Taubheit nach Insektenstich: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Insektenstiche sind im Sommer keine Seltenheit. Während die meisten Stiche harmlos sind und lediglich lokale Reaktionen wie Juckreiz, Rötung und Schwellung verursachen, können sie in manchen Fällen auch zu Taubheitsgefühlen und anderen neurologischen Symptomen führen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Taubheit nach Insektenstichen und gibt einen Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Ursachen für Taubheit nach Insektenstich

Taubheitsgefühle nach einem Insektenstich können verschiedene Ursachen haben. Einige der häufigsten sind:

Direkte Nervenreizung durch Insektengift

Seltener, aber möglich sind auch Nervenreizungen durch das Insektengift. Bei einem Insektenstich kann es neben der Verletzung der Haut auch zur Injektion von Giften des Insektes kommen, das dann reizend im Bereich der Nerven wirken kann. Das Gift bestimmter Insekten kann direkt Nervenfasern reizen und so Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Bereich der Einstichstelle verursachen.

Entzündungsreaktion

Insektenstiche können entzündliche Reaktionen hervorrufen, die ebenfalls Nerven beeinträchtigen können. Insektenstiche können unter Umständen auch zum Einstrom von entzündlicher Flüssigkeit führen, die dann das umliegende Gewebe entsprechend anschwellen lassen. Es folgt ein so genannter Hautspannungsschmerz, der ebenfalls, vor allem bei der Bewegung des betroffenen Bereiches, zu Beschwerden führt. Die Schwellung kann Druck auf die Nerven ausüben und so Taubheitsgefühle verursachen.

Allergische Reaktion

Bei manchen Menschen kann ein Insektenstich eine allergische Reaktion auslösen, die sich nicht nur auf die Einstichstelle beschränkt, sondern auch systemische Auswirkungen haben kann. Insektengifte können bei manchen Menschen eine gefährliche, schwere anaphylaktische Reaktion hervorrufen, die sich in Schwellungen, allgemeinem Juckreiz, Atembeschwerden, Bewusstseinsstörungen oder erhöhtem Herzschlag mit niedrigem Blutdruck äußert. In seltenen Fällen kann eine solche Reaktion auch neurologische Symptome wie Taubheit verursachen.

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Borreliose

Insektenstiche können aber auch zur Folge haben, dass Bakterien mit in den Körper eingeschleppt werden, was dann ebenfalls zu einer Stimulation des Immunsystems beiträgt. Die Borreliose ist eine meistens durch die Zecke übertragene Infektionskrankheit, die nach Übertragung auch nach Wochen oder Monaten systemisch im Körper zu Reaktionen führen kann. Hier werden vor allem Dingen Gelenkschmerzen angegeben, die aber aufgrund der Länge der Zeit nicht mehr mit dem Zeckenbiss in Verbindung gebracht werden. Eine Blutuntersuchung könnte Hinweise darauf geben, dass eine durch eine Zecke übertragene Borrelien Infektion zu den beschriebenen Entzündungen der Nerven verantwortlich ist. Die Borreliose, übertragen durch Zecken, kann in späteren Stadien zu einer Neuroborreliose führen, die das Nervensystem beeinträchtigt. Eine Neuroborreliose kann etwa folgende Erkrankungen verursachen: eine Entzündung des Zentralnervensystems, also des Gehirns und Rückenmarks (sehr selten) eine Hirnhautentzündung. Taubheitsgefühle können ein Symptom dieser Erkrankung sein.

Narbenbildung

In seltenen Fällen kann es nach einem Insektenstich zu einer Narbenbildung kommen, die auf Nerven drückt und so Taubheitsgefühle verursacht.

Differentialdiagnosen

Es ist wichtig zu beachten, dass Taubheitsgefühle auch andere Ursachen haben können, die nicht mit einem Insektenstich in Zusammenhang stehen. Dazu gehören:

  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall in der Wirbelsäule kann auf Nerven drücken und Taubheitsgefühle in den Extremitäten verursachen.
  • Karpaltunnelsyndrom: Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Erkrankung, bei der ein Nerv im Handgelenk eingeklemmt wird. Dies kann zu Taubheitsgefühlen und Schmerzen in der Hand und den Fingern führen.
  • Polyneuropathie: Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die mehrere periphere Nerven betrifft. Sie kann durch Diabetes, Alkoholmissbrauch oder andere Faktoren verursacht werden und zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Schmerzen in den Füßen und Händen führen.
  • Multiple Sklerose: Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Sie kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter Taubheitsgefühle, Schwäche und Sehstörungen.
  • Wechseljahre: In den Wechseljahren sind die sinkenden bzw. schwankenden Hormonspiegel der Grund für diese Sensibilitätsstörungen. Die verringerte Konzentration von Östrogen und Progesteron, die beide wichtige Botenstoffe im Gehirn sind, kann zu Irritationen bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen führen. In Folge kann es zu Kribbeln und Brennen kommen und manchmal auch zu Taubheitsgefühlen.

Diagnose

Um die Ursache für Taubheit nach einem Insektenstich zu ermitteln, wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und den Patienten körperlich untersuchen. Dabei wird er unter anderem folgende Fragen stellen:

  • Wann und wo wurden Sie gestochen?
  • Welche Symptome haben Sie?
  • Haben Sie Allergien?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Haben Sie Vorerkrankungen?

Je nach Verdacht kann der Arzt weitere Untersuchungen veranlassen, wie zum Beispiel:

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  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Entzündungszeichen, Antikörper gegen Borrelien oder andere Auffälligkeiten aufdecken. So werden im Blutbild Entzündungswerte (CRP) sowie auch die Leukozyten und die Blutsenkungsgeschwindigkeit ermittelt, weiterhin kann man auch den so genannten Rheumafaktor untersuchen, der darüber Aussage treffen soll, ob es sich um eine rheumatologische Erkrankung handelt. Da eine Borellien Infektion ebenfalls zu Gelenk- schmerzen führt, sollten auch die Antikörper gegen die Borreliose im Blut bestimmt werden. Sind diese erhöht ist von einer Borreliose auszugehen, man sollte zeitnah sodann mit einer antibiotischen Behandlung beginnen.
  • Neurologische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung kann helfen, die Funktion der Nerven zu überprüfen und Schädigungen festzustellen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektrophysiologische Untersuchungen wie die Elektroneurographie (ENG) oder die Elektromyographie (EMG) können die elektrische Aktivität der Nerven und Muskeln messen und so Aufschluss über Nervenschädigungen geben.
  • MRT: Ein MRT (Magnetresonanztomographie) kann Bilder von den Nerven und dem umliegenden Gewebe liefern und so Entzündungen, Tumore oder andere Ursachen für die Taubheit aufdecken. Ein MRT vom entsprechenden Gelenk sollte immer dann durchgeführt werden, wenn man den Verdacht hat, dass die Ursache der Schmerzen im Gelenk direkt besteht. Auch wenn das Blutbild unauffällig ist und zum Beispiel ein Röntgenbild des schmerzenden Gelenkes unauffällig war, aber weiterhin Schmerzen angegeben werden, sollte eine MRT Untersuchung des schmerzenden Gelenkes durchgeführt werden. Man kann somit beurteilen, ob es sich um eine Problematik dieser Strukturen handelt oder aber ob eine andere Ursache für die Gelenkschmerzen verantwortlich ist.
  • Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf eine Neuroborreliose kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um das Nervenwasser zu untersuchen.

Behandlung

Die Behandlung von Taubheit nach einem Insektenstich richtet sich nach der Ursache. Einige mögliche Behandlungen sind:

  • Antihistaminika: Antihistaminika können helfen, Juckreiz und Schwellungen bei allergischen Reaktionen zu lindern.
  • Kortikosteroide: Kortikosteroide können Entzündungen reduzieren und so Nervenreizungen lindern.
  • Antibiotika: Bei einer Borreliose werden Antibiotika eingesetzt, um die Bakterien zu bekämpfen. Bei einer nachgewiesenen Borrellien Infektion sollte Clindamycin 200 mg zweimal täglich für 14 Tage eingenommen werden. Bei Weichteilinfekten, die aus einer Insektenstichverletzung herrühren kann eine antibiotische Behandlung mit Cefuroxim 250 mg zweimal am Tag für eine Woche durchgeführt werden.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, Schmerzen zu lindern. Bei sehr starken Schmerzen kann auch eine entzündungshemmende Schmerztherapie in Form einer Tablette begonnen werden. Hierbei eignen sich Ibuprofen oder Diclofenac Tabletten, die man ein bis dreimal am Tag einnehmen sollte. Die maximale Einnahmezeit sollte eine Woche nicht überschreiten.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Narben zu entfernen oder Druck von Nerven zu nehmen.

Hausmittel und alternative Behandlungen

Auch einige Hausmittel können zur Linderung von Beschwerden beitragen:

  • Kühlung: Eine zeitnahe Kühlung des geschwollenen Gebietes führt dazu, dass die Schwellung schnell zurückgeht, und auch zeitgleich die Schmerzen in dem Bereich rückläufig werden. Hierfür sollte ein Eispack für circa 10 Minuten mehrmals am Tag auf die betroffene Stelle gelegt werden.
  • Quarkwickel: Hierfür wird der Quark auf ein Handtuch gegeben und auf die schmerzenden Gelenke für ungefähr 10 Minuten zwei bis dreimal am Tag aufgelegt. Der Quark ist nicht nur kühlend sondern der in dem Quark vorhandene Stoff Casain wirkt entzündungshemmend. Eine Besserung der Beschwerden nach Quarkwickelanwendung ist nach etwa 2-3 Anwendungen zu erwarten.
  • Retterspitzumschlag: Hierbei sollte man Kompressen mit Retterspitz tränken und dann auf die schmerzenden Gelenke für 10-20 Minuten legen. Der entzündungshemmende Effekt wird nach 2-3 Anwendungen auftreten.

Vorbeugung

Einige Maßnahmen können helfen, Insektenstiche zu vermeiden:

  • Insektenschutzmittel: Verwenden Sie Insektenschutzmittel, um Insekten fernzuhalten.
  • Schützende Kleidung: Tragen Sie schützende Kleidung wie lange Ärmel und Hosen, wenn Sie sich in der Natur aufhalten.
  • Vermeiden Sie blühende Pflanzen: Halten Sie sich von blühenden Pflanzen fern, die Insekten anziehen.
  • Vermeiden Sie offene Lebensmittel und Getränke: Decken Sie Lebensmittel und Getränke ab, um Insekten nicht anzulocken.
  • Ruhiges Verhalten: Niemals nach Wespen oder Bienen schlagen. Die meisten allergieauslösenden Insekten stechen nur, um sich zu verteidigen. Viel besser ist es, sich ruhig zu verhalten oder sich nur sehr langsam zu bewegen.

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