Ein Hüftgelenkersatz ist ein erfolgreiches Operationsverfahren, das Schmerzen lindern, Funktionen verbessern und die Lebensqualität wiederherstellen kann. Allerdings können, wie bei jedem chirurgischen Eingriff, Komplikationen auftreten. Eine mögliche Komplikation ist die Taubheit nach einer Hüftoperation.
Verbesserungen nach einem Hüftgelenkersatz
Nach einem erfolgreichen Hüftgelenkersatz können Patienten eine deutliche Verbesserung in verschiedenen Bereichen ihres Lebens erfahren:
- Verbesserte Mobilität: Längeres Gehen, Wandern, Radfahren und die Nutzung von Fahrzeugen sind oft deutlich besser möglich als vor der Operation.
- Erleichterung bei der Körperpflege: Das Anziehen von Socken und Schuhen sowie die Fußpflege können wieder selbstständig durchgeführt werden.
- Teilnahme an sportlichen Aktivitäten: Viele Patienten können sportliche Aktivitäten wieder aufnehmen oder fortführen.
- Verbesserung in anderen Bereichen: Die Beseitigung von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, die Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten oder die Verbesserung der Einsatzmöglichkeiten in Beruf, Haushalt und Freizeit sind häufige positive Ergebnisse.
Es ist wichtig, realistische Erwartungen zu haben und die individuellen Wünsche und Erwartungen vor dem Eingriff mit dem Arzt zu besprechen.
Risiken und Komplikationen beim Hüftgelenkersatz
Wie jede Operation birgt auch der Hüftgelenkersatz Risiken. Zu den möglichen Komplikationen gehören:
- Entzündung und Vereiterung: Das Risiko einer Infektion besteht sowohl in den ersten Wochen nach der Operation als auch über die gesamte Tragezeit des Gelenks.
- Blutgerinnsel (Thrombose und Embolie): Um diese Komplikation zu vermeiden, erfolgt eine frühzeitige Bewegung nach der Operation sowie eine medikamentöse Vorbeugung.
- Nervenschaden: Nerven, die für die Bewegung und das Gefühl von Bein und Fuß verantwortlich sind, können während der Operation beschädigt werden.
- Verletzung von Blutgefäßen und Nachblutung: Verletzungen von Blutgefäßen können zu Nachblutungen führen, die möglicherweise einen erneuten Eingriff erfordern.
- Beinlängenunterschied: Nach der Operation kann ein Beinlängenunterschied bestehen, der möglicherweise einen Ausgleich durch Einlagen oder Schuherhöhungen erfordert.
- Auskugelung des Hüftgelenks: Das künstliche Hüftgelenk kann sich auskugeln, insbesondere in den ersten Wochen nach der Operation.
- Knochenbruch: Bei Stürzen oder während der Operation kann es zu einem Knochenbruch kommen.
- Verknöcherung der Prothesen-nahen Weichteile: In Operationswunden kann Kalk abgelagert werden, was die Beweglichkeit beeinträchtigen kann.
- Lockerung der Prothese und Materialverschleiß: Im Laufe der Zeit kann sich die Prothese lockern oder es kann zu Materialverschleiß kommen, was einen Austausch erforderlich macht.
- Allergie: Eine Allergie gegen Metallbestandteile kann zu Problemen führen.
- Weiterbestehen von Beschwerden: Bei einigen Patienten bestehen nach der Operation weiterhin Beschwerden, wie z.B. Weichteilprobleme oder Schmerzen ungeklärter Ursache.
Taubheit nach Hüft-OP
Taubheitsgefühle am Oberschenkel sind ein Symptom, das einige Patienten nach einer Hüftoperation erleben. Es kann verschiedene Ursachen haben.
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Ursachen für Taubheit nach Hüft-OP
- Nervenschädigung: Während der Operation kann es zu einer versehentlichen Beschädigung oder Irritation der Nerven kommen, die das Bein versorgen, insbesondere des Nervus femoralis oder des Nervus cutaneus femoris lateralis. Solche Nervenschäden können zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln, einem Gefühl wie eingeschlafen oder Schmerzen im Oberschenkel führen.
- Iatrogene Nervenschädigungen: Iatrogene Nervenschädigungen sind seltene Komplikationen nach einer Hüft-OP, wobei der N. ischiadicus am häufigsten betroffen ist. Patientenspezifische Risikofaktoren sind Dysplasiekoxarthrosen, vorbestehende Narbenbildungen, Subluxationsstellungen des Hüftgelenkes und degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule. Eingriffsspezifische Risikofaktoren sind die Wahl des Operationszugangs, die Positionierung der Retraktoren und das intraoperativ verursachte Hämatom. Traktionsschäden können ab einer Verlängerung des Beines von ≥4 cm auftreten.
- Entzündung: Eine durch eine Entzündung bedingte Neuropathie des Nervs nach der Operation kann ebenfalls Taubheitsgefühle verursachen.
- Meralgia paraesthetica: Eine Einklemmung des seitlichen Oberschenkelhautnervs (Nervus cutaneus femoris lateralis) am Leistenband kann zu Taubheitsgefühlen im Oberschenkel seitlich führen.
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule kann auf die austretenden Nervenwurzeln drücken und Taubheitsgefühle im Oberschenkel verursachen.
- Polyneuropathie: Eine Schädigung mehrerer peripherer Nerven, die oft mit Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Vitaminmangel oder chronischem Alkoholkonsum einhergeht, kann ebenfalls Taubheitsgefühle verursachen.
- Muskelverhärtungen und Triggerpunkte: Anhaltende, schmerzhafte Kontraktionen der Muskulatur können Nerven komprimieren und Taubheitsgefühle verursachen.
- Lipödem: Eine Fettverteilungsstörung vor allen Dingen des Oberschenkels, die meist genetisch angelegt ist, kann zu einer Kompression und Reizung der sensiblen Hautnerven im Bereich des Oberschenkels führen.
- Weitere Ursachen: Arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Vitaminmangel, Nervenentzündung, Multiple Sklerose, psychosomatische Ursachen und Hyperventilation können ebenfalls Taubheitsgefühle im Oberschenkel verursachen.
Diagnose von Taubheit nach Hüft-OP
Die Diagnosestellung beginnt meistens mit einer ausführlichen Krankenbefragung und einer Sensibilitätsprüfung. Weiterhin können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen und MRT eingesetzt werden, um die Ursache der Taubheit zu ermitteln:
- Ultraschall: Dient zur Beurteilung von Muskeln, Sehnen, Blutgefäßen, Entzündungen und Hämatomen.
- Röntgen: Zeigt Knochen und ggf. Verkalkungen der Sehnen.
- MRT: Kann Muskeln, Nerven, Hämatome und andere Weichteilstrukturen darstellen.
- Nervenleitgeschwindigkeit: Ein Neurologe kann die Nervenleitgeschwindigkeit der betroffenen Nerven untersuchen.
Behandlung von Taubheit nach Hüft-OP
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Taubheit:
- Konservative Therapie: In vielen Fällen ist das Taubheitsgefühl vorübergehend und verbessert sich im Laufe der Zeit, wenn die Schwellung nachlässt und die Nerven beginnen, sich von der Irritation oder Schädigung zu erholen. Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Medikamentöse Therapie: Entzündungshemmende Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antikonvulsiva können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Invasive Therapie: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Nervenkompression zu beheben oder einen Nerv zu reparieren. Eine Neurolyse kann bei frustraner konservativer Therapie von 6-12 Wochen diskutiert werden. Bei Verdacht auf eine scharfe Durchtrennung eines Nervens muss die Primärnaht innerhalb von 24 Stunden angestrebt werden.
- Behandlung von Grunderkrankungen: Wenn die Taubheit durch eine Grunderkrankung wie Diabetes oder Vitaminmangel verursacht wird, muss diese behandelt werden.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sollte immer ein Arzt konsultiert werden. Insbesondere bei folgenden Symptomen ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich:
- Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen oder Lähmungserscheinungen in bestimmten Körperregionen, die vor der OP nicht vorhanden waren.
- Starke Schmerzen
- Schwellung
- Bewegungseinschränkungen
Rechtliche Aspekte bei Nervenschäden nach Operationen
Wenn nach einer Operation Taubheitsgefühle, Lähmungen oder unerklärliche Schmerzen auftreten, kann ein Nervenschaden die Ursache sein. Nicht jeder Nervenschaden ist auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen. In manchen Fällen handelt es sich um unvermeidbare Komplikationen. Die Beweisführung bei Nervenschäden nach Operationen ist oft komplex. Es ist wichtig, frühzeitig rechtlichen Rat einzuholen, um keine Fristen zu versäumen und wichtige Beweise zu sichern.
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