Temodal-Chemo bei Astrozytomen Grad 2: Erfahrungen bei Jugendlichen

Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Informationszwecken und sollten nicht als Ersatz für professionelle medizinische Beratung angesehen werden. Bei gesundheitlichen Problemen sollte immer ein Arzt konsultiert werden.

Einführung

Astrozytome sind Hirntumoren, die von Astrozyten ausgehen, einer Art von Gliazellen im Gehirn. Sie werden nach ihrem Erscheinungsbild unter dem Mikroskop in verschiedene Grade eingeteilt, wobei Grad 1 die langsamste und Grad 4 die aggressivste Form ist. Grad 2 Astrozytome sind langsam wachsende Tumoren, die häufiger bei Kindern und jungen Erwachsenen auftreten. Die Behandlung kann Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie umfassen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Jugendlichen mit der Temodal-Chemotherapie bei der Behandlung von Astrozytomen Grad 2.

Astrozytäre Gliome: Ein Überblick

Astrozytäre Gliome stellen mit über 60 % die häufigste Art von Gliomen dar. Diese Tumoren werden in verschiedene Gruppen eingeteilt, wobei die der zweiten Gruppe vorwiegend bei Kindern und jungen Erwachsenen auftreten. Sie zeichnen sich durch ein relativ langsames Wachstum und eine geringe Neigung zur bösartigen Entartung aus. Bei vollständiger operativer Tumorentfernung ist eine Heilung möglich. Im Gegensatz dazu treten Tumoren der ersten Gruppe vornehmlich bei Erwachsenen auf, zeigen eine Neigung zur Bildung bösartigerer Rezidivtumoren und weisen eine deutlich schlechtere Prognose auf.

Diagnose von Astrozytomen

Das wichtigste diagnostische Verfahren ist die Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels. Wenn dies nicht möglich ist, kann eine Computertomografie (CT) zum Einsatz kommen. Die Sicherung der Diagnose erfolgt in der Regel durch eine operative Gewebeentnahme (Biopsie). In einigen Fällen, wie bei Hirnstammgliomen (Ponsgliomen) und der Gliomatosis cerebri, kann die Diagnose jedoch bereits anhand der MRT und bestimmter Symptome mit ausreichender Sicherheit gestellt werden.

Therapieansätze bei Astrozytomen

Die Therapie der Wahl besteht in der operativen Tumorentfernung. Wenn eine vollständige Entfernung nicht möglich ist oder der Tumor nach der Operation wieder auftritt (Rezidiv), können Strahlentherapie und Chemotherapie eingesetzt werden. Bei primär inoperablen Tumoren kann eine lokale interstitielle Bestrahlung (Seed-Implantation = Brachytherapie) in Frage kommen.

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Chemotherapie mit Temozolomid (Temodal)

Temozolomid (Temodal®) ist ein Chemotherapeutikum, das häufig bei der Behandlung von Astrozytomen eingesetzt wird, insbesondere bei höhergradigen Tumoren. Es gehört zur Wirkstoffklasse der Alkylanzien und kann aufgrund seiner lipophilen Struktur die Blut-Hirn-Schranke passieren. Temozolomid wird oft begleitend zur Strahlentherapie und anschließend als Monotherapie eingesetzt.

Wirkmechanismus von Temozolomid:

Temozolomid ist ein Prodrug, das im Körper in seine aktive Form, Monomethyltriazenylimidazolcarboxamid (MTIC), umgewandelt wird. MTIC alkyliert vorwiegend Guanin-Basen in der DNA von Tumorzellen. Da maligne Tumorzellen auf DNA-Replikationsmechanismen angewiesen sind, um ihre schnellen Zellteilungsraten aufrechtzuerhalten, führt die Alkylierung durch MTIC zu einer Schädigung der DNA und somit zum Zelltod.

Dosierung und Anwendung von Temozolomid:

Temozolomid wird in der Regel täglich oral verabreicht. Die Dosierung richtet sich nach der Körperoberfläche des Patienten. Bei gleichzeitiger Anwendung mit Strahlentherapie beträgt die übliche Dosis 75 mg/m² pro Tag über 42 Tage. Nach einer Therapiepause von vier Wochen kann Temozolomid als Monotherapie in Zyklen von jeweils fünf Tagen mit anschließender 23-tägiger Pause verabreicht werden.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Temozolomid:

  • Die Einnahme von Temozolomid mit Nahrung kann die Aufnahme des Medikaments verringern.
  • Temozolomid darf nicht während der Schwangerschaft angewendet werden.
  • Es ist nicht bekannt, ob Temozolomid in die Muttermilch übergeht.

Erfahrungen von Jugendlichen mit Temodal-Chemotherapie

Die Erfahrungen von Jugendlichen mit der Temodal-Chemotherapie bei Astrozytomen Grad 2 können sehr unterschiedlich sein. Einige Patienten vertragen die Behandlung gut und erleben nur wenige Nebenwirkungen, während andere stärkere Nebenwirkungen haben und ihre Lebensqualität beeinträchtigt sehen.

Fallbeispiel: Valentin

Valentin erhielt mit 16 Jahren die Diagnose Hirntumor. Er berichtet von seinen Erfahrungen mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Nach einer ersten Operation konnte nicht das gesamte Tumorgewebe entfernt werden, sodass er sich für eine weitere Operation und anschließende Bestrahlung entschied. Während der Bestrahlung wurde festgestellt, dass er möglicherweise Metastasen hatte, woraufhin seine Therapie intensiviert wurde.

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Die Chemotherapie erfolgte in Blöcken von vier Wochen, wobei er eine Woche im Krankenhaus verbrachte und drei Wochen zur Erholung hatte. Zu den Nebenwirkungen gehörten Übelkeit, Haarausfall und Gewichtsverlust. Valentin musste zwischenzeitlich künstlich ernährt werden und trug aufgrund eines geschwächten Immunsystems eine Maske, um Infektionen zu vermeiden. Trotz der schwierigen Zeit betont Valentin, dass er viele positive Erinnerungen an die Zeit auf der Kinderkrebsstation hat und dass ihm die Unterstützung durch das Klinikpersonal, seine Freunde und seine Familie sehr geholfen hat. Zehn Jahre nach seiner Diagnose gilt er als geheilt und studiert Medizin.

Herausforderungen und Bewältigungsstrategien

Junge Menschen mit Krebs stehen vor besonderen Herausforderungen. Neben den körperlichen Beschwerden durch die Krankheit und die Behandlung müssen sie auch mit den psychischen und sozialen Folgen auseinandersetzen. Krebs-Selbsthilfegruppen können eine wichtige Anlaufstelle sein, um sich mit Gleichbetroffenen auszutauschen und Mut und Zuversicht zu schöpfen.

Mögliche Nebenwirkungen von Temozolomid

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Temozolomid gehören:

  • Übelkeit und Erbrechen: Diese können mit Medikamenten (Antiemetika) behandelt werden.
  • Haarausfall: Dieser ist in der Regel vorübergehend.
  • Müdigkeit (Fatigue): Diese kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
  • Verminderte Blutwerte: Temozolomid kann die Anzahl der weißen Blutkörperchen, der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen reduzieren, was zu einem erhöhten Infektionsrisiko, Anämie und Blutungsneigung führen kann.
  • Verstopfung oder Durchfall: Diese können durch Ernährungsumstellung und Medikamente behandelt werden.
  • Kopfschmerzen: Diese können durch Schmerzmittel gelindert werden.
  • Hautausschlag: Dieser kann mit Cremes und Salben behandelt werden.

Es ist wichtig, alle Nebenwirkungen dem behandelnden Arzt mitzuteilen, damit er die Behandlung entsprechend anpassen kann.

Unterstützung während der Therapie

Während der Temodal-Chemotherapie ist eine umfassende supportive Therapie wichtig, um die Nebenwirkungen zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dazu gehören beispielsweise:

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  • Antiemetika: zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen
  • Schmerzmittel: zur Linderung von Schmerzen
  • Antibiotika: zur Behandlung von Infektionen
  • Bluttransfusionen: bei Bedarf zur Behandlung von Anämie oder Thrombozytopenie
  • Ernährungsberatung: zur Sicherstellung einer ausreichenden Nährstoffversorgung
  • Psychologische Betreuung: zur Unterstützung bei der Bewältigung der psychischen Belastung durch die Krankheit und die Behandlung

Weitere Therapieansätze und Forschung

Neben Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie gibt es auch weitere Therapieansätze, die bei der Behandlung von Astrozytomen Grad 2 eingesetzt werden können, wie z.B. die Brachytherapie (lokale interstitielle Bestrahlung). Darüber hinaus wird intensiv an neuen Therapien geforscht, wie z.B. Immuntherapie und zielgerichtete Therapien.

Die Bedeutung der Nachsorge

Auch nach Abschluss der Behandlung ist eine regelmäßige Nachsorge wichtig, um ein mögliches Wiederauftreten des Tumors frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Nachsorge umfasst in der Regel regelmäßige MRT-Untersuchungen und neurologische Untersuchungen.

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