Taubheitsgefühl in der Hand bei Jugendlichen: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Taubheitsgefühle in der Hand sind ein unangenehmes Symptom, das viele Ursachen haben kann. Während es häufiger bei Erwachsenen auftritt, können auch Jugendliche davon betroffen sein. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Taubheitsgefühle in der Hand bei Jugendlichen und gibt einen Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Häufige Ursachen für Taubheitsgefühle in der Hand

Muskelverspannungen und Blockaden der Halswirbelsäule

Eine der häufigsten Ursachen für Taubheitsgefühle in der Hand bei Jugendlichen sind Muskelverspannungen und Blockaden im Bereich der Halswirbelsäule. Diese Verspannungen können Nerven einklemmen, die für die Sensibilität der Hand zuständig sind.

Diagnose und Behandlung:* Orthopädische Untersuchung: Um andere Ursachen auszuschließen, ist eine gründliche orthopädische Untersuchung erforderlich.

  • Röntgen: Ein Röntgenbild der Halswirbelsäule kann Aufschluss über mögliche Steilstellungen oder andere Auffälligkeiten geben.
  • Physikalische und manuelle Therapie: Diese Therapieformen können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und Blockaden zu beseitigen.
  • Frühzeitiger Behandlungsbeginn: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen, chronische Beschwerden zu vermeiden.

Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine weitere mögliche Ursache für Taubheitsgefühle in der Hand, obwohl es bei Jugendlichen seltener vorkommt als bei Erwachsenen. Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Nervus medianus im Karpaltunnel, einem engen Kanal im Handgelenk, eingeengt.

Symptome:* Kribbeln, Brennen und Taubheitsgefühle im Daumen, Zeige- und Mittelfinger.

  • Die Beschwerden treten häufig nachts oder morgens auf.
  • Schmerzen, die bis in den Unterarm und die Schulter ausstrahlen können.
  • Im fortgeschrittenen Stadium: Schwächung der Daumenmuskulatur und Rückbildung des Daumenballens.

Ursachen:* Verengung des Karpaltunnels durch Schwellungen des Gewebes.

  • Fehlhaltungen und Überlastung des Handgelenks.
  • Hormonelle Ursachen (z.B. Schwangerschaft).
  • Stoffwechselerkrankungen.
  • Knöcherne Verformungen.
  • Rheumatische Erkrankungen.
  • Verletzungen an der Hand oder ein Handgelenksbruch.

Diagnose:* Hoffmann-Tinel-Test: Abklopfen der Innenseite des Handgelenks löst Schmerzen oder Kribbeln aus.

  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie): Ein Neurologe misst die Leitfähigkeit des Nervus medianus.
  • Ultraschalluntersuchung: Bildliche Darstellung des Karpaltunnels.

Behandlung:* Konservative Behandlung:

* Ruhigstellung des Handgelenks mit einer Schiene.* Entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente (z.B. Kortison).* Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes (z.B. Tastatur, Maus).* Handgelenkschoner.* Übungen zur Mobilisierung des Handgelenks.
  • Operative Behandlung:
    • Durchtrennung des Karpalbandes, um den Nerv zu entlasten.
    • Offenes Verfahren oder minimalinvasives Verfahren (endoskopisch).
    • Nach der Operation: Ruhigstellung der Hand.

Vorbeugung:* Neutrale Handposition bei der Arbeit.

  • Vermeidung von wiederholten Beugungen des Handgelenks.
  • Ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes.
  • Regelmäßige Pausen bei der Computerarbeit.
  • Handgelenkschoner bei belastenden Tätigkeiten.
  • Hände warmhalten.

Andere Nervenkompressionssyndrome

Neben dem Karpaltunnelsyndrom können auch andere Nervenkompressionssyndrome zu Taubheitsgefühlen in der Hand führen.

  • Ulnarisrinnensyndrom (Sulcus-ulnaris-Syndrom): Einklemmung des Ellennervs im Bereich des Ellenbogens. Symptome: Kribbeln und Taubheitsgefühle am kleinen Finger und Ringfinger.
  • Wartenberg-Syndrom: Einklemmung eines sensiblen Nerven am Handgelenk.

Durchblutungsstörungen

Durchblutungsstörungen können ebenfalls Taubheitsgefühle in der Hand verursachen.

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  • Raynaud-Syndrom: Anfallsartige Gefäßkrämpfe, die zu einer Mangeldurchblutung der Finger führen. Symptome: Taube, kribbelnde und weiß verfärbte Finger.

Nährstoffmängel

Ein Mangel an bestimmten Nährstoffen kann sich auch in Taubheitsgefühlen äußern.

  • Magnesiummangel: Kann Muskelkrämpfe und Kribbeln in Händen und Füßen verursachen.
  • Vitamin-B12-Mangel: Kann Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Füßen verursachen.

Periphere Neuropathien

Periphere Neuropathien sind Erkrankungen der peripheren Nerven, die zu vielfältigen Symptomen führen können, darunter auch Taubheitsgefühle. Sie können verschiedene Ursachen haben:

  • Hereditäre Polyneuropathien: Genetisch bedingte Erkrankungen, die die peripheren Nerven schädigen.
    • Charcot-Marie-Tooth-Syndrom (CMT): Eine häufige Form der hereditären Polyneuropathie, die zu Muskelschwäche, Atrophie und Sensibilitätsstörungen führt.
  • Metabolische Polyneuropathien: Polyneuropathien, die durch Stoffwechselstörungen verursacht werden, z.B. bei Diabetes mellitus oder chronischer Niereninsuffizienz.
  • Toxische Polyneuropathien: Polyneuropathien, die durch Gifte verursacht werden, z.B. durch Alkohol, Medikamente oder Lösungsmittel.
  • Vitaminmangelneuropathien: Polyneuropathien, die durch einen Mangel an bestimmten Vitaminen verursacht werden, z.B. Vitamin B12.

Andere Erkrankungen

In seltenen Fällen können auch andere Erkrankungen Taubheitsgefühle in der Hand verursachen.

  • Multiple Sklerose (MS): Eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu vielfältigen neurologischen Symptomen führen kann.
  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule kann Nervenwurzeln komprimieren und zu Taubheitsgefühlen in der Hand führen.
  • Psychische Störungen: Angstzustände, Panikattacken oder chronischer Stress können in seltenen Fällen körperliche Symptome wie Taubheitsgefühle hervorrufen.
  • ATTR-Amyloidose: Ein beidseitiges Karpaltunnelsyndrom kann ein sehr frühes Symptom einer seltenen unheilbaren und fortschreitenden Erkrankung sein.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn:

  • Das Taubheitsgefühl anhält oder wiederkehrt.
  • Zusätzliche Beschwerden wie Schmerzen, Schwäche oder Lähmungserscheinungen auftreten.
  • Das Taubheitsgefühl plötzlich auftritt, insbesondere nach einer Verletzung.
  • Das Taubheitsgefühl mit anderen Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Sehstörungen einhergeht.

Diagnose und Behandlung durch den Arzt

Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein:

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  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Sensibilität, Reflexe und Muskelkraft.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen (Nervenleitgeschwindigkeitsmessung, Elektromyographie): Messung der Nervenfunktion.
  • Bildgebende Verfahren (Röntgen, MRT): Darstellung von Knochen, Nerven und Weichteilen.
  • Laboruntersuchungen: Überprüfung von Blutwerten, Vitaminspiegeln und anderen Parametern.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Taubheitsgefühls. Mögliche Behandlungen sind:

  • Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente, Vitaminpräparate.
  • Physiotherapie: Übungen zur Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit.
  • Ergotherapie: Anpassung des Arbeitsplatzes und Erlernen von schonenden Bewegungsabläufen.
  • Operative Therapie: In manchen Fällen ist eine Operation erforderlich, um den Nerv zu entlasten.

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