Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung der systemischen Sklerose, der sich von der westlichen Medizin unterscheidet. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen der TCM, ihre diagnostischen Methoden und therapeutischen Optionen bei systemischer Sklerose, einschliesslich Akupunktur, Arzneimitteltherapie, Ernährungslehre, Tuina und Qi Gong.
Die Grundlagen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist ein über 2.000 Jahre altes Heilsystem, das sich kontinuierlich weiterentwickelt hat. Ihre Theorien und Methoden haben sich in der praktischen Anwendung bewährt und finden heute nicht nur in China, sondern auch in westlichen Ländern Anwendung. Die TCM betrachtet den Menschen als Ganzes und konzentriert sich auf die Harmonie von Körper, Geist und Seele.
Im Gegensatz zur westlichen Medizin, die sich oft auf pathologische Befunde konzentriert, betrachtet die TCM den funktionellen neurovegetativen Zustand des Körpers. Die Diagnose erfolgt durch systematische Analyse mittels Antlitzdiagnostik, Zungen- und Pulsdiagnose sowie Palpation von Akupunkturpunkten und Meridianen. In der TCM hat jeder Mensch eine Diagnose, die seinem aktuellen Regulationszustand entspricht, unabhängig davon, ob er beschwerdefrei ist oder unter Symptomen leidet.
Diagnostische Methoden der TCM
Die TCM nutzt verschiedene diagnostische Methoden, um den individuellen Zustand des Patienten zu erfassen. Dazu gehören:
- Antlitzdiagnostik: Die Beurteilung des Gesichts gibt Hinweise auf den Zustand der Organe und des Energieflusses.
- Zungendiagnose: Die Beschaffenheit der Zunge (Farbe, Belag, Form) liefert Informationen über den Zustand des Körpers.
- Pulsdiagnose: Die Qualität des Pulses (Stärke, Rhythmus, Tiefe) gibt Aufschluss über den Zustand der Organe und des Energieflusses.
- Palpation von Akupunkturpunkten und Meridianen: Das Abtasten bestimmter Punkte und Bahnen gibt Hinweise auf Blockaden und Ungleichgewichte im Körper.
Eine ausführliche Anamnese, bei der sowohl körperliche als auch psychische Symptome berücksichtigt werden, bildet zusammen mit der Zungen- und Pulsdiagnose das Fundament für eine gezielte Therapie.
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TCM-Therapieansätze bei systemischer Sklerose
Die TCM bietet verschiedene Therapieansätze zur Behandlung der systemischen Sklerose. Ziel ist es, den körperlichen und psychischen Gesamtzustand des Patienten zu verbessern, die natürliche Abwehr und Regulationsfähigkeit des Organismus wiederherzustellen und die Grunderkrankung einzudämmen.
Akupunktur
Die Akupunktur ist eine der bekanntesten Therapieformen der TCM. Sie basiert auf der Vorstellung, dass die Lebensenergie (Qi) in Meridianen durch den Körper fließt. Durch das Nadeln bestimmter Akupunkturpunkte können Blockaden gelöst und der Energiefluss harmonisiert werden. Die Wirkungen der Akupunktur sind vielfältig und umfassen Schmerzhemmung, antientzündliche Wirkung, Stimmungsaufhellung, Verbesserung der Durchblutung, Erhöhung der Sauerstoffversorgung des Gehirns, ausgleichende Wirkung auf das Immunsystem und Muskelentspannung.
Akupunktur kann bei vielen Symptomen der systemischen Sklerose wirksam sein. Die Auswahl der Akupunkturpunkte erfolgt individuell, basierend auf der spezifischen Symptomkonstellation des Patienten und der Erfahrung des Behandlers. In manchen Fällen ist es notwendig, zunächst mit TCM-Arzneimitteln zu behandeln, um die Reaktionsfähigkeit des Organismus auf die Akupunktur wiederherzustellen.
Arzneimitteltherapie
Die TCM-Arzneimitteltherapie verwendet vor allem Kräuter und Mineralien, um den Körper zu unterstützen und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Rezepturen werden individuell auf den Patienten abgestimmt und berücksichtigen seine spezifischen Symptome und Konstitution.
Bei der systemischen Sklerose können verschiedene Krankheitsbilder auftreten, die jeweils unterschiedliche Arzneimittelrezepturen erfordern. So können beispielsweise Schweregefühle, Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Beinen, Schwindel, körperliche Erschöpfung und Kältegefühle auf einen Milz-Yang-Mangel mit Schleimbildung hinweisen. Zunehmende Beinschwäche, Blasenfunktionsstörungen, verstärkter Schwindel, Sehstörungen, Steifheit, Schweißausbrüche und innere Unruhe können für einen Leber- und Nieren-Yin-Mangel sprechen. Zittern, Muskelkrämpfe, einschießende Schmerzen und Lähmungen können auf das Vorliegen von "Innerem Leber-Wind" hindeuten.
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Ein erfahrener TCM-Arzt versteht die Bedeutung dieser Krankheitsbilder und kann die passende Therapie auswählen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass bei gleichzeitiger Einnahme von modernen MS-Medikamenten Vorsicht geboten ist, da unkontrollierbare Wechselwirkungen auftreten können.
Ernährungslehre (Diätetik)
Die TCM-Ernährungslehre spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung der systemischen Sklerose. Die Ernährung soll den Körper stärken, das Immunsystem unterstützen und Entzündungen reduzieren. Dabei werden die thermische Wirkung der Lebensmittel (wärmend, kühlend, neutral) und ihre Zuordnung zu den fünf Elementen (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser) berücksichtigt.
Im Allgemeinen wird empfohlen, wärmende Lebensmittel zu bevorzugen und kühlende Lebensmittel zu meiden. Milchprodukte sollten reduziert werden, da sie zur Schleimbildung beitragen können. Stattdessen können Mandel- oder Getreidemilch verwendet werden. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Getreide und Hülsenfrüchten ist wichtig.
Tuina (Manuelle Therapie)
Tuina ist eine chinesische Heilmassage, die dazu dient, Blockaden in den Meridianen zu lösen und den Energiefluss zu harmonisieren. Durch gezielte Griffe und Techniken können Muskelverspannungen gelöst, die Durchblutung verbessert und Schmerzen gelindert werden.
Qi Gong (Heilgymnastik)
Qi Gong ist eine chinesische Bewegungstherapie, die Körper, Geist und Atem in Einklang bringt. Durch sanfte Bewegungen, Atemübungen und Meditation wird der Energiefluss im Körper angeregt, die Muskeln entspannt und die Konzentration gefördert. Qi Gong kann helfen, die Symptome der systemischen Sklerose zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Viele Patienten berichten, dass sie mit längerer Übungsdauer lernen, den Fluss des Qi regelrecht zu spüren.
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Der "Funktionskreis" in der TCM
Bei Diagnose und Behandlung spielt der "Funktionskreis" eine massgebliche Rolle. Mit diesem Begriff bezeichnet die TCM ein Zusammenspiel zwischen Organen, Akupunktur-Punkten, körperlichen Symptomen und psychischen Reaktionen. Multiple Sklerose als Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks gilt in der TCM primär als eine Krankheit des Funktionskreises "Niere", der zwar den Namen des bekannten Ausscheidungsorgans trägt, der aber über dessen im Westen geläufige Funktion weit hinausgeht. So gehören zum Beispiel unterschiedliche Symptome wie chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule, Kälteempfindlichkeit des Unterleibs und der Füße, nachlassende sexuelle Kraft, nachlassendes Gedächtnis, Harn-Inkontinenz oder pathologische Ängste allesamt ebenfalls zum Funktionskreis der Niere.
In aller Regel spielen bei der MS aber auch andere Funktionskreise wie Milz, Leber oder Herz eine Rolle. Je nach vorliegendem Symptomen-Bild kann ein MS-Patient also ganz unterschiedliche Krankheitsbilder aufweisen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur TCM bei Multipler Sklerose
Obwohl die TCM seit Jahrhunderten angewendet wird, gibt es nur wenige wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit bei Multipler Sklerose. Eine Untersuchung der MS-Klinik an der Universität von British Columbia ergab, dass Akupunktur die am meisten verwendete alternative Methode bei MS-Patienten ist und zu einer Reduzierung von Schmerz, reduzierter Spastik, Besserungen bei Stuhl- und Blasen-Dysfunktion, Kribbeln und Taubheitsgefühlen führen kann. Eine Studie des Washington Acupuncture Centre zeigte bei 85 % aller MS-Patienten eine signifikante Besserung der Beschwerden durch Akupunktur.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Studien nicht immer den höchsten wissenschaftlichen Standards entsprechen und weitere Forschung erforderlich ist, um die Wirksamkeit der TCM bei Multipler Sklerose zu bestätigen.
Die Rolle der TCM in der modernen MS-Therapie
Die TCM kann eine wertvolle Ergänzung zur konventionellen Behandlung der systemischen Sklerose darstellen. Sie bietet einen ganzheitlichen Ansatz, der die individuellen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigt und darauf abzielt, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
Es ist jedoch wichtig, dass die TCM-Behandlung von einem erfahrenen Therapeuten durchgeführt wird und dass die Patienten offen mit ihrem Arzt über die Anwendung von TCM sprechen, um mögliche Wechselwirkungen mit konventionellen Medikamenten zu vermeiden.
Auswahl eines qualifizierten TCM-Therapeuten
Nicht jeder chinesische Arzt ist automatisch ein TCM-Arzt. Kenntnisse und Fertigkeiten in TCM erwirbt man nur durch eine gründliche Ausbildung und laufende Fortbildungen, idealerweise als Mitglied einer Fachgesellschaft.
Ein guter TCM-Therapeut sollte sich ausreichend Zeit nehmen, um die Krankengeschichte des Patienten zu erheben und ein umfassendes Bild von seinem Zustand zu erhalten. Er sollte die schulmedizinischen Vorbefunde und Laborergebnisse berücksichtigen, Vorerkrankungen sowie Art und Dosierung der eingenommenen Medikamente erfragen. Im Lauf der Behandlung sollte er wiederholt nachfragen, wie sich der Patient fühlt und auf die Behandlung reagiert.
Bei der Akupunktur und anderen Körperbehandlungen sollte es genügend Platz geben und eine bequeme Liege vorhanden sein. Eine warme Decke oder Wärmelampen verhindern, dass der Patient frieren muss.
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