Die meisten Menschen verbinden Mandeln (auch Tonsillen genannt) mit starken Halsschmerzen, die bei einer Mandelentzündung auftreten. Tonsillen sind lymphatische Organe, die sich im Bereich der Mundhöhle und des Rachens befinden. Es gibt verschiedene Arten von Mandeln:
- Tonsilla pharyngea (Rachenmandel): Sie ist unpaar, also kommt nur ein Mal vor, und befindet sich am Rachendach (Epipharynx). Bei Kindern kann die Rachenmandel Ausgangspunkt sogenannter adenoider Vegetationen (umgangssprachlich auch Polypen genannt) sein. Bei einer sehr starken Vergrößerung der Rachenmandel kann es zu einer Behinderung des Luftstroms im Nasenrachenraum kommen.
- Tonsilla palatina (Gaumenmandel): Die Gaumenmandeln sind zwischen dem vorderen und hinteren Gaumenbogen lokalisiert. Sie sind paarig angelegt und bilden den wichtigsten Teil des Waldeyer’schen Rachenrings.
- Tonsilla lingualis (Zungenmandel): Die Zungenmandeln liegen am Zungengrund und sind Teil des Waldeyer’schen Rachenrings.
- Tonsilla tubaria (Tubenmandel): Sie befinden sich an den Seitenwänden des oberen Rachenabschnitts (Nasenrachen).
Die Tonsillen gehören zum Mukosa-assoziierten lymphatischen Gewebe, welches man auch mit MALT abkürzt. Auf ihnen findet man viele Vertiefungen, die Krypten, die der Vergrößerung der Oberfläche dienen. Dadurch ist die Oberfläche der Gaumenmandel beispielsweise sechs Mal so groß wie die Oberfläche der Schleimhaut des gesamten Oropharynx. Die Oberfläche ist mit einem mehrschichtigen Plattenepithel bedeckt. Die Tonsillen sind ein Teil des Immunsystems und ermöglichen die Abwehr von Erregern.
Ursachen geschwollener Zungenmandeln
Eine Schwellung der Zungenmandeln (Tonsilla lingualis) kann verschiedene Ursachen haben:
- Infektionen:
- Virale Infektionen: Erkältungs- oder Grippeviren, der Epstein-Barr-Virus (EBV, Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers) oder Coxsackie-Viren können eine Entzündung der Zungenmandeln verursachen.
- Bakterielle Infektionen: In seltenen Fällen können Bakterien wie Streptokokken oder Pneumokokken eine Zungenmandelentzündung auslösen.
- Superinfektion: Eine ursprünglich virale Infektion kann sich mit Bakterien überlagern (Superinfektion).
- Chronische Entzündung: Wenn das Gewebe der Zungenmandeln geschädigt ist, können sich dauerhaft Keime einnisten und eine chronische Entzündung verursachen.
- Reizung: Reizungen durch Rauchen, Alkohol oder scharfe Speisen können ebenfalls zu einer Schwellung der Zungenmandeln führen.
- Reflux: Aufsteigende Magensäure bei Reflux kann die Zungenmandeln reizen und entzünden.
- Entfernung der Rachenmandeln: Bei manchen Menschen vergrößern sich die Zungenmandeln, wenn die Rachenmandeln in jungem Alter entfernt wurden, da sie die Aufgaben der Rachenmandeln mitübernehmen.
- Tumore: In sehr seltenen Fällen kann eine Schwellung der Zungenmandeln durch einen Tumor verursacht werden.
- Allergien: Allergische Reaktionen können ebenfalls zu einer Schwellung der Zungenmandeln führen.
Symptome geschwollener Zungenmandeln
Die Symptome einer Schwellung der Zungenmandeln können vielfältig sein:
- Halsschmerzen: Insbesondere beim Schlucken können Schmerzen auftreten.
- Schluckbeschwerden: Das Schlucken kann erschwert sein.
- Kloßgefühl im Hals: Viele Betroffene beschreiben ein Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben.
- Veränderte Stimme: Die Stimme kann sich verändert und "kloßig" anhören, da der Kehlkopf zusammengedrückt wird, wenn die Zungenmandeln geschwollen sind.
- Ohrenschmerzen: Die Schmerzen können bis in die Ohren ausstrahlen.
- Mundgeruch: Bei einer chronischen Entzündung kann Mundgeruch auftreten.
- Geschwollene Lymphknoten: Die Lymphknoten am Hals können geschwollen und schmerzhaft sein.
- Fieber: Bei einer akuten Infektion kann Fieber auftreten.
- Allgemeines Krankheitsgefühl: Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen können ebenfalls auftreten.
- Appetitlosigkeit: Durch die Schmerzen und Schluckbeschwerden kann der Appetit reduziert sein.
Diagnose geschwollener Zungenmandeln
Die Diagnose einer Schwellung der Zungenmandeln erfolgt in der Regel durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt). Dieser wird zunächst eine Anamnese erheben, um die Krankengeschichte des Patienten zu erfassen. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt den Mund- und Rachenraum inspiziert. Da die Zungenmandeln am Zungengrund liegen, sind sie oft nicht einfach zu erkennen. Daher kann der Arzt spezielle Endoskope verwenden, um die Zungenmandeln zu beurteilen.
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Weitere diagnostische Maßnahmen können sein:
- Rachenabstrich: Um festzustellen, ob eine bakterielle Infektion vorliegt, kann ein Rachenabstrich genommen und im Labor untersucht werden.
- Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf eine Entzündung oder eine andere Erkrankung geben.
- Allergietest: Bei Verdacht auf eine Allergie kann ein Allergietest durchgeführt werden.
- Bildgebende Verfahren: In seltenen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein, um die Ursache der Schwellung abzuklären.
Behandlung geschwollener Zungenmandeln
Die Behandlung einer Schwellung der Zungenmandeln richtet sich nach der Ursache.
- Virale Infektionen: Bei einer viralen Infektion ist in der Regel keine spezifische Behandlung erforderlich. Die Symptome können mit Hausmitteln und Schmerzmitteln gelindert werden.
- Bakterielle Infektionen: Bei einer bakteriellen Infektion werden Antibiotika eingesetzt.
- Chronische Entzündung: Bei einer chronischen Entzündung können verschiedene Maßnahmen helfen, die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Dazu gehören:
- Gurgeln mit Salzwasser oder antiseptischen Lösungen.
- Vermeidung von Reizstoffen wie Rauchen und Alkohol.
- Behandlung von Reflux.
- In schweren Fällen kann eine operative Entfernung der Zungenmandeln (Tonsillektomie) in Erwägung gezogen werden.
- Allergien: Bei einer allergischen Reaktion werden Antihistaminika oder andere antiallergische Medikamente eingesetzt.
- Tumore: Tumore müssen in der Regel operativ entfernt werden.
Hausmittel und unterstützende Maßnahmen
Zusätzlich zu den oben genannten Behandlungen können folgende Hausmittel und unterstützende Maßnahmen helfen, die Symptome zu lindern:
- Ausreichend trinken: Viel trinken, insbesondere Wasser und Tee, hilft, die Schleimhäute feucht zu halten und das Schlucken zu erleichtern.
- Schonen: Körperliche Anstrengung sollte vermieden werden, um den Körper zu schonen und die Heilung zu fördern.
- Gurgeln: Gurgeln mit Salzwasser oder Kamillentee kann helfen, die Entzündung zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
- Lutschtabletten: Lutschtabletten mit antiseptischen oder entzündungshemmenden Wirkstoffen können ebenfalls helfen, die Symptome zu lindern.
- Halswickel: Halswickel können entweder warm oder kalt angewendet werden, je nachdem, was als angenehmer empfunden wird.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden.
Vorbeugung geschwollener Zungenmandeln
Es gibt keine spezifischen Maßnahmen, um einer Schwellung der Zungenmandeln vorzubeugen. Allerdings können folgende allgemeine Maßnahmen helfen, das Risiko von Infektionen und Entzündungen im Mund- und Rachenraum zu reduzieren:
- Gute Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen und die Verwendung von Zahnseide helfen, Bakterien und Viren im Mundraum zu reduzieren.
- Händewaschen: Häufiges Händewaschen, insbesondere nach dem Kontakt mit anderen Menschen oder Gegenständen, hilft, die Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern.
- Vermeidung von Reizstoffen: Rauchen und Alkohol sollten vermieden werden, da sie die Schleimhäute im Mund- und Rachenraum reizen können.
- Stärkung des Immunsystems: Eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung helfen, das Immunsystem zu stärken und das Risiko von Infektionen zu reduzieren.
- Impfungen: Impfungen gegen bestimmte Krankheiten wie Grippe oder Pneumokokken können helfen, das Risiko von Infektionen im Mund- und Rachenraum zu reduzieren.
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