Training beginnt im Gehirn: Grundlagen und Anwendung der Neuroathletik

Die Welt des Sports entwickelt sich ständig weiter, und mit ihr die Trainingsmethoden, die Athleten anwenden, um ihre Leistung zu optimieren. Ein relativ neuer, aber vielversprechender Ansatz ist die Neuroathletik, die sich auf die Bedeutung des Gehirns für die Bewegung und sportliche Leistung konzentriert. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen des Neuroathletiktrainings, seine Funktionsweise und seine potenziellen Vorteile für Sportler aller Leistungsstufen.

Was ist Neuroathletik?

Neuroathletik, auch neurozentriertes Training genannt, revolutioniert die Trainingslehre im Sport. Die grundlegende Idee ist, dass jede Bewegung im Gehirn beginnt und nicht im Muskel. Sportwissenschaftler Lars Lienhard hat ein Sportkonzept entwickelt, das sich in erster Linie mit neuronalen Prozessen beschäftigt. Neuroathletiktraining wird als "komplexes und revolutionäres Thema" im sportlichen Training bezeichnet und damit als "die Chance und den Anfang, den Deutschen Sport zu verändern".

Eine optimale körperliche Leistung ist nur dann möglich, wenn das Gehirn hochwertige Informationen von Augen, Gleichgewichtssystem und Körper erhält. Mit diesem revolutionären Ansatz der Neuroathletik lassen sich die Informationsaufnahme und -verarbeitung gezielt trainieren und die sportliche Leistung erheblich verbessern.

Die Prinzipien der Neuroathletik

Das Neuroathletiktraining basiert auf dem Verständnis, wie das Gehirn den Körper und die Bewegung steuert. Es bezieht sich darauf, welche neuronalen Anforderungen die Bewegung an das Nervensystem, das Gehirn stellt. Das Gehirn benötigt also Informationen, um optimale Bewegungsprogramme für die jeweiligen Situationen zu erstellen.

Im Kern geht es darum, die neuronalen Prozesse zu optimieren, die beim Training im Hintergrund ablaufen und damit das Endresultat der Bewegung bedingen. Es wird der Wechsel vom bisherigen biomechanischen Ansatz der Bewegung hin zur Beachtung und Nutzung der neuronalen Gesetze der Bewegungsteuerung angestrebt.

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Die Gedanken und Herangehensweisen basieren dabei auf der Arbeit von Dr. Eric Cobb, dem "Pionier" in der Anwendung von Neurologie in der Bewegungswissenschaft und deren Einsatz zur Erlangung schneller positiver Veränderungen im Rahmen von Rehabilitation, Fitness und sportlicher Leistung und seinem Z-Health-System.

Die Rolle des Gleichgewichtssystems

Das Gleichgewichtssystem (vestibuläres System) spielt eine entscheidende Rolle in unserem Training und ist entscheidend für die Leistungsfähigkeit. Es misst Beschleunigungen und liefert dem Gehirn wichtige Informationen über Lage und Orientierung im Raum. Diese Daten stabilisieren Haltung, Körper und Augen und ermöglichen eine effiziente Ausrichtung gegen die Schwerkraft. Ist diese Signalverarbeitung gestört, reagiert das Nervensystem oft mit Instabilität, Leistungsabfall oder sogar Schutzmechanismen wie Muskelhemmung. Ein trainiertes Gleichgewichtssystem sorgt daher für effizientere Bewegungen, bessere Koordination und höhere Leistungsfähigkeit.

Neuroathletik im Breiten- und Leistungssport

Neuroathletik ist nicht nur für den Spitzensport gedacht, sondern lässt sich auch sehr gut im Breitensport und in der Vereinsarbeit einsetzen. Gerade dort profitieren Sportler:innen von besserer Koordination, höherer Bewegungsqualität, Verletzungsprävention und schnellerer Regeneration. Während im Leistungssport oft die Feinoptimierung im Vordergrund steht, geht es im Breitensport eher um Gesundheit, Spaß an Bewegung und langfristige Belastbarkeit - und genau hier kann Neuroathletiktraining einen großen Mehrwert bieten.

Missverständnisse und Mythen über Neuroathletik

Neuroathletik ist keine Trainingsmethode wie es oft medial dargestellt wird, sondern eher eine Tätigkeitsbeschreibung und stellt individuelle neurophysiologische Gegebenheiten in den Vordergrund. Daher gibt es keine One-Fits-All Lösungen oder ein allgemeines NAT, dass man einfach in das Training integrieren kann. Das Nervensystem ist so individuell wie ein Fingerabdruck, diesem versucht das NAT etwas gerechter zu werden.

Neuroathletiktraining ersetzt kein Training oder Therapie, sondern schafft neuronale Rahmenbedingungen, um Training und Therapieprozesse zu optimieren. Muskeln, Ausdauer und Technik entwickeln sich nur dann optimal, wenn das Nervensystem die nötigen Informationen präzise verarbeiten kann. Wenn zum Beispiel das Gleichgewichtssystem oder die Augen nicht sauber arbeiten, „bremst“ das Nervensystem Bewegungen ab, um den Körper zu schützen - die Kraft oder Technik kann dann gar nicht voll ausgespielt werden. Neuroathletik sorgt also dafür, dass klassische Trainingsreize besser ankommen, Bewegungen effizienter werden und Verletzungsrisiken sinken. Es ist die Grundlage, auf der jedes andere Training wirksamer wird.

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Praktische Anwendung der Neuroathletik

Lars Lienhard, ein führender deutscher Experte, zeigt in seinem Buch, wie Neuroathletik in jedes sportliche Training integriert werden kann. Über 90 bebilderte Übungen sind leicht verständlich dargestellt und können überall mit geringem Aufwand trainiert werden.

Die Trainingslehre zielt aufs Gehirn, denn dort werden die Informationen von Augen, Gleichgewichtssystem und Körper aufgenommen und verarbeitet. Mit diesem revolutionären Ansatz der Neuroathletik lassen sich die Informationsaufnahme und -verarbeitung gezielt trainieren und die sportliche Leistung erheblich verbessern.

Das Buch liefert einen kompakten Überblick über die komplexe Neuroathletik. Mit den dargestellten Übungen kann man sein Training ergänzen und um den neuesten Stand der Trainingslehre erweitern. Der Autor verzichtet bewusst auf schwierige wissenschaftliche Erklärung und so wird der Inhalt des neuroathletischen Trainings für jeden verständlich. Durch die strukturelle Darstellung wird dieses Buch zum Nachschlagewerk für viele Trainingsgestaltungen. Durch die Anfänger- und Fortgeschrittenen-Bereiche lässt sich das Training aufs Leistungsvermögen abstimmen.

Assessments

Assessments sind Tests, die zeigen, wie das Training wirkt. Es ist wichtig, die Trainingsergebnisse auszuwerten.

Das propriozeptive System

Das propriozeptive System spielt eine wichtige Rolle, da es dem Gehirn ermöglicht, unsere Bewegung wahrzunehmen. Gut kontrollierbare Gelenke steigern die Leistung. Es gibt spezielle Assessments für das propriozeptive System.

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Neuro-Mobility

Nervdehnungen verbessern neuromechanische Bedingungen. Neuro-Mobility ist die aktive Gelenkkontrolle. Es gibt Trainingsempfehlungen für das Neuro-Mobility-Training.

Das Gleichgewichtssystem

Es ist wichtig zu verstehen, was gemeint ist, wenn wir vom Gleichgewicht sprechen. Der Aufbau des Gleichgewichtstrainings ist entscheidend. Es gibt Assessments für das Gleichgewichtssystem sowie vorbereitende Übungen, Basistraining und Fortgeschrittenentraining für das Gleichgewicht.

Das visuelle System

Grundlagen des visuellen Systems und des Augentrainings sind wichtig. Es gibt Assessments für das visuelle System, vorbereitende Übungen und unterstützende Maßnahmen, Basistraining und Fortgeschrittenentraining für die Augen.

Training der Bewegung

Nur wer stabil steht, kann sich optimal bewegen. Es ist wichtig, die willkürliche Bewegung und die reflexive Stabilität zu trainieren.

Neuroathletik in der Praxis: Ein Interview mit Julian Roefs

Julian Roefs entdeckte die Neuroathletik zunächst durch eigene Erfahrungen - heute begeistert er damit Patienten und Sportler. Im Interview erklärt er, warum unser Gleichgewichtssystem der Schlüssel zu effizienter Bewegung und Leistungsfähigkeit ist und wie Neuroathletik (NAT) nicht nur im Spitzensport, sondern auch im Vereinsalltag funktioniert.

Der Weg zur Neuroathletik

Auf Neuroathletiktraining bin ich über meine eigenen Problematiken gestoßen, die ich loswerden wollte. Außerdem habe ich bei Patient:innen gemerkt, dass es nach einer gewissen Zeit in verschiedenen Therapiestadien keine Fortschritte mehr gab. Das hat mich motiviert, nach neuen Zugängen zu suchen. Den entscheidenden Impuls, mich tiefer mit dem Thema Neuroathletiktraining auseinanderzusetzen, gaben mir schließlich ein Video von Dr. Eric Cobb und verschiedene Blogartikel von Lars Lienhard.

Die Faszination des Zusammenspiels zwischen Gehirn und Bewegung

Mich begeistert, dass sämtliche Bewegungsprogramme von den neuronalen Grundbedingungen abhängen. Das bedeutet: Jede Bewegung ist letztlich Ausdruck davon, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet.

Konkrete Erfahrungen mit der Wirksamkeit von Neuroathletik

Besonders eindrücklich ist für mich, dass sich oftmals sofort Verbesserungen zeigen - manchmal innerhalb von Sekunden. Gleichzeitig lassen sich diese Effekte langfristig aufbauen. Am meisten berührt mich, wenn Menschen mit schwierigen Startbedingungen durch die Behandlung massive Fortschritte erzielen, die vorher lange nicht vorstellbar waren.

Neuroathletiktraining in einfachen Worten

Einfach erklärt, bezieht sich das Neuroathletiktraining darauf, wie das Gehirn den Körper und die Bewegung steuert. Dabei gucken wir, welche neuronalen Anforderungen die Bewegung an das Nervensystem, das Gehirn stellt. Welche Informationen braucht also das Gehirn, um optimale Bewegungsprogramme für die jeweiligen Situationen zu erstellen.

Tipps für den Trainingsalltag

Weg vom starren, genormten Training, das eher beschränkt und weg von der Angst Fehler zu machen. Stattdessen hin zu einem spielerischen Umgang mit Bewegung in allen Bewegungsebenen - und dazu, sich selbst wieder mehr Vielfalt und Freiheit in der Bewegung zu erlauben.

Weitere Aspekte des Trainings

Neben dem Neuroathletiktraining gibt es auch andere Aspekte, die das Training beeinflussen können.

Atmung

Es geht bei der Atmung immer um das Gleichgewicht. Mit dem Relaxator kann man die Atmung trainieren. Der Cardihaler ist ein Gerät, das der eingeatmeten Luft zusätzliches Kohlendioxid hinzufügt und gleichzeitig die Menge an eingeatmetem Sauerstoff reduziert. Sobald man den Cardisuit-Anzug trägt, wird zunächst die gesamte Luft durch Vakuum abgepumpt und dann wird der Anzug mit 100 % Kohlendioxid gefüllt.

Functional Band Training

Für Athleten, die neu im Functional Band Training sind, gibt es Starter-Sets, um sofort mit dem Functional Band Training zu beginnen - egal ob zuhause oder unterwegs.

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