TMS-Therapie bei Schlaganfall: Studien, Fortschritte und Zukunftsperspektiven

Ein Schlaganfall tritt plötzlich und oft ohne Vorwarnung auf, aber seine Folgen können langwierig sein und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) hat sich als vielversprechende Behandlungsmethode für Schlaganfallpatienten herauskristallisiert. Dieser Artikel beleuchtet die TMS-Therapie, einschliesslich aktueller Studien, der Funktionsweise, der Anwendung und der möglichen Zukunftsperspektiven.

Was ist TMS?

TMS ist eine nicht-invasive Methode, bei der starke Magnetfelder eingesetzt werden, um bestimmte Bereiche des Gehirns zu stimulieren. Die Magnetfelder induzieren schwache elektrische Ströme in den Nervenzellen der Hirnrinde, was zu einer therapeutischen Wirkung führen kann. Die Behandlung ist schmerzfrei und dauert in der Regel bis zu 30 Minuten pro Sitzung.

Studienlage und Evidenz

Die Forschung zur TMS bei Schlaganfall hat in den letzten Jahren zugenommen. Es gibt über 50 publizierte Studien, die den Erfolg der TMS belegen. Eine Auswahl relevanter Studien und Leitlinien umfasst:

  • Lefaucheur et al. (2014): Evidence-based guidelines on the therapeutic use of repetitive transcranial magnetic stimulation (rTMS).
  • Platz (2011): Rehabilitative Therapie bei Armparese nach Schlaganfall. S2e-Leitlinien der DGNR - Langversion.
  • Canadian stroke best practice recommendations: Stroke rehabilitation practice guidelines, update 2015.
  • Guidelines for Adult Stroke Rehabilitation and Recovery: A Guideline for Healthcare Professionals From the American Heart Association/American Stroke Association.

Diese Studien und Leitlinien deuten darauf hin, dass TMS eine Verbesserung von Schlaganfallsymptomen, insbesondere der Funktionsfähigkeit von Armen und Händen, begünstigen kann.

Wie funktioniert TMS bei Schlaganfall?

Nach einem Schlaganfall kommt es zu Veränderungen in den Hirnnetzwerken. Einige Hirnareale können überaktiv werden und andere in ihrem Heilungsprozess stören. TMS kann helfen, diese Veränderungen zu modulieren und die Reorganisation neuronaler Netzwerke zu fördern.

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Die TMS-Therapie zielt darauf ab, die betroffenen Hirnnetzwerke nach einem Schlaganfall zu modulieren und neurologische Störungen über den Effekt von Trainingsmethoden hinaus zu lindern. Durch die Stimulation von Nervenzellen in der Hirnrinde können Aktionspotenziale ausgelöst werden, die die Zellmembran reizen und die Signalweiterleitung verbessern.

Personalisierte TMS-Therapie

Ein vielversprechender Ansatz ist die personalisierte TMS-Therapie, bei der die Stimulation exakt auf den Hirnzustand des Patienten abgestimmt wird. Ein Elektroenzephalogramm (EEG) analysiert den momentanen Erregungszustand des Gehirns in Echtzeit und ermöglicht so, die Magnetimpulse zum optimalen Zeitpunkt zu setzen.

Die Kombination von bildgebenden Verfahren wie MRT oder EEG mit TMS ermöglicht es, die Hirnareale zu identifizieren, die am meisten von einer TMS-Neurostimulation profitieren können. Konnektivitätsanalysen spielen dabei eine wichtige Rolle, um die Auswirkungen des Schlaganfalls auf zerebrale Netzwerke zu untersuchen und zu verstehen, warum sich einige Patienten besser erholen als andere.

TMS in Kombination mit anderen Therapien

Eine TMS-Therapie muss grundsätzlich mit einer physiotherapeutischen Behandlung kombiniert werden. Die magnetische Hirnstimulation zeigt sich in der therapeutischen Praxis besonders effektiv, wenn sie unmittelbar vor einer Physio- und Ergotherapie durchgeführt wird. Dadurch soll ein anschliessend durchgeführtes motorisches Training eine verbesserte Erholung der Bewegung erzielen.

Anwendung von TMS in der Schlaganfallrehabilitation

Die Anwendung von TMS in der Rehabilitation nach Schlaganfall bezieht sich bislang vornehmlich auf Patienten mit erstmaligem Schlaganfall. Patienten mit erneuten zerebralen Infarkten steht aktuell lediglich intensive Physiotherapie und Ergotherapie zur Verbesserung eines motorischen Funktionsdefizits zur Verfügung.

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Eine Studie untersucht, ob eine Magnetstimulation über 8 Tage in Kombination mit einem darauf folgenden physiotherapeutischen Training zu einer besseren motorischen Erholung führt als eine Physiotherapie nach Kontrollstimulation (Stimulation ohne Wirkung auf den Zielort).

Mögliche Nebenwirkungen und Einschränkungen

In wenigen Fällen können leichte Kopfschmerzen nach der Behandlung auftreten. Kontraindikationen für eine TMS-Behandlung sind unter anderem:

  • Metallische oder elektronische Implantate im Kopf- oder Halsbereich
  • Epilepsie
  • Einnahme von Medikamenten, die die Krampfschwelle senken

Kosten und Verfügbarkeit

Derzeit wird die Behandlung nicht regelhaft von den Krankenkassen erstattet, da es sich um eine neuartige Therapiemethode handelt. Die Kosten für eine TMS-Therapie können je nach Anbieter und Umfang der Behandlung variieren.

Die TMS-Therapie wird in einigen neurologischen Kliniken und spezialisierten Zentren angeboten. Eine umfassende Untersuchung ist notwendig, um eine individuelle Therapieempfehlung zu geben.

Forschungsprojekte und Studien

Mehrere Forschungsprojekte und Studien beschäftigen sich mit der Anwendung von TMS bei Schlaganfall. Ein Beispiel ist die STROKEBOSS-Studie des Hertie-Instituts für Klinische Hirnforschung und der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen, die eine neue Therapie zur Behandlung von Schlaganfallgeschädigten entwickelt, welche die motorischen Funktionen und durch Spastik bedingte Einschränkungen verbessert.

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Die Abteilung Neurologie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften führt ebenfalls eine Studie durch, in der eine neue Schlaganfalltherapie getestet wird, die zwei Technologien kombiniert: magnetische Felder über dem Kopf und Computertraining.

Die Rolle der künstlichen Intelligenz (KI)

Künstliche Intelligenz (KI) könnte künftig massgeblich dazu beitragen, die Behandlungsergebnisse nach einem Schlaganfall zu verbessern. Durch die Nutzung einer stetig wachsenden Menge an patientenbezogenen Daten mithilfe der KI können Algorithmen-basierte Ergebnisvorhersagen zum individuellen Verlauf eines Schlaganfalls berechnet werden.

KI kann auch dazu beitragen, Muster von Nervenzell-Aktivitäten sowie Netzwerkkonfigurationen aus den Abermillionen Daten der Hirnstrommessung zu erkennen und eine Vorhersage einzelner Wellen der EEG zu entwickeln, die eine bestimmte Nervenzelltätigkeit darstellen, die genau im richtigen Moment gezielt durch den Einsatz der Magnetfelder verstärkt oder heruntergedimmt werden soll.

Zukunftsperspektiven

Die TMS-Therapie hat das Potenzial, die Schlaganfallrehabilitation in Zukunft massgeblich zu verbessern. Mit der Weiterentwicklung der Technologie und der zunehmenden Forschungsergebnisse könnte TMS zu einem festen Bestandteil der Standardbehandlung nach Schlaganfall werden.

Ein Sprung in die Präzisionsmedizin mit maximal individualisierten Therapieansätzen steht bevor. Durch die Nutzung von KI und Neuroimaging können Therapien individuell angepasst und die Rehabilitationszeit verkürzt werden, ohne dabei Abstriche bei den Behandlungsergebnissen machen zu müssen.

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