Taubheitsgefühl nach Ohr-OP: Ursachen, Behandlung und was Sie wissen sollten

Ein Taubheitsgefühl im Ohr nach einer Operation kann beunruhigend sein. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für dieses Gefühl, gibt einen Überblick über verschiedene Ohrerkrankungen und -behandlungen und bietet Informationen, die Ihnen helfen, die Situation besser zu verstehen.

Einführung in Ohrerkrankungen und Operationen

Das Ohr ist ein komplexes Organ, das nicht nur für das Hören, sondern auch für das Gleichgewicht verantwortlich ist. Verschiedene Erkrankungen können die Funktion des Ohres beeinträchtigen und operative Eingriffe erforderlich machen. Ein häufiger Grund für eine Ohr-OP ist das Cholesteatom, auch Knocheneiterung genannt. Es handelt sich dabei um eine chronische Mittelohrentzündung, bei der es durch Entzündungsprozesse zu einem Abbau des Knochens im Mittelohr kommt. Ein Cholesteatom ist immer operationspflichtig, um schwerwiegende Komplikationen wie Hörverschlechterung, Taubheit, Schwindel oder Gesichtsnervenlähmung zu vermeiden.

Ursachen für Taubheitsgefühl nach einer Ohr-OP

Ein Taubheitsgefühl im Ohr nach einer Operation kann verschiedene Ursachen haben. Einige davon sind:

  • Direkte Nervenreizung: Während der Operation kann es zu einer Reizung oder Schädigung kleiner Nerven im Operationsgebiet kommen. Dies kann zu vorübergehenden oder in seltenen Fällen dauerhaften Taubheitsgefühlen führen.

  • Schwellung und Entzündung: Nach einer Operation sind Schwellungen und Entzündungen im Operationsgebiet normal. Diese können auf Nerven drücken und Taubheitsgefühle verursachen.

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  • Medikamente: Einige Medikamente, die während oder nach der Operation verabreicht werden, können als Nebenwirkung Taubheitsgefühle verursachen.

  • Kopfverband: Nach der Operation wird oft ein Kopfverband angelegt, der Druck auf das Ohr ausüben und Taubheitsgefühle verursachen kann.

  • Narbenbildung: Im Heilungsprozess kann es zu Narbenbildung kommen, die auf Nerven drücken und Taubheitsgefühle verursachen kann.

  • Geschmacksstörung: Manchmal tritt eine Geschmacksstörung auf, die eine süßliche, metallische oder „taube“ Empfindung auf der gleichseitigen Zungenhälfte hervorruft. Diese verliert sich nach wenigen Tagen oder Wochen.

Cholesteatom: Eine häufige Ursache für Ohr-OPs

Ein Cholesteatom ist eine chronisch-eitrige Entzündung des Mittelohrs, die durch Wucherungen von verhorntem Gewebe aus dem Gehörgang in das Mittelohr entsteht. Diese Wucherung kann zu einer Belüftungsstörung im Ohr führen, die eine chronische Entzündung verursacht. Die eitrige Entzündung kann auf die empfindlichen Gehörknöchelchen übergreifen und diese langsam zerstören. Wenn die Hörschnecke angegriffen wird, kann die betroffene Person unter Schwindel und Gleichgewichtsstörungen leiden.

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Symptome eines Cholesteatoms

Im Anfangsstadium zeigt das Cholesteatom keine oder nur wenige Symptome. Nach der Entzündung gleichen die Symptome einer Mittelohrentzündung:

  • Übel riechender Ausfluss
  • Ohrenschmerzen
  • Fieber und Mattigkeit
  • Drehschwindel, Übelkeit, Erbrechen
  • Versteifung des Nackens
  • Schwerhörigkeit
  • Kopfschmerzen

Es ist wichtig, ein erkanntes Cholesteatom operativ zu entfernen, um Folgeschäden wie Taubheit zu vermeiden. Wenn sich die Entzündung auf den Gesichtsnerv ausbreitet, kann sie zu einer teilweisen Gesichtslähmung führen. In extremen Fällen treten auch Gehirnhautentzündungen und daraus resultierende Todesfälle auf.

Diagnose und Behandlung eines Cholesteatoms

Die Diagnose eines Cholesteatoms erfolgt durch eine Untersuchung des Ohrs mit einem Otoskop (Mikroskop für das Ohr). Um die Beschädigung am Schädelknochen und an den Gehörknöchelchen einschätzen zu können, wird eine Röntgenaufnahme oder eine CT (Computertomographie) gemacht. Mit Gleichgewichtstests kann der Arzt herausfinden, ob die Hörschnecke betroffen ist.

Ein Cholesteatom muss operativ entfernt werden, um Komplikationen und Folgekrankheiten zu vermeiden. Vor der Operation werden Medikamente und Antibiotika verabreicht, um die Entzündung einzudämmen. Dann wird das Cholesteatom entfernt und das Loch im Trommelfell verschlossen. Wurden die Gehörknöchelchen zerstört, können sie durch körpereigenes Gewebe oder Titan ersetzt werden.

Tympanoplastik: Wiederherstellung des Schallleitungsapparates

Als Tympanoplastik bezeichnet man in der HNO-Heilkunde eine wiederherstellende Operation am Schallleitungsapparat des Ohres zur Verbesserung des Gehörs. Gründe dafür können eine Durchlöcherung (Perforation) des Trommelfells oder eine Unterbrechung der Gehörknöchelchenkette sein. Je nachdem, welcher Teil dieser Schallleitungskette betroffen ist, unterscheidet man die verschiedenen Varianten der Tympanoplastik in fünf Typen nach Wullstein. Praktische Bedeutung haben davon heute allerdings nur noch die Typen 1, 2 und 3.

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Wann wird eine Tympanoplastik durchgeführt?

Eine Tympanoplastik wird durchgeführt bei:

  • Chronischer Mittelohrentzündung, bei der die Gehörknöchelchen oder das Trommelfell beschädigt wurden.
  • Entfernung eines Cholesteatoms.
  • Traumatischen Schäden nach äußerer Gewalteinwirkung, die das Trommelfell und/oder die Gehörknöchelchen beschädigen oder verschieben.
  • Anderen entzündlichen, altersbedingten oder angeborenen Schäden des Schalleitungssystems.

Welche Risiken birgt eine Tympanoplastik?

Nach einer Tympanoplastik können durch Verletzung der Strukturen in Außen-, Mittel- oder Innenohr verschiedene Komplikationen auftreten, zum Beispiel:

  • Erneute Durchlöcherung des Trommelfells
  • Narbenbildung
  • Infektionen nach dem Eingriff
  • Lähmung von Gesichtsmuskeln durch Schädigung des Nervus facialis (Fazialisparese)
  • Ohrensausen (Tinnitus)
  • Schwindel
  • Prothesenunverträglichkeit
  • Keine Hörverbesserung oder sogar Hörverschlechterung bis hin zur Ertaubung.

Was muss ich nach einer Tympanoplastik beachten?

Generell sollten Sie nach der Operation das Ohr schützen und es keinen starken Druckveränderungen aussetzen. Flugreisen, Tauchen, Schwimmen, Bergsteigen oder laute Musik sollten Sie nach einer Tympanoplastik zunächst vermeiden. Je nach durchgeführtem Eingriff ist manchmal auch ein generelles Schwimm- oder Tauchverbot notwendig. Bessert sich das Hörvermögen trotz Tympanoplastik nicht, kann ein Hörgerät notwendig sein.

Weitere Ursachen für Ohrbeschwerden

Neben Cholesteatomen und den Folgen von Operationen gibt es noch weitere Ursachen für Ohrbeschwerden, die mit einem Taubheitsgefühl einhergehen können:

  • Mittelohrentzündung (Otitis media): Eine Entzündung des Mittelohrs, die durch Viren oder Bakterien verursacht wird und zu Schmerzen, Fieber, Kribbeln und Taubheitsgefühl führen kann.
  • Verstopfung der Eustachischen Röhre: Die Eustachische Röhre verbindet das Mittelohr mit dem Rachen und reguliert den Druck im Ohr. Eine Verengung oder Verstopfung kann zu einer Mittelohrentzündung und den genannten Symptomen führen.
  • Ohrenschmalzpfropf: Eine Ansammlung von Ohrenschmalz kann den Gehörgang verstopfen und zu Juckreiz, Druckgefühl und Taubheitsgefühl führen.
  • Gehörgangsentzündung (Otitis externa): Eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, oft durch Bakterien oder Pilze verursacht, die mit Schmerzen, Rötung und Kribbeln einhergeht.
  • Durchblutungsstörungen: Eine gestörte Durchblutung des Ohrs kann zu einem dumpfen Gefühl und Taubheit führen, oft begleitet von Schwerhörigkeit, Ohrendruck, Ohrgeräuschen, Schwindel und Übelkeit.
  • Hörsturz: Ein plötzlicher Hörverlust, der mit einem dumpfen, pelzigen Gefühl im Ohr einhergehen kann.

Was tun bei Taubheitsgefühl im Ohr?

Wenn Sie ein Taubheitsgefühl im Ohr verspüren, sollten Sie einen HNO-Arzt aufsuchen. Dieser kann die Ursache feststellen und eine geeignete Behandlung einleiten. Die Behandlung hängt von der Ursache ab und kann Medikamente, eine Operation oder andere Maßnahmen umfassen.

Tipps zur Vorbeugung von Ohrerkrankungen

  • Vermeiden Sie es, Gegenstände in den Gehörgang einzuführen, um Ohrenschmalz zu entfernen. Dies kann das Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang schieben und zu Verstopfungen führen.
  • Schützen Sie Ihre Ohren vor lauten Geräuschen, indem Sie bei Bedarf Gehörschutz tragen.
  • Trocknen Sie Ihre Ohren nach dem Schwimmen oder Duschen gründlich ab.
  • Vermeiden Sie es, Ihre Ohren übermäßig zu reinigen, da dies die natürliche Schutzschicht der Haut im Gehörgang zerstören kann.
  • Lassen Sie Ihre Ohren regelmäßig von einem HNO-Arzt untersuchen, insbesondere wenn Sie anfällig für Ohrerkrankungen sind.

Zusammenfassung

Ein Taubheitsgefühl im Ohr nach einer Operation oder aufgrund anderer Ursachen kann verschiedene Gründe haben. Eine sorgfältige Diagnose durch einen HNO-Arzt ist wichtig, um die Ursache zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Mit der richtigen Behandlung und Vorbeugung können die meisten Ohrerkrankungen erfolgreich behandelt und Komplikationen vermieden werden.

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