Die Wechselwirkung zwischen Tonic Water, seinen Inhaltsstoffen und Epilepsie ist ein komplexes Feld, das sowohl medizinische als auch gesellschaftliche Aspekte berührt. Tonic Water, bekannt für seinen Chiningehalt, wird oft als harmloses Erfrischungsgetränk wahrgenommen. Die folgenden Abschnitte beleuchten verschiedene Perspektiven und wissenschaftliche Erkenntnisse, um ein umfassendes Bild zu vermitteln.
Tonic Water als Bestandteil von Longdrinks und Alternativen
Der Genuss von Longdrinks ist weit verbreitet, und Tonic Water ist ein häufiger Bestandteil. Angesichts des steigenden Gesundheitsbewusstseins suchen viele Menschen nach alkoholfreien Alternativen. Ein Beispiel hierfür ist "Sentia Black", eine Mischung aus funktionellen Pflanzenstoffen, die auf Konzentration und Geselligkeit abzielt. In Geschmackstests wurde Sentia Black pur als wenig schmackhaft empfunden, entfaltete aber in Kombination mit Tonic Water ein "festliches und erwachsenes" Aroma. Die Wirkung auf Konzentration und Geselligkeit blieb jedoch fraglich, und der hohe Preis von etwa 40 Euro pro Flasche wirft Fragen nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis auf.
GABA und seine Rolle im Gehirn
Die Wirkstoffe in Sentia Black sollen die Freisetzung von γ-Aminobuttersäure (GABA) stimulieren. GABA ist ein Neurotransmitter, der die Gehirnaktivität verlangsamt und eine wichtige Rolle bei Schlaf, Entspannung, Angstzuständen, Epilepsie, Parkinson und Blutdruck spielt. GABA ist somit zu einem Schlagwort in Gesundheits- und Wellnesskreisen geworden, oft begleitet von Verwirrung und Fehlinformationen.
GABA als körpereigenes Beruhigungsmittel
GABA ist eine natürliche Substanz, die vom Körper selbst produziert wird. Es kommt in vielen Lebensmitteln vor, insbesondere in Kreuzblütlern wie Brokkoli und Grünkohl, fermentierten Speisen wie Kimchi und Tempeh sowie in bestimmten Kräutern. Der Verkauf von reinem GABA ist in der EU und im Vereinigten Königreich wegen Missbrauchsgefahr verboten, in den USA und Japan jedoch legal. Dort sind zahlreiche GABA-Ergänzungsmittel sowie mit GABA angereicherte Lebensmittel erhältlich.
Laut Professor David Nutt vom Imperial College London, einem der Erfinder von Sentia Black, ist GABA der "Aus-Schalter des Gehirns". Gehirnaktivität besteht aus Neuronen, die ein- und ausgeschaltet werden, wobei Glutamat das Einschalten und GABA das Ausschalten bewirkt. GABA wird daher mit Beruhigung in Verbindung gebracht und kann helfen, Hemmungen in sozialen Situationen abzubauen.
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Alkoholalternativen und ihre Wirkungsweise
Sentia zielt darauf ab, die erste Phase eines Alkoholrausches nachzuahmen, das entspannte, "gesellige" Gefühl nach ein oder zwei Drinks, ohne die negativen Folgen wie Verlust des Urteilsvermögens, Schmerzreduzierung, Gedächtnisverlust und Abhängigkeit. Im Gegensatz zu Alkohol soll Sentia nicht zu einem zunehmenden Rausch führen, sondern den Konsumenten in einem "Sweet Spot" der Geselligkeit halten.
David Nutt betont, dass Sentia nicht den Alkohol nachahmen soll, sondern eine Alternative bieten soll, die nicht zu Trunkenheit, Sucht oder Kater führt. Seine Motivation stammt aus seiner langjährigen Erfahrung als Psychiater, in der er Menschen mit Alkoholproblemen behandelt hat. Angesichts steigender alkoholbedingter Todesfälle und einer wachsenden Zahl von Menschen, die auf Alkohol verzichten, besteht ein Bedarf an Alternativen.
Die Entwicklung von Sentia
David Nutt wurde 2009 als Regierungsberater für Drogenpolitik entlassen, nachdem er behauptet hatte, dass einige illegale Drogen weniger schädlich seien als legale wie Alkohol und Tabak. Seitdem forscht er an Alkoholalternativen und gründete 2019 das Unternehmen GABA Labs, das Sentia herstellt. Das Unternehmen hat in den letzten 10 Jahren 50 Moleküle hergestellt, die auf das GABA-System abzielen.
Das Forschungsteam untersuchte auch Pflanzen und Heilmittel aus westlicher, chinesischer und ayurvedischer Tradition, die mit Ruhe und Entspannung in Verbindung gebracht werden, wie Baldrian und Schlafbeere. Sentia ist eine Mischung aus natürlichen Inhaltsstoffen, von denen einige die GABA-Förderung unterstützen, andere dem Geschmack dienen.
Uneindeutige Erfahrungen mit Sentia
Die Erfahrungen mit Sentia sind unterschiedlich. Einige Anwender berichten von positiven Effekten, während andere keine Veränderung feststellen. Laut Nutt reagieren Frauen tendenziell positiver auf Sentia als Männer, möglicherweise aufgrund von Unterschieden im Hormonsystem oder einer geringeren Unempfindlichkeit durch früheren Alkoholkonsum. Studien zeigen, dass einige Inhaltsstoffe von Sentia GABA-Rezeptoren beeinflussen, und Experimente an Mäusen belegen, dass Sentia GABA im Verdauungstrakt erhöht. EEG-Scans zeigen Veränderungen im Gehirn, die mit Entspannung assoziiert sind.
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Weitere Alkoholalternativen
Neben Sentia gibt es weitere Alkoholalternativen auf dem Markt, wie Kin Euphorics aus den USA, Three Spirit und Impossibrew. Impossibrew wurde von Mark Wong gegründet, der aus gesundheitlichen Gründen auf Alkohol verzichten musste und in Zusammenarbeit mit einem Pharmakologen eine Alternative entwickelte, die traditionelle chinesische Kräuterheilmittel verwendet.
Medizinische Bedeutung von GABA
Die Steuerung des "Aus-Schalters" im Gehirn hat vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, die über die Nutzung als Mittel für alkoholähnliche Geselligkeit hinausgehen. Die neurologische Rolle von GABA wurde in den 1950er Jahren erkannt. Viele Medikamente zielen auf sein System ab, um Symptome wie Epilepsie, Angststörungen und Entzugserscheinungen zu behandeln. Auch Medikamente, die häufig gegen Schlafprobleme verschrieben werden, wirken durch die Verstärkung von GABA im Gehirn.
GABA-Nahrungsergänzungsmittel
GABA-Nahrungsergänzungsmittel aus dem Reformhaus behaupten, ähnliche Wirkungen zu erzielen, aber die Funktion von GABA im menschlichen Körper ist komplex, und die orale Wirksamkeit bleibt umstritten. Studien aus dem Jahr 2020 fanden nur begrenzte Belege für stressreduzierende Effekte bei direkter Aufnahme. Zudem passiert GABA kaum die Blut-Hirn-Schranke, weshalb Alternativen wie Sentia darauf setzen, die natürliche Aufnahme im Gehirn zu verbessern, anstatt direkt synthetisiertes GABA in den Körper zu geben.
Ungeklärte Wirksamkeit der GABA-Synthese
Die Wirksamkeit von GABA-Pillen und -Ergänzungen ist umstritten. Anekdotische Berichte bestätigen ihre Wirksamkeit, aber eine systematische Überprüfung von Studien aus dem Jahr 2020 fand "begrenzte Beweise für Stress und sehr begrenzte Beweise für den Nutzen der oralen GABA-Einnahme für den Schlaf". GABA spielt sicherlich eine Rolle beim Schlaf, aber die Präparate sind eine Art Lotterie, da die Dosierung und die tatsächliche Wirkung variieren können.
Laut Nutt könnte GABA auch auf einem anderen Weg wirken, indem es die Darmfunktion beeinflusst, da der Darm viele GABA-Rezeptoren besitzt. Eine Veränderung der Darmfunktion kann die Nerven beeinflussen, die vom Darm zum Gehirn führen, und somit auch das Gehirn. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass das Mikrobiom im Darm GABA zum Wachstum und zur Kommunikation zwischen verschiedenen Bakterien nutzt.
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GABA in Japan
In Japan wird seit Jahrzehnten auf GABA geschworen. GABA ist dort wie Vitamin C und wird von vielen japanischen Lebensmittelunternehmen zur Anreicherung ihrer Produkte verwendet. Es gibt GABA-Schokolade, angereichertes Bier und sogar Tomaten mit fünffacher GABA-Konzentration.
Eine Forschergruppe an der Universität Tsukuba hat eine Gaba-reiche Tomatensorte entwickelt, die nicht nur Stress abbauen und den Schlaf fördern, sondern auch die Elastizität der Haut erhalten und den Blutdruck senken soll.
Der Grat zwischen Entspannung und Einbildung
GABA hat tatsächliche und potenzielle Vorteile, und es sind weitere Forschungen erforderlich. Allerdings ist Vorsicht geboten, da viele Behauptungen über GABA wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sind. Um die entspannende Wirkung von Getränken wie Sentia wirklich zu bestätigen, wären gut durchdachte, placebokontrollierte Experimente erforderlich. Stattdessen gibt es oft nur subjektive Gefühle über das "Entspannen".
Photosensitive Epilepsie und Selbstinduktion
Ein spezifischer Aspekt der Epilepsie, der im Zusammenhang mit visuellen Reizen steht, ist die photosensitive Epilepsie. Diese Form der Epilepsie wird durch flackernde Lichter oder bestimmte Muster ausgelöst. In manchen Fällen kommt es zu einer Selbstinduktion von Anfällen, bei der die Betroffenen bewusst oder unbewusst visuelle Reize erzeugen, um einen Anfall auszulösen.
Selbstinduzierte Anfälle
Selbstinduzierte Anfälle wurden erstmals 1827 beschrieben. Studien zeigen, dass etwa ein Viertel der Patienten mit photosensibler Epilepsie selbstinduzierte Anfälle haben. Die Gründe für dieses Verhalten sind vielfältig. Bei einigen Patienten ist die Selbstinduktion ein unwillkürlicher Vorgang, während andere sie bewusst herbeiführen. Die Art der Anfälle kann ebenfalls variieren.
Behandlung und Prävention
Die Behandlung selbstinduzierter Anfälle gestaltet sich oft schwierig. Es gibt jedoch positive Effekte einer Verhaltenstherapie. Bei photosensibler Epilepsie werden Sonnenbrillen empfohlen, um die Reizwirkung des Lichts zu reduzieren. Medikamentös haben sich Clonazepam und Valproat als aussichtsreich erwiesen.
Tonic Water und Chinin: Ein möglicher Zusammenhang?
Tonic Water enthält Chinin, das in der Vergangenheit zur Behandlung von Muskelkrämpfen eingesetzt wurde. Allerdings wurde festgestellt, dass Chinin das Sterberisiko erhöhen kann, insbesondere bei langfristiger Einnahme hoher Dosen. Die Risiken von Chinin werden auf eine Verzögerung der Repolarisierung im Reizleitungssystem des Herzmuskels zurückgeführt, was zu Herzrhythmusstörungen führen kann.
Es gibt keine direkten Beweise dafür, dass der Chiningehalt in Tonic Water Epilepsie auslösen oder verschlimmern kann. Allerdings sollten Menschen mit Epilepsie und insbesondere solche mit photosensitiver Epilepsie ihren Konsum von Tonic Water und anderen chininhaltigen Getränken mit ihrem Arzt besprechen, um mögliche Risiken zu bewerten.