Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Die Symptome und der Verlauf der MS können von Person zu Person stark variieren, was die Entwicklung individueller Therapieansätze erforderlich macht. Neben medikamentösen Behandlungen spielt das Training eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Symptome und der Verbesserung der Lebensqualität von MS-Patienten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Trainingsansätze bei MS, wobei die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen der verschiedenen MS-Arten berücksichtigt werden.
Die Bedeutung des Trainings bei MS
Bewegung hat vielzählige positive und gesundheitsfördernde Eigenschaften. Gleichgültig, auf welchem sportlichen Niveau - Sie profitieren von Sport und Bewegung! Denn durch ein Sporttraining, das auf Ihre Möglichkeiten und Bedürfnisse ausgerichtet ist, können Sie einige Symptome und Begleiterkrankungen gezielt verbessern oder ihnen vorbeugen. Körperliches Training kann dazu beitragen, die körperliche Funktion zu erhalten oder zu verbessern, Fatigue zu reduzieren, die Stimmung zu heben und die Lebensqualität zu steigern. Es ist wichtig zu beachten, dass Training bei MS individuell angepasst werden muss, um den spezifischen Bedürfnissen und Fähigkeiten jedes Einzelnen gerecht zu werden.
Individuelle Trainingspläne
Mithilfe von individuellen Trainingsplänen können kognitive Fähigkeiten gut und gezielt trainiert werden. Gemeinsam mit ÄrztInnen und TherapeutInnen wird ein individueller Trainingsplan erstellt und über mehrere Wochen hinweg durchlaufen. Durch das intensive Training und die direkte Betreuung erlernen Sie einen passenden Umgang mit diesen Schwierigkeiten. Was gut für den Körper ist und wo persönliche Grenzen liegen, merkt man selbst am besten. Das Motto „Höher, schneller, weiter…" vergisst man besser schnell. Denn wenn man die eigenen Grenzen nicht beachtet, kann sich der positive Effekt von Bewegung auch ins Negative umkehren. Auch wenn es beim Sport hin und wieder darum geht, die eigenen Grenzen auszuloten - vorrangig ist, dass Sie sich bei MS durch körperliche Anstrengung nicht überfordern. Versuchen Sie stets, Ihre persönlichen Leistungsgrenzen zu erkennen und zu respektieren, selbst, wenn das nicht immer leicht ist. Das gilt für alle Sportler, ob mit oder ohne MS. Hören Sie immer auf die Signale Ihres Körpers. Empfehlenswert ist ein moderates Training mit genügend Erholung zwischen den Einheiten. Richten Sie es so ein, dass sich Zeiten körperlicher Aktivität immer mit ausreichenden Ruhephasen abwechseln. Ausgeprägter als bei Gesunden kommt es bei Menschen mit MS zu täglichen Schwankungen der individuellen Leistungsfähigkeit. Wenn Sie Ihren Leistungsschwankungen etwas stärker nachfühlen möchten, kann Ihnen ein Sporttagebuch helfen, die Ursache dafür zu erkennen.
Berücksichtigung der MS-Art
Es gibt verschiedene Formen von MS, darunter schubförmig-remittierende MS (RRMS), sekundär progrediente MS (SPMS), primär progrediente MS (PPMS) und progredient-schubförmige MS (PRMS). Jede Form hat ihre eigenen Merkmale und Auswirkungen auf die körperliche Funktion. Daher ist es wichtig, die Art der MS bei der Entwicklung eines Trainingsplans zu berücksichtigen.
- Schubförmig-remittierende MS (RRMS): Bei RRMS treten Schübe auf, gefolgt von Phasen der Remission, in denen sich die Symptome ganz oder teilweise zurückbilden. Während der Schübe kann es notwendig sein, das Training anzupassen oder zu pausieren. In den Remissionsphasen kann das Training dazu beitragen, die körperliche Funktion wiederherzustellen und zu verbessern.
- Sekundär progrediente MS (SPMS): SPMS entwickelt sich oft aus RRMS und ist durch eine allmähliche Verschlechterung der Symptome ohne deutliche Schübe oder Remissionen gekennzeichnet. Das Training kann dazu beitragen, die Progression der Behinderung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten.
- Primär progrediente MS (PPMS): PPMS ist durch eine von Anfang an stetige Verschlechterung der Symptome ohne Schübe oder Remissionen gekennzeichnet. Das Training kann dazu beitragen, die körperliche Funktion so lange wie möglich zu erhalten und die Unabhängigkeit zu fördern.
- Progredient-schubförmige MS (PRMS): PRMS ist eine seltene Form der MS, die durch eine stetige Verschlechterung der Symptome mit gelegentlichen Schüben gekennzeichnet ist. Das Training sollte sowohl auf die progressiven Symptome als auch auf die Schübe abgestimmt sein.
Trainingsmethoden für MS-Patienten
Es gibt verschiedene Trainingsmethoden, die für MS-Patienten geeignet sein können. Dazu gehören:
Lesen Sie auch: Autogenes Training: Eine Einführung
- Aerobes Training: Aerobes Training, wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen, kann die Herz-Kreislauf-Gesundheit verbessern, die Fatigue reduzieren und die Stimmung heben.
- Krafttraining: Krafttraining kann die Muskelkraft und -ausdauer verbessern, was die Bewältigung alltäglicher Aufgaben erleichtern kann.
- Flexibilitäts- und Dehnübungen: Flexibilitäts- und Dehnübungen können die Beweglichkeit verbessern und Muskelsteifheit reduzieren.
- Gleichgewichts- und Koordinationsübungen: Gleichgewichts- und Koordinationsübungen können das Gleichgewicht verbessern und das Risiko von Stürzen verringern. Für MS-Betroffene kann es vor allem hilfreich sein, Bewegungen zu üben, die auch im Alltag wichtig sind. Übungen mit Fokus auf Koordination und Sensomotorik eignen sich gut. So optimieren Sie Bewegungsabläufe.
- Mentales Bewegungstraining: Ein mentales Bewegungstraining, bei dem Menschen sich die körperliche Aktivität nur vorstellen, hilft MS-Patienten. Es verbessert das Gehvermögen, die Fatigue und die Lebensqualität. An der vergleichsweise kleinen Studie nahmen 60 Patienten mit multipler Sklerose teil. Sie alle litten unter milden bis moderaten motorischen Behinderungen, gemessen auf der EDSS-Leistungsskala. Die Forscher teilten die Probanden in drei Gruppen ein: Die einen erhielten ein mentales Bewegungstraining, das mit Musik und Sprachanweisungen arbeitete. Diese wurden über eine CD abgespielt. Während die Musik lief, bekamen die Probanden verbale Instruktionen zu Bewegungen, die sie sich vorstellen sollten. Eine zweite Gruppe erhielt nur die musikalische Anleitung, die dritte Gruppe nur Bilder zu bestimmten Bewegungen ohne jegliche musikalische oder sprachliche Hilfestellung. Anschließend bestimmten die Forscher sowohl die Gehgeschwindigkeit als auch die Länge der Strecke, die die Probanden schafften. Als erstes fanden die Forscher heraus, dass sämtliche Probanden zur motorischen Visualisierung fähig waren. Alle Arten des mentalen Bewegungstrainings - mit Musik/Sprache, nur Musik oder keines von beiden - mündeten in einer deutlichen Verbesserung der Gehgeschwindigkeit und der zurückgelegten Strecke. Allerdings erwies sich das Training mit Musik und Sprachanleitung im Vergleich zu den anderen beiden Optionen als deutlich überlegen. Keine Veränderung bei chronischer Erschöpfung und Lebensfreude stellten die Forscher fest, wenn Musik oder Sprache fehlten. "Wir vermuten, dass die Ergebnisse auf die Wirkung der Musik und Sprache zurückzuführen sind", schreiben die Studienautoren. Auch die Synchronisation der Bewegungen mit dem Rhythmus gelang durch musikalische und sprachliche Hilfestellungen am besten. Vermutlich helfen die Musik und Sprache den Patienten, die visualisierten Momente zu verstärken. Die Forscher gehen davon aus, dass die mentale Vorstellung von Bewegung die gleichen Gehirnareale aktiviert, wie wenn sich ein Mensch tatsächlich bewegt. Die Visualisierung von Bewegungen nutzen viele Sportler, um ihre Bewegungsabläufe oder ihre Geschwindigkeit zu verbessern. Seebacher, B. et al.: Effects and mechanisms of differently cued and non-cued motor imagery in people with multiple sclerosis: A randomised controlled trial.
- Neuropsychologische Reha: Mittlerweile gibt es viele Angebote zur neuropsychologischen Reha für MS-Betroffene. Diese umfassen sowohl stationäre als auch ambulante Behandlungen.
Kognitives Training
Es gibt keine medikamentösen Therapien speziell gegen Beeinträchtigungen wie Vergesslichkeit oder Konzentrationsprobleme. Indem Sie Ihre krankheitsmodifizierende Therapie konsequent einhalten, wird nicht nur das Fortschreiten der Krankheit bestmöglich kontrollierbar. Effekte von Gehirntrainings können aber verstärkt werden, wenn Sie diese mit körperlicher Aktivität verbinden.
Psychologische Unterstützung
Im Umgang mit Multipler Sklerose spielen auch psychologische Faktoren eine wichtige Rolle. Psychologische oder psychotherapeutische Betreuung können den Umgang mit der Krankheit verbessern. Holen Sie sich Unterstützung. Oft helfen schon Gespräche in der Familie oder mit FreundInnen. Aber auch ein Austausch mit anderen Betroffenen stellt eine gute Quelle für neue Sichtweisen dar. Versuchen Sie Aktivitäten oder Tätigkeiten zu akzeptieren, die Ihnen nicht so gut gelingen.
Wichtige Aspekte beim Training mit MS
- Überhitzung vermeiden: Ihr Körper kann auf sehr intensives Training mit dem sogenannten Uhthoff-Phänomen reagieren. Durch die erhöhte Körpertemperatur kommt es dann häufig zu einer vorübergehenden Leistungsverschlechterung der Nervenfasern. Dadurch können neurologische Symptome verstärkt auftreten, ähnlich wie bei einem MS-Schub. Die Symptome treten z. B. als Sehstörungen, Müdigkeit, Lähmungen, Muskelsteifigkeit oder Koordinationsstörungen in Erscheinung. Dieses Phänomen wird manchmal auch als Pseudoschub bezeichnet. Sorgen Sie bei Überhitzung für Abkühlung (kalte Getränke, Kühlelemente u.
- Leistungsschwankungen berücksichtigen: Ihre Hirnleistung kann nicht auf direktem Wege durch Physiotherapie verbessert werden. Ausgeprägter als bei Gesunden kommt es bei Menschen mit MS zu täglichen Schwankungen der individuellen Leistungsfähigkeit.
- Feedback einholen: Ihr Feedback hilft anderen Nutzern die für sie passenden Kurse zu finden. Wir entwickeln fortlaufend neue Kurse und lernen dabei nie aus. Dabei berücksichtigen wir gerne Ihre Wünsche und Anregungen. Wir freuen uns daher sehr über Ihr Feedback. Bitte beachten Sie, dass wir keine personenbezogenen medizinischen Auskünfte geben können. Sollten Sie dazu Fragen haben, klären Sie diese bitte in einem persönlichen Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.
Lesen Sie auch: Die Rolle des Gehirns im Sport
Lesen Sie auch: Ausbildung zum Neurologen