Transitorische ischämische Attacke (TIA): Ein Warnsignal, das man ernst nehmen sollte

Ein Schlaganfall ist eine akute Schädigung des Gehirns, die oft zu bleibenden Beeinträchtigungen führt. Es gibt verschiedene Formen des Schlaganfalls, wobei die häufigste Form (etwa 80 %) eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns ist. Eine weitere Form ist die Hirnblutung, die durch das Reißen von Hirngefäßen verursacht wird. Eine besondere Form der Durchblutungsstörung ist die transitorische ischämische Attacke (TIA), die oft als Vorbote eines Schlaganfalls angesehen wird.

Was ist eine TIA?

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA), umgangssprachlich auch als Mini-Schlaganfall bezeichnet, ist eine kurzzeitige Durchblutungsstörung des Gehirns. Bei einer TIA wird ein Teil des Gehirns für kurze Zeit nicht ausreichend mit Blut versorgt, wodurch die Nervenzellen nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe erhalten. Dies führt zu neurologischen Ausfällen, wie beispielsweise Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehstörungen.

Der wesentliche Unterschied zum Schlaganfall besteht darin, dass die Symptome einer TIA definitionsgemäß innerhalb von 24 Stunden vollständig abklingen. Oftmals verschwinden die Beschwerden sogar schon nach wenigen Minuten. Kürzer als 24 Stunden andauernde Minderdurchblutungen ohne sichtbare Folgen werden als Transitorische ischämische Attacke (TIA) bezeichnet. Typischerweise dauern diese einige wenige Minuten und können rezidivieren (erneut auftreten).

Es ist wichtig zu betonen, dass eine TIA niemals unterschätzt werden sollte, da sie ein Warnsignal für einen drohenden Schlaganfall sein kann. Das Risiko, einen "richtigen" Schlaganfall zu erleiden, ist in den ersten 24 bis 48 Stunden nach einer TIA am größten.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursache einer TIA ist ein vorübergehender Verschluss einer Arterie des Gehirns, meist durch ein Blutgerinnsel. Dieses Gerinnsel kann sich beispielsweise im Bereich des Halses oder des Herzens bilden, sich lösen und über die Blutbahn ins Gehirn gelangen. Die meisten TIA’s resultieren aus einer Verengung der hirnversorgenden Arterien. Diese Blutgefäße sollten eigentlich die Hirnzellen mit Sauerstoff versorgen, beinhalten sie jedoch große Einlagerungen aus Fett und Zellen, den sogenannt „Plaques“, kommt es zu einer Minder- oder gar gänzlich fehlenden Versorgung der Hirnzellen. Diese „Plaques“ fördern die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben), welche die Arterie gänzlich verschließen können.

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Es gibt verschiedene Faktoren, die das TIA-Risiko erhöhen. Dazu gehören unter anderem:

  • Übergewicht und Adipositas
  • Ein gestörter Zuckerstoffwechsel (Diabetes mellitus)
  • Vorhofflimmern
  • Bluthochdruck
  • Hormonelle Verhütungsmittel wie die Anti-Baby-Pille
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Übermäßiger Alkoholkonsum

Symptome einer TIA

Eine TIA zeigt sich mit typischen akuten Symptomen, die auch bei einem Schlaganfall auftreten können. Dazu gehören:

  • Plötzliche Sehstörung auf einem oder beiden Augen
  • Gefühlsstörungen in Form von Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl in einem Arm, einem Bein oder einer Hälfte des Körpers
  • Lähmungserscheinungen in einem Bein, einem Arm oder einer Körperhälfte
  • Sprach- und Sprechstörungen
  • Plötzlich wird nur noch eine Hälfte wahrgenommen (z.B. beim Essen wird nur die rechte Seite des Tellers geleert, die linke bleibt unangetastet) dieser Ausfall wird auch Neglect genannt.
  • Schwindel, damit einhergehend: unsicherer Gang, Schwanken, Drehgefühl
  • Vorübergehendes Doppeltsehen
  • Einseitige Erblindung (Amaurosis fugax)
  • Plötzliche Lhämung oder Schwäche im Gesicht

Bei einer TIA treten all diese Symptome nur für einen kurzen Zeitraum auf und bilden sich dann vollständig wieder zurück. Bei manchen Betroffenen kann es während einer TIA zusätzlich zu Kopfschmerzen kommen. Ansonsten verläuft die TIA in der Regel völlig ohne Schmerzen.

Um selbst einen Schlaganfall festzustellen, gibt es heutzutage einen Schnellcheck, den man bei sich selbst oder besser noch bei seinem Gegenüber durchführen kann: FAST. F steht für Face, Gesicht, d.h. man bittet seinem Gegenüber zu lächeln und sieht ob die Mundwinkel auseinandergehen oder ob ein Mundwinkel herunterhängt. Das wäre schon ein Zeichen für einen Schlaganfall. A steht für Arm, d.h. man bittet seinem Gegenüber die Arme nach vorne zu heben mit der Handfläche nach oben. Kann er vielleicht gar nicht einen Arm heben oder sinkt ein Arm wieder ab, ist das ein Hinweis auf einen Schlaganfall. S steht für Sprache, d.h. man bittet seinem Gegenüber einen zusammenhängenden Satz zu sagen und hört sich an, ob es Wortveränderungen da gibt oder ob der Satz verwaschen klingt. All diese drei Punkte könne Hinweise auf einen Schlaganfall sein. Trifft einer oder mehrerer dieser Punkte zu, dann kommt T wie Time, wie Zeit ins Spiel, d.h. Zeit ist Gehirn.

Diagnose und Behandlung

Eine TIA ist ein medizinischer Notfall. Betroffene sollten umgehend den Notruf wählen, damit sie schnellstmöglich in einem Krankenhaus untersucht und behandelt werden können. Dort werden sie meist auf eine Spezialstation gebracht, die sogenannte Stroke Unit, wo abgeklärt wird, woher die Symptome stammen und worum es sich handelt.

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Wenn die Symptome noch bestehen, ist zunächst von einem Schlaganfall auszugehen. Haben sich die Symptome bereits zurückgebildet, wenn der oder die Betroffene in der Klinik eintrifft, müssen sich Ärzte und Ärztinnen hauptsächlich auf die genauen Angaben der Betroffenen oder ihrer Angehörigen verlassen, die die Symptome schildern.

Eine bereits rückgebildete TIA sowie dadurch möglicherweise entstandene Veränderungen des Hirngewebes lassen sich durch bildgebende Verfahren, wie zum Beispiel eine Kernspintomografie (MRT), nur dann feststellen, wenn sie länger als einige Minuten andauerten. In der einfachen Computertomografie (CT) finden sich meist keine Auffälligkeiten.

Beide Verfahren bieten jedoch die Möglichkeit, Gefäßverschlüsse durch MR-Angiografie oder CT-Angiografie nachzuweisen - was wichtig ist, wenn deutliche Schlaganfallsymptome bestehen. Auch mithilfe eines Ultraschalls können Fachleute die Arterien untersuchen, die das Gehirn versorgen.

Im Akutfall, bei noch bestehenden Symptomen, werden die betreuenden Ärzte und Ärztinnen das strukturierte Vorgehen einer Schlaganfallbetreuung wählen. Das heißt, es ist schnellstmöglich zu klären, ob der Patient oder die Patientin für eine gerinnselauflösende medikamentöse Behandlung (sogenannte Lyse) und/oder für die mechanische Entfernung des Gerinnsels mittels Katheter in einem spezialisierten Zentrum (Thrombektomie) in Frage kommt.

Da bei einer TIA meist kleinere Blutgerinnsel die Hirnarterien blockieren, die sich selbst auflösen, können die Patienten beim Eintreffen in der Klinik wieder asymptomatisch sein. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer TIA einen gefährlichen Schlaganfall zu erleiden, ist erhöht. Daher geht es bei der Behandlung insbesondere darum, die individuellen Risikofaktoren für einen Schlaganfall festzustellen und zu verringern. Dazu gehört zum Beispiel, die Therapie einer eventuell bestehenden Diabetes-Erkrankung zu überprüfen, erhöhten Blutdruck zu senken oder andere Erkrankungen, die das Schlaganfall-Risiko steigern, zu behandeln.

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Prävention

Es gibt eine Reihe von Schlaganfall-Risikofaktoren, die man selbst beeinflussen kann:

  • Reduzieren Sie möglicherweise bestehendes Übergewicht.
  • Geben Sie das Rauchen auf.
  • Trinken Sie keinen oder nur sehr wenig Alkohol.
  • Vermeiden Sie Dauerstress.
  • Setzen Sie auf eine ausgewogene Ernährung: Essen Sie abwechslungsreich mit viel Gemüse und Obst und lassen Sie sich gegebenenfalls individuell beraten.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig und treiben Sie Sport: Fachleute empfehlen Risikopatienten und -patientinnen mindestens 150 Minuten mäßige oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche.
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt wahrnehmen, um Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Bei Vorhofflimmern eine gerinnungshemmende Therapie durchführen, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.
  • Bei einer Verengung der Halsschlagader (Karotisstenose) eine Operation oder eine Katheterbehandlung in Erwägung ziehen, um das Risiko eines Schlaganfalls zu senken.

Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Die Rehabilitation von Patienten mit zerebrovaskulärer Insuffizienz beginnt idealerweise postakut in spezialisierten Behandlungszentren, sogenannten Stroke Units. Die Ausführung für den Rehabilitationsverlauf ist maßgeblich mitverantwortlich. Im Zentrum der neurologischen Rehabilitation stehen vor allem die Wiederherstellung verlorengegangener Funktionen und die Kompensation von bleibenden Defiziten.

So werden beispielsweise zur Wiederherstellung der Gehfähigkeit mit Physiotherapeuten Gangmuster eingeübt. Die Bedeutung einer gezielten Logopädie bereits in der Frühphase und über einen langen Zeitraum wird häufig unterschätzt und nur laienhaft angegangen.

Entscheidend ist, wie es dem Patienten geht. Hat der Patient noch Defizite, dann gehört er selbstverständlich in einer Rehabilitationsbehandlung, um seine Defizite weiterzubearbeiten. Ziel muss es immer sein, der Mensch muss in sein soziales Umfeld, also in seine Familie und möglichst auch in sein berufliches Umfeld wieder zurück. Das beinhaltet nicht nur die Mobilisation, die Rehabilitation durch Krankengymnastik, Logopädie und Ergotherapie, sondern das beinhaltet auch psychologische Mitbetreuung, da viele Schlaganfallpatienten eine sogenannte Depression entwickeln.

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