Ein Taubheitsgefühl im Oberschenkel nach einer perkutanen transluminalen Angioplastie (PTA) kann verschiedene Ursachen haben. Um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten, ist es wichtig, die zugrunde liegenden Faktoren zu verstehen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für dieses Symptom und bietet einen Überblick über die verfügbaren Behandlungsansätze.
Einführung
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), oft auch als "Schaufensterkrankheit" bezeichnet, ist eine Erkrankung, bei der die Arterien, die die Beine versorgen, verengt oder blockiert sind. Dies führt zu einer verminderten Durchblutung, was wiederum Schmerzen und andere Symptome verursachen kann. Die PTA ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung der PAVK, bei dem die verengte Arterie mit einem Ballonkatheter aufgedehnt wird, um den Blutfluss wiederherzustellen.
Ursachen für Taubheitsgefühl im Oberschenkel nach PTA
Ein Taubheitsgefühl im Oberschenkel nach einer PTA kann verschiedene Ursachen haben, die direkt oder indirekt mit dem Eingriff in Verbindung stehen können. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:
Nervenkompression (Meralgia Paraesthetica)
Die Meralgia Paraesthetica, auch bekannt als Leistentunnelsyndrom, ist eine Erkrankung, bei der der Nervus cutaneus femoris lateralis (NCFL) komprimiert wird. Dieser Nerv verläuft durch das Becken und unterhalb des Leistenkanals zum äußeren Oberschenkel und ist für die sensible Versorgung der Haut an der Vorder- und Außenseite des Oberschenkels zuständig.
Ursachen der Nervenkompression:
- Anatomische Faktoren: Eine ungünstige anatomische Stellung oder eine Veränderung des Musculus psoas major, durch den der Nerv verläuft, kann zur Einklemmung des Nerven führen.
- Äußere Druckfaktoren: Enge Kleidung, Übergewicht oder eine Schwangerschaft können den Druck auf den Nerv erhöhen und eine Kompression verursachen.
- Leistentunnel: Der NCFL verläuft unterhalb des Leistenbandes und knickt dann um fast 90 Grad ab, um den seitlichen Oberschenkel zu erreichen. Diese Stelle ist anfällig für Engpässe.
Symptome der Meralgia Paraesthetica:
- Brennender Schmerz, der sich über die Vorder- und Außenseite des Oberschenkels ausbreitet.
- Taubheitsgefühle im Bereich des äußeren Oberschenkels.
- Kribbeln und Ameisenlaufen.
Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)
Die PAVK selbst kann zu Taubheitsgefühlen in den Beinen führen, insbesondere wenn die Durchblutung stark eingeschränkt ist. Die Verengung der Arterien führt zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen, was sich in verschiedenen Symptomen äußern kann.
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Symptome der PAVK:
- Ischämische Schmerzen: Schmerzen, die unter Belastung auftreten und sich in Ruhe bessern (Claudicatio intermittens).
- Ruheschmerz: Schmerzen, die auch in Ruhe auftreten, insbesondere im Liegen.
- Kühle und blasse Haut: Die betroffenen Extremitäten können sich kühl anfühlen und blass oder marmoriert aussehen.
- Parästhesien: Kribbeln, Taubheit, Einschlafen der Beine, Kältegefühl.
Komplikationen der PTA
Obwohl die PTA ein relativ sicheres Verfahren ist, können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten, die zu Taubheitsgefühlen im Oberschenkel führen können.
Mögliche Komplikationen:
- Blutungen oder Hämatome: Blutungen an der Punktionsstelle oder die Bildung von Hämatomen können Nerven komprimieren und Taubheitsgefühle verursachen.
- Gefäßverletzungen: In seltenen Fällen kann es zu Verletzungen der Arterie während des Eingriffs kommen, die die Durchblutung beeinträchtigen und Nervenschäden verursachen können.
- Thrombose oder Embolie: Die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) oder die Verschleppung von Blutgerinnseln (Embolien) kann zu einem akuten Verschluss der Arterie führen und die Durchblutung weiter verschlechtern.
Diabetisches Fußsyndrom (DFS)
Bei Patienten mit Diabetes mellitus kann ein Taubheitsgefühl im Oberschenkel auch im Zusammenhang mit dem Diabetischen Fußsyndrom (DFS) stehen. Der dauerhaft erhöhte Blutzucker führt zu chronischen Schäden an Nerven und Blutgefäßen, was sich in verschiedenen Symptomen äußern kann.
Ursachen des DFS:
- Diabetische Angiopathie: Schädigung der großen und kleinen Blutgefäße durch Hyperglykämie.
- Diabetische Neuropathie: Nervenschädigung durch dauerhafte Hyperglykämien, die zu einer reduzierten Schmerzempfindung führt.
Symptome des DFS:
- Reduzierte Schmerzempfindung in den Füßen.
- Trockene, dünne Haut an den Füßen.
- Hornhautschwielen.
- Schlecht heilende Wunden.
- Gefühl von "Ameisenlaufen" oder Kribbeln an den Füßen.
Diagnose
Um die Ursache für das Taubheitsgefühl im Oberschenkel nach einer PTA zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen erforderlich.
Anamnese und körperliche Untersuchung:
- Der Arzt wird zunächst die Krankengeschichte des Patienten erheben und nach den genauen Symptomen, Vorerkrankungen und Risikofaktoren fragen.
- Bei der körperlichen Untersuchung werden die Pulse in den Beinen getastet, die Hautfarbe und -temperatur beurteilt und neurologische Tests durchgeführt, um die Sensibilität und Motorik zu überprüfen.
Weitere diagnostische Verfahren:
- Doppler-Sonographie: Ultraschalluntersuchung zur Beurteilung der Blutgefäße und des Blutflusses.
- Magnetresonanzangiographie (MRA): Bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Blutgefäße mit Hilfe von Magnetfeldern und Radiowellen.
- Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln, um Nervenschäden festzustellen.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Messung der Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale entlang der Nerven wandern, um Nervenfunktionsstörungen zu erkennen.
Behandlung
Die Behandlung des Taubheitsgefühls im Oberschenkel nach einer PTA richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
Behandlung der Meralgia Paraesthetica
- Konservative Maßnahmen:
- Druckentlastung: Vermeidung enger Kleidung, Gewichtsreduktion.
- Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac zur Schmerzlinderung.
- Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Körperhaltung und zur Entlastung des Nervs.
- Hydrodissektion: Spülung des den Nerv umgebenden Gewebes mit Zuckerlösung, um den Nerv zu entlasten.
- Injektionen: Injektion von Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
- Operation: In seltenen Fällen kann eine operative Dekompression des Nervs erforderlich sein.
Behandlung der PAVK
- Konservative Maßnahmen:
- Gehtraining: Regelmäßiges Gehen bis zur Schmerzgrenze, um die Bildung von Umgehungskreisläufen zu fördern.
- Medikamente:
- Thrombozytenfunktionshemmer: Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel zur Verbesserung der Durchblutung.
- Gefäßerweiternde Medikamente: Cilostazol oder Naftidrofuryl zur Verbesserung der Durchblutung und zur Verlängerung der schmerzfreien Gehstrecke.
- Interventionelle und operative Maßnahmen:
- Perkutane transluminale Angioplastie (PTA): Aufdehnung der verengten Arterie mit einem Ballonkatheter.
- Stentimplantation: Einsetzen einer Gefäßstütze (Stent), um die Arterie offen zu halten.
- Bypass-Operation: Umleitung des Blutflusses um die verengte Arterie herum mit Hilfe einer Vene oder eines künstlichen Gefäßes.
- Thrombendarteriektomie: Ausschälung der Ablagerungen aus der Arterie.
- Amputation: In schweren Fällen kann eine Amputation erforderlich sein
Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms
- Gute Blutzuckereinstellung: Optimierung der Blutzuckerwerte, um weitere Nerven- und Gefäßschäden zu vermeiden.
- Regelmäßige Fußpflege: Sorgfältige Pflege der Füße, um Verletzungen und Infektionen vorzubeugen.
- Spezielle Schuhe und Einlagen: Druckentlastung der Füße durch orthopädische Hilfsmittel.
- Wundversorgung: Professionelle Behandlung von Wunden, um Infektionen zu verhindern und die Heilung zu fördern.
- Antibiotika: Bei Infektionen Verabreichung von Antibiotika.
- Gefäßrekonstruktive Maßnahmen: Bei Durchblutungsstörungen PTA oder Bypass-Operation zur Verbesserung der Blutversorgung der Füße.
Prävention
Einige Maßnahmen können dazu beitragen, das Risiko für Taubheitsgefühle im Oberschenkel nach einer PTA zu verringern.
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Allgemeine Präventionsmaßnahmen:
- Gesunder Lebensstil:
- Nichtrauchen: Verzicht auf Nikotin, da Rauchen die Gefäße schädigt und die Arteriosklerose fördert.
- Gesunde Ernährung: Ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität zur Verbesserung der Durchblutung und zur Stärkung der Muskulatur.
- Gewichtsmanagement: Vermeidung von Übergewicht, um den Druck auf die Nerven und Gefäße zu reduzieren.
- Kontrolle von Risikofaktoren:
- Blutdruckkontrolle: Regelmäßige Überprüfung und Behandlung von Bluthochdruck.
- Blutzuckerkontrolle: Optimierung der Blutzuckerwerte bei Diabetes mellitus.
- Cholesterinkontrolle: Senkung erhöhter Cholesterinwerte.
- Sorgfältige Nachsorge nach PTA:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Überwachung des Blutflusses und der Gefäßgesundheit.
- Einhaltung der ärztlichen Empfehlungen: Befolgung der Anweisungen des Arztes bezüglich Medikamenteneinnahme, Bewegung und Fußpflege.
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