Taubheitsgefühl in der Halswirbelsäule: Ursachen, Symptome und Behandlungen

Schmerzen und Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) sind weit verbreitet. Das HWS-Syndrom, auch Zervikalsyndrom genannt, ist ein Sammelbegriff für verschiedene Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Diese können von leichten Nackenschmerzen bis hin zu starken, ausstrahlenden Schmerzen und neurologischen Ausfällen reichen. Ein "komisches Gefühl im Kopf", Schwindel, Benommenheit, Sehstörungen oder sogar Übelkeit können ebenfalls von der Halswirbelsäule (HWS) verursacht werden, falls dort Funktionsbeeinträchtigungen entstehen.

Was ist ein HWS-Syndrom?

Das HWS-Syndrom ist ein Sammelbegriff für Schmerzen und Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Es wird auch als Zervikalsyndrom oder Nacken-Schulter-Arm-Syndrom (Zervikobrachialgie) bezeichnet. Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln (C1 bis C7) und ist der beweglichste Abschnitt der Wirbelsäule. Sie ermöglicht uns, den Kopf in verschiedene Richtungen zu drehen und zu neigen. Die oberen Rückenmarksnerven im Bereich der Zervikalwirbel C1 bis C4 sind für die Versorgung der Hals- und Nackenmuskulatur zuständig. Die Nerven, die im Bereich der Zervikalwirbel C5 bis C7 aus dem Rückenmark austreten, versorgen die Arme und die Brustmuskulatur. Je nachdem, auf welcher Höhe der Halswirbelsäule die Probleme bestehen, strahlen die Schmerzen in die entsprechenden Regionen aus.

Ursachen eines HWS-Syndroms

Die Ursachen für ein HWS-Syndrom sind vielfältig. Häufige Auslöser sind:

  • Funktionelle Ursachen: Muskuläre Dysbalancen, chronische Fehlhaltungen (z. B. durch einen vorgestreckten Kopf bei Handy- oder PC-Nutzung), regelmäßiges langes Sitzen und mangelnde Bewegung.
  • Degenerative Veränderungen: Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule, wie z. B. Uncovertebralarthrose.
  • Verletzungen: Schleudertrauma nach Unfällen, Bandscheibenvorfälle in der HWS, Verletzungen oder Fehlstellungen der Wirbelsäule.
  • Andere Ursachen: Akute Blockade von Wirbelgelenken, Tumore (selten).

Durch den relativ engen Bereich der Halswirbelsäule, zwischen den Wirbeln C1 - C7, laufen sämtliche Muskeln, Sehnen, Blut- und Nervenbahnen vom Rumpf zum Kopf. Kurz- oder langfristig auftretende Probleme, Verspannungen oder Schäden in diesem Bereich können daher sehr schnell das äußerst fragile Gleichgewicht stören und zu zahlreichen Beschwerden führen. Durch die relativ enge Halswirbelsäule verlaufen diverse Nervenbahnen, Muskeln und Sehnen. Das fragile Gleichgewicht ist sehr störanfällig.

Symptome eines HWS-Syndroms

Typische Symptome eines HWS-Syndroms sind:

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  • Nackenschmerzen: Oft ausstrahlend in Kopf, Schultern, Arme und Hände.
  • Verspannungen und Verhärtungen der Nackenmuskulatur.
  • Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule.
  • Kopfschmerzen: Ausstrahlend vom Hinterkopf über den Schädel bis in die Stirnregion.
  • Schwindel: Benommenheit, Gleichgewichtsstörungen.
  • Neurologische Ausfälle: Kribbeln, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche in Armen und Händen.
  • Sehstörungen: Flimmern vor den Augen.
  • Tinnitus: Ohrgeräusche.
  • Übelkeit.

Je nach Ausstrahlung der Beschwerden kann man ein oberes, mittleres und unteres HWS-Syndrom unterscheiden:

  • Oberes HWS-Syndrom: Ausstrahlende Schmerzen im Hinterkopf, z. T. bis über die Ohren in die Stirnregion ziehend.
  • Mittleres HWS-Syndrom: Ausstrahlende Schmerzen zwischen den Schulterblättern und über die Schulter hinaus. Es kann auch zu Störungen der Nervenfunktion mit entsprechender Symptomatik in den Armen kommen.
  • Unteres HWS-Syndrom: Ähnlich wie beim mittleren HWS-Syndrom, jedoch strahlen die Schmerzen charakteristischerweise bis in die Hand aus. Jedem Halswirbel wird ein bestimmter Arm- oder Handabschnitt zugeordnet. Anhand der Schmerzen und Ausfallerscheinungen in Arm oder Hand kann der Arzt auf das betroffene Segment der Halswirbelsäule schließen.

Funktionsbeeinträchtigungen in der Halswirbelsäule können sich sowohl durch Schmerzen als auch durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle bemerkbar machen. Diese Symptome können sowohl im Kopf- und Nackenbereich als auch an Armen und Händen auftreten. Sowohl Schwindel als auch Benommenheit können von der Halswirbelsäule her verursacht werden. Dies kann zum einen daran liegen, dass Verspannungen auf die Nerven drücken und so Signale nicht richtig übermittelt werden können, was Schmerzen und eine gewisse Benommenheit auslösen kann. Zum anderen können auch Blutgefäße durch dauerhaften Druck in Mitleidenschaft gezogen oder teilweise abgedrückt werden, was ebenfalls zu Benommenheit und Schwindel führen kann.

Diagnose eines HWS-Syndroms

Die Diagnose eines HWS-Syndroms erfolgt in der Regel durch:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und Schilderung der Beschwerden durch den Patienten.
  • Körperliche Untersuchung: Prüfung der Beweglichkeit und Funktionalität der Wirbelsäule, Abtasten der Muskulatur auf Verspannungen und Verhärtungen, Testen von Gefühl, Kraft und Reflexen in den Armen.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgen, MRT (Magnetresonanztomographie) zum Nachweis von Veränderungen an der Halswirbelsäule, insbesondere bei wiederkehrenden Beschwerden oder Verdacht auf Nervenwurzel- oder Halsmarkschädigung.
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf Nervenschädigung.
  • Elektromyografische Untersuchung (EMG): Zur Messung der Muskelaktivität und Nervenleitgeschwindigkeit.

Beim HWS-Syndrom muss der Arzt eine Nervenwurzel- oder Halsmarkschädigung ausschließen. Das bedeutet, dass insbesondere beim wiederkehrenden HWS-Syndrom das gesamte Spektrum der klinischen wie radiologischen und neurologischen Diagnostik genutzt werden muss.

Behandlung eines HWS-Syndroms

In der Regel lassen sich die Schmerzen bei einem HWS-Syndrom am besten mit konservativen Maßnahmen behandeln. Kann der Arzt eine Operationsindikation ausschließen, so lässt sich beim HWS-Syndrom ein breites Spektrum von konservativen Therapiemethoden nutzen.

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Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Zur Linderung akuter Schmerzen.
  • Muskelentspannende Medikamente: Zur Lösung von Muskelverspannungen.
  • Physiotherapie: Übungen zur Kräftigung der Muskeln im Nackenbereich, Verbesserung der Beweglichkeit und Haltungsschulung. Gezielte Übungen, die am besten durch einen erfahrenen Physiotherapeuten erläutert werden, können helfen, HWS Beschwerden zu lindern. Einige einfache Übungen, die Sie auch Zuhause durchführen können, finden Sie hier. Eine manuelle Therapie als Teil einer physiotherapeutischen Behandlung besteht in erster Linie aus Massagen, die Blockaden mithilfe von Druck und Dehnung auflösen sollen. Verspannte Muskeln und Sehnen können so gedehnt und entspannt werden.
  • Manuelle Therapie: Mobilisierung der Wirbelgelenke zur Lösung von Blockaden.
  • Wärme: Förderung der Durchblutung und Lösung von Verspannungen (z. B. Rotlicht, Wärmeflasche). Daher sollten Sie zunächst versuchen, den Halswirbelbereich zu wärmen. Legen Sie dazu eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen in den Nacken.
  • Kälte: Kann bei akuten Entzündungen helfen.
  • Massagen: Sanfte Massagen mit entsprechenden Salben (z. B. Arnika, Tigerbalsam).
  • Akupunktur: Kann bei Bewegungsschmerzen an der Halswirbelsäule zur Schmerzreduktion beitragen.
  • Injektionen: In Einzelfällen kann die Injektion von Lokalanästhetika mit neurotrophen (auf die Nerven wirkenden) Medikamenten in die schmerzhafte Muskulatur oder - radiologisch gesteuert - bis an die Wirbelgelenke erforderlich sein. Bei besonders starken Schmerzen können Injektionen mit schmerzstillenden Mitteln angezeigt sein. Diese werden entweder direkt in die Wirbelgelenke oder an die aus dem Spinalkanal herausragenden Nerven gesetzt. Die Injektion erfolgt dabei aus Sicherheitsgründen unter Röntgen- oder CT-Kontrolle.
  • Stoßwellentherapie: Die Behandlung mit Stoßwellen hat sich bei HWS Beschwerden als sehr erfolgversprechend erwiesen. Mit einer Stoßwellentherapie können Triggerpunkte für Schmerzempfindungen gezielt aufgelöst sowie Verspannungen und eventuelle Entzündungen reduziert werden. Dies führt zu einer raschen Linderung der Beschwerden.
  • Osteopathie: Osteopathen betrachten den Körper ganzheitlich. Bei der Behandlung eines HWS-Syndroms wird somit nicht nur die Halswirbelsäule selbst untersucht, sondern auch andere Körperstrukturen, die möglicherweise Einfluss darauf haben. Beispielsweise können ein Beckenschiefstand oder funktionelle Störungen der Organe im Bauchraum (etwa Leber, Magen oder Darm) zu Fehlhaltungen führen, die sich letztlich in Form von Nacken- und Kopfschmerzen äußern. Diese ganzheitliche Sichtweise hilft, die tatsächlichen Ursachen der Beschwerden aufzuspüren und nicht nur die Symptome zu lindern.

Operative Behandlung

Eine Operation ist bei HWS Beschwerden nur selten notwendig. Falls sich jedoch mittel- bis hochgradige Lähmungserscheinungen zeigen, könnte es sich um einen zervikalen Bandscheibenvorfall handeln, der in manchen Fällen operativ behandelt werden muss. Lassen Sie sich diesbezüglich unbedingt umfassend von einem Facharzt beraten. In vielen Fällen kann eine Operation durch Stoßwellen- oder konservative Therapie vermieden werden. Eine Bandscheibenprothese kann die Bandscheibe des Patienten in der Halswirbelsäule ersetzen.

Was Sie selbst tun können

  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Menschen, die im Beruf viel sitzen und am Schreibtisch arbeiten, benötigen ergonomisch geformte Stühle und Fußstützen. Außerdem sollte der Monitor in Augenhöhe eingestellt sein. Sinnvoll ist, sich jede Stunde 5 bis 10 Minuten zu bewegen.
  • Regelmäßige Bewegung: Vor allem das Sitzen am PC und eine übermäßige Handynutzung führen zu einer Vorkopfhaltung, bei der der Hals viele Kilos an zusätzlicher Last trägt. Einige Muskeln sind dadurch permanent angespannt, andere werden geschwächt. Es resultiert eine muskuläre Dysbalance, die zu Verspannungen und Durchblutungsstörungen führt und Schmerzen verursachen kann.
  • Dehn- und Kräftigungsübungen: Spezielle Übungen können die Muskulatur der Halswirbelsäule stärken und Nackenschmerzen vorbeugen. Folgende Nackenübungen eignen sich bei akuten und chronischen Nackenschmerzen. Im Vorfeld sollten Sie unbedingt mit einem Arzt Rücksprache halten, ob bei Ihnen bestimmte Einschränkungen bestehen.
  • Stressmanagement: Stress kann zu Muskelverspannungen führen und das HWS-Syndrom verschlimmern. Entspannungsübungen können helfen, Stress abzubauen.
  • Vermeidung von Fehlhaltungen: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung, insbesondere beim Sitzen und bei der Nutzung von Smartphones und Computern.

Wann zum Arzt?

Bei einfachen Verspannungen reicht es meist, zunächst den Hausarzt aufzusuchen. Der kann mögliche Alarmzeichen erkennen und den Betroffenen zum Orthopäden oder zum Neurologen überweisen. Für die Diagnose und Therapie struktureller HWS-Probleme ist der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie zuständig, bei anstehender Operation auch der Wirbelsäulenchirurg. Bestimmte Alarmzeichen deuten auf eine ernste Ursache der Beschwerden hin und erfordern das umgehende Aufsuchen eines Arztes:

  • Fieber und starke Nackenschmerzen.
  • Neu auftretende neurologische Ausfälle (z. B. Taubheitsgefühle, Kribbeln, Muskelschwäche).
  • Plötzlich einsetzende, sehr starke Schmerzen.
  • Schmerzen nach einem Unfall oder Sturz.

HWS-Syndrom und Schleudertrauma

Schleudertrauma und HWS-Syndrom werden oft als Synonym genutzt. Allerdings handelt es sich beim Schleudertrauma nach einem Unfall eigentlich um eine HWS-Distorsion, was eine Unterform des HWS-Syndroms darstellt. Eine HWS-Distorsion äußert sich in der Regel durch starke Kopf- und Nackenschmerzen, die bis zu acht Wochen anhalten können. Oft kommt es beim so einem Unfall zur einer schnellen Überstreckung der HWS. Häufig kombiniert mit der Gegenbewegung der HWS nach vorne. Bei einem Schleudertrauma sollte ein MRT durchgeführt werden. Je höher die Geschwindigkeit, desto eher besteht die Indikation für dieses MRT. Sehr selten kann es zur Verletzungen der Haltebänder an der HWS oder Bandscheiben durch ein Schleudertrauma kommen. Das sollte defintiv ausgeschlossen werden.

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