben, dass es irgendwann zu einer Kammertachykardie mit lebensbedrohlichen Folgen kommt - auch wenn sie diese Herzrhythmusstörung zuvor noch nie hatten. Häufig sind das Personen, deren Herz sich von einem Herzinfarkt nicht ausreichend erholt hat: Bleiben Beschwerden wie Schwäche oder Atemnot und ist die Pumpleistung des Herzens noch mehrere Wochen später eingeschränkt, gilt das Risiko für eine Kammertachykardie und einen plötzlichen Herztod als erhöht. Der ICD soll davor schützen.
  • Menschen, deren Herz aufgrund anderer Ursachen geschwächt ist. Bei ausgeprägter Herzschwäche erhält man den ICD oft im Rahmen der sogenannten kardialen Resynchronisationstherapie (CRT).

Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Kammertachykardien und ihre Folgen haben, hilft ein ICD, den plötzlichen Herztod zu verhindern - das konnten gute Studien nachweisen.

ICD-Geräte können auch Daten aufzeichnen - zum Beispiel, wie das Herz arbeitet oder wann sie einen Stromstoß abgegeben haben. Diese Informationen können manche Geräte regelmäßig aus der Ferne an eine Arztpraxis oder Klinik übermitteln (Telemonitoring), sodass zum Beispiel nötige Untersuchungen oder Anpassungen der Behandlung veranlasst werden können. Diese Zusatzfunktionen können vor manchmal lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Komplikationen schützen.

Zu den Hauptrisiken der Behandlung mit einem ICD gehören Infektionen, Blutungen, Wundheilungsstörungen und Fehlfunktionen des Geräts. Diese können zum Beispiel zu unnötigen Stromstößen führen. Insgesamt kommt es bei etwa 3 von 100 Personen mit ICD zu Komplikationen, bei etwa 1 von 100 sind diese schwer bis lebensbedrohlich.

Wer die Kammertachykardie bewusst mitbekommt, spürt auch die dadurch ausgelösten Stromstöße des ICD. Das ist oft unangenehm oder schmerzhaft und kann ängstigen und psychisch belasten.

Ein ICD kann eine Kammertachykardie zwar stoppen, sie aber nicht verhindern. Damit es möglichst selten zu Attacken kommt, werden zusätzlich Medikamente oder eine Katheterablation eingesetzt.

Grundsätzlich ist es möglich, einen ICD abzuschalten. Dazu ist kein erneuter Eingriff nötig.

Katheterablation bei Kammertachykardien

Die für die Kammertachykardie verantwortlichen Bereiche im Herzen werden bei einer Katheterablation „unschädlich‟ gemacht. Dazu führt eine Ärztin oder ein Arzt einen Katheter über ein Blutgefäß von der Leiste aus bis ins Herz. Über den Katheter wird zuerst eine sogenannte elektrophysiologische Untersuchung (EPU) durchgeführt. Gezielte Stromimpulse sollen dabei die Herzrhythmusstörung auslösen, um genau festzustellen, welcher Bereich für die Kammertachykardie verantwortlich ist. Dann wird das Gewebe an der gefundenen Stelle direkt verödet - also in der Regel mit Strom erhitzt, sodass sich dort eine Narbe bildet.

Eine Katheterablation kann in folgenden Fällen sinnvoll sein:

  • das Herz durch eine Infarktnarbe geschädigt ist und dadurch trotz Medikamenten wiederholt Kammertachykardien auftreten, sodass ein ICD häufig Stromstöße auslöst oder auslösen würde,
  • die Behandlung mit Medikamenten nicht gewünscht oder möglich ist, zum Beispiel, weil man die Wirkstoffe nicht verträgt,
  • Störungen in den Reizleitungsbahnen der Kammern, eine genetisch bedingte Störung der Erregungsleitung oder ein angeborener Herzfehler zu Kammertachykardien führen.

Wenn das Herz ansonsten gesund ist - also keine koronare Herzerkrankung (KHK) oder andere Herzprobleme vorliegen - und trotzdem Kammertachykardien auftreten, empfehlen Fachleute den Eingriff eher als eine dauerhafte Medikamenteneinnahme. Voraussetzung ist aber, dass sich der Bereich, an dem die Kammertachykardie entsteht, feststellen und mit dem Katheter gut erreichen lässt. Die Implantation eines ICD ist bei Personen mit ansonsten nicht geschädigtem Herzen nicht erforderlich.

Manchmal wird auch Menschen, die aufgrund einer KHK eine anhaltende Kammertachykardie haben, kein ICD, sondern stattdessen die Katheterablation empfohlen.

Wie gut eine Katheterablation vor Kammertachykardien und deren Folgen schützt, wurde bislang vor allem an Personen untersucht, die wegen einer koronaren Herzerkrankung bereits einen ICD hatten. Die Studien weisen darauf hin, dass eine Katheterablation diese Menschen besser vor erneuten Kammertachykardien und dadurch nötigen, aber schmerzhaften und belastenden ICD-Stromstößen schützt als Medikamente.

Zu Komplikationen wie Herz- oder Gefäßverletzungen, Blutungen, Herzrhythmusstörungen, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt es bei etwa 4 bis 11 von 100 behandelten Personen, deren Herz durch eine koronare Herzerkrankung bereits geschädigt ist. Bis zu 3 von 100 versterben bei oder kurz nach dem Eingriff.

Medikamentöse Therapie bei Kammertachykardien

Häufig werden Betablocker eingesetzt. Für sie ist belegt, dass sie herzkranke Menschen vor lebensbedrohlichen Komplikationen wie Kammertachykardien schützen können. Betablocker werden meist gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem ein verlangsamter Puls, niedriger Blutdruck und Atemprobleme.

Manchmal werden auch spezielle Antiarrhythmika eingesetzt. Ob sie vor lebensbedrohlichen Komplikationen schützen, ist nicht durch gute Studien belegt. Lediglich für den Wirkstoff Amiodaron gibt es Hinweise, dass er vorbeugend wirkt.

Da ganz verschiedene Wirkstoffe zu den Antiarrhythmika zählen und gegen Kammertachykardien eingesetzt werden, sind auch unterschiedliche Nebenwirkungen möglich. Viele der Mittel können selbst zu Herzrhythmusstörungen führen. Kopfschmerzen, Übelkeit und ein niedriger Blutdruck sind weitere typische Nebenwirkungen. Amiodaron kann außerdem die Schilddrüsenfunktion stören und zu Lungen-, Leber- oder Augenproblemen führen.

Liegt eine Herzschwäche vor, sind zusätzliche Medikamente empfohlen. Sie beeinflussen nicht direkt den Herzrhythmus, schützen aber dennoch vor lebensbedrohlichen Folgen wie Kammerflimmern und plötzlichem Herztod.

Weitere Behandlungsoptionen bei Kammertachykardien

Manchmal ist eine Ablation per Katheter nicht möglich. Dann kann das störende Gewebe auch bei einer Herzoperation verödet werden. Selten kann die Verödung auch durch spezielle Bestrahlungstechniken erfolgen.

Andere Verfahren zielen darauf ab, das vegetative Nervensystem am Herzen zu beeinflussen. Es besteht aus einem beruhigenden (Parasympathikus) und einem aktivierenden Anteil (Sympathikus). Bei manchen Menschen mit erhöhtem Risiko für Kammertachykardien kann es möglicherweise helfen, den Parasympathikus zu stimulieren oder den Sympathikus zu dämpfen. Dazu stehen ganz unterschiedliche Verfahren zur Verfügung - zum Beispiel können Nervenfasern des Sympathikus mit einem operativen Eingriff verödet werden. Der Nutzen und die Risiken solcher Verfahren sind nicht ausreichend untersucht. Sie werden deshalb eher selten eingesetzt - zum Beispiel, wenn andere Maßnahmen nicht geholfen haben.

Um das Risiko für Herzprobleme nicht noch weiter zu erhöhen, sollte man zusätzlich auf einen gesunden Lebensstil achten - also unter anderem nicht rauchen und Übergewicht vermeiden.

Katheterablation: Ein minimalinvasiver Eingriff zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Bei einer Katheterablation wird mithilfe eines Herzkatheters zielgenau etwas Herzgewebe verödet - meist per Strom oder Kälte. An der verödeten Stelle bildet sich eine kleine Narbe. Mit diesem Eingriff lassen sich vor allem Herzrhythmusstörungen wirksam behandeln.

Da für eine Katheterablation nur ein kleiner Schnitt in der Leiste nötig ist, zählt sie zu den minimalinvasiven Eingriffen. Der Ursprung von Herzrhythmusstörungen liegt oft an bestimmten Stellen im Herzen, die bereits vorgeschädigt sind, etwa durch eine koronare Herzerkrankung. Dadurch kommt es zu „falschen“ elektrischen Impulsen und das Herz gerät aus dem Takt. Bei anderen Herzrhythmusstörungen spielt eine angeborene Besonderheit des Erregungssystems eine Rolle: Die Betroffenen haben zusätzliche Leitungsbahnen im Herzen. Laufen Impulse über diese Bahnen, können sie den normalen Herzrhythmus durcheinanderbringen und zum Beispiel dazu führen, dass die Herzkammern sehr schnell schlagen.

Vorbereitung und Durchführung einer Katheterablation

Bevor Herzgewebe per Katheter verödet wird, sind einige Vorbereitungen nötig: Zum einen prüfen die Ärztinnen und Ärzte, welche Erkrankung vorliegt. Zum anderen schätzen sie ab, ob ein erhöhtes Komplikationsrisiko besteht - etwa aufgrund schwerer Begleiterkrankungen.

Deshalb werden vor dem Eingriff einige Untersuchungen gemacht, vor allem ein EKG und ein sogenanntes Herz-Echo (Echokardiografie). Eine wichtige weitere Untersuchung - die elektrophysiologische Untersuchung des Herzens - findet in der Regel aber erst während des Eingriffs, kurz vor der eigentlichen Verödung, statt.

Der Eingriff findet in einem Katheterlabor statt - meist in einer Klinik, manchmal ambulant in einer spezialisierten kardiologischen Praxis. Zuerst wird die Haut in der Leiste desinfiziert und örtlich betäubt. Danach setzt die Ärztin oder der Arzt dort einen Schnitt und führt den Katheter in ein Blutgefäß ein. Der Katheter lässt sich dann schmerzfrei Richtung Herz vorschieben. Eine Vollnarkose ist in der Regel nicht nötig. Wer möchte, kann aber ein Beruhigungsmittel erhalten.

Während des Eingriffs wird mit einem EKG der Herzrhythmus kontrolliert. Meist wird der Brustkorb per Röntgen durchleuchtet, um die Position des Katheters auf einem Monitor sichtbar zu machen. Sobald die Spitze des Katheters dort angekommen ist, wo der Ursprung der Herzrhythmusstörung vermutet wird, startet zunächst die elektrophysiologische Untersuchung: Dabei setzt die Ärztin oder der Arzt über den Katheter Stromimpulse und wertet aus, wie das Herzgewebe darauf reagiert. Das Veröden schließt sich in der Regel direkt an. Meist wird dafür mit Strom genau an der Stelle Hitze erzeugt, die vernarben soll. Fachbegriffe für dieses Verfahren lauten Hochfrequenz- oder Radiofrequenz-Ablation. Normalerweise wird der Schnitt in der Leiste mit einem Stich vernäht und mit einem Verband abgedeckt - falls nötig, mit einem speziellen Druckverband.

Je nach Gesundheitszustand und Herzerkrankung bleibt man 12 bis 48 Stunden zur Überwachung im Krankenhaus. Dabei wird der Herzrhythmus regelmäßig kontrolliert. Die Stromimpulse bei der elektrophysiologischen Untersuchung und auch die Ablation selbst können Herzrhythmusstörungen auslösen. In der Regel lässt sich das Herz mithilfe der eingeführten Instrumente aber direkt wieder in einen normalen Rhythmus bringen. Auch dauerhafte Herzrhythmusstörungen wie ein AV-Block können eine unerwünschte Folge sein.

Vorteile und Risiken der Katheterablation

Vorteile der Katheterablation:

  • Für den Körper schonender minimalinvasiver Eingriff
  • Oft weniger oder keine Medikamente danach notwendig
  • Verbesserte Lebensqualität durch weniger Herzrasen und Atemnot
  • Niedrigeres Erkrankungsrisiko für Folgeerkrankungen wie eine Herzschwäche

Risiken einer Ablation:

  • Blutungen und Blutergüsse (Hämatome) an der Einstichstelle
  • Gefäßverletzungen
  • Infektionen
  • In seltenen Fällen kann sich ein Blutgerinnsel bilden, das einen Schlaganfall auslösen kann. Vorbeugend werden aus diesem Grund vor und nach dem Eingriff blutverdünnende Medikamente verabreicht.
  • In sehr seltenen Fällen ist auch eine Verletzung des Herzens möglich, die eine Punktion des Herzbeutels von außen erforderlich macht.
  • Bei Ablationen in der Nähe des AV-Knotens („Schaltstelle“ für den Herzrhythmus) kann in seltenen Fällen ein Herzschrittmacher notwendig werden.

Erfolgsaussichten nach einer Ablation

Eine Katheterablation bei Herzrhythmusstörungen hat eine sehr gute Erfolgsrate. Betroffene können meist viele Jahre symptomfrei leben und berichten von einer gesteigerten Lebensqualität, da sie wieder leistungsfähiger und belastbarer sind. Der Erfolg hängt auch von der Art der Herzrhythmusstörung ab.

Um die eigene Prognose zu verbessern, sollten Sie Ihre Nachsorgetermine stets wahrnehmen und herzgesund leben.

Weitere Einsatzgebiete der Ablation im Überblick

Die häufigste Anwendung ist die Ablation bei Vorhofflimmern, sie kann aber auch bei anderen Herzrhythmusstörungen helfen:

  • AV-Knoten-Reentry-Tachycardie (AVNRT): Gutartige Herzrhythmusstörung, bei der ein plötzlich beginnender und wieder endender regelmäßiger, aber schneller Herzschlag zu beobachten ist. Die jeweils verantwortlichen Leitungsbahnen werden durch Erwärmung des Ablationskatheters verödet. In circa 95 Prozent bleibt ein Wiederauftreten der Symptome nach der Ablation aus.
  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom): Angeborene zusätzliche Leitungsbahn zwischen Herzvorhof und -kammer. Mögliche Beschwerden sind Herzrasen, auch bereits in jungem Alter. Bei sehr häufigem Auftreten und Ausbleiben der Linderung durch Medikamente kann eine Ablation hilfreich sein. Die Ablation erfolgt an der verantwortlichen Faser, indem sie mit elektrischem Strom stark erhitzt wird, wodurch das Faserbündel seine Leitfähigkeit verliert.
  • Ektope atriale Tachykardien (EAT): Eine eher selten auftretende Form der Herzrhythmusstörung. Sie werden von sogenannten „falschen Zündkerzen" im Vorhof ausgelöst, die für ausgeprägte Beschwerden sorgen können. Zur Behandlung muss die Vorhofinnenwand abgetastet und ein bildgebendes 3D-Mapping erstellt werden. Der Auslöser der Rhythmusstörung wird mit dem Katheter lokalisiert und kann gezielt verödet werden.
  • Ventrikuläre Extrasystolen (VES): Ein Herzstolpern, das durch den Einsatz von Medikamenten nicht gelindert wird. Wichtig bei der Therapieentscheidung ist, wo im Herzen das Herzstolpern auftritt und wie oft es im 24-Stunden-EKG registriert wird. Bei der EPU wird ein Elektrodenkatheter über die Leiste zum Herzen vorgeschoben und die auslösende Stelle mittels Hochfrequenzstrom verödet.
  • Ventrikuläre Tachykardien (VT): Eine sehr bedrohliche Variante von Herzrhythmusstörungen. Diese bösartigen, wiederkehrenden Störungen stammen aus der Herzkammer und können einen plötzlichen Herztod verursachen. Eine mögliche Therapievariante ist die Implantation eines Defibrillators (ICD), eine Alternative kann unter Umständen die Ablation sein.

Herzrhythmusstörungen: Eine kurze Erklärung

Bei einer Herzrhythmusstörung ist die elektrische Aktivität an bestimmten Stellen des Herzens gestört. Das Herz schlägt entweder zu schnell (Tachykardie) oder zu langsam (Bradykardie). Meist ist das Herzgewebe durch andere Erkrankungen, wie etwa eine koronare Herzkrankheit, bereits vorgeschädigt.

Typische Symptome sind Herzstolpern, Herzrasen, Schwindel, aber auch Kurzatmigkeit oder ein Druckgefühl auf der Brust.

Um den Herzschlag wieder zu normalisieren, werden zu Beginn meist Medikamente eingesetzt. Wirken diese nicht ausreichend, kann eine Ablation helfen.

tags: #tachykardie #nervenfasern #veroden