TENS-Gerät: Wirkung auf Nerven und Schmerzlinderung

Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) ist eine elektromedizinische Behandlungsmethode, die seit Jahrzehnten in der Schmerztherapie eingesetzt wird. Dabei werden elektrische Impulse über Elektroden auf die Haut übertragen, um Nerven zu stimulieren und Schmerzen zu lindern. TENS-Geräte finden Anwendung bei einer Vielzahl von Schmerzzuständen, von akuten bis chronischen Beschwerden.

Was ist TENS?

TENS steht für transkutane elektrische Nervenstimulation. Es handelt sich um eine nicht-invasive Methode zur Schmerzlinderung, bei der ein medizinisches Gerät über Elektroden elektrische Impulse aussendet, die auf die Nerven wirken. Diese Impulse können die Schmerzweiterleitung beeinflussen und die Ausschüttung von körpereigenen schmerzstillenden Substanzen anregen.

Anwendungsgebiete von TENS

TENS wird häufig bei muskuloskelettalen Schmerzen eingesetzt, insbesondere im Knie, Nacken, Kreuz und in der Schulter. Es kann auch bei Polyneuropathien, wie sie beispielsweise bei Menschen mit Diabetes auftreten, zur Anwendung kommen. Die klinischen Gonarthrose-Richtlinien empfehlen ebenfalls die Verwendung von TENS.

Wie wirkt TENS gegen Schmerzen?

Die Wirkung von TENS wird unter anderem mit der sogenannten Gate-Control-Theorie erklärt. Die elektrischen Impulse stimulieren Nervenfasern, die normalerweise Berührungsreize weiterleiten. Diese Nervenfasern sind im Rückenmark mit den Schmerzfasern verschaltet. Das Signal der Berührungsnerven kann so die Weiterleitung der Schmerzen an das Gehirn hemmen.

Weitere Wirkmechanismen

Neben der Gate-Control-Theorie werden auch chemische Effekte diskutiert. TENS kann die Ausschüttung von körpereigenen schmerzhemmenden Substanzen wie Endorphinen und Serotonin fördern. Diese Substanzen wirken schmerzlindernd und können dazu beitragen, dass die Wirkung auch nach der Therapie anhält. Zudem fördert die elektrische Stimulation die Durchblutung im behandelten Bereich.

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Anwendung von TENS

Bei der TENS-Behandlung werden Elektroden auf der Haut platziert, idealerweise über dem versorgenden Nerv oder direkt am Schmerzpunkt. Die Frequenz und Stärke der Impulse werden individuell eingestellt, wobei der Patient lediglich ein leichtes Kribbeln spüren sollte. Die Behandlung dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten und kann mehrmals täglich wiederholt werden.

Studien zur Wirksamkeit von TENS

Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von TENS ist nicht eindeutig. Es gibt kleinere Studien, die eine Schmerzlinderung feststellen, aber nur bedingt aussagekräftig sind. Meta-Analysen, die viele kleinere Studien zusammenfassen, haben gemischte Ergebnisse gezeigt. Eine große Meta-Analyse aus dem Jahr 2022 legte jedoch eine Wirksamkeit nahe, indem sie feststellte, dass TENS Schmerzen vermutlich besser lindert als ein Placebo.

Der Placeboeffekt

Es ist möglich, dass ein Teil der TENS-Wirkung auf dem Placeboeffekt beruht. Solange sich die Patienten besser fühlen, kann dies jedoch als positiver Aspekt betrachtet werden.

Vorteile von TENS

  • Nicht-invasiv: TENS ist eine nicht-invasive Behandlungsmethode, bei der keine Medikamente oder Operationen erforderlich sind.
  • Geringe Nebenwirkungen: TENS hat in der Regel nur wenige Nebenwirkungen. In seltenen Fällen kann es zu Hautreizungen an den Klebestellen der Elektroden kommen.
  • Selbstbehandlung: Nach einer Einweisung kann TENS problemlos selbstständig zu Hause angewendet werden.
  • Ergänzende Therapie: TENS kann als Begleittherapie bei chronischen Schmerzen eingesetzt werden, wenn andere Methoden nicht ausreichend helfen.

Kontraindikationen

In bestimmten Fällen sollte von einer TENS-Behandlung abgeraten werden:

  • Herzschrittmacher: Menschen mit einem Herzschrittmacher sollten TENS nicht anwenden.
  • Epilepsie: Bei Epilepsie sollte TENS nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden.
  • Schwangerschaft: In Deutschland wird TENS für Schwangere nicht empfohlen, obwohl es im englischsprachigen Raum teilweise zur Linderung von Geburtsschmerzen eingesetzt wird.
  • Metallische Implantate: Vorsicht ist bei metallischen Implantaten im Behandlungsgebiet geboten.
  • Akute Entzündungen: Bei akuten Entzündungen der Schleimhaut sowie bei Hauterkrankungen sollte TENS nicht angewendet werden.
  • Herzgegend: Die Elektroden sollten nicht in der Herzgegend oder in der Nähe des Karotissinus (Halsschlagader) positioniert werden.

Tipps für die Anwendung

  • Saubere Elektroden: Achten Sie darauf, dass die Elektroden vor der TENS-Anwendung sauber sind. Textilelektroden können mit warmem Wasser per Handwäsche gereinigt werden.
  • Saubere Haut: Reinigen Sie Ihre Haut vor der Therapie, sodass sich keine Creme- oder Make-up-Rückstände auf der Haut befinden.
  • Regelmäßiger Austausch: Tauschen Sie die Klebeelektroden nach ca. 30 Anwendungen aus.
  • Angenehme Intensität: Stellen Sie die Stromintensität so ein, dass sie deutlich spürbar, aber keinesfalls unangenehm oder gar schmerzhaft ist.
  • Abwechslung: Verwenden Sie unterschiedliche Programme, um einer Schmerzsensibilisierung entgegenzuwirken.
  • Anwendungsdauer: Die verschiedenen TENS-Programme dauern in der Regel zwischen 20 und 60 Minuten. Bei Bedarf können mehrere Behandlungen täglich durchgeführt werden.

TENS-Geräte und Zubehör

Es gibt verschiedene TENS-Geräte auf dem Markt, die sich in ihrer Ausstattung und Funktionalität unterscheiden. Einige Geräte verfügen über voreingestellte Programme für verschiedene Schmerzzustände, während andere individuell angepasst werden können. Wichtig ist, dass es sich um zertifizierte Medizinprodukte handelt.

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Elektroden

Die TENS EMS Elektroden sind selbstklebende Haftelektroden, die in verschiedenen Größen erhältlich sind. Sie sind vielfach verwendbar und können bei nachlassender Klebkraft durch Anfeuchten der Klebefläche mit etwas Wasser wieder regeneriert werden. Nach Gebrauch sollten die Elektroden immer auf den Folienträger aufgebracht und kühl gelagert werden.

Aufbewahrung

Für die Aufbewahrung von TENS-Geräten und Zubehör gibt es spezielle Cases, die das Gerät und das Zubehör vor Schmutz und Stößen schützen.

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Aufgrund der in verschiedenen Studien erwiesenen Wirksamkeit übernehmen seit den 1980er Jahren viele Krankenkassen die Kosten einer Reizstromtherapie. Es ist jedoch ratsam, sich vorher bei der Krankenkasse zu informieren.

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