Tetravalenter Impfstoff gegen Meningitis: Wirksamkeit, Anwendung und Empfehlungen

Meningokokken-Erkrankungen sind gefürchtet, da sie häufig mit schweren gesundheitlichen Schäden und einer hohen Sterblichkeit einhergehen. Ein tetravalenter Meningokokken-Konjugatimpfstoff bietet Schutz vor den vier Neisseria-meningitidis-Serogruppen A, C, W-135 und Y. Dieser Artikel beleuchtet die Wirksamkeit dieses Impfstoffs, seine Anwendung und die aktuellen Empfehlungen.

Was ist Meningitis und wer ist gefährdet?

Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, die durch verschiedene Erreger verursacht werden kann, darunter Bakterien, Viren und Pilze. Bakterielle Meningitis ist besonders gefährlich und kann zu schweren Komplikationen wie Hirnschäden, Hörverlust und sogar zum Tod führen.

Die altersspezifische Inzidenz ist am höchsten bei Kindern unter 15 Jahren. Ausbrüche an Meningokokkenerkrankungen kommen vor allem durch die Serogruppen A, C, W-135 und Y vor. Reisende haben zwar ein eher geringes Erkrankungsrisiko für Meningokokken, aber eine Erkrankung ist sehr häufig mit schweren gesundheitlichen Schäden und hoher Letalität verbunden.

Der tetravalente Meningokokken-Konjugatimpfstoff

Ein neuer tetravalenter Meningokokken-Konjugatimpfstoff ist für Kleinkinder schon ab dem ersten Geburtstag zugelassen. Eine einmalige Impfung schützt Kleinkinder, Kinder und Erwachsene vor den vier Neisseria-meningitidis-Serogruppen A, C, W-135 und Y. Dieser Impfstoff kann auch nach einer früheren Impfung mit Meningokokken-Polysaccharidimpfstoff gegeben werden und zeitgleich mit vielen anderen Standardimpfungen appliziert werden.

Für wen ist die Impfung empfohlen?

Die Vakzine eignet sich auch als Reiseimpfung, wenn Touristen Länder besuchen, in denen Meningokokken-Erkrankungen endemisch oder hyperendemisch vorkommen. Dies ist beispielsweise im sogenannten Meningitis-Gürtel in Afrika der Fall, der die Sahelzone und die Subsahara-Region von Äthiopien bis zum Senegal umfasst. Vor allem Menschen, die länger im Ausland bleiben oder engen Kontakt zur Bevölkerung haben, zum Beispiel Entwicklungshelfer oder Angehörige der Gesundheitsberufe, sollten sich schützen. Für Mekkapilger ist eine tetravalente Impfung seit 2000 vorgeschrieben. Diese muss mindestens zehn Tage vor Einreise erfolgen und gilt drei Jahre.

Lesen Sie auch: Hoffnungsschimmer für MS-Patienten

Schutzwirkung und Auffrischung

Wie lange die Schutzwirkung der Meningokokken-Impfung tatsächlich anhält und wann aus medizinischer Sicht aufgefrischt werden muss, ist unklar. Obwohl der neue Impfung Tetanustoxoid als Trägerstoff enthält, ersetzt die Impfung keinesfalls eine Tetanusimpfung.

Meningokokken-Impfung bei speziellen Risikogruppen

Personen mit bestimmten Grunderkrankungen sollen neben der Vakzine ACWY mit Men. B Impfstoff geimpft werden (zB. Laborpersonal, Immunkompromittierte).

Meningokokken-Impfung für HIV-Patienten

Bei HIV-Patienten ist die Impfung gegen relevante Infektionen entscheidend. Es sollte immer geprüft werden, ob die Impfung bei der aktuellen Immunlage möglich ist und ob ein Impferfolg zu erwarten ist.

Reiseimpfungen für HIV-Patienten

Für HIV-Patienten sind Reiseimpfungen prinzipiell empfehlenswert. Die empfohlenen Reiseimpfungen werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) übernommen. Ein Impfcheck sollte immer durchgeführt bzw. aufgefrischt werden.

Weitere wichtige Reiseimpfungen und Prophylaxen

Neben der Meningokokken-Impfung gibt es weitere wichtige Reiseimpfungen und Prophylaxen, die vor allem für Reisen nach Afrika empfohlen werden:

Lesen Sie auch: Neues zu Leqembi

  • Gelbfieber: Hier ist zu beachten, dass die Impfung nur durch autorisierte Gelbfieberimpfstellen erfolgen darf.
  • Hepatitis A/B: Diese Impfungen sind besonders wichtig, da Hepatitis A und B durch kontaminiertes Essen, Wasser oder sexuelle Kontakte übertragen werden können.
  • Typhus: Typhus abdominalis ist vor allem in Gebieten mit schlechten hygienischen und sanitären Umständen endemisch.
  • Cholera: Eine Impfung gegen Cholera wird vor allem für Reisen in Gebiete mit aktuellen Cholera-Ausbrüchen empfohlen.
  • Malaria: Die Beratung zur Malaria-Prophylaxe ist essenziell, da Malaria durch Mücken übertragen wird und die HIV-Infektion ungünstig beeinflussen kann.

Malaria-Prophylaxe

Die Malaria tropica ist besonders gefährlich. Daher ist eine Beratung zur Malaria-Prophylaxe im vorliegenden Fall essenziell. Wesentliche Maßnahmen sind die medikamentöse Prophylaxe, das Tragen von Kleidung, die den Körper bedeckt, und die Verwendung von Mückensprays.

Reiseapotheke

Eine gut ausgestattete Reiseapotheke sollte neben den notwendigen Medikamenten auch Mittel gegen Reisediarrhoe enthalten.

Impfungen im höheren Lebensalter

Mit zunehmendem Alter lässt die Immunantwort auf Impfungen nach. Daher ist ein guter Impfschutz für ältere Menschen besonders wichtig.

Grippeimpfung

Über 65-Jährige haben ein besonders hohes Risiko, bei Infektion mit Influenzaviren Komplikationen zu entwickeln und zu sterben. Durch die saisonale Influenzaimpfung können Hospitalisierungen und Todesfälle bei alten Menschen signifikant reduziert werden.

Pneumokokken-Impfung

Pneumokokken gehören zu den häufigsten Erregern ambulant erworbener Pneumonien bei alten Menschen. Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die sequenzielle Impfung mit PSV13 (Prevenar 13®), gefolgt von PPV23 (Pneumovax®) für Personen mit Immundefizienz beziehungsweise -suppression sowie für Personen mit anatomischen und fremdkörperassoziierten Risikofaktoren.

Lesen Sie auch: Umfassende Analyse: mRNA-Impfstoffe und Demenz

Herpes Zoster Impfung

Da mit fortschreitendem Alter die T-Zell-vermittelte Immunität abnimmt, steigt die Wahrscheinlichkeit, einen Herpes zoster zu entwickeln. Seit Mai 2018 ist ein Totimpfstoff (Shingrix®) auf Basis eines Subunit-Antigens verfügbar, mit dem in klinischen Studien bei Menschen im Alter von 50 bis über 80 Jahren zu 90 % eine Zostererkrankung verhindert werden konnte.

tags: #tetravelenter #impfstoff #meningitis