Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem den Bewegungsapparat beeinträchtigt. Zittern, Steifheit, verlangsamte Bewegungen und Schwierigkeiten beim Gehen sind typische Symptome. Doch neben medikamentösen Behandlungen gibt es auch alternative Therapieansätze, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können. Einer davon ist die Tango-Therapie.
Was ist Tango-Therapie?
Die Tango-Therapie, auch Neurotango genannt, ist eine spezielle Form der Bewegungstherapie, die Elemente des argentinischen Tangos nutzt, um die motorischen und kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Multipler Sklerose (MS) oder beginnender Demenz zu verbessern. Sie geht dabei über den normalen Tangounterricht hinaus und fokussiert sich auf bestimmte therapeutische Schwerpunkte.
Neurotango: Prinzipien der Tango-Therapie
Simone Schlafhorst hat in ihrem Buch "Neurotango - Prinzipien der Tango-Therapie" systematisch dargestellt, wie ein Training mit verschiedenen "Tango-Tools" als physiotherapeutische Maßnahme die Motilität bei neurologischen Erkrankungen verbessern kann. Sie zeigt auf, wie Tango-Therapie als analytisch-diagnostische und als therapeutische Methode nutzbar ist. Viele Menschen beginnen mit dem Tango, wenn sie einen Verlust erlitten haben, was darauf hindeutet, dass die Kraft der Umarmung beim Tango eine psychisch stabilisierende Wirkung hat.
Das Buch thematisiert die physikalischen und physiologischen Gesetzmäßigkeiten von Grundschritten und komplexen Figuren im Tango und die Rolle der Achtsamkeit für das Paar. Es werden anschauliche klinische Beispiele gegeben, wie auch weniger optimale Abläufe gehandhabt werden können. Die genannten Elemente werden schließlich mit den "Tango Tools" in Verbindung gebracht, die das Handwerkszeug der Tangotherapie, speziell des Neurotango, darstellen. Das Buch beschäftigt sich mit dem symbiotischen Effekt und dem Wechselspiel von Führen und Folgen und stellt Bezüge zum Einsatz des Neurotango zur Persönlichkeitsentwicklung oder für Coachingseminare her. Abschließend werden die wissenschaftlichen Quellen und die Verwendung ihrer Ergebnisse interpretiert.
Das Buch ist von großem Nutzen für Anwendungsgebiete in der Neurologie und Geriatrie, aber auch in der Psychiatrie. Verschiedene Abschnitte weisen auch auf vielversprechende Anwendungen im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung und der Psychotherapie hin.
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Wie wirkt Tango-Therapie bei Parkinson?
Die Tango-Therapie setzt auf die vielfältigen Bewegungsmuster des Tangos, die speziell auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten sind. Dazu gehören:
- Verbesserung der Körperhaltung: Viele Parkinson-Patienten leiden unter einer gebeugten Haltung. Der Tango fördert eine aufrechte Körperhaltung und stärkt die Muskulatur, die für eine gute Haltung notwendig ist.
- Schulung des Gleichgewichts: Drehungen, Gewichtsverlagerungen und das Balancieren auf einem Bein sind typische Elemente des Tangos. Diese Bewegungen helfen, das Gleichgewicht zu verbessern und die Sturzgefahr zu reduzieren.
- Förderung der Koordination: Die komplexen Schrittfolgen und Figuren des Tangos erfordern eine hohe Konzentration und Koordination. Durch das Üben dieser Bewegungen werden die Nervenbahnen im Gehirn gestärkt und die Koordination verbessert.
- Anregung der Motorik: Der Tango stimuliert die Motorik und macht die Bewegung allgemein geschmeidiger. Das Gehen wird dadurch flüssiger.
- Verbesserung der Gehfähigkeit: Tango beinhaltet viele der Bewegungen, mit denen Menschen mit Parkinson Schwierigkeiten haben, einschließlich Drehen und Rückwärtsgehen. Zweimal wöchentliches Tango-Training scheint also die Gehfähigkeit zu verbessern und die Steifheit zu verringern.
- Aktivierung verschiedener Hirnareale: Durch die Kombination von Musik, Bewegung und sozialer Interaktion werden verschiedene Hirnareale bis hin zum Emotionszentrum aktiviert. Dies fördert die Bildung neuer Nervenzellen und die Ausschüttung von Dopamin, dem Glückshormon.
- Psychische und soziale Aspekte: Neben den körperlichen Auswirkungen hat die Tango-Therapie auch positive Auswirkungen auf die Psyche und das soziale Leben der Patienten. Die Musik und die Bewegung vermitteln Lebensfreude und fördern das Gemeinschaftsgefühl. Dies stärkt das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen.
- Die Kraft der Umarmung: Die Kraft der Umarmung beim Tango hat eine psychisch stabilisierende Wirkung.
- Cueing: Es finden verschiedene Arten des Cueings statt: die Musik als akustischer Cue, der Kursleiter als visueller Cue, der Partner unterstützt durch taktiles Cueing.
Ergebnisse klinischer Studien
Klinische Studien haben gezeigt, dass Tango die Gehfähigkeit verbessern und die Steifheit verringern kann. Parkinson-Patienten, die Tango gelernt hatten, erhöhten ihre Beteiligung an Aktivitäten wie Einkaufen und Haushaltsaufgaben, Freizeitaktivitäten wie Filme ansehen und Gartenarbeit sowie an sozialen Aktivitäten wie Essen gehen und Zeit mit Freunden verbringen. In vielen Fällen nahmen sie Aktivitäten wieder auf, die sie nach der Diagnose aufgegeben hatten.
Tango-Tools
Die Trainings Tools, wie z. B. Dynamiken und gegengleiche Bewegungen, sind dem argentinischen Tango entlehnt und werden mit kognitiven und kinesiologischen Aufgaben für die Teilnehmer ergänzt, die zur mentalen Anregung der Gehirnregionen oder Bildung neuer Gehirnmuster genutzt werden.
Ein Tool verbindet Übungen zur Fußkoordination mit der Fußsensormotorik und einem Gedächtnistraining.
- Rückwärtsbewegung deutlich erleichtert und verbessert
- Drehbewegungen aus Hüfte und Becken erleichtert
- kein „freezing“ während der Bewegung
- Erhöhung der Mobilität gemessen unmittelbar nach dem Training von 2 Punkten auf einer Skala von 1-10 gegenüber dem Befund zu Beginn des Trainings
- verbesserte Gangeinleitung bei Hindernissen wie z. B.
Für wen ist Tango-Therapie geeignet?
Die Tango-Therapie ist für Menschen mit Parkinson jeden Alters und in jedem Stadium der Erkrankung geeignet. Wichtig ist, dass die Teilnehmer Freude an der Bewegung und der Musik haben. Die Therapie kann sowohl in Gruppen als auch einzeln durchgeführt werden.
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Wie finde ich einen Tango-Therapeuten?
Inzwischen gibt es in vielen Städten Tango-Therapeuten, die spezielle Kurse für Parkinson-Patienten anbieten. Informationen dazu finden Sie im Internet oder bei Selbsthilfegruppen für Parkinson-Erkrankte.
Alternativen zur Tango-Therapie
Neben der Tango-Therapie gibt es auch andere Tanzformen, die sich positiv auf den Krankheitsverlauf von Parkinson auswirken können. Dazu gehören beispielsweise:
- Tanzen allgemein: Vom Spaßfaktor und den sozialen Gemeinsamkeiten abgesehen, werden beim Tanzen allgemein sehr viele grundlegende Funktionsübungen abgedeckt, die jedermann gut tun.
- Tanzgymnastik: Diese werden meistens auf Stühlen sitzend ausgeführt und später im Stehen fortgesetzt.
Es ist wichtig, eine Tanzform zu wählen, die den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht.
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