TCM bei Migränebehandlung: Ein umfassender Überblick

Kopfschmerzen sind eine weit verbreitete Gesundheitsstörung, insbesondere im Schulalter. Während bei kleinen Kindern oft Bauchschmerzen im Vordergrund stehen, beeinflussen psychosoziale Belastungen und Stress während der Schulzeit das mentale Wohlbefinden stärker und äußern sich häufig in Kopfschmerzen. In der Adoleszenz, die vom späten Kindesalter bis zum Erwachsensein reicht, erreichen Menschen ihre körperliche Reife, während die intellektuelle, emotionale und soziale Reifung weitgehend abgeschlossen ist. Die Pubertät, der erste Abschnitt der Adoleszenz, ist eine Zeit des beschleunigten Wachstums und der Geschlechtsreife, wobei die emotionale Reifung oft hinter der körperlichen und intellektuellen Entwicklung zurückbleibt. Mädchen mit Migräne erleben ihre Menarche oft früher als ihre Altersgenossinnen ohne Migräne. Diese konfliktgeladene Zeit ist oft von innerer Unsicherheit und Selbstkritik geprägt, die sich in aggressivem Verhalten äußern können. Stimmungen und Verhaltensweisen können extrem schwanken.

Die Prävalenz von Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen hat in den letzten 30 Jahren zugenommen. Die Kopfschmerzinzidenz steigt mit zunehmendem Alter. Die Lebenszeitprävalenz der Migräne liegt bei Kindern bis zum 12. Lebensjahr weltweit bei 3,7-10,6 %, wobei 1,5-2,8 % der Fälle Migräne mit Aura sind. Geschlechtsunterschiede spielen im Kindes- und Jugendalter bei Kopfschmerzen keine wesentliche Rolle. Die Prävalenz der Migräne steigt von 4 % bei Kindern auf 11 % bei Jugendlichen. Migräne ist mit dem höchsten Leidensdruck verbunden.

Klassifikation und Differenzialdiagnose

Kopfschmerzen werden seit 2004 nach der Klassifikation der International Headache Society (IHS) eingeteilt. Es wird zwischen Migräne ohne und mit Aura unterschieden, wobei Migräne episodisch oder chronisch auftreten kann. In der Adoleszenz kann die neurologische Symptomatik selten in Form einer passageren Halbseitenparese auftreten (Migraine accompagnée).

Symptomatische Kopfschmerzen müssen abgegrenzt werden, insbesondere wenn sie nachts, erst seit kurzer Zeit, mit zunehmender Intensität oder streng einseitig auftreten oder mit neurologischen Ausfällen einhergehen. In diesen Fällen ist eine Bildgebung indiziert. Sehfehler und eine chronische Sinusitis sollten ausgeschlossen werden. Eine gnathologische Parafunktion und eine Atlasblockierung bei streng einseitigem und therapieresistentem Kopfschmerz sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Das EEG ist nur bei begleitender Bewusstseinsstörung oder anfallsartigen Zuckungen von ausschlussdiagnostischer Bedeutung. Ein Kopfschmerztagebuch kann bei der Diagnosestellung helfen.

Therapieansätze bei Migräne

Evidenzbasierte Aussagen zur Therapie der Migräne sind schwierig, da kaum altersspezifische placebokontrollierte Studien vorliegen. Die Therapie sollte ein Gesamtkonzept umfassen, das ein verhaltensmedizinisches Setting und eine ausgewogene, triggerarme Kost berücksichtigt. Akupunktur und verwandte Verfahren hängen oft mehr von der Verfügbarkeit eines qualifizierten Therapeuten ab als von einer wirksamen Indikation allein.

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Jugendliche sollten bei akuten starken Kopfschmerzattacken die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen. Ein ruhiger, abgedunkelter Raum ist hilfreich. Ein kühler Lappen oder das Einreiben der Schläfen mit Pfefferminzöl kann Linderung verschaffen.

Erst bei mangelndem Ansprechen auf die Allgemeinmaßnahmen sollte als Akuttherapie auf einfache Monoanalgetika wie Ibuprofen zurückgegriffen werden, bei Migräne ggf. kombiniert mit Domperidon-Suspension. In therapieresistenten Fällen ist bei Migräne ein Versuch mit Sumatriptan Nasenspray angezeigt.

Nur die Migräne eignet sich für eine medikamentöse Langzeittherapie über 3 bis 6 Monate. Betablocker (Metoprolol) und Kalziumantagonisten (Flunarizin) sind dabei Empfehlungen der ersten und zweiten Wahl. Nebenwirkungen wie gelegentliche Müdigkeit lassen sich durch eine einmalige Abenddosis mindern. Der Kalziumantagonist sollte bei Neigung zu Adipositas zurückhaltend verwendet werden.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bei Migräne

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Migräne, der auf der Harmonisierung des Energieflusses im Körper basiert.

Ursachen für Kopfschmerzen nach der TCM

In der TCM wird Migräne mit ihrer anfallsartigen Charakteristik in erster Linie dem System Leber/Gallenblase zugeordnet. Das aufsteigende Leber-Yang tritt bei unterlagerter Leber-Qi-Blockade in Erscheinung. Psychosomatisch liegt dem oft unterdrückter Ärger zugrunde. Andere Kopfschmerzformen stehen im Zusammenhang mit einer Umkehr der Magen-(Qi-)Funktion und gehen mit Erbrechen einher. Bei Lokalisation der Kopfschmerzen frontal im Bereich der Nasenwurzel besteht der Verdacht auf eine Störung im Niere-Blase-System. Auslöser aus der Nahrung sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Die TCM differenziert die Ursachen von Migräne sehr fein:

  • Stress und innere Anspannung: Führen zu einer Kontraktion des Gallenblasen-Qi, was zu Hitze (Yang) führt, die aufsteigt und Symptome verursacht.
  • Falsche Ernährung: Nahrungsmittel wie Lammfleisch, scharfe Gewürze, Knoblauch und Alkohol führen zu einer Überhitzung des Körpers und der Gallenblase. Befeuchtende Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Süßigkeiten, raffinierte Kohlehydrate oder Bananen führen zu innerer Nässe und später zu einer chronischen Schleimstagnation.
  • Leber-Blut-Schwäche: Führt zu einem Aufstieg der Hitze in der Gallenblase. Die Patient*innen leiden häufig zusätzlich unter Blutarmut, trockener Verstopfung, brüchigen Haaren und Nägeln, trockenen Augen mit Lichtempfindlichkeit, trockener Haut und spärlicher Menstruation.
  • Nieren-Yin-Mangel: Eine sehr chronische Form, bei der die Substanz und die Körperflüssigkeiten (Yin) so geschwächt sind, dass der Yang-Anteil nicht mehr gehalten werden kann und es zu so genannten “Leere Hitze-Symptomen” kommt.

Praktische Anwendung der Akupunktur

Gestützt auf Erfahrungen bei Erwachsenen lässt sich ein pragmatisches meridian- und konstitutionsbezogenes Konzept auch für das Kindes- und Jugendalter ableiten.

Akute Kopfschmerzen sprechen gut auf (Laser-)Punktur von Ex-KH 5 an (Taiyang; Vorderrand des M. temporalis in Augenspalthöhe). Ähnlich wirksam ist die Zone A der Neuen Schädelakupunktur nach Yamamoto (YNSA). Die Laserreizung beträgt ca. 500 mJ/Punkt. Bei älteren Schulkindern kommt an diesen Stellen auch eine Nadelreizung infrage.

Die kurative Nadelakupunktur wird insbesondere an dem spasmolytisch wirksamen Punkt Le 3 (im ersten Metatarsalraum) durchgeführt. Ma 36 (lateral der Tuberositas tibiae) dient zur Tonisierung bei gastrointestinaler Symptomatik. Eine ähnliche Wirksamkeit entfaltet Di 4 (M. adductor pollicis), zugleich allgemein analgetisch und als Fernpunkt für die frontale Kopfregion. Ergänzend wirksam sind psychisch distanzierende Punkte wie He 7 (an der ulnaren Handwurzel) sowie Pe 6 (zwei Finger proximal der Handwurzel über dem N. medianus).

Allgemein ausgleichend und beruhigend wirkt sich auch Du (LG) 20 aus (höchster medianer Schädelpunkt). Gb 20 (retromastoidal) dämpft lokoregional die aufsteigende (Leber-Yang-)Symptomatik in Form von Kopfschmerzen und Hitzegefühl am Kopf. Konstitutionell stabilisierend auf die Nierenenergie wirkt sich Ni 3 aus (zwischen Malleolus med. und Achillessehne: Yuan-/Quellpunkt) bzw. auf der lateralen Fersenseite: Bl 60. Segmental wird bei entsprechender Indikation Bl 10 (paramedian subokzipital) ergänzt.

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

Eine kurmäßige Anwendung umfasst rund sieben bis acht Behandlungen à 20-30 Minuten und kann bei unbefriedigendem Ansprechen oder Rezidiv ggf. nach einer vier- bis achtwöchigen Pause wiederholt werden.

Ergebnisse der Akupunkturbehandlung

In einer Pilotstudie wurde beidseits am Vorderrand des M. temporalis entsprechend dem Punkt Ex-KH 5 (Taiyang) für 10 Minuten genadelt. Die Wirksamkeit der Akupunktur innerhalb einer Viertelstunde war deutlich ausgeprägt. Dieser Therapieansatz wurde auch prospektiv kontrolliert überprüft. Für den prophylaktischen Einsatz ist der Softlaser besonders jugendgerecht. In einer prospektiven Sham-kontrollierten Studie war die Verum-Laserakupunktur innerhalb eines Monats hochsignifikant überlegen.

Akupunkturpunkte bei Migräne

Welche Akupunkturpunkte bei Migräne gewählt werden, ist unterschiedlich. Der Therapeut macht sich im Idealfall erst einmal ein genaues Bild der Erkrankung. Er prüft dabei, an welchen Energiebahnen seines Patienten er Blockaden erkennen kann und setzt dementsprechend die Nadeln an verschiedene Punkte. Häufig sind beispielsweise die Gallen- oder Leberleitbahnen betroffen.

In der TCM gibt es sogenannte Funktionskreise, die verschiedenen Organen zugeordnet sind und den Körper teilweise oder ganz durchziehen. Die Stimulation durch die Nadeln soll den Körper in einen harmonischen Zustand versetzen - chinesische Gelehrte sprechen vom inneren Gleichgewicht Ying und Yang. Gestaute Energie wird wieder ins Fließen gebracht, was Überschüsse und Mängel ausgleicht.

Was gilt es im Vorfeld einer Akupunkturbehandlung zu beachten?

Bevor du einen Akupunkteur aufsuchst, solltest du folgende Dinge klären:

  • Diagnose: Du hast die Bestätigung, dass du an Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidest, von einem Arzt erhalten. Das ist wichtig, denn wenn du beispielsweise Cluster-Kopfschmerzen hast, kann eine Akupunktur sogar auslösend wirken.
  • Innere Haltung: Am besten ist es, du glaubst an die Effekte einer Akupunktur. Wenn du hingegen der Meinung bist, dass es sowieso nichts bringt, wird sich eventuell kein Erfolg einstellen.
  • Experten finden: Bei der Akupunktur kann viel falsch gemacht werden. Such dir daher einen Fachmann, der sich mit TCM nachweislich auskennt, also eine Weiterbildung oder ein Diplom vorweisen kann. Für dich als Laie ist es schwer nachvollziehbar, ob du wirklich richtig akupunktiert wirst.

Vor- und Nachteile der Akupunktur im Vergleich zu Medikamenten

Akupunktur kann eine wirksame Möglichkeit sein, Migräne vorzubeugen. Vorteil ist, dass du nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen brauchst. Wenn die Behandlung nicht anschlägt, kannst du einfach etwas anderes probieren.

Der Nachteil der Akupunktur besteht darin, dass sie nicht bei jedem Patienten anschlägt. Zudem bezweifeln einige Experten, dass sie wirklich einen Effekt hat. Beispielsweise unterstellen sie den Studien, dass die Teilnehmer schon im Vorfeld von der Methode überzeugt waren und daher eine vorurteilsfreie Bewertung kaum möglich war. Ein weiteres Manko der Akupunktur: Im Akutfall, also während einer Migräne-Attacke, kann sie nicht helfen.

Eine medikamentöse Prophylaxe birgt hingegen immer das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen, da Patienten über einen längeren Zeitraum Arzneimittel einnehmen müssen. Auch kann sie bei manchen wirkungslos bleiben.

Kosten und Dauer der Akupunktur bei Migräne

Akupunktur gegen Migräne oder spannungsbedingte Kopfschmerzen wird derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Dies liegt unter anderem daran, dass die Wirksamkeit der Akupunktur gegenüber einer Nichtbehandlung zwar nachgewiesen, gegenüber einer Scheinakupunktur jedoch nicht bestätigt ist. Personen mit Migräne müssen die Kosten je Sitzung von 30 bis 70 Euro also in der Regel selbst bezahlen.

Bei der Akupunktur der Migräne wird üblicherweise zwei Mal pro Woche für 20 bis 30 Minuten therapiert. Im Durchschnitt stellen sich die ersten Erfolge nach circa sieben bis acht Sitzungen ein.

Was ist nach der Akupunkturbehandlung zu beachten?

Sollten nach einem Behandlungszyklus kaum Verbesserungen eingetreten sein, kann ein weiterer Zyklus folgen. Bei erfolgreicher Akupunktur empfehlen Therapeuten, nach einigen Monaten mit wenigen Sitzungen aufzufrischen.

Fazit zur Akupunktur bei Migräne

Akupunktur kann sowohl bei akuten Migräneattacken als auch prophylaktisch bei Migräne eingesetzt werden. Leider ist die Studienlage nicht ganz eindeutig, sodass die Deutsche Gesellschaft für Neurologie derzeit noch keine explizite Empfehlung ausspricht. Dennoch kannst du eine Akupunktur, gerade als Ergänzung zu andern medikamentösen und nicht-medikamenten Therapiemaßnahmen, mal ausprobieren, da außer einer finanziellen Belastung so gut wie keine Nachteile auf dich zukommen. Gerade für Schwangere oder Migräne-Betroffene, die unter den Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie leiden, kann eine Behandlung mit Akupunktur in Erwägung gezogen werden.

Weitere TCM-Therapien bei Migräne

Neben der Akupunktur gibt es weitere Therapieansätze in der TCM, die bei Migräne eingesetzt werden können:

TENS

Als technische Weiterentwicklung der Akupunktur bietet sich vor allem bei Spannungskopfschmerzen der Einsatz der Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation (TENS) an. Der Einsatz ist allerdings auch bei Migränepatienten geeignet, zumal viele Jugendliche gleichzeitig Spannungskopfschmerzen haben. Die Methode unterstützt die Eigenaktivität und damit auch das Krankheitsbewältigungsverhalten. TENS ist als kassenärztliche Leistung anerkannt (EBM-Ziffer 30712). Die Kinder werden angeleitet, täglich eine halbe Stunde im Nackenbereich mit 30-100 Hz über dem M. trapezius (Gb 21) bzw. mit 2 Hz subokzipital (Gb 20) zu stimulieren. Innerhalb von drei Monaten kann von einer Wirksamkeit von ca. 80 % ausgegangen werden.

Chinesische Ernährungstherapie

Die chinesische Diätetik kommt bei kindlichen Kopfschmerzen in erster Linie zur konstitutionellen Stabilisierung in Betracht. Insbesondere sollte auf schleimbildende Süßigkeiten, Trinkmilch, Quark, Farb- und Konservierungsstoffe sowie schmerztriggernde Geschmacksverstärker wie Glutamat und Emulgatoren wie Carrageen (E407) verzichtet werden, da sie die Kohlenhydratverdauung („Milz“) belasten. Gemüse und Obst sind hingegen ohne Einschränkung zugelassen.

In einer kontrollierten Untersuchung fanden sich neue Einblicke in die Wirksamkeit eines auf der chinesischen Diätetik fußenden pragmatischen Konzepts. Hierbei handelt es sich um den Vergleich einer prospektiven Ernährungsanleitung mit Broschüre vs. persönlicher Beratung. Die Studiendauer betrug 12 Wochen bei 117 Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren. Die Diagnosen waren Spannungskopfschmerzen und Migräne. Ziel war eine mindestens 50-prozentige Reduktion von Frequenz, Intensität und Dauer der Kopfschmerzen. Die Besserung stellte sich anhand der Kalenderdokumentation innerhalb von 12 Wochen ein: Objektiv sprachen 57,7 % an (n = 41; persönlich 22, Broschüre 19), subjektiv sogar 83,1 % (n = 59; kein Gruppenunterschied).

Während der Pubertät sollte eine diätetische Behandlung bei Mädchen, die zu Anorexie neigen, nur mit Zurückhaltung eingesetzt werden.

Ernährungsempfehlungen nach TCM

Je nach Lokalisation, Schmerzcharakter und Anlass wird die Ernährungsempfehlung ganz unterschiedlich ausfallen.

  • Stirnkopfschmerz: Weist eine Beziehung zur Funktion des Magens und der Milz auf. Bei einem Mi-Qi/Yang-Mangel mit begleitender Müdigkeit und Verdauungsschwäche ist eine Ernährungsempfehlung das Mittel der Wahl. Die Milz braucht Wärme und wird durch gekochte Speisen gestärkt. Ein Congee (Wasserreis) ist leicht verdaulich, tonisiert Qi und Blut, stärkt und harmonisiert den Mittleren Wärmer und wirkt dazu diuretisch. Die Zugabe von Karotte (gedünstet), Lauch oder Rinderkraftbrühe kann die Wirkung verstärken.
  • Feuchtigkeit: Bei dumpfen, immer wiederkehrenden Kopfschmerzen hinter der Stirn spielt Feuchtigkeit eine Rolle, die transformiert werden muss. Hier sind klare Suppen wie z. B. eine Rinderkraftbrühe empfehlenswert. Für eine leichte Schärfe zur Mobilisation des Qi empfiehlt sich frischer Ingwer oder Huhn statt Rind. Der salzige Geschmack zum Lösen von Stagnation kommt über Petersilienwurzel, Stangensellerie und Tamari. Die Zutaten können nach der Tendenz zur Wärme oder Kälte angepasst werden. Bei der Elimination von Feuchtigkeit stehen besonders die Hülsenfrüchte zur Verfügung. Vor allem die Azukibohne eignet sich hier. Die Beigabe von Algen wie Kelp (Kombualge) leitet Hitze und Toxine aus, Hiziki oder Wakame vermögen Schleimhitze auszuleiten.
  • Magen-Feuer: Bei einem Magen-Feuer zeigt sich der Schmerz auch im Stirnbereich, ist aber intensiv und mit den Begleitsymptomen einer Hitze wie Durst mit Verlangen nach Kaltem, Oberbauchschmerzen, v. a. morgens nüchtern, Obstipation oder Zahnfleischbluten verbunden. Auch hier kann ein Congee die Grundlage bilden. Die Zutaten werden angepasst in eine kühlende und den Magen befeuchtende Richtung. Als Getreide kommt hier zudem die Gerste als Brei- bzw. Suppengrundlage in Frage. Rettich kann für Hitze-Kopfschmerzen roh verwendet werden. Spinat wirkt Blut erhaltend, das Yin zusammenhaltend, Trockenheit befeuchtend, die Därme befeuchtend und glättend, Hitze kühlend, Unruhe beseitigend, die Leber stützend, Sicht klärend, Qi absenkend.
  • Nacken-Kopfschmerz: Der vom Nacken nach oben ziehende Kopfschmerz ist meist von steifen Schultern und angestrengter Abgespanntheit begleitet und kann nach der TCM verschiedene Ursachen haben. Müdigkeit und Kopfschmerz am Morgen sind ein Hinweis auf Ni-Qi-Mangel, bei Blut- und Yin-Mangel wird der Kopfschmerz am Nachmittag stärker (oft auch Scheitelregion). Als wärmende Zutaten bei Ni-Yang-Mangel eignen sich wiederum der chinesische Lauch und Huhn. Probate Lebensmittel, die sowohl das Yin als auch das Yang der Niere vermehren, sind Kolbenhirse und Walnuss. Eine hervorragendes Nieren-Tonikum mit Jing-Qualität ist der Sesam.
  • Seitlicher Kopfschmerz: Der seitliche Kopfschmerz hat seine Beziehung zur Gallenblase, der Schläfenkopfschmerz des Weiteren zum San Jiao und der „Deckel abhebende“ Kopfschmerz den Bezug zum aufsteigenden Leber-Yang, da der innere Verlauf der Leber-Leitbahn zum Vertex aufsteigt und sich mit Du 20 Bai Hui trifft. Zu diesem Kopfschmerz kann noch Schwindel hinzukommen. Mungbohnensprossen sind süß und Hitze kühlend, beseitigen Feuchtigkeit.

Chinesische Kräutertherapie

Die Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen mit den Mitteln der Chinesischen Medizin besteht aus Akupunktur in Kombination mit Phytotherapie (Behandlung mit Heilkräutern).

Verhaltensmedizinische Verfahren

Die erfolgreichen verhaltensmedizinischen Verfahren bei Jugend-Kopfschmerzen sind:

  • Entspannungsverfahren (vor allem progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR), Fantasiereisen)
  • Biofeedbackverfahren (Hauterwärmungstraining, Vasokonstriktionstraining, EMG-Feedback).
  • Verhaltensmedizinische „Multikomponentenprogramme“, die neben den letztgenannten Therapieansätzen das Erlernen von Stress- und Schmerzbewältigung und das Reizverarbeitungstraining in den Mittelpunkt der Behandlung stellen. Diese Programme berücksichtigen neben dem Erlernen von Techniken auch die Elternarbeit und die Edukation.

Bei der progressiven Muskelrelaxation lernen die Jugendlichen die verschiedenen Muskeln ihres Körpers kennen, spannen sie sukzessiv für kurze Zeit an und entspannen sie dann wieder. Die PMR wird im Kindesalter durch Imaginationsaufgaben (z.B. Fantasiereisen) erweitert.

Dokumentation

Voraussetzung für eine sinnvolle und differenzierte Therapie kindlicher Migräne ist das Führen eines geeigneten Kopfschmerzkalenders. Darin sollten die Symptomstärke und Begleitsymptome sowie deren Auslöser und Auswirkungen eingetragen werden. Die strukturierte Wahrnehmung durch die Dokumentation führt oft zur Identifikation von individuellen Auslösern der Migräne, sodass günstige Verhaltensweisen besprochen werden können. Dies kann selbst bei länger bestehenden und häufig wiederkehrenden Kopfschmerzen in einigen Fällen zu einem Rückgang der Migräne beitragen.

tags: #tcm #bei #migrane