Ein Tinnitus, oft als Klingeln, Pfeifen oder Rauschen im Ohr wahrgenommen, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Viele Menschen in Deutschland leiden darunter, wobei die Ohrgeräusche entweder vorübergehend verschwinden oder dauerhaft bestehen bleiben können. Obwohl ein Tinnitus viele Ursachen haben kann, wird in diesem Artikel der Fokus auf den Zusammenhang zwischen einem eingeklemmten Nerv und Tinnitus gelegt.
Was ist Tinnitus?
Tinnitus ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Es äußert sich durch Ohrgeräusche, die von Betroffenen als Pfeifen, Summen, Brummen, Zischen oder Rauschen wahrgenommen werden. Die Intensität und Art des Geräusches können variieren und sowohl auf einem als auch auf beiden Ohren auftreten.
Ursachen von Tinnitus
Die Ursachen für Tinnitus sind vielfältig. Zu den häufigsten gehören:
- Lärmbelastung: Konstante Lärmbelastung, wie sie beispielsweise an lauten Arbeitsplätzen vorkommt, kann die feinen sensorischen Haarzellen im Innenohr schädigen und einen Tinnitus auslösen.
- Hörsturz: Ein plötzlicher Hörverlust, oft auf einem Ohr, kann mit Tinnitus einhergehen.
- Ohrenentzündungen: Entzündungen im Ohr können ebenfalls zu Ohrgeräuschen führen.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems können sich auch auf das Gehör auswirken und Tinnitus verursachen.
- Seelische Belastung: Stress und psychische Belastungen können ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung von Tinnitus spielen.
- Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Fehlregulationen im Kiefergelenk können ebenfalls Tinnitus verursachen.
Der Zusammenhang zwischen Nackenverspannungen und Tinnitus
Eine oft übersehene Ursache für Tinnitus sind Verspannungen im Nackenbereich. Es besteht eine direkte Nervenverbindung von den Rezeptoren in den Nackenmuskeln zum Hörsystem im Gehirn. Dauerspannung im Nacken kann sich auf das Gehör übertragen. Verspannte Muskeln können außerdem die hirnversorgenden Arterien einengen, was ebenfalls zu einem Ohrgeräusch führen kann.
Wie Nackenverspannungen Ohrgeräusche verursachen können:
- Nervenreizungen: Verspannungen der Hals-, Nacken- und Schultermuskeln können zu Nervenreizungen und einer Art Kurzschluss im Stammhirn führen. Dies kann die Wahrnehmung von Misstönen in den Ohren auslösen und auch zu Schwindel führen.
- Überreizung des Gehirns: Eine unkorrekte oder einseitige Belastung der Wirbelsäule, beispielsweise durch falsche Haltung oder das Anheben schwerer Lasten, kann dazu führen, dass die Nerven ständig Signale an das Gehirn senden. Diese Überreizung kann sich auf die in räumlicher Nähe befindlichen Nervengruppen des Gehörs (Nucleus cochlearis) übertragen und einen Tinnitus auslösen.
- Beeinträchtigung der Blutversorgung: Angespannte Muskeln können die Blutgefäße verengen, die in der Nähe der Halswirbelsäule verlaufen und für die Blutversorgung der Hirnnerven verantwortlich sind. Die Verspannungen der Halswirbelsäule könnten daher den Blutfluss zu den Hirnnerven beeinträchtigen und auf diese Weise den Tinnitus hervorrufen.
Somatosensorischer Tinnitus
Ohrgeräusche, die im Zusammenhang mit Funktionsstörungen der Nerven, Muskeln oder Gelenke von Kopf, Hals oder Nacken stehen, werden als "somatosensorischer Tinnitus" bezeichnet. Typische Diagnosen für solche Störungen wären das sogenannte „HWS-Syndrom“ oder die „craniomandibuläre Dysfunktion“ (CMD).
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Symptome eines somatosensorischen Tinnitus
- Verspannter, „steifer“ Nacken
- Nackenschmerzen
- Schmerzen in der Schulter
- Schmerzen bei Kopfbewegungen
- Kieferbeschwerden wie Zähneknirschen, eine verspannte Kaumuskulatur oder „Kiefergelenk-Knacken“
Diagnose
Um die Ursache eines Tinnitus zu ermitteln, ist eine umfassende Abklärung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) oder einen Allgemeinmediziner erforderlich. Dieser wird zunächst die Krankengeschichte erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen.
Mögliche Untersuchungen
- Hörtest: Um festzustellen, ob eine Schwerhörigkeit vorliegt.
- Tinnitus-Analyse: Um die Lautstärke und Frequenz des Tinnitus zu bestimmen.
- Untersuchung der Halswirbelsäule: Um Verspannungen oder Blockaden festzustellen.
- Bildgebende Verfahren: In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT erforderlich sein, um andere Ursachen auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung von Tinnitus richtet sich nach der Ursache. Wenn ein eingeklemmter Nerv oder Verspannungen im Nackenbereich als Ursache identifiziert werden, können folgende Maßnahmen helfen:
- Physiotherapie: Gezielte Übungen und manuelle Therapie können helfen, Verspannungen zu lösen, die Körperhaltung zu verbessern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule wiederherzustellen. Besonders geeignet sind die Physiotherapie, Osteopathie und Chirotherapie.
- Wärmeanwendungen: Wärmen Sie den Schulter-Nackenbereich z.B. mit einem Kirschkernsäckchen oder mit einem Moornackenkissen. Auch ein Saunabesuch entspannt die Muskulatur bis in die Tiefe. Ein warmes Bad oder eine heiße Dusche sind ebenfalls sehr empfehlenswert.
- Entspannungsübungen: Stressabbau und Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, die Muskelspannung zu reduzieren und den Tinnitus zu lindern.
- Manuelle Therapie: Bei akuten Nackenschmerzen und anderen Beschwerden, die auf ein HWS-Syndrom zurückgeführt werden können, ist es ratsam, die Halswirbelsäule wieder zu mobilisieren und die Schmerzen zu reduzieren, sodass Sie schnell aus einer Schonhaltung herauskommen. Dabei helfen Dehnübungen, Übungen aus der Rückenschule und ein gezieltes Training der Nackenmuskulatur unter ärztlicher oder physiotherapeutischer Aufsicht. Achten Sie darauf, stets mit kontrollierten, langsamen Bewegungen zu trainieren und abrupte Drehungen des Kopfes zu vermeiden.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel zur Linderung von Nackenschmerzen eingesetzt werden.
- Aufbissschiene: Zahnärzte oder Kieferorthopäden verpassen Tinnitus-Betroffenen gern eine Aufbissschiene (auch als „Beißschiene“, „Zahnschiene“ oder „Knirscherschiene“ bekannt). Bei deutlichen Anzeichen von Zähneknirschen wie einer übermäßigen Abnutzung der Zähne macht eine solche Schiene Sinn.
Weitere Tipps zur Selbsthilfe
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung, insbesondere Übungen zur Dehnung und Kräftigung der Nackenmuskulatur, können helfen, Verspannungen vorzubeugen.
- Ergonomie: Achten Sie auf eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, um Fehlhaltungen zu vermeiden.
- Stressmanagement: Finden Sie gesunde Wege, um mit Stress umzugehen, beispielsweise durch Sport, Entspannungstechniken oder Hobbys.
- Vermeidung von Lärm: Schützen Sie Ihre Ohren vor lauten Geräuschen, indem Sie beispielsweise bei Konzerten oder an lauten Arbeitsplätzen einen Gehörschutz tragen.
- Sound-Enrichment-Therapie: Hierzu sind u. a. an die Natur angelehnte, möglichst kontinuierliche Geräusche, wie etwa das Rauschen eines Baches oder Wasserfalls oder das Geräusch von Regen, geeignet. Das Spektrum dieser Geräusche sollte möglichst breit sein. Diese Hilfsmittel stimulieren das Gehör stetig und helfen, die Lautstärke des Tinnitus zu reduzieren. In einigen Fällen können sie die Ohrgeräusche sogar ganz verschwinden lassen. Eine weitere Möglichkeit sind spezielle Hörgeräte, die sogenannten Tinnitus Noiser. Diese Hörgeräte erzeugen einen Ton, der den Klang des Tinnitus akustisch überdeckt.
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