Tinnitus nach Meningitis: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Eine Meningitis, auch bekannt als Hirnhautentzündung, ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, die durch verschiedene Erreger wie Bakterien oder Viren verursacht wird. Neben den typischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteifheit kann diese Erkrankung auch bleibende Schäden im Bereich des Gehörs und der Ohren hinterlassen. Eine der häufigsten Folgen einer Meningitis ist Taubheit, insbesondere bei Kindern unter 3 Jahren. Man rechnet damit, dass Taubheit bei Kindern unter 3 Jahren in circa 20 % der Fälle auf einen durch Hirnhautentzündung verursachten Hörverlust zurückzuführen ist. Der oft vollständige Verlust des Gehörs wird durch eine Schädigung des Hörnervs oder der Hörschnecke verursacht.

Ein Tinnitus, ein ständiges oder intermittierendes Ohrgeräusch, ist eine weitere häufige Folge von Meningitis. Die Entzündung kann das Innenohr schädigen und Störungen in der Signalübertragung an das Gehirn verursachen.

Ursachen von Tinnitus nach Meningitis

Die genauen Mechanismen, die zu Tinnitus nach Meningitis führen, sind noch nicht vollständig verstanden. Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die eine Rolle spielen können:

  • Schädigung des Innenohrs: Die Entzündung durch die Meningitis kann die empfindlichen Gewebe im Innenohr angreifen. Schäden an der Cochlea (Hörschnecke) und dem Vestibularsystem (Gleichgewichtsorgan) können nicht nur das Hören, sondern auch das Gleichgewicht beeinflussen.
  • Schädigung des Hörnervs: Die Entzündung kann auch den Hörnerv schädigen, der für die Übertragung von Schallsignalen vom Innenohr zum Gehirn verantwortlich ist.
  • Labyrinthitis: Eine Labyrinthitis, eine Infektion des Innenohrs, kann als Komplikation einer Meningitis auftreten. Die meningogene Genese der Labyrinthitis führt fast immer zum Ausfall des Labyrinths. Die Mehrzahl der Patienten mit (infektiöser) Labyrinthitis sind Säuglinge und Kleinkinder.
  • Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Meningitis eingesetzt werden, können ototoxisch sein, d.h. sie können das Gehör schädigen und Tinnitus verursachen.

Arten von Tinnitus

Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten von Tinnitus unterschieden:

  • Subjektiver Tinnitus: Hierbei handelt es sich um die Wahrnehmung von Geräuschen ohne Vorhandensein einer externen oder körpereigenen Schallquelle.
  • Objektiver Tinnitus: Dieser ist seltener und kann von anderen Personen gehört werden.

Symptome von Tinnitus nach Meningitis

Tinnitus kann sich auf verschiedene Weise äußern. Die Geräusche können als Pfeifen, Rauschen, Summen, Klingeln oder Knacken wahrgenommen werden. Sie können ein- oder beidseitig auftreten und in ihrer Intensität variieren.

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Weitere mögliche Symptome nach Meningitis sind:

  • Hörverlust: Ein teilweiser oder vollständiger Hörverlust ist eine häufige Folge von Meningitis.
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen: Die Entzündung kann das Vestibularsystem stören, was zu Schwindel, Unsicherheiten beim Gehen und Gleichgewichtsstörungen führen kann.
  • Druckgefühle im Ohr: Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr oder Schädigungen im Innenohr können Druckgefühle im Ohr verursachen.

Diagnose von Tinnitus nach Meningitis

Um die Ursache von Tinnitus nach Meningitis zu ermitteln und geeignete Behandlungsmaßnahmen einzuleiten, sind verschiedene diagnostische Untersuchungen erforderlich:

  • Audiologische Untersuchung: Ein Hörtest (Audiogramm) dient dazu, das Hörvermögen zu überprüfen und eventuelle Hörverluste zu identifizieren.
  • Tinnitus-Analyse: Hierbei werden die Eigenschaften des Tinnitus (Frequenz, Lautstärke, Art des Geräusches) genauer bestimmt.
  • Gleichgewichtsprüfung: Diese Untersuchung dient dazu, Störungen des Vestibularsystems festzustellen.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT) eingesetzt werden, um andere Ursachen für den Tinnitus auszuschließen.

Behandlung von Tinnitus nach Meningitis

Die Behandlung von Tinnitus nach Meningitis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Ursache und Schweregrad des Tinnitus eingesetzt werden können:

  • Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die Symptome des Tinnitus zu lindern. Dazu gehören beispielsweise durchblutungsfördernde Mittel, Antidepressiva oder Antikonvulsiva.
  • Hörgeräte: Bei Tinnitus in Verbindung mit Hörverlust können Hörgeräte eine effektive Lösung darstellen. Moderne Hörgeräte sind in der Lage, verschiedene Arten von Hörverlust zu kompensieren und den Betroffenen zu helfen, ihren Alltag zu meistern.
  • Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT): Diese Therapie zielt darauf ab, die Wahrnehmung des Tinnitus zu verändern und die Reaktion darauf zu reduzieren. Sie umfasst eine ausführliche Beratung und die Anpassung eines Geräuschgenerators, der ein leises Rauschen erzeugt, um den Tinnitus zu überdecken.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Die KVT kann helfen, negative Gedanken und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem Tinnitus zu identifizieren und zu verändern.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Symptome des Tinnitus zu lindern.
  • Cochlea-Implantate: In bestimmten Fällen, insbesondere bei schwerem Hörverlust, können Cochlea-Implantate in Erwägung gezogen werden, um eine bessere Hörleistung zu ermöglichen.
  • Assistive Listening Devices (ALDs): ALDs bieten zusätzliche Unterstützung in Situationen, in denen Hintergrundgeräusche besonders störend sind.
  • Psychologische Unterstützung: Psychologische Unterstützung spielt eine wichtige Rolle, um die emotionalen Herausforderungen zu bewältigen, die mit den Ohrproblemen einhergehen.

Rehabilitation und Anpassung

Neben der medizinischen Behandlung ist eine umfassende Rehabilitation entscheidend, um Betroffenen zu helfen, mit den Folgen der Meningitis und den damit verbundenen Ohrproblemen umzugehen. Sprachtherapie und Hörtraining können dabei helfen, die Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und den Umgang mit Hörproblemen zu erleichtern.

Prävention von Meningitis

Die beste Möglichkeit, Tinnitus und andere Ohrprobleme nach Meningitis zu vermeiden, ist die Prävention der Erkrankung selbst. Es gibt verschiedene Impfstoffe gegen Meningitis-Erreger wie Pneumokokken, Meningokokken, Masern, Mumps und Windpocken sowie Haemophilus Influenza. Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt Impfungen gegen bestimmte Meningitis-Erreger für Kinder und Jugendliche.

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