Grüner Tee, ursprünglich aus Südostasien stammend, erfreut sich aufgrund seiner zahlreichen gesundheitlichen Vorteile weltweit wachsender Beliebtheit. Seine Inhaltsstoffe wirken sich auf vielfältige Weise auf den Körper aus, insbesondere auf die Nervenzellen.
Was ist Grüner Tee?
Grüner Tee wird aus den jungen Blättern der Teepflanze Camellia sinensis gewonnen. Im Gegensatz zu Schwarztee werden die Blätter nicht fermentiert. Stattdessen werden sie mit Dampf behandelt, um Enzyme zu deaktivieren und wichtige Inhaltsstoffe zu erhalten, bevor sie getrocknet werden. Dieser schonende Prozess bewahrt die wertvollen Wirkstoffe, die den Grünen Tee so besonders machen.
Inhaltsstoffe des Grünen Tees
Grüner Tee enthält eine Vielzahl von bioaktiven Substanzen, darunter:
- Polyphenole: Die Hauptakteure, insbesondere die Catechine, sind für die gesundheitlichen Vorteile verantwortlich. Epigallocatechingallat (EGCG) ist das stärkste und wichtigste Catechin.
- Aminosäuren: Insbesondere L-Theanin, das für den charakteristischen Geschmack verantwortlich ist und beruhigende Eigenschaften besitzt.
- Weitere Stoffe: Proteine, Chlorophyll und geringe Mengen der Vitamine A, B1, B2, B3, C, E und K.
- Koffein (Thein): In natürlicher Form vorhanden, aber aus einigen Extrakten entfernt.
Die Konzentration der Inhaltsstoffe, insbesondere von Catechinen und EGCG, kann je nach Teesorte, Anbaumethode und Zubereitung variieren.
Auswirkungen auf den Körper
Die im grünen Tee enthaltenen Wirkstoffe haben unterschiedlichste Auswirkungen auf verschiedene Prozesse im Körper.
Lesen Sie auch: Kokainwirkung im Detail
Antioxidative Wirkung
Grüntee-Catechine sind sehr starke Antioxidantien. Sie schützen die Zellen und Gewebe vor freien Radikalen und steigern zudem die Produktion von körpereigenen Antioxidantien.
Antimikrobielle Wirkung
Grüntee-Catechine (insbesondere EGCG) zeigen eine antimikrobielle Wirkung gegen eine Vielzahl von Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten. Grüntee-Extrakt kann mit einem Probiotikum kombiniert werden, um die Zusammensetzung der Darmflora zu optimieren. Catechine stimulieren das Wachstum von Milchsäurebakterien, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken, und hemmen das Wachstum ungünstiger Bakterien.
Stoffwechselanregung
Studien zeigen auch, dass grüner Tee den Ruhestoffwechsel erhöht, den Glukose- und Fettstoffwechsel anregt und den Körper bei seinen Entgiftungsprozessen (Ausscheidung von Abfall- und Giftstoffen) unterstützt.
Schutzwirkung
Grüner Tee hat eine schützende Wirkung auf Gewebe und Organe, darunter Blutgefäße, Herz, Gehirn, Darm und Nieren.
Grüntee und das Gehirn
Grüner Tee hat eine sehr außergewöhnliche Wirkung auf das Gehirn und die Leistungsfähigkeit.
Lesen Sie auch: Nervenzellen in Gefahr
Zusammenspiel von Koffein und L-Theanin
Grüner Tee enthält Koffein, das anregend wirkt. Gleichzeitig enthält er L-Theanin, eine Aminosäure, die beruhigende Eigenschaften hat. Diese Kombination sorgt für einen Zustand wacher Entspannung, der die Konzentration und Leistungsfähigkeit steigern kann. L-Theanin kann die Blut-Hirn-Schranke passieren und im Gehirn die Konzentrationen diverser Neurotransmitter (das sind Botenstoffe der Nervenzellen) beeinflussen, so z.B. die Neurotransmitter Noradrenalin und Dopamin. Viele Botenstoffe sind für einen Zustand von tiefer Entspannung und Ruhe verantwortlich, sowie für ein Gefühl von Zufriedenheit und Wohlbefinden. Sobald so der "Kummer-Modus" abgeschaltet wird, kann man sich besser konzentrieren und auf seine Gedanken fokussieren, was in einer verbesserten Lern- und Gedächtnisleistung resultiert.
Schutz vor neurodegenerativen Erkrankungen
Mehrere Studien haben gezeigt, dass grüner Tee eine schützende Wirkung auf die Nervenzellen hat. Dadurch verringert grüner Tee möglicherweise das Risiko, an Alzheimer und Parkinson zu erkranken. Die Substanz EGCG (Epigallocatechin-3-gallate) in grünem Tee kann offenbar den tödlichen Prozess der Plaquebildung bei Parkinson und Alzheimer umkehren. Statt der giftigen Eiweißablagerungen bilden sich durch EGCG ungiftige und damit für die Nervenzellen harmlose, kugelige Eiweißaggregate. Die Substanz EGCG bindet in einer sehr frühen Phase direkt an die noch ungefalteten Eiweiße und verhindert damit, dass sich durch Fehlfaltung giftige, unlösliche Aggregate entwickeln können. Zwar bilden sich dennoch Eiweißablagerungen, jedoch über einen anderen Mechanismus.
Verbesserung der Gedächtnisleistung
Eine Studie des National College of Naturopathic Medicine in Portland, Oregon, untersuchte die Auswirkung von Grünem Tee auf die Gedächtnisleistung. In der doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie wurden 91 Probanden mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen untersucht. Die Hälfte von ihnen erhielt Grüntee-Extrakt mit zugesetztem L-Theanin, die Placebogruppe Maltodextrin und Lactose. Nach 16 Wochen wurden neurophysiologische Tests bei beiden Gruppen durchgeführt. Dabei schnitten die Probanden, die Grünen Tee erhalten hatten, deutlich besser ab. Die Probanden mussten Gedächtnisaufgaben lösen, während sie mit einem MRT untersucht wurden. Mit diesem bildgebenden Verfahren können die Wissenschaftler feststellen, welche Bereiche des Gehirns während einer Aufgabe aktiviert werden und wie stark diese Aktivierung ist. Die Forscher fanden heraus, dass Grüner Tee-Extrakt sowohl die Aktivität in, wie die Verbindung zwischen exakt den Regionen der Großhirnrinde verstärkt, die für das Arbeitsgedächtnis entscheidend sind. Und - das ist das entscheidende -, diese stärkere Aktivität, die durch den Grünen Tee-Extrakt hervorgerufen wurde, bewirkte auch in eine bessere kognitive Leistung der Probanden. Die Studienergebnisse könnten auf einen positiven Einfluss von Grüntee auf die Kurzzeitplastizität, also die kurzzeitige Anpassung der Übertragungsstärke der Synapsen des Gehirns, hindeuten.
Erhöhte Konnektivität im Gehirn
Forscher der Universität Basel fanden heraus, dass Grüntee-Extrakt die effektive Konnektivität, also den Einfluss, den ein bestimmtes Hirnareal auf ein anderes ausübt, steigert. Mittels Magnetresonanztomografie (MRT) untersuchten die Wissenschaftler dann den Effekt des Getränks auf die Hirnaktivität der Männer, während sie Gedächtnisaufgaben lösten. Das MRT zeigte eine deutlich erhöhte Konnektivität zwischen dem parietalen und frontalen Kortex. Diese neuronalen Resultate korrelierten ebenfalls positiv mit der verbesserten kognitiven Leistung der Probanden.
Einfluss auf die Stimmung
Grüner Tee kann psychiatrische Symptome, wie z. B. Angstzustände lindern konnte, kognitive Fähigkeiten, wie z. B. das Erinnerungsvermögen oder die Konzentrationsfähigkeit besserte und die Gehirnfunktionen, wie z. B.
Lesen Sie auch: Nervenzellen unter dem Einfluss von Batrachotoxin
Aktivierung von Adenosinrezeptoren durch Koffein
Wissenschaftler aus dem Forschungszentrum Jülich konnten mithilfe der Positronenemissionstomografie (PET) nachweisen, dass Koffein vor allem in den hochentwickelten Regionen des Großhirns seine anregende Wirkung entfaltet, dem sogenannten Assoziationskortex, der für komplexe kognitive Assoziations- und Bewertungsprozesse zuständig ist. Die PET-Aufnahmen zeigten, dass sich der Bildgebungsmarker an einer ganz spezifischen „Andockstelle“ der Nervenzellen - dem sogenannten A1-Adenosinrezeptor - ansiedelte. Von dort verdrängt ihn dann auch das Koffein und blockiert so die Rezeptoren. Da Adenosin normalerweise die Nervenzellaktivität hemmt, führt die Blockade mit Koffein zu einer Enthemmung, also einer Aktivierung der Nervenzellen.
Förderung der Nervenzellneubildung
Grüner Tee bzw. EGCG aus grünem Tee fördert aber nicht nur die Nervenzellneubildung. Studienteilnehmer waren männliche Freiwillige, die einen Softdrink mit Grünteeextrakt erhielten, bevor sie Aufgaben lösen sollten, die insbesondere das sog. Mit Hilfe von MRT-Aufnahmen konnten die Forscher zeigen, dass im Gehirn jener Männer, die den Grünteeextrakt erhalten hatten, eine deutlich höhere Konnektivität zwischen einzelnen Gehirnregionen erkennbar war. Der Grünteeextrakt konnte also das Arbeitsgedächtnis unterstützen.
Dosierung und Anwendung
Um von den gesundheitlichen Vorteilen des grünen Tees zu profitieren, ist ein regelmäßiger Konsum erforderlich. Die Menge an Catechinen/EGCG in einer Tasse grünem Tee kann stark variieren, was unter anderem von der Menge und der Ziehdauer des Tees abhängt, ist aber im Allgemeinen gering. Um gesundheitsfördernde Wirkungen zu erzielen und dafür genügend Catechine/EGCG zur Verfügung zu haben, ist es ratsam, ein Nahrungsergänzungsmittel mit Grüntee-Extrakt einzunehmen. Grüntee-Extrakt in phytosomaler Form (gemischt mit Phospholipiden aus Lecithin) wird besser aufgenommen und hat eine höhere Bioverfügbarkeit als reiner Grüntee-Extrakt.
Grüntee-Extrakt: Vorteile gegenüber Tee
Grüner Tee Extrakt hat gegenüber dem normalen Grünen Tee den Vorteil, dass die wirksamen Stoffe dort geballt vorhanden sind. Man muss also viel weniger davon nehmen, um dieselbe Wirkung zu erreichen, als wenn man die Tee-Blätter einfach mit Wasser als Tee aufbrüht. Die Konzentration der wirksamen Inhaltsstoffe ist dann natürlich viel geringer als im Extrakt.
Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Die Grüntee-Supplementierung ist sicher, und unerwünschte Wirkungen sind selbst bei hoher Zufuhr selten. Grüntee-Extrakt kann unter anderem über das Enzymsystem Cytochrom P450 (CYP) die Menge eines Arzneimittels im Körper beeinflussen. Das CYP-Enzymsystem ist eine bestimmte Gruppe von Enzymen unter anderem in der Leber, die an der Umwandlung und dem Abbau fast aller herkömmlichen Arzneimittel sowie vieler Nahrungsergänzungsmittel und pflanzlicher Präparate beteiligt ist. Dies gilt zum Beispiel für Betablocker, aber auch bei der Einnahme anderer Medikamente sollte man prüfen, ob es Wechselwirkungen mit grünem Tee geben kann.
Fallstricke bei der Einnahme von EGCG bei Multisystematrophie (MSA)
Eine industrieunabhängige Studie zeigt, dass die in grünem Tee enthaltene Substanz Epigallocatechingallat (EGCG) auch aufgrund von schweren Nebenwirkungen bei höheren Dosierungen bei Patienten mit Multisystematrophie (MSA) keine ausreichende klinische Wirkung zeigt. Da im MRT jedoch eine signifikante Reduktion der Atrophie beteiligter Hirnregionen zu sehen war, sehen die Autoren das Therapieprinzip bestätigt.
tags: #tea #wirkung #auf #nervenzelle