Sportverletzungen peripherer Nerven: Ein Überblick

Sportverletzungen peripherer Nerven sind ein relevantes Thema in der Sportmedizin. Obwohl die genaue Inzidenz aufgrund mangelnder Studienlage nicht bekannt ist, treten bestimmte Nervenschädigungen bei Sportlern besonders häufig auf. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Diagnose und Behandlung von peripheren Nervenverletzungen im Sport.

Einführung in periphere Nervenverletzungen im Sport

Periphere Nervenverletzungen bei Sportlern können verschiedene Ursachen haben, wie z. B. Ischämie oder Risswunden. Engpasssyndrome peripherer Nerven bei Sportlern sind ebenfalls häufig. Zu den Risikofaktoren gehören direkte Traumata, wiederholte Bewegungen, die Verwendung von ungeeigneter Ausrüstung und anatomische Faktoren. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend für die sportliche Rückkehr des Athleten, insbesondere in Fällen mit verzögerter Diagnose.

Ursachen und Mechanismen von Nervenverletzungen

Verschiedene Faktoren können zur Entstehung von peripheren Nervenverletzungen bei Sportlern beitragen. Direkte Traumata, wie Prellungen oder Stürze, können zu Quetschungen oder Rissen der Nerven führen. Wiederholte Bewegungen und Überlastung, insbesondere in Sportarten mit monotonen Bewegungsabläufen, können Nerven einklemmen oder reizen. Auch schlecht sitzende oder ungeeignete Sportausrüstung kann Druck auf Nerven ausüben und zu Verletzungen führen. Anatomische Besonderheiten, wie z. B. enge Nervenkanäle, können die Anfälligkeit für Nervenkompression erhöhen.

Diagnostik von Nervenverletzungen

Die Diagnose von Nervenverletzungen basiert in der Regel auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren. In der Anamnese werden die Art der sportlichen Betätigung, der Unfallmechanismus und die Art der Beschwerden erfragt. Bei der klinischen Untersuchung werden neurologische Funktionen wie Sensibilität, Motorik und Reflexe überprüft. Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Ultraschall können zur Visualisierung der Nerven und zur Identifizierung von Kompressionsstellen oder anderen Pathologien eingesetzt werden. Elektrophysiologische Untersuchungen wie die Elektroneurographie (ENG) und die Elektromyographie (EMG) können die Funktion der Nerven beurteilen und den Schweregrad der Schädigung bestimmen.

Behandlung von Nervenverletzungen

Die Behandlung von Nervenverletzungen richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad und der Lokalisation der Verletzung. Konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung, Kühlung, Schmerzmittel und Physiotherapie sind oft die erste Wahl. Bei Kompressionssyndromen kann eine Anpassung der Sportausrüstung oder eine Änderung der Trainingsgewohnheiten erforderlich sein. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu dekomprimieren oder zu rekonstruieren.

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Konservative Therapie

Die konservative Therapie umfasst in der Regel eine Kombination aus folgenden Maßnahmen:

  • Ruhigstellung: Die betroffene Extremität wird ruhiggestellt, um den Nerv zu entlasten und die Heilung zu fördern.
  • Kühlung: Kühlung kann helfen, Schwellungen und Entzündungen zu reduzieren.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit wiederherzustellen, die Muskulatur zu kräftigen und die Koordination zu verbessern.

Operative Therapie

Eine Operation kann erforderlich sein, wenn konservative Maßnahmen nicht erfolgreich sind oder wenn eine schwere Nervenschädigung vorliegt. Zu den operativen Verfahren gehören:

  • Dekompression: Bei Kompressionssyndromen wird der Nerv durch die Entfernung von Gewebe oder Knochen entlastet.
  • Nervenrekonstruktion: Bei Nervenrissen oder schweren Schädigungen kann der Nerv durch eine Naht oder ein Transplantat rekonstruiert werden.

Spezifische Nervenverletzungen bei Sportlern

Im Folgenden werden einige spezifische Nervenverletzungen bei Sportlern näher beschrieben:

Suprascapularnerv-Neuropathie

Die Suprascapularnerv-Neuropathie ist eine häufige Nervenverletzung bei Sportlern, insbesondere bei Volleyballspielern und Werfern. Der Suprascapularnerv verläuft durch die Scapula-Kerbe und innerviert den Supraspinatus- und Infraspinatus-Muskel. Eine Kompression des Nervs in der Scapula-Kerbe kann zu Schmerzen, Schwäche und Atrophie dieser Muskeln führen. Die Behandlung umfasst in der Regel konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung, Schmerzmittel und Physiotherapie. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu dekomprimieren.

Thoracic-outlet-Syndrom

Das Thoracic-outlet-Syndrom ist eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen Nerven und/oder Blutgefäße im Bereich des Thoraxausgangs komprimiert werden. Dies kann zu Schmerzen, Taubheit, Kribbeln und Schwäche in Arm und Hand führen. Das Thoracic-outlet-Syndrom kann bei Sportlern durch wiederholte Überkopfbewegungen oder durch eine ungünstige Körperhaltung verursacht werden. Die Behandlung umfasst in der Regel konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Schmerzmittel und Haltungsänderungen. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf die Nerven und Blutgefäße zu verringern.

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Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine häufige Nervenkompression, bei der der Medianusnerv im Karpaltunnel des Handgelenks eingeklemmt wird. Dies kann zu Schmerzen, Taubheit und Kribbeln in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger führen. Das Karpaltunnelsyndrom kann bei Sportlern durch wiederholte Handgelenksbewegungen oder durch die Verwendung von ungeeigneter Ausrüstung verursacht werden. Die Behandlung umfasst in der Regel konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung, Schmerzmittel und Ergotherapie. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Karpaltunnel zu erweitern und den Druck auf den Nerv zu verringern.

Ulnarisnerv-Neuropathie

Die Ulnarisnerv-Neuropathie ist eine Nervenkompression, bei der der Ulnarisnerv am Ellenbogen oder Handgelenk eingeklemmt wird. Dies kann zu Schmerzen, Taubheit und Kribbeln in Ringfinger und kleinem Finger führen. Die Ulnarisnerv-Neuropathie kann bei Sportlern durch wiederholte Ellenbogenbewegungen oder durch die Verwendung von ungeeigneter Ausrüstung verursacht werden. Die Behandlung umfasst in der Regel konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung, Schmerzmittel und Physiotherapie. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu dekomprimieren oder zu verlagern.

Meralgia paraesthetica

Die Meralgia paraesthetica ist ein Kompressionssyndrom des Nervus cutaneus femoris lateralis, einem rein sensiblen Nerv, der die Haut an der seitlichen Oberschenkel versorgt. Die Kompression des Nervs erfolgt meist im Bereich des Leistenbandes. Typische Symptome sind Schmerzen, Taubheit und Kribbeln an der seitlichen Oberschenkel. Die Meralgia paraesthetica kann bei Sportlern durch enge Kleidung, Übergewicht oder eine ungünstige Körperhaltung verursacht werden. Die Behandlung umfasst in der Regel konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, Lockerung der Kleidung und Physiotherapie. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu dekomprimieren.

Peroneusnerv-Neuropathie

Die Peroneusnerv-Neuropathie ist eine Nervenkompression, bei der der Peroneusnerv am Knie oder Unterschenkel eingeklemmt wird. Dies kann zu einer Schwäche der Fußhebung (Fallfuß) und zu Sensibilitätsstörungen am Unterschenkel und Fuß führen. Die Peroneusnerv-Neuropathie kann bei Sportlern durch direkte Traumata, enge Bandagen oder eine ungünstige Körperhaltung verursacht werden. Die Behandlung umfasst in der Regel konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung, Schmerzmittel und Physiotherapie. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu dekomprimieren.

Tarsaltunnelsyndrom

Das Tarsaltunnelsyndrom ist eine Nervenkompression, bei der der Nervus tibialis posterior im Tarsaltunnel des Sprunggelenks eingeklemmt wird. Dies kann zu Schmerzen, Taubheit und Kribbeln in Fußsohle und Zehen führen. Das Tarsaltunnelsyndrom kann bei Sportlern durch Überpronation, enge Schuhe oder eine ungünstige Fußstellung verursacht werden. Die Behandlung umfasst in der Regel konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung, Schmerzmittel, Einlagen und Physiotherapie. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Tarsaltunnel zu erweitern und den Druck auf den Nerv zu verringern.

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Prävention von Nervenverletzungen

Zur Prävention von Nervenverletzungen bei Sportlern können folgende Maßnahmen beitragen:

  • Aufwärmen: Ein ausreichendes Aufwärmen vor dem Training oder Wettkampf kann die Muskeln und Nerven auf die Belastung vorbereiten und das Verletzungsrisiko reduzieren.
  • Dehnen: Regelmäßiges Dehnen kann die Flexibilität verbessern und die Nerven entlasten.
  • Geeignete Ausrüstung: Die Verwendung von gut sitzender und geeigneter Sportausrüstung kann Druck auf Nerven vermeiden.
  • Körperhaltung: Eine korrekte Körperhaltung kann die Belastung der Nerven reduzieren.
  • Trainingsplanung: Eine ausgewogene Trainingsplanung mit ausreichenden Ruhepausen kann Überlastung vermeiden.
  • Früherkennung: Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung von Nervenverletzungen kann chronische Beschwerden verhindern.

Fazit

Sportverletzungen peripherer Nerven sind ein wichtiges Thema in der Sportmedizin. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend für die sportliche Rückkehr des Athleten. Durch präventive Maßnahmen kann das Risiko von Nervenverletzungen reduziert werden.

Ulcus Cruris: Eine spezielle Form der peripheren Nervenverletzung

Der Begriff Ulcus cruris, wörtlich übersetzt „Unterschenkelgeschwür“, bezeichnet eine chronische Wunde am Unterschenkel. Obwohl es sich nicht um eine direkte Nervenverletzung im eigentlichen Sinne handelt, können periphere Nerven durch die Grunderkrankungen, die zu einem Ulcus cruris führen, indirekt betroffen sein.

Ursachen und Entstehung

Ein Ulcus cruris kann verschiedene Ursachen haben, wobei die häufigsten sind:

  • Venöse Insuffizienz (Ulcus cruris venosum): Eine chronische Venenschwäche führt zu einem Rückstau des Blutes in den Beinen, was zu einer Minderdurchblutung und Schädigung des Gewebes führt.
  • Arterielle Verschlusskrankheit (Ulcus cruris arteriosum): Verengte Arterien führen zu einer unzureichenden Durchblutung des Gewebes, was ebenfalls zu einer Schädigung führen kann.
  • Mischformen (Ulcus cruris mixtum): In manchen Fällen liegen sowohl venöse als auch arterielle Probleme vor.

Auswirkungen auf periphere Nerven

Die Minderdurchblutung und Gewebeschädigung, die mit einem Ulcus cruris einhergehen, können auch periphere Nerven beeinträchtigen. Dies kann zu folgenden Symptomen führen:

  • Schmerzen: Chronische Schmerzen sind ein häufiges Begleitsymptom des Ulcus cruris.
  • Sensibilitätsstörungen: Taubheit, Kribbeln oder ein brennendes Gefühl können auftreten.
  • Motorische Ausfälle: In seltenen Fällen kann es zu einer Schwäche der Beinmuskulatur kommen.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose eines Ulcus cruris wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung gestellt. Zusätzliche Untersuchungen, wie z. B. eine Doppler-Sonographie, können zur Beurteilung der Durchblutung durchgeführt werden.

Die Behandlung des Ulcus cruris richtet sich nach der Ursache der Erkrankung und umfasst in der Regel:

  • Wundversorgung: Eine adäquate Wundversorgung ist entscheidend für die Heilung.
  • Kompressionstherapie: Bei venöser Insuffizienz ist die Kompressionstherapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.
  • Medikamentöse Therapie: Medikamente können zur Verbesserung der Durchblutung, zur Linderung von Schmerzen und zur Bekämpfung von Infektionen eingesetzt werden.
  • Chirurgische Maßnahmen: In manchen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Durchblutung zu verbessern oder abgestorbenes Gewebe zu entfernen.

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