Ein Taubheitsgefühl nach einer Operation, hervorgerufen durch Kompression, kann verschiedene Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze für dieses Phänomen.
Einführung
Nervenkompressionen können nach operativen Eingriffen auftreten und sich durch Taubheitsgefühle, Kribbeln und Schmerzen äußern. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von direkter mechanischer Einwirkung bis hin zu entzündlichen Prozessen.
Was ist eine Nervenkompression?
Bei einer Nervenkompression wird eine Nervenfaser oder Nervengewebe durch mechanische Einwirkung gequetscht oder zusammengepresst (lat. comprimere "zusammendrücken"). Je nach Ausmaß des Drucks kommt es zu einer Reizung oder Schädigung des betroffenen Nervs. In der Folge drohen Kribbeln, Schmerzen und Taubheitsgefühl bis hin zu Funktionsausfällen (Nervenkompressionssyndrom).
Ursachen für Taubheitsgefühle nach OP durch Kompression
Direkter Druck auf Nerven
- Raumfordernde Veränderungen: Druckursachen sind häufig raumfordernde Veränderungen dort, wo der Nerv durch eine anatomische Engstelle verläuft (z.B. beim Karpaltunnelsyndrom ober beim Kubitaltunnelsyndrom).
- Entzündliche Prozesse und Tumore: Aber auch ohne solche vorgegebenen Engstellen kann es zu Druck auf einen Nerv kommen. Dies ist der Fall, wenn sich in seiner Nachbarschaft aufgrund entzündlicher Prozesse oder bösartiger Tumoren Gewebe vermehrt.
- Pulsation von Arterien: Manchmal werden Nerven auch durch die Pulsation sehr nah verlaufender Arterien komprimiert und gereizt. Das ist z.B. eine häufige Ursache der Occipitalisneuralgie.
- Narbenbildung: Postoperative Narbenbildung kann ebenfalls Druck auf Nerven ausüben.
Kompression durch Lagerung während der OP
Während einer Operation kann die Positionierung des Patienten zu einer Kompression von Nerven führen. Dies ist besonders relevant bei längeren Eingriffen.
Postoperative Schwellungen und Hämatome
Schwellungen und Blutergüsse im Operationsgebiet können Nerven komprimieren und so Taubheitsgefühle verursachen.
Lesen Sie auch: Was tun bei Taubheitsgefühl im Schienbein?
Spezifische Nervenkompressionssyndrome
- Karpaltunnelsyndrom: Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch eine Einengung des Mittelarmnerven (Nervus medianus) und löst vor allem bei Frauen Handschmerzen und ein Taubheitsgefühl im Bereich von Daumen, Zeige- und Mittelfingern aus. In schweren Fällen kommt es bei den Betroffenen zu Lähmungserscheinungen der Hand und die Greifkraft lässt deutlich nach.
- Kubitaltunnelsyndrom: Dabei handelt es sich um eine Einengung an der Innenseite des Ellbogens (Nervus ulnaris), auch bekannt als Musikantenknochen.
- Sulcus Ulnaris Syndrom: Dabei handelt es sich um eine Einengung an der Innenseite des Ellbogens (Nervus ulnaris), auch bekannt als Musikantenknochen.
- Morton-Metatarsalgie: (Mittelfuß).
- Tarsaltunnelsyndrom: (Schienbein).
- Meralgia Paraesthetica: (Hüftgelenk).
- Loge-de-Guyon-Syndrom: Hierbei handelt es sich um eine muskuläre Schwäche beim Fingerspreizen und -zusammenführen. Auch kommt es zu Missempfindungen im Bereich des kleinen Fingers und des Ringfingers.
- Ischialgie: Eine Ischialgie äußert sich durch einen ziehenden Schmerz, der einseitig vom unteren Rücken über das Gesäß und den Oberschenkel bis in den Fuß zieht.
Nervenkompressionssyndrom - Ursachen und häufig betroffene Körperbereiche
Die genauen Ursachen eines Nervenkompressionssyndroms können je nach betroffener Körperstelle sehr vielfältig sein. Dabei unterscheiden wir zwischen chronischer (im zeitlichen Verlauf erworben) und akuter (durch ein Ereignis ausgelöst) Nervenkompression.
Die häufigsten Ursachen sind:
- Abnutzungserscheinungen (Arthrose)
- Rheuma
- Entzündungen wie Arthritis
- Vernarbungen oder Brüche nach Unfällen
- Verknöcherungen
- Das Tragen eines Gipses oder Schwellungen
- Veränderungen an Gewebe oder Sehnen
Wie der Begriff „Kompression“ bereits nahelegt, wird der Nerv dabei physisch zusammengepresst bzw. gequetscht und irritiert. Durch den natürlichen Verlauf unserer Nerven durch den Körper kommen sie an Engstellen vorbei, beispielsweise an Knochen oder Sehnen. Sind diese Engstellen chronisch verkleinert, ist nicht genügend Platz vorhanden, wodurch Druck auf den Nerv in diesem Bereich ausgeübt wird.
Symptome einer Nervenkompression
Häufig auftretende Symptome eines Nervenkompressionssyndroms:
- Kribbeln oder „Ameisenlaufen“
- Sensibilitätsstörungen
- Taubheitsgefühle
- Missempfindungen (Parästhesien)
- Ausstrahlende oder stechende Schmerzen
- Funktionsausfälle
- Schwächeerscheinungen
- Lähmungserscheinungen
Diagnose von Nervenkompressionen
Da bei einer Nervenkompression eine Primärerkrankung zugrunde liegt, muss diese als Auslöser zwingend von einem Neurologen oder anderen Facharzt diagnostiziert und bestätigt werden. Das Ziel ist hierbei, die Ursache für die Kompression einwandfrei festzustellen. Ansonsten ist keine seriöse Beseitigung der Nervenverengung möglich.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Taubheitsgefühl in den Füßen
Anamnese und körperliche Untersuchung
Die Diagnose beim Nervenkompressionssyndrom erfolgt durch die Symptombeschreibung des Patienten inklusive Schmerzintensität im Tagesverlauf, mithilfe von Tests der sensorischen Wahrnehmung im Nervenverlauf und Erfolgsorgan (z. B. Hand oder Fuß),durch die Provokation schmerzender Bewegungen, die durch den Nerv gesteuert werden unddurch Krafttests der entsprechenden durch den Nerv angesteuerten Muskeln.
Bei einem sensorischen Test wird beispielsweise mit einem spitzen Gegenstand (Stricknadel) Druck auf das vom betroffenen Nerv mit Reizen versorgte Hautareal gegeben oder mithilfe einer vibrierenden Stimmgabel die Wahrnehmung im Vergleich zur Gegenseite getestet. Überprüft wird außerdem das Empfinden von Wärme und Kälte.
Bildgebende Verfahren
Abschließende Sicherheit über die Diagnose Nervenkompressionssyndrom gibt ein auffälliger Befund im MRT, Ultraschall oder CT oder eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, bei der im Seitenvergleich ein signifikanter Unterschied festgestellt werden kann. Bildgebende Verfahren und die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit dienen außerdem dazu, schwerwiegendere Erkrankungen wie bösartige Neubildungen (Tumore), Infektionen, Thrombosen, Frakturen oder Nervenerkrankungen wie Multiple Sklerose auszuschließen.
Elektrophysiologische Untersuchungen
Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und Elektromyographie (EMG) können helfen, die Funktion der Nerven zu beurteilen und den Ort der Kompression zu lokalisieren.
Behandlung von Nervenkompressionen
Nach der Diagnose wird versucht, die Nervenkompression durch konservative Therapie-Formen zu behandeln. Darunter zählen beispielsweise Physiotherapie, eine Behandlung mit Medikamenten wie Kortison, Elektrotherapie, Schonung oder das Tragen von speziellen Schienen. Erst wenn die konservative Therapie keinen Erfolg verspricht, werden operative Maßnahmen ergriffen.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Knieprellung und Taubheitsgefühl
Konservative Therapie
- Physiotherapie: Die Physiotherapeutische Behandlung sollte 2x pro Woche stattfinden. Z.B. Empfehlung für ca. Mit Krankengymnastik können Sie erst 14 Tage nach Ihrer OP beginnen.
- Medikamentöse Behandlung: Entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Kortison in niedriger Dosis helfen.
- Schienen und Orthesen: Beim Karpaltunnelsyndroms und Loge-de-Guyon-Syndrom beispielsweise können leichtere Formen konservativ durch Ruhigstellung des Handgelenks mittels einer Schiene behandelt werden.
- Injektionen: In manchen Fällen kann man eine Radikulopathie durch die interventionelle Schmerztherapie lindern. Dabei spritzt der Arzt unter Röntgenkontrolle ein Gemisch aus Kortison und Betäubungsmitteln in die Nähe der gereizten Nervenwurzel.
Operative Therapie: Dekompression
Unter dem Begriff Dekompression versteht man allgemein die Druckentlastung des betroffenen Körperareals. Die Dekompression wird im Zuge einer sogenannten Neurolyse-Operation (Freilegung des Nervs) erreicht. Da das Nervenkompressionssyndrom vielfältige Ursachen haben und an unterschiedlichen Körperregionen auftreten kann, sind Dekompressions-Operationen sehr individuell. Die Vorgehensweise der Nervenfreilegung kann deshalb nicht verallgemeinert dargestellt werden. Häufig wird jedoch eine Freilegung des peripheren Nervs erreicht, indem störendes Gewebe oder Verknöcherungen entfernt und anatomische Veränderungen minimalinvasiv beseitigt werden. Bei einem Karpaltunnelsyndrom erfolgt die Dekompression beispielsweise durch eine Erweiterung des Nervenkanals.
Dekompressions-OP - Nachsorge
Die Neurolyse-OP wird in der Regel minimalinvasiv durchgeführt. Die Wunde wird nach der Operation mit einem selbstauflösenden Faden vernäht und ein Wundverband angelegt. Ob eine Nachuntersuchung stattfindet, muss im Einzelfall entschieden werden. Auf Sport sollte mindestens 6 Wochen verzichtet werden. In der Regel wird eine postoperative Physio - und Ergotherapie notwendig, um eine Aktivierung der Muskulatur und eine Wiederherstellung der Beweglichkeit zu ermöglichen.
Spezifische Operationstechniken
- Mikrochirurgische Dekompression an der Wirbelsäule: Mithilfe eines speziellen Operationsmikroskops kann der Wirbelsäulenchirurg störendes Gewebe im Spinalkanal genau identifizieren und mit feinsten Instrumenten entfernen. Eine mikrochirurgische Dekompression an der Wirbelsäule kommt in Frage, wenn es im knöchernen Wirbelkanal eng wird und darin verlaufende Nervenwurzeln oder Nervenbahnen unter Druck geraten sind.
- Karpaltunnelspaltung: Diese wird entweder mit der offenen Methode durch einen chirurgischen Schnitt zwischen dem Daumen- und Kleinfingerballen (Karpalband) erreicht. Zudem wird Gewebe entfernt, das für die Einengung des Nervs verantwortlich ist.Bei der zweiten Methode, die auch als „Schlüssellochtechnik“ bezeichnet wird, erfolgt ein winziger Schnitt quer entlang der Beugefalte des Handgelenkes. Anschließend wird ein Endoskop eingeführt, mit dessen Hilfe die gleiche Operation wie bei der offenen Methode durchgeführt wird.
Taubheit nach Zahnimplantation
Nach der Installation von Zahnimplantaten können Patienten in den ersten Tagen schmerzhafte Empfindungen, Zahnfleischbluten und Taubheit (Hypästhesie) im Bereich des chirurgischen Eingriffs verspüren. Solche postoperativen Folgen sind natürlich, wenn sie nicht länger als 3-5 Tage anhalten. Aber manchmal ist es anders - das Unbehagen verschwindet lange Zeit nicht.
Ursachen für Taubheit nach Zahnimplantation
- Minderwertige Schmerzlinderung.
- Falsch gewählte Länge des Implantats.
- Verletzung des Trigeminusnervs während des Einsetzens des Zahnimplantats oder beim Bohren des Lochs für den Stift.
Behandlung von Taubheit nach Zahnimplantation
Bei leichten und mittelschweren Verletzungen entscheidet der Arzt, ob eine Intervention erforderlich ist oder ob dem Körper Zeit zur Selbstheilung gegeben werden soll. Dem Patienten können therapeutische Verfahren mit medikamentöser Behandlung (Einnahme von Antibiotika, entzündungshemmenden Medikamenten) und physiotherapeutischen Maßnahmen (Akupunktur, gezielte Massage, Elektrophorese und Ultraschalltherapie) verschrieben werden.
Spezifische Fälle von Nervenkompression nach Operationen
Taubheitsgefühl im Bein und anhaltender Harndrang nach Spinalkanalstenose-OP
Nach einer Spinalkanalstenose-Operation im Lendenwirbelbereich kann es gelegentlich zu neurologischen Nachwirkungen kommen. Das Taubheitsgefühl im Bein und der anhaltende Harndrang könnten auf eine Irritation oder vorübergehende Schädigung der Nervenwurzel im Bereich der LWS hindeuten.
Nervus cutaneus femoris lateralis Läsion
Der Nervus cutaneus femoris lateralis kann durch Druck und Verletzungen geschädigt werden.
- Symptome: Patient*innen haben Beschwerden an der Vorder- bzw. Außenseite des Oberschenkels. Charakteristisch sind ein Kribbeln, brennende Schmerzen, Missempfindungen und Taubheit. Meistens ist nur eine Seite betroffen.
- Ursachen: Die häufigste Ursache der Nervenschädigung ist eine Einklemmung (Kompression) im Bereich des Leistenbandes; dies wird Meralgia paraesthetica genannt.
Kompressionssyndrome an Gefäßen
Unter dem Begriff Kompressionssyndrome oder Engpasssyndrome werden seltene Krankheiten zusammengefasst, bei denen Nerven und Gefäße eingeklemmt werden. Sie treten an unterschiedlichen Stellen des Körpers auf. Dabei reichen die Symptome von Schmerzen und Taubheitsgefühlen bis hin zu Durchblutungsstörungen.
Thoracic Outlet Syndrom (TOS)
Ein Engpass im Bereich des Schultergürtels führt dazu, dass bei erhobenem Arm die Schlagader (Arterie) und die dort verlaufenden Nervenbündel (Plexus) eingeklemmt werden.
Poplitealen Entrapment Syndrom (PAES)
Beim Poplitealen Entrapment Syndrom (PAES) werden die Schlagader (Arterie) und die Vene in der Kniekehle eingeklemmt.
Was tun bei akuten Symptomen eines Kompressionssyndroms?
Wenn jemand in Ihrer Umgebung plötzlich akute Symptome eines Kompressionssyndroms zeigt, ist schnelles Handeln gefragt. Zu den Warnzeichen gehören starke Schmerzen im Bereich des Armes oder Unterschenkels, verbunden mit kühler oder blasser Haut. Möglicherweise treten auch Gefühlsstörungen und motorische Einschränkungen auf. Bei einer akuten Einflussstörung durch Verschluss der tiefen Armvene (tiefe Venenthrombose) kann der Arm schmerzhaft geschwollen, überwärmt und bläulich verfärbt sein. Wurde ein Blutgerinnsel in die Lunge verschleppt (Lungenembolie) kann eine akute Atemnot auftreten.
In solchen Fällen sollten Sie unverzüglich den Notruf 112 wählen.
Prävention von Nervenkompressionen
Einige Kompressionssyndrome sind nicht vermeidbar, da sie auf anatomischen Anomalien beruhen. Allerdings gibt es Maßnahmen, die das Risiko für andere Kompressionssyndrome senken können:
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Monitorpositionierung, korrekte Haltung beim Sitzen und Tippen.
- Regelmäßige Pausen: Bei der Arbeit alle 30 bis 60 Minuten eine kurze Pause einlegen.
- Bewusste Haltung: Achten Sie beim Sitzen und im Stehen auf eine gerade Körperhaltung.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse.
- Repetitive Bewegungen reduzieren: Immer wiederkehrende Bewegungen können zu einer Überbeanspruchung führen.
- Schweres Heben vermeiden: Schwere Gegenstände sollten Sie nicht über Kopfhöhe heben.
- Rauchstopp: Tabakkonsum kann die Blutzirkulation beeinträchtigen und das Risiko für Kompressionssyndrome erhöhen.
tags: #taubheitsgefuhl #durch #kompression #nach #op