TCM bei Angst und Anspannung: Ein ganzheitlicher Ansatz zur Behandlung

Angst und Anspannung sind weit verbreitete Probleme, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen können. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Angstzuständen, der Körper, Geist und Emotionen in Einklang bringt. Dieser Artikel beleuchtet, wie die TCM Angst erklärt, welche Behandlungsmethoden eingesetzt werden und wie man selbst aktiv zur Linderung von Angst und Anspannung beitragen kann.

Die TCM-Sicht auf Angst

In der TCM wird Angst nicht als isoliertes Symptom betrachtet, sondern als Ausdruck eines umfassenden energetischen Ungleichgewichts im Körper. Die TCM betrachtet Emotionen als physiologische Ereignisse, die als Reaktionen des "Shen" (Geist) auf Reize aus der Außenwelt entstehen. Ein Ungleichgewicht in den Organen, insbesondere in Herz, Nieren und Leber, kann zu Angstzuständen und innerer Unruhe führen.

  • Das Herz: In der chinesischen Medizin wird das Herz mit dem "Shen" in Verbindung gebracht, dem Geist, der für Lebensfreude, Hoffnung und emotionale Balance steht. Ein Herz-Blut-Mangel oder eine Yin-Leere des Herzens können zu Ängsten, Unruhe, mentaler Erschöpfung und Schlafproblemen führen.
  • Die Nieren: Die Angst selbst wird in der TCM mit den Nieren in Verbindung gebracht. Die Nieren sind für unsere Reserven zuständig. Wenn die Nieren geschwächt sind, kann dies zu Angstzuständen führen, da sie die emotionale Stabilität beeinträchtigen. Die physiologische Bewegung und Funktion des Wasserelements, nach unten zu führen, zu verdichten und zu sammeln funktioniert nicht mehr. Yin und Yang, Qi und Essenzen trennen sich.
  • Die Leber und Milz: Die Leber steuert den freien Qi-Fluss, während die Milz den Geist nährt. Ein stagnierendes Leber-Qi oder eine geschwächte Milzenergie können zu Grübelei, Reizbarkeit und emotionaler Labilität führen.

Ursachen von Angst aus Sicht der TCM

Angststörungen können nach der TCM durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:

  • Erschöpfung, Stress und Überlastung: Diese Faktoren können die Nieren schwächen und zu Angstzuständen führen.
  • Fehlende Wertschätzung und soziale Geborgenheit: Diese Faktoren können das Herz schwächen und zu emotionaler Instabilität führen.
  • Eine Schwäche des Herzens: Dies führt zu einer unzureichenden Steuerung der Geistesschwankungen.
  • Nicht ausgeheilte Infekte: In der Chinesischen Medizin sieht man Infekte als einen Auslöser für Angstattacken. Aus einer nicht ausgeheilten Erkältung kann eine Angststörung entstehen.
  • Traumata: Unter anderem können Traumata die Ängste auslösen.

TCM-Behandlungsmethoden bei Angst und Anspannung

Die TCM bietet eine Vielzahl von Behandlungsmethoden zur Linderung von Angst und Anspannung. Ziel ist es, das Gleichgewicht von Yin und Yang sowie den Fluss von Qi (Lebensenergie) im Körper wiederherzustellen.

  • Akupunktur: Akupunktur ist eine der bekanntesten TCM-Behandlungsmethoden. Durch das Setzen von Nadeln in spezifische Akupunkturpunkte werden Blockaden im Energiefluss gelöst und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Akupunktur beruhigt das Nervensystem, stärkt das Herz-Qi und harmonisiert den Energiefluss in Leber- und Nierenmeridian. Studien belegen, dass Akupunktur bei generalisierten Angststörungen, Prüfungsangst oder Panikattacken wirksam ist. Als Psychopunkte werden psychisch wirksame Punkte bezeichnet. Durch die Nadelung dieser Akupunkturpunkte werden „Schleusen zum Unterbewusstsein“ geöffnet.
  • Chinesische Arzneimitteltherapie: Die Chinesische Arzneimitteltherapie basiert auf der Verwendung von Kräutern und anderen natürlichen Substanzen, um das energetische Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen. Die Auswahl der Kräuter erfolgt individuell nach der TCM-Diagnose.
  • Moxibustion: Bei der Moxibustion wird Beifußkraut in der Nähe von Akupunkturpunkten verbrannt, um diese zu erwärmen und den Energiefluss anzuregen.
  • Qi Gong und Tai Chi: Qi Gong und Tai Chi sind sanfte Bewegungsübungen, die Körper und Geist in Einklang bringen, die Organe stärken und die Vitalität steigern. Bei allen Formen des Qi Gongs spielen Atmung, Haltung, innere Aufmerksamkeit und die Vorstellung eine wesentliche Rolle.
  • Ernährungsberatung: Eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der TCM-Behandlung. Die Ernährungsberatung zielt darauf ab, die Ernährungsgewohnheiten an die individuellen Bedürfnisse des Patienten anzupassen und so das energetische Gleichgewicht im Körper zu unterstützen. Man stärkt den Körper, die Niere, mit guter Lebensführung, guter Ernährung, Stressabbau, Ruhephasen, gutem Schlaf und positivem Denken.
  • Akupressur: Akupressur ist eine Methode, bei der mit den Fingern sanfter Druck auf bestimmte Körperpunkte ausgeübt wird, um den Energiefluss anzuregen und Blockaden zu lösen.
  • Massage: Eine Massage entlang der Meridiane kann ebenfalls helfen, den Energiefluss zu harmonisieren und Verspannungen zu lösen.
  • Schröpfen, Gua Sha-Massage: Mit Schröpfen und Gua Sha-Massage wird die Therapie so gestaltet, den Energiefluss im Körper zu harmonisieren und Stress abzubauen.

Selbsthilfe bei Angst und Anspannung aus TCM-Sicht

Neben den professionellen TCM-Behandlungen gibt es auch viele Dinge, die man selbst tun kann, um Angst und Anspannung zu lindern:

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  • Achtsamkeit und Meditation: Regelmäßige Achtsamkeitsübungen und Meditation können helfen, den Geist zu beruhigen und Stress abzubauen.
  • Atemübungen: Bewusstes Atmen kann helfen, sich zu entspannen und das Nervensystem zu beruhigen. Das Wichtigste ist VOR einer Panikattacke zu wissen, wann diese typischerweise auftritt. Wenn man in einer Panikattacke steckt, hilft oft langes Ausatmen und am Ende der Ausatmung die Luft kurz anhalten, dann langsam wieder einatmen.
  • Yoga: Yoga kombiniert Körperübungen, Atemtechniken und Meditation, um Körper und Geist in Einklang zu bringen. Bei den Körperübungen soll man dann ausatem- und vorbeugenbetont üben, um mehr Ruhe in den Körper zu bekommen, und meditieren.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung, insbesondere in der Natur, kann helfen, Stress abzubauen und die Stimmung zu verbessern.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse, Obst und Vollkornprodukten kann die körperliche und geistige Gesundheit unterstützen. Kümmere dich um deine Mitte - deinen Verdauungsapparat!
  • Schlafhygiene: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Regeneration von Körper und Geist.
  • Stressmanagement: Es ist wichtig, Stressoren zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um mit Stress umzugehen. Die große Frage ist: Was will DIR DEINE Angst sagen? Was kannst DU machen, damit die Situationen, in denen sie auftritt, verschwinden?
  • Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und verbringen Sie Zeit mit Menschen, die Ihnen guttun.
  • Positive Denken: Versuchen Sie, positiv zu denken und sich auf die guten Dinge im Leben zu konzentrieren.

Übungen aus dem Buch „Frei von Angst“

  1. Atemübung: Legen Sie eine Hand auf den Brustkorb, die andere auf den Bauch. Atmen Sie in Ruhe ein und aus und beobachten Sie Ihren Atem. Welche Hand hebt sich? Welche Hand senkt sich, und wann? Dann greifen Sie in die Atmung ein. Achten Sie darauf, dass sich in der Einatmung nur Ihre Hand am Bauch hebt und bei der Ausatmung nur Ihre Hand am Bauch senkt.
  2. Körperübung: Lassen Sie die Einatmung beginnen. Der Atem führt die Bewegung. Heben Sie die Arme und den Kopf synchron mit der Atmung. In der Ausatmung beugen Sie sich vor, lassen Ihre Arme und Ihren Kopf folgen. In der Einatmung richten Sie Ihren Körper wieder etwas auf und strecken Sie den Rücken etwas durch. Heben Sie den Kopf leicht, ohne dass Sie Ihre Hände von Ihren Unterschenkeln, Füßen oder vom Boden lösen. Wenn möglich, wiederholen Sie dieses Verweilen mindestens zwei- bis dreimal. Richten Sie sich dann in Uttanasana wieder auf und schließen Sie diese Übung ab.
  3. Nierenschutz-Position: Setzen Sie sich im Schneidersitz auf Ihre Yogamatte, so gut es für Sie geht. Überkreuzen Sie die Beine ganz entspannt und richten Sie gleichzeitig Ihren unteren Rücken auf. Greifen Sie nun zu Ihren Füßen. Auf Ihren Sohlen gibt es einen wichtigen Akupunkturpunkt, Niere 1. Dort dringt gern Kälte in den Körper ein, weshalb dieser Punkt ganz viel Wärme und Zuwendung benötigt. Legen Sie Ihren rechten Daumen auf den linken Niere-1-Punkt und Ihren linken Daumen auf den rechten Niere-1-Punkt. Damit haben wir eine wunderbare „Nierenschutz-Position“. Sie wärmen so den Nierenmeridian mit Ihrer eigenen Wärme, aus eigener Kraft.

Die Rolle der "Mitte" in der TCM

Ein wichtiger Aspekt der TCM-Behandlung von Angst ist die Stärkung der "Mitte", also des Verdauungsapparats. Eine gute Ernährung, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Zeit zum Essen und Genießen tragen dazu bei, dass die Mitte mehr "Qi" (Energie) produziert, den Körper kräftigt und Schwachstellen ausgleicht.

Angst als Wegweiser verstehen

Die TCM betrachtet Symptome und Krankheiten als Botschaften des Körpers an uns. Angst kann ein Wegweiser sein, der uns aufzeigt, wo wir unser Leben ändern müssen, um unser Wohlbefinden zu verbessern. Es ist wichtig, die Botschaften des Körpers zu verstehen und entsprechend zu reagieren.

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